Blum-Gabelmann: Michel Mort der Kreuznacher 1279

Ein Denkmal von Robert Cauer dem Jüngeren (1863-1947)

Am 28. September 1902 wurde auf dem Eiermarkt der Stadt Kreuznach das Denkmal „Michel Mort der Kreuznacher Sprendlingen 1279“ von Robert Cauer dem Jüngeren (1863-1947) unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht. Es erinnert an den Kreuznacher Metzger Michel Mort, der in der Schlacht bei Sprendlingen 1279 unter Hingabe des eigenen Lebens seinen Lehnsherrn Graf Johann von Sponheim (genannt Johann der Lahme) vor Tod oder Gefangennahme rettete.

Der Mythos um Michel Mort entwickelte sich über viele Jahrhunderte und besteht bis heute in einer ungewöhnlichen Vitalität. Seit dem 13. Jahrhundert lebte er neben wenigen schriftlichen Hinweisen in einer reichen mündlichen Überlieferung, die in Sagen, Legenden, Balladen und Liedern verbreitet, erzählt und tradiert wurde. Vom ausgehenden 18. Jahrhundert an gab es eine verstärkt einsetzende Rezeption des Themas, getragen von regionalen und lokalen Schriftstellern und Künstlern sowie gebildeten Dilettanten. Alle Ausführungen, die dem Ursprünglichen, der Tat Michel Morts, beigefügt wurden, wurden in der Folgezeit zitiert, kommentiert, ergänzt, interpretiert und weiterentwickelt. Damit fand eine permanente Neuschöpfung des Themas statt, die zum einen die Projektionen verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen zu verschiedenen Zeiten dokumentiert, und zum anderen das ungebrochene Fortdauern des Mythos und seinen hohen Identifikationsfaktor verdeutlicht.[1]

Das Denkmalprojekt Michel Mort wurde in der Stadt Kreuznach in den Jahren 1899 bis 1902 initiiert und umgesetzt. Das Anliegen des Komitees, einer Gruppe von 30 Männern, die neben der wirtschaftlichen auch der politischen und administrativen Elite der Stadt sowie dem Bildungsbürgertum zuzuordnen waren, ist daher in den historischen Kontext der Jahrhundertwende zu setzen und daraus zu erklären. Die Gründung des Denkmalkomitees ist als die Tat einer Gruppe mit weitgehend übereinstimmenden Interessen, Normen, Wertorientierungen, Ansprüchen und Bedürfnissen, Verhaltensmustern und ästhetischem Empfinden zu werten. Es scheint, dass es genau dieser Gruppe und des beschriebenen Zeitfensters bedurfte, um das Denkmalprojekt mit Hilfe des vor Ort lebenden Bildhauers Robert Cauer d. J. umzusetzen, nachdem einige Versuche, dem Kreuznacher Lokalhelden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert ein Denkmal zu setzen, gescheitert waren.

Der Bildhauer Robert Cauer der Jüngere (1863 – 1947). Eine Skizze

Robert Cauer der sich „der Jüngere“ nannte, um sich von seinem Onkel Robert Cauer dem Älteren (1831-1893) zu unterscheiden, stammte aus der seit 1831 in Kreuznach ansässigen Bildhauerdynastie Cauer. Er wurde am 03. Januar 1863 in Kreuznach, als Sohn von Carl Cauer und Helene Schmidt geboren. Robert besuchte das Kgl. Preußische Gymnasium in Kreuznach, das er frühzeitig verließ, um sich ganz seiner künstlerischen Ausbildung als Bildhauer zu widmen. Von Dezember 1880 bis 1882 lebte und arbeitete er in Rom. Zurück in Kreuznach war er künstlerisch tätig und diente seine Militärzeit ab, die er 1885 beendete. 1887 folgte ein weiterer Arbeitsaufenthalt in Rom, wo er bis 1889 blieb. Ende 1889 reiste er, von einer Stippvisite in London unterbrochen, nach Amerika, wo er verschiedene Aufträge ausführte. Zurück in Deutschland arbeitete er abwechselnd in Kreuznach und Berlin.

