Alte_Bücher_Archiv.jpg
D wie Does

Aus den Anfangsjahren der Firma Philipp Does & Söhne in Kreuznach

Bild: Zeitungsanzeige zur Eröffnung von Philipp Does & Söhne

 1890 eröffnete der „Photograph“ Philipp Dös/Does in Kreuznach „nächst dem Kurgarten“ in der Elisabethstraße 6 ein photographisches Atelier im „Gartenhaus der Villa Ehlsheimer“ des Badehausbesitzers Ludwig Ehlsheimer. Auf einer im Stadtarchiv überlieferten „Carte-de-Visite“, die vom „Atelier Does“ stammt und die das Portrait eines unbekannten älteren Mannes zeigt, verweist der rückseitige Werbeaufdruck „Atelier Does, Bad Kreuznach, Alzey, Kirchheimbolanden“ auf diese frühe Phase seines Berufslebens in Kreuznach.

Philipp Does wurde im Königreich Bayern am 12. Mai 1839 in Einselthum als Sohn des Landwirts Peter Does und dessen Frau Eva Reinhardt geboren. Bevor er 1890 nach Kreuznach zog, um sich dort als Fotograf dauerhaft niederzulassen, betrieb er sowohl in Kirchheimbolanden als auch in Alzey ein Fotoatelier. Seinen Lebensmittelpunkt hatte er bis dahin in der sogenannten Kleinen Residenz in Kirchheimbolanden.

Im April 1893 kaufte Philipp Does für 44.000 Mark von „Frau Hotelier Thomas-Kaiserslautern“ das in der Kurhausstraße 14 gelegene Privathotel „Prinz von Preußen“. Noch im gleichen Monat stellte er ein „Bauerlaubnisgesuch“ zur Errichtung eines „Ateliers“. Wenig später, am 1. Juli 1893, eröffnete er auf seinem zwischen Kurhausstraße und Nahe gelegenen Grundstück in unmittelbarer Nähe zum Kurhaus sein „Neues Atelier I. Ranges“. Mitte September zog Does in das mehrgeschossige Wohnhaus um, das zu diesem Zeitpunkt noch von einigen Mietern bewohnt war. Anfang Oktober des gleichen Jahres folgten ihm von Kirchheimbolanden kommend seine 1837 in Worms geborene Ehefrau Katharina Margaretha Horn und seine Söhne Adolf, Karl und Robert.

Bild: Frontansicht Atelier Does

Das im exklusiven Kurviertel „vis-à-vis Tivoli“ gelegene „großvolumige und dreigeschossige Gäste- und Badehaus“, war, laut Denkmaltopographie der Stadt Bad Kreuznach, um 1850 errichtet worden. Der Bau soll von Paul Wallot, dem späteren Schöpfer des Berliner Reichstags, geplant worden sein. Das Haus stellt sich als ein anspruchsvoller Putzbau mit klassizistischen Sandsteingliederungen und traufständigem Satteldach dar. Die zur Kurhausstraße gerichtete Fassade des ehemaligen Privathotels sollte an eine Villa der italienischen Renaissance erinnern.

Philipp Does verwirklichte in den folgenden Jahren auf seinem Grundstück das Prinzip vom „leben, arbeiten und wirtschaften“. Neben wenigen Mietern wohnten mit ihm und seiner Frau seine als Fotografen ausgebildeten Söhne, zu denen sich nach der Verheiratung von Adolf und Karl Does zunächst auch deren Ehefrauen und Kinder gesellten. Das Leben in der Großfamilie sicherte die permanente Erreichbarkeit, mit der die Firma 1894 warb: „Atelier täglich, auch Sonntags geöffnet“.
Das Angebot an Fotografen, die vor Ort ihre Dienste anboten, war groß. Neben Philipp Does, der 1897 mit seiner Firma Ph. Does & Söhne im Adressbuch warb, waren dies: August Eisenbraun, Louis Kauffmann Wwe., Georg Lutz, Wilhelm Mayr und Rudolf Ragutzky. Zu dieser Zeit ist mindestens Philipps Sohn Adolf als gleichberechtigter Partner im Geschäft tätig. 1901 verlässt Robert Does Kreuznach, um sich dauerhaft in Alzey niederzulassen. Seine Brüder Adolf und Karl werden mit ihrem Vater Philipp als Teilhaber der Firma Ph. Does & Söhne geführt.

