Alte_Bücher_Archiv.jpg
B wie Baruch

Bild: Ankündigung eines Kampfes mit Hermann Baruch im Jahre 1924

2015 werden erstmals in Deutschland die „European Maccabi Games“ in Berlin stattfinden. Anlässlich dieses Ereignisses zeigt eine eigens dafür konzipierte Ausstellung mit dem Titel „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ berühmte jüdische Sportler. Auf dem Washingtonplatz werden 17 Ausnahmesportler vorgestellt, darunter die Bad Kreuznacher Julius und Hermann Baruch. Damit werden zwei Sportler geehrt, die als erfolgreiche Ringer und Schwerathleten für Deutschland, ihre Heimatstadt und ihren Verein bedeutende Erfolge erzielt und viele Auszeichnungen errungen haben.


Julius Baruch wurde am 7.9.1892 in Gemünden und Hermann Baruch am 4.11.1894 in Kreuznach geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem sie als Frontkämpfer teilgenommen hatten, machten sie in den 1920er Jahren durch ihr Engagement für den Kraftsport, insbesondere jedoch durch ihre sportlichen Leistungen in diesem Bereich von sich reden. Julius, von Beruf Buchdrucker, errang 1920 bei den deutschen Meisterschaften im Gewichtheben in Stuttgart eine Bronzemedaille.
1924 bei den Europameisterschaften in Neunkirchen holte Hermann Gold im Ringen und Julius Gold im Gewichtheben und Silber im Ringen. Die Leistungen von Julius wurden in der Lokalpresse mit den Worten kommentiert: „Julius Baruch vollbrachte Leistungen, die man seit Jahren nicht mehr von ihm sah“ kommentiert.
Die ASV Athletik-Sportvereinigung 03 Bad Kreuznach, der Julius und Hermann angehörten, erlangte 1925 den ersten Deutschen Meistertitel als Mannschaft. Julius zog sich danach langsam aus dem Leistungssport zurück und übernahm Trainerfunktionen, sein Bruder Hermann erreichte mit der Mannschaft 1928 erneut den Meistertitel. Diesen sportlich erfolgreichen und bewegten Jahren, in denen sich beide eine sichere bürgerliche Existenz aufbauten, folgte aufgrund der Veränderung des politischen Klimas mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten ein gravierender Einschnitt in die Lebensentwürfe von Julius und Hermann Baruch. Ab 1933 wurde das Leben für die jüdischen Brüder und ihre Familien aufgrund der diskriminierenden antisemitischen Maßnahmen und Gesetze immer unerträglicher. Julius erhielt 1933 Trainerverbot. Es folgten Anfeindungen und tätliche Übergriffe, etwa 1937 durch SA-Männer. Im November 1938 wurde Julius verhaftet und zu einer 9-monatigen Gefängnisstrafe wegen Beihilfe zu einem sogenannten Devisenverbrechen verurteilt. Kurz vor Kriegsende wurde er nach Buchenwald deportiert, wo er im April 1945 starb. Hermann Baruch flüchtete nach Belgien, wo er festgenommen wurde. 1939 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.

Bild: Einladung zum Kampf mit Hermann Baruch im Jahre 1924


Baruch wurde nach Gurs verbracht, dort interniert und anschließend nach Auschwitz deportiert, wo er starb. Die Stadt Bad Kreuznach ehrte die erfolgreichen Ausnahmesportler, die im „Dritten Reich“ wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und ermordet wurden mit einer Straßenbenennung: Gebrüder-Baruch-Straße.

Grundlage dieser Ausführungen sind u.a. Unterlagen des Stadtarchivs sowie Veröffentlichungen von Kerstin Zehmer

















Entstehungsjahr dieses Artikels: 2015
Verfasserin: Franziska Blum-Gabelmann
Fotos: StAKH Fotoarchiv

Die korrekte und vollständige Funktion unserer Dienste setzt Cookies voraus. Mit einem Klick auf die Schaltfläche [OK] willigen Sie ein, dass unsere Internetdomäne Cookies verwendet.