In dieser Phase seines Schaffens entstehen erstmals großformatige Vollplastiken, wie seine Arbeit an dem Denkmal „Michel Mort der Kreuznacher Sprendlingen 1279“. Thematisch anspruchsvoll setzte er die heroisierende Phantasie der Zeitgenossen um die legendenumwobene Gestalt des Lokalhelden in ein lebensgroßes Gruppenbild um, das durch die Dramaturgie der Gestaltung die Auftraggeber und später die Bevölkerung begeisterten.[2] Das Cauersche Denkmal greift ein zeittypisches Bild von Männlichkeit und männlicher Tugend auf. Der in Kreuznach beheimatete Künstler bediente sich der bekannten Geschichte und des Motivs. Er nutzte diese als Projektionsfläche für eine zeitgenössische Interpretation von Werten wie Loyalität, Tapferkeit, Mut und Treue. Das historisierend ausgeführte Michel-Mort-Denkmal ist ein Werk mit einer klaren politischen Aussage. Es stellt im Sinne einer Neuinterpretation eine Aufforderung an die Männer der Stadt dar, sich als mögliche Soldaten einem übergeordneten Ganzen zu opfern, treu, mutig, beherrscht, willensstark, kameradschaftlich, körperlich abgehärtet, selbstbewusst, und vor allem loyal, aus nationalem Empfingen heraus und verinnerlichtem Patriotismus, ihrem Herrn, dem preußischen deutschem König und Kaiser, für Gott, Volk und Vaterland zu folgen. Der Lokalheld wird zur Identifikationsfigur, zum „Kreuznacher Nationalheld“ uminterpretiert. Bürgerpflicht und Bürgertreue avancieren zu Staatsbürgertum, Vaterlandsliebe und Patriotismus. Nicht ohne Grund unterstützte der Kaiser das Projekt finanziell, was einer Anerkennung der ideologischen Botschaft des Denkmals und der vordergründig politisch motivierten Absicht der Denkmalmitglieder gleich kam. Die abgebildete Skulptur, die miteinander verbundene und aufeinander bezogene Personengruppe Michel Mort und Graf Johann von Sponheim ist als eine abstrahierte Darstellung von Staatsbürgertum und Vaterlandsverteidigung zu verstehen. Sie verweist auf die konstitutive Verbindung von Nation und Militär.

In die Zeit der Jahrhundertwende fallen erste Reliefarbeiten, die später Cauers Hauptsujet sein werden. Sie bestachen durch ihre vielseitigen, geistig-symbolischen Inhalte der Darstellungen. 1902 heiratete Robert Cauer d. J.  Charlotte Ewald und gründete mit ihr eine Familie. Er reiste 1904 für etwa drei Monate erneut nach Amerika. Ab 1906 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Darmstadt. Dort fand er seinen eigenen Stil und fertigte hauptsächlich Reliefarbeiten an. Arbeiten übernahm er von öffentlichen, kirchlichen und privaten Auftraggebern. Robert Cauer d. J. etablierte sich in Darmstadt und avancierte dort zu einem anerkannten Bildhauer. 1911 folgte die dritte Amerikareise, erneut von einem Kurzaufenthalt in London unterbrochen. Am 25.11.1916 wurde ihm von dem hessischen Großherzog Ernst Ludwig der Titel eines Professors verliehen. 1917 bekam Prof. Robert Cauer d. J. die hessische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Robert war nachweislich bis 1942 künstlerisch tätig. Er verstarb am 28.02.1947 in Darmstadt.[3]

Michel Mort und die Schlacht bei Sprendlingen 1279

1492 bis 1505 wurde von Johannes Trithemius, dem damaligen Abt des Klosters Sponheim, die in Latein geschriebene Sponheimische Chronik „Chronikon Spanheimense“ verfasst, in der die Geschichte des Klosters zwischen 1024 und 1509 beschrieben wird. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um die erste schriftliche Quelle handelt, die Bezug auf Michel Mort und die Vorkommnisse im Jahr 1279 nimmt. In dem Text ist zu lesen: „Im 15. Jahr unseres Abtes Petrus ist es zu einem wilden Kampf zwischen dem Erzbischof Werner von Mainz und dem Grafen Johann von Sponheim bei Gensingen wegen der Burg Böckelheim gekommen, die Heinrich, der Bruder des Grafen Johann von Sponheim, diesem Bischof ohne Einverständnis seines Bruders verkauft hatte. Auf beiden Seiten gab es viele Tote, Verwundete und Gefangene. Unter anderem war da ein Metzger von Kreuznach namens Michel Mort, ein starker Mann und sehr mutig, der auf der Seite des Grafen, seines Herrn, so tapfer gegen die Feinde gekämpft hatte, dass er sich wie ein zweiter Maccabaeus einen löblichen Ruf bei der Nachwelt für alle Zeiten verdient hat. Denn er stand mitten zwischen den Feinden und wütete, indem er nach rechts und links sein Schwert schwang, so tapfer gegen sie, dass er allein mehr als 20 getötet hat und sich mit seinem Dolch mitten durch sie einen Weg bahnte. Schließlich wurde er durch die Menge der Feinde überwunden und an den Füßen verwundet. Er stürzte zu Boden, kam wieder zu Kräften, richtete sich, weil er nicht aufstehen konnte, auf den Knien auf, wobei er sich tapfer verteidigte und das Schwert eilfertig ringsum blitzen ließ. So tötete er noch weitere fünf und hat noch mehrere, die herumstanden, verwundet. Zuletzt aber ist er, weil er keinen Helfer hatte und die Seinigen sich teilweise zur Flucht wandten, ruhmvoll gefallen. Zur Erinnerung an eine so große Tapferkeit ist auf jenem Platz ein Stein errichtet worden, in den sein Bildnis eingemeißelt war, und den man bis in unsere Tage sehen kann.“

Und weiter heißt es: „Der Graf von Sponheim ist nur mit Hilfe eines Pferdes durch die Flucht entkommen. Der Graf war aber an einem Fuß lahm, und wurde, als er tapfer kämpfte, von den Feinden umringt und festgehalten. Als das der vorgenannte Michel Mort mit den anderen Metzgern aus Kreuznach sah, drang er mutig auf die Feinde ein und hat seinen Herrn mit dem eigenen Blut befreit. Für diese gute Tat hat der Graf später die Metzger in Kreuznach mit einem eigenen und einmaligen Privileg belohnt“.[4]

In den „Annales Bingenses“, die 1613 von Joannes Schollius zusammengetragen worden sind, ist zu lesen, dass Michel Mort „nachmahlß zum gedächtnuß am selbigen orth (Schlachtfeld bei Sprendlingen) ein stein, darin sein bildnuß außgehauen, auffgericht, der noch bis auf den heutigen tag zu sehen, und derselbe orth von allen umliegenden Michel Mord genend wird“, und 1780 bemerkte Johannes Henricus Andreae in seinem Buch „Crucenacum Palatinum“, dass zum ewigen Andenken an Michel Mort eine steinerne Säule mit seinem eingemeißelten Bild errichtet gewesen sei, wovon jetzt aber nur noch Bruchstücke vorhanden seien, und auch Johann Goswin Widder bestätigte dies noch 1788 in seinem „Versuch einer vollständigen geographisch-historischen Beschreibung der Kurfürstlichen Pfalz am Rheine“. Das Fußgestell der Bildsäule stand noch bis 1828 an dem vor erwähnten Platz und wurde dann wegen dem Bau einer neuen Straße weggeräumt.  Auch in Kreuznach wurde im Andenken an Michel Mort und seine Tat ein Denkmal gesetzt, das noch heute auf der Kauzenburg steht. Es wurde unmittelbar nach Beendigung der französischen Fremdherrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet. Ein Symbol gegen Fremdherrschaft und Unterdrückung, für deutsche Tugenden und einen Neuanfang. Ein Zeitzeuge schrieb 1814: „Gesetzgeber Van Recum hat einen alten Löwen auf den Kautzenberg setzen lassen, mit der Aufschrift Michel Mort. 1279 25. August. Eine Urne und ein Schwert sind die Zierden des Fußgestells“[5].

Die Entstehungsgeschichte des Kreuznacher Denkmals auf dem Eiermarkt

In Kreuznach gründete sich im November 1899 ein „Komitee zur Errichtung eines Michel-Mort-Denkmals“ mit dem Ziel, „die heldenmütige That des Metzgermeisters Michel Mort, dem Urbild von Treue und Tapferkeit durch ein Standbild zu ehren, und die Zahl der hiesigen Sehenswürdigkeiten um ein schönes Denkmal des Kreuznacher Lokalhelden zu vermehren“.[6]

Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Gründung des Denkmalkomitees konnte sich der interessierte Leser in den Kreuznacher Tageszeitungen, dem Öffentlichen Anzeiger (OeA) und dem Generalanzeiger (GA) täglich vom 14. bis zum 17. November 1899 über die Bedeutung Michel Morts und die Notwendigkeit informieren ihm ein Denkmal zu errichten. Wenige Tage nach dem Erscheinen der Artikel am 25. November 1899 teilte der Generalanzeiger mit, dass der Bildhauer Robert Cauer d. J. in seinem Atelier Modelle angefertigt habe, die sich für ein Michel-Mort-Denkmal eignen würden.

Ein Modell stelle den Metzgermeister Mort mit geschwungenem Schwert dar, der den am Boden liegenden Grafen von Sponheim beschützt. Da der Betrachter allerdings nicht recht erkennen könne, gegen wen Mort das Schwert gezogenen habe, und man die Befürchtung hegen müsse, dass dem Standbild dadurch eine gewisse künstlerische Leere anhafte, wurde dieser Vorschlag verworfen.

Ein zweites Modell zeige die Rettung des Grafen Johann durch Michel Mort. Zu sehen sei „Michel Mort in aufrechter Stellung, das markige kühn geschnittene von kurzem Vollbart umrahmte Gesicht dem Feinde zugewandt. Im Gurt trägt er das Metzgerbeil, das Schwert hat er bei Seite geworfen und die beiden kraftvollen Arme heben dem verwundet oder betäubt zu Boden gesunkenen Grafen Johann empor“. Und „obwohl die Figur des Grafen halb liegend und halb hängend als unvorteilhaft angesehen wurde“, wurde dieser Entwurf von dem Komitee bevorzugt und zur allgemeinen Besichtigung in der Neustadt, im Schaufenster der Kunsthandlung Becker in der Mannheimer Straße ausgestellt.

Ein dritter Entwurf, Michel Mort auf einem Fass stehend, seine „flammende Eiermarktrede haltend“, war schon im Vorfeld verworfen und gar nicht erst ausgeführt worden.

Am 19. April 1900 wandte sich das Michel-Mort-Denkmalkomitee mit einer Eingabe an den Chef des Zivilkabinetts in Berlin und bat um eine finanzielle Unterstützung zur Verwirklichung des Denkmals. Bürgermeister Rudolf Kirschstein erhielt Anfang Juni 1900 durch den Regierungspräsidenten in Koblenz die Aufforderung, ihm zu berichten, von wem der Gedanke des Denkmalunternehmens ausgegangen sei, welchen Umfang dasselbe bereits erreicht habe und welche Kosten veranschlagt worden seien. Zudem forderte er ein Gutachten des Kreisbaubeamten über den Kunstwert der von Robert Cauer d. J. angefertigten und in Kreuznach ausgestellten Skizze an.