Bild: Retusche/Plan Does

Nach dem Erwerb 1893 wurden in den darauffolgenden Jahren auf dem Grundstück und an den zwei schon vorhandenen Gebäuden, dem Vorder- und dem Hinterhaus, An-, Um- und Neubauten vorgenommen. Neben dem schon erwähnten neuen Atelier z.B. ein Schuppen und ein Hühnerstall. 1899 folgte ein aufwendiger Um- und Erweiterungsbau des photographischen Ateliers „der Herren Ph. Does & Söhne“, der den wirtschaftlichen Erfolg, die weitere Technisierung der Firma und die damit verbundenen technischen Veränderungen in der Produktion widerspiegelt. Das alte „Photogr. Atelier“ besaß eine Länge von 21,5 m. Es setzte sich aus zwei baulich und inhaltlich abgegrenzten Teilen zusammen, einem mit Satteldach versehenen Bereich mit Arbeits- und Wartezimmer sowie Toiletten und dem daran anschließenden 12 m langen Fotoatelier, das sich sowohl durch Höhe, Breite und der Art der Ausführung von dem davor befindlichen Teil absetzte. Hervorstechend waren dabei die Dachkonstruktion, ein Glasdach, das Tageslichtaufnahmen möglich machte, wie auch die mit sechs großformatigen, rechteckigen Fensterscheiben versehene Verglasung der zum Hof weisenden Seite des Ateliers.
Der Um- und Erweiterungsbau verweist in der spezifischen Benennung von Arbeitsräumen auf die Ausdifferenzierung von Arbeitsvorgängen, neuer Techniken und eine Erweiterung des Angebotes der Firma. Der vorhandene Atelierraum verkleinerte sich zugunsten der notwendigen Arbeitsräume. Im Erdgeschoss traten neben Empfang, Privatarbeitszimmer und einem weiteren Arbeitszimmer, ein Raum für Vergrößerung, ein Wässerungs- und Kopierraum sowie eine Dunkelkammer hinzu. Unter der Treppe, die in das darüber liegende Stockwerk führte, war ein Platz für diverse Utensilien vorgesehen. Im Obergeschoss befanden sich ein großzügiges Atelier, Toiletten, eine Dunkelkammer und ein kleiner Vorraum. Die zweiteilige Struktur des Baus blieb äußerlich erkennbar, wenn auch die vormals großzügigen Glasflächen verkleinert und Fenster in den neugewonnenen Arbeitsräumen eingesetzt wurden. Dass sich die Firmenbesitzer am Puls der Zeit bewegten und innovativ dachten und handelten, zeigen die Pläne von 1896 zur Errichtung eines Schaukastenpavillons und von 1902 zur Errichtung eines Schaukastens. Neben einem kunstvoll gestalteten Werbeschild, das an den Pavillon angebracht wurde, warben Anzeigen, Reklame und Werbetexte in Zeitungen, Adressbüchern, Zeitschriften usw. um Kunden.

Von 1893 bis 1908 erweiterte die Firma kontinuierlich ihr Angebot. Zu den Fotoarbeiten, Portrait- und Gruppenaufnahmen in Visit- oder Kabinettformat, lebensgroßen Photographien, Momentaufnahmen z.B. bei Pferderennen, ausgeführt in „Albumin-, Celodin- und Platin-Druck, Vergrößerungen in schwarz oder gemalt, Pigment-Abzügen in verschiedenen Farben auf Papier, Façettegläser, Teller und Broschen“, „Kreidezeichnungen und Ölmalerei“, gesellten sich „Postkarten  mit Photographien, Photographische Apparate, Kodaks, Films und Platten“ sowie die „Fertigstellung sämtlicher Arbeiten für Amateure“. 

Die Firma Philipp Does & Söhne bildete auch Lehrlinge aus. So lebte von April 1907 bis April 1910  der in Solothurn im Kanton Bern geborene Eugen Friedrich Does in der Kurhausstraße 14, wo er als „Photografenlehrling“ tätig war.

1908 wird Philipp Does im Adressbuch als Privatier geführt. Er stirbt am 27. Juli 1914 „an Herzschlag“, unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges.


Entstehungsjahr dieses Artikels: 2016
Verfasserin: Franziska Blum-Gabelmann
Fotos: StAKH Fotoarchiv

Die korrekte und vollständige Funktion unserer Dienste setzt Cookies voraus. Mit einem Klick auf die Schaltfläche [OK] willigen Sie ein, dass unsere Internetdomäne Cookies verwendet.