Kirschstein bat daraufhin den Vorsitzenden des Komitees, Hans Gräff, darzulegen, was das Komitee mit dem Denkmal beabsichtige und welche Kosten das Projekt verursachen würde. Der Kreisbaumeister wurde von ihm verständigt, das geforderte Gutachten zu erstellen. Leider ist über die erfolgte Begutachtung des Kunstwertes der Cauerschen Skizzen durch den Regierungsbaumeister Heusch nichts erhalten geblieben. Wir erfahren nur, dass eine solche erfolgt ist, und zwar anhand der Vorlage von Fotografien der Cauerschen Skizzen.

Wesentlich aussagekräftiger sind dagegen die Erklärungen Hans Gräffs an Kirschstein sowie das von Kirschstein handschriftlich verfasste und überlieferte Antwortschreiben an den Regierungspräsidenten in Koblenz. Gräff schrieb am 25. Juni 1900, dass der Gedanke, „die wackere Gestalt des Kreuznacher Nationalhelden Michel Mort künstlerisch zu verewigen schon sehr alt, aber nie zur Ausführung gelangt sei. Zum letzten Mal sei die Idee durch den verstorbenen Bürgermeister Scheibner anlässlich des Metzger-Bezirktages zu Kreuznach am 8ten und 9ten Mai 1892 angeregt worden, allerdings mit demselben negativen Erfolg wie früher“. Er führt aus, „dass für ein Michel-Mort-Denkmal die Stimmung bei der Bürgerschaft vorhanden ist, weil das Andenken des heldenmütigen Kämpen, in dem die Kreuznacher den Typus eines rechten Naheländers verehren, im Volke weiterlebt. Gerade dieser letzte Umstand beweise, das immer und immer wieder der Michel Mort Ruf laut würde“. Und „so kam es auch diesmal eigentlich ohne besondere Veranlassung, lediglich aus der Stimmung der Kreuznacher Bevölkerung herauswachsend, dass die Denkmals Idee wieder angeregt worden ist“. Aus diesem Grund, so Gräff, „bildete sich ein Komitee, dem 30 Herren angehören. Bisher seien 3.000 Mk gesammelt worden.“

Am 18. Juli 1899 schrieb Kirschstein den von Koblenz angeforderten Bericht. Die Idee, ein Denkmal von Michel Mort anfertigen zu lassen, so führte er aus, sei schon seit Jahren von den verschiedenen in Kreuznach ansässigen Bildhauern Cauer künstlerisch verwertet worden. Das Cauer´sche Atelier besäße noch eine Skizze des verstorbenen Bildhauers Robert Cauer des Älteren. Robert Cauer der Jüngere, der noch hier ansässige Bildhauer und ein Sohn von Carl Cauer, habe im vorangegangenen Jahr die Idee weiterverfolgt und die dem Schreiben beiliegenden Blätter angefertigt. Diese Entwürfe, so Kirschstein, hätten innerhalb des Komitees großen Beifall gefunden. Und „da seit Jahren lebhaftes Interesse für die Verschönerung der Stadt in der Bürgerschaft vorhanden sei, und sich die Bildhauerfamilie Cauer allgemeiner Sympathie erfreue und der Bildhauer Robert Cauer im besonderen Maße seitens seiner Mitbürger würdig erschien, trat im vorangegangen Jahr eine große Zahl der angesehensten Bürger der Stadt zu einem Michel-Mort-Denkmalkomitee zusammen“, dem unter anderen er selbst, „sämtliche Beigeordneten und der Landtagsabgeordnete Engelmann angehörten“. Eine Sammelaktion bei einzelnen wohlhabenden Bürgern hätte schnell eine Summe von annähernd 3.000 Mk ergeben. Danach sei die Bewegung etwas ins Stocken geraten, doch die Hoffnung sei da, dass durch freiwillige Beiträge 6.000 – 7.000 Mk für die Verwirklichung des Denkmalprojektes aufgebracht werden könnten. Die Ausführung des Cauerschen Entwurfs in belgischem Kalkstein würde auf ca. 7.000 bis 10.000 Mk, die in Bronze mit Sockel auf ca. 15.000 Mk geschätzt. Eine Unterstützung durch den Staat sei durchaus angebracht. Kirschstein schreibt weiter, dass dem Bildhauer Robert Cauer d. J. mit der Zuweisung des Denkmalauftrages die Beibehaltung einer Werkstätte in Kreuznach ermöglicht werden solle. Er bezieht ausdrücklich Position für Cauer, indem er sich äußerst positiv über dessen schöpferisches Schaffen äußert und dieses als einen wesentlichen Beitrag zur Kunstgeschichte bewertet. Er merkt an, dass die Beibehaltung des Cauerschen Ateliers nicht nur für Kreuznach, sondern auch für die regionale und überregionale Kunstszene, er nennt es „die Kunstpflege am Oberrhein“, wichtig sei, und argumentiert, dass „eine große Zahl tüchtiger Portraitbüsten, deutsche Märchengestalten, Christusköpfe und Grabdenkmäler“ aus der Cauerschen Werkstätte in Kreuznach hervorgegangen seie und sie „haben in der Umgegend den Sinn für edlen plastischen Schmuck verbreitet“. Kirschstein äußert sich auch über die schlechte wirtschaftliche Lage des Künstlers und führt an, dass die bisherigen Aufträge nicht zum Lebensunterhalt für die Familie ausreichen würden, weshalb „von Zeit zu Zeit öffentliche Verbände mit eintreten müssen“.

Im Oktober 1900 erhielt der Bürgermeister ein Antwortschreiben des Berliner Kultusministeriums in Berlin. Dem Bürgermeister wird darin mitgeteilt, dass der Antrag eingegangen sei und Minister Schwartzkopf vom Kaiser mit der Prüfung des Vorgangs beauftragt wurde. Schwarzkopf ersuchte Kirschstein das Komitee davon in Kenntnis zu setzen, dass der Bildhauer Cauer die zur Ausführung bestimmten Skizzen zur Begutachtung durch die Landeskunstkommission nach Berlin einsenden solle.

Dem Regierungspräsidenten in Koblenz wurde daraufhin aus Kreuznach mitgeteilt, dass der Bildhauer Robert Cauer d. J. ein Tonmodell des Denkmals in den zur Ausführung bestimmten Maßen nahezu vollendet habe und beabsichtige, Mitte Januar 1901 nach Berlin zu reisen, um im Ministerium die plastische Skizze sowie verschiedene Fotografien des Denkmals persönlich vorzulegen. Cauer wäre auch dazu bereit, die Entwürfe persönlich zu erläutern.

Im Januar präsentierte Cauer in Berlin dem Geheimen Oberregierungsrat Müller eine Tonskizze und zwei Fotografien. Es folgte ein weiterer Bescheid, in dem mitgeteilt wurde, dass das in Originalgröße hergestellte Gipsmodell des geplanten Denkmals der Landeskunstkommission vorgestellt werden solle. Im Denkmalausschuss wurde über dieses Ansinnen beraten und beschlossen, dass es aus Kosten- und aus Sicherheitsgründen nicht möglich sei, das Modell nach Berlin zu verschicken. Der Ausschuss formulierte in seinem Antwortschreiben die Hoffnung, eine staatliche Beihilfe zum Denkmal zu erhalten, auch wenn der an sie herangetragene Wunsch nicht erfüllt werden könne. Außerdem, so ist dem Brief zu entnehmen, ermutige den Ausschuss die wohlwollende Beurteilung, die der Entwurf des Bildhauers Cauer bei anerkannten Autoritäten, vor allem bei Professor Begas gefunden habe.

Am 14. Juni 1901 wird Kirschstein in einem Erlass mitgeteilt, dass für das Michel-Mort-Denkmal ein Zuschuß von 3.000 Mk bewilligt und veranlasst wurde, dass die Regierungshauptkasse den Betrag an den Denkmalausschuss auszahlt. Außerdem, so Minister Schwarzkopf, erwarte er, dass er über den Verlauf der Angelegenheit weiterhin unterrichtet werde.

In Kreuznach entbrannte derweil ein Streit darüber, wo der geeignete Standort für das Michel-Mort-Denkmal sei. Die Diskussion wurde mit historischen, politischen, ästhetischen und lokalpatriotischen Argumenten geführt. Zur Wahl standen die Nahebrücke, der Eiermarkt, das Badeviertel und der Viehmarkt. Sowohl in der Lokalpresse, in Form von Leserbriefen, als auch in den städtischen Akten sind vielfältige Äußerungen darüber vorhanden. So erschien am 14. August auf die in der Presse veröffentlichte Bekanntmachung hin, dass die Entscheidung über, den Standort des Denkmals gefällt werden solle, folgende Notiz: „Übrigens ist die hier mitgeteilte Thatsache, dass die Metzgerzunft früher an der Schaar ihre Verkaufsstellen hatte, ein neuer Fingerzeig, dass das Michel-Mort-Denkmal auf den Eiermarkt und nirgends anders hingehört.“ Zwei Tage später kontert ein Leser: „... gegen den Eiermarkt als Aufstellungsort scheint es eine starke Opposition zu geben. Von den Freunden für diesen Platz wird geltend gemacht, aus historischen Gründen dürfe nur dieser Platz in Frage kommen weil Michel Mort dort die Bürger zum Kampfe aufgefordert habe. Ob dies authentisch nachgewiesen ist weiß ich nicht. Und wenn, geschah dies, weil dort das Rathaus stand. Nun geht man jedoch so weit, zu sagen, das Denkmal gehöre deshalb auf den Eiermark, weil in dem engen Gässchen, das zum Eiermarkt führt die Metzgerzunft ihre Ware feilgeboten habe. Ja will man denn den Metzger Michel Mort oder den Helden Michel Mort ein Denkmal setzen? Vielleicht findet demnächst noch ein Bücherwurm interessante Aufzeichnung über des Helden Jugendbeschäftigung. Vielleicht hatte er damals die wichtige Aufgabe das Vieh zur Weide zu treiben und saß dann bei Schafen und Kühen etwa auf der jetzigen Badeinsel oder gar auf der gewesenen Oranieninsel, dann wären das mit einem Schlage ebenfalls geweihte Böden. Will man das Historische in den Vordergrund rücken, so kann doch nur der Platz in Frage kommen, auf welchem die Heldentat vollbracht wurde“. 

Im November 1901 ging ein Schreiben an die Baukommission der Stadt ein, dass das Denkmalkomitee anhand eines Gipsmodells ausprobieren wolle, welcher Standort sich am besten für das Denkmal eignen würde. Zur Disposition standen nun nur noch die alte Nahebrücke und der Eiermarkt. Das Komitee bat darum, dass die Litfasssäule bzw. der Gaskandelaber für etwa drei Tage auf Kosten des Komitees weggeschafft werden sollten, damit „sie die Aktion nicht stören“. Die Baukommission stimmte in ihrer Sitzung am 29.11.1901 dem Vorhaben zu. Entstehende Unkosten wie das Versetzen der Litfasssäule und Straßenlaterne würden von der Stadtkasse übernommen.

Bürgermeister Kirschstein teilte dem Stadtbaurat am 07. Dezember 1901 mit, dass das Komitee am darauffolgenden Mittwochvormittag das Gipsmodell des Michel-Mort-Denkmals auf der Nahebrücke und nachmittags auf dem Eiermarkt aufstellen möchte. Er bat darum, die Litfasssäulen rechtzeitig entfernen zu lassen. Den Transport des Modells habe, so Kirschstein, Spediteur Serff übernommen. Zwei Tage später bat das Komitee darum, den geplanten Termin wegen miserablen Wetters zu verschieben, da sonst das Gipsmodell und der mit Wasserfarbe bestrichene Holzsockel bei Regen Schaden nehmen würden. Aber schon wenige Tage später, erschien im Öffentlichen Anzeiger nämlich am 13. Dezember die Notiz, dass am kommenden Tag das Cauersche Gipsmodell von 9.00 – 12.00 Uhr auf dem Rondell der Nahebrücke gegenüber dem Kreuz und von 1.00 – 6.oo Uhr auf dem Eiermarkt zur allgemeinen Ansicht des Publikums aufgestellt werden soll.

Nach dem Probestehen ging die Auseinandersetzung um die richtige Stadtortwahl mit unverminderter Stärke weiter. Im Öffentlichen Anzeiger erschien am 14. Dezember die Notiz, dass die Nahebrücke der geeignetere Platz für das Denkmal sei, „zumal sich die Figur vor seinem gebirgigen dunklen Hintergrund wunderschön abhebt“. Zwei Tage später erschien ein weiterer Artikel wonach aber auch der Eiermarkt beim Publikum viele Befürworter gefunden hätte. Bemerkt wird weiterhin, dass „die Ansichten über die Wahl der Plätze sehr auseinander gehen und jetzt jedenfalls nur ein Gutachten der städtischen Baukommission oder des Denkmalkomitees maßgeblich sein kann“.

Die Abstimmung über den Standort des Denkmals entschied sich am 17. Dezember um halb neun Uhr abends im Nebenzimmer der Gaststätte Heilquelle. Den Stadtverordneten wurde am 21. Dezember 1901 durch den Vorsitzenden des Komitees, Jean Winkler, mitgeteilt, dass man sich für den Eiermarkt als den zukünftigen Standort des Denkmals ausgesprochen habe. Zwölf Personen hätten für den Eiermarkt und vier Personen für die Nahebrücke gestimmt. Das Komitee bat das Kollegium der Stadtverordneten, dieser Entscheidung zu folgen. Winckler verwies in seinem Schreiben ausdrücklich darauf, dass der Bildhauer Robert Cauer d. J. „für die Brücke und nicht für den Eiermarkt gestimmt“ habe.

Im Generalanzeiger ist am 20. Dezember einem Leserbrief zu entnehmen, dass diese Entscheidung Anlass zu weiteren Diskussionen bot. Unterschrieben war er mit den Worten „mehrere Kunstfreunde“. Da die Stadtverordnetenversammlung endgültig, wenn auch auf Rat des Denkmalkomitees hin entschied, ob das Denkmal auf dem Eiermarkt aufgestellt werden würde oder nicht, wandten sich die empörten Kunstfreunde in ihrem Leserbrief direkt an die „Herrn Stadträte“ und appellierten an diese, nochmals genau zu überprüfen, ob der Eiermarkt wirklich der geeignete Standort für  den todesmutigen Kreuznacher Helden sei. Auch Robert Cauer wandte sich mit einem persönlich gehaltenen Brief direkt an die Stadtverordneten. Er schrieb, dass er sich erlaube, seinen Standpunkt über die mögliche und geeignete Standortwahl darzustellen. Für ihn sei die Nahebrücke der geeignetere Standort. Ihm sei es „ein großer Schmerz, wenn durch eine ihm nebensächlich erscheinende Erwägung, der Eiermarkt der Nahebrücke vorgezogen würde. Er würde es für einen dauernden Schaden halten, wenn die selten schöne Harmonie des Denkmals mit der Umgebung der Brücke nicht benutzt würde, der Stadt für alle Zeiten einen bleibenden Schmuck zu verschaffen“. Cauer führte weiter aus, dass, „sollte die Versammlung nicht in der Lage sein meinem Vorschlag beizutreten, so bitte ich ganz ergebenst die Angelegenheit von meiner künstlerischen Autorität welche von der Stadtverordneten Versammlung und mir gemeinschaftlich zu bestimmen wäre entscheiden zu lassen. Einem solchen Urteil würde ich mich dann selbstverständlich fügen“.

Die Baukommission beschloß am 24. Januar 1901 die Vertagung der Entscheidung über die Aufstellung des Michel-Mort-Denkmals, um am 6. März 1902 für den Eiermarkt als endgültigen Standort zu stimmen.

Am 10. April 1902 teilte Kirschstein dem Regierungspräsidenten über den Landrat Nasse mit, dass die zur Ausführung des Denkmals notwendigen Geldmittel annähernd aufgebraucht seien. Der Künstler habe den Auftrag erhalten den Entwurf in belgischem Kalkstein auszuführen, und die Arbeit im Winter 1901 begonnen. Er sei voraussichtlich im Sommer 1902 fertig. Weiterhin berichtet er, dass das Komitee wiederholt über die Aufstellung des Denkmals beraten habe. Die „Ortssage“, so Kirschstein, berichte davon, dass Michel Mort auf dem Einermarkt eine Rede an die Bürger von Kreuznach gehalten habe. Allerdings sei dies völlig unhistorisch, denn es habe im Jahre 1279 weder den Eiermarkt noch das Rathaus gegeben. Die Tradition und die Dichtung habe Michel Mort so fest mit dem Eiermarkt verknüpft, dass das Komitee mit überwiegender Mehrheit und in Übereinstimmung mit der Bürgerschaft das Denkmal dort aufstellen wolle. Der Künstler sei dagegen mit der Standortwahl äußerst unzufrieden, da Cauer befürchte, dass die Größenverhältnisse des Platzes nicht günstig wirken und die St. Nikolauskirche und die zahlreichen dreistöckigen Wohn- und Geschäftshäuser das Denkmal erdrücken würden. Cauer bezweifle ferner, ob die Schlachtszene im Schatten der fast 1000jährigen Kirche und im Frieden des ehemaligen Klosterfriedhofs, das sei der Eiermarkt nämlich bis ins Jahr 1600 gewesen, den richtigen Platz erhielte. Die Auseinandersetzungen um den Standort des Denkmals wurden trotz getroffener Entscheidung weiterhin mit großer Energie und Vehemenz betrieben.

Am 10. Juni 1902 teilte Winckler in seiner Funktion als Vorsitzender des Denkmalkomitees dem Bürgermeister mit, dass das Denkmal vollendet sei und bis auf einen Geldbetrag von 1.200 Mk alle Kosten aufgebracht seien. Er bat die Stadt daher um einen Zuschuss, damit das Projekt zu Ende geführt werden kann.

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag dem 1. Juli 1902 wurde berichtet, dass das Finanzkomitee mitgeteilt habe, dass das Denkmal fertig sei, und nun um die Übernahme und Aufstellung des Denkmals bittet. Bis auf 1200 Mark seien alle Mittel beschafft. Die Baukommission habe sich für eine Aufstellung auf dem Eiermarkt entschieden, und die Finanzkommission empfehle die Übernahme des Denkmals und den Eiermarkt als Aufstellungsort. Auch die Schulden sollten nach ihrer Meinung von der Stadt übernommen werden. Die Finanzkommission würde auch dem Antrag von Herrn Pfarrer Stumpf in Sponheim, nämlich der Überlassung des Modells von Cauer zur Aufstellung auf der Burg Sponheim, zustimmen. Kirschstein ließ von der Stadtkasse daraufhin 1.200 Mk für das Denkmal überweisen.

Landrat Nasse fragte im Juli 1902 nach, wann nun mit der Einweihung des Denkmals zu rechnen sei. Ihm wurde mitgeteilt, dass Samstag der 13. September vorgesehen sei und dass das Denkmal auf der linken Naheseite in der Neustadt unmittelbar neben der kath. Nikolaus Kirche auf dem sogenannten Eiermarkt aufgestellt werden solle. Das Kunstwerk sei vollendet und stehe im Atelier von Robert Cauer. Die Summe von 10. 000 Mark sei fast vollständig aufgebraucht.

Am 15. August 1902 ist klar, dass die Aufstellungskosten mit Einfriedung voraussichtlich 1.975 Mk betragen werden und am 16. August ermächtigt die Baukommission den Bildhauer Cauer das Denkmal auf dem Eiermarkt aufzustellen und die Leitung der nötigen Fundamentierungs- und Aufstellungsarbeiten zu übernehmen. Cauers Auftrag wird am 4. September um die Umfriedung des Michel-Mort-Denkmals erweitert, die am 25. September ausgeführt wurde.

Am Donnerstag dem 11. September beriet die Stadtverordneten Versammlung darüber, dass ein weiterer Mehrbetrag für die Aufstellung des Denkmals von ca. 700 bis 800 Mk anfallen werde. „Die Einweihung des Denkmals soll tunlichst erfolgen“, kommentierte Kirschstein ungeduldig, und am 27. September 1902 teilt er mit: „Zur Einweihungsfeier des Michel-Mort-Denkmals beehre ich mich die Herrn Stadtverordneten auf Morgen, Sonntag den 28ten des Monats Vormittags 11 ½ Uhr an den Eiermarkt ergebenst einzuladen.“ Am Sonntag dem 28. September fand die feierliche Übergabe des Denkmals statt.

Danach schrieb Kirschstein an den Staatsminister seinen abschließenden Bericht und resümierte darin die Entstehungsgeschichte des Denkmals. Die Gesamtkosten einschließlich Einfriedung und Aufstellung hätten, so Kirschstein, 10.000 Mk betragen. Das Denkmal gereiche der Stadt zur Zierde, halte geschichtliche Erinnerungen in der Bevölkerung wach und werde gewiss dazu beitragen, um patriotische und vaterländische Gesinnung in der ehemaligen Hauptstadt der Grafschaft Sponheim und nunmehr seit 90 Jahren gut preußischen Stadt Kreuznach zu fördern.

Die Geschichte des Denkmals von seiner Aufstellung bis 2007

Schon bald nach der feierlichen Einweihung des Denkmals waren die ersten Spuren menschlicher Zerstörung an dem Denkmal festzustellen, obwohl die Verehrung des Helden anhielt, der weiter in Gedichten besungen wurde und sogar als Werbeträger für die „Hausmacher Eier-Nudel Michel Mort“ der Kreuznacher Teigwarenfabrik Kaiser & Conrads diente.[7]

Im Sommer 1906 ereiferte sich ein Bürger über die Verfassung des Michel-Mort- Denkmals: „Der innere Teil der Umzäunung, der wohl zu einer gärtnerischen Anlage bestimmt zu sein scheint, liegt wüst da und ist in unsagbarer Weise verschmutzt; er scheint die Stelle einer städtischen Bedürfnisanstalt zu ersetzten“, und im Oktober des gleichen Jahres war in einem weiteren Leserbrief zum Zustand des Denkmals zu lesen, „aus dem Sockel ist ein Stück ausgebrochen und die Figuren weisen die deutlichen Spuren von mindestens 15 kräftigen Steinwürfen auf, man scheint auch Lehmklümpchen nach den Figuren geschleudert zu haben“.[8]

„Ein Akt tierischer Rohheit“ wurde nach Ansicht der Zeitung in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai 1907 verübt, als „ruchlose Buben“ der Figur des Michel Mort den Degen abschlugen und damit mehrere Fensterscheiben in der Lämmergasse und anderen Straßen zertrümmerten.[9] Ohne Zutun hingegen brach am 27. Juli 1911 an dem Denkmal Michel Mort der rechte Arm nebst Schwert ab, wie der Augenzeuge Postassistent Becker sehen konnte.[10] Gemutmaßt wurde, dass dies in Folge der Hitze geschah, denn Menschen seien nicht anwesend gewesen.

Die Stadt Kreuznach schloss am 19. Dezember 1912 mit dem Gladenbecks Institut für Denkmalpflege G.m.b.H. zu Friedrichshagen einen Vertrag über die Kontrolle und Pflege der städtischen Bildwerke ab. Neben dem Michel-Mort-Denkmal wurden auch sieben weitere Denkmäler für den Betrag von 25 Mark einmal jährlich sachgemäß gereinigt.[11] Der Vertrag galt bis Mai 1914. Ob er eine Verlängerung erfuhr ist unbekannt. Der Wert des Kunstwerkes wurde in der Nachweisung über das städtische Vermögen vom 01. April1914 mit 5. 000 Mark angegeben.

Die Situation des Denkmals scheint sich in den folgenden Jahren nicht wesentlich verändert zu haben, denn in der Stadtverordnetensitzung vom 08. Mai 1919 gab die Versammlung ihrer Entrüstung Ausdruck, „daß von der Jugend das auf dem Eiermarkt stehende Michel Mort-Denkmal (…) durch Steinwürfe erheblich geschädigt worden sei (… und dass) infolge der Rohheit der Jugend derartige Beschädigungen von Denkmälern“ stattfänden.[12] Gleichzeitig wurde ernsthaft darüber diskutiert, ob das Denkmal nicht versetzt werden sollte, und zwar auf die Nahebrücke.

1935 erschien im OeA der Hinweis, dass das Denkmal in bedauerlichen Zustand sei, „die Einfriedung ist zum Teil zerstört der Eisenzaun ist verbogen und bietet mit dem schmutzigen Grün der verkümmerten Pflanzen ein wenig schönes Bild“.[13] Einige Tage später kümmerte sich das Stadtbauamt darum, der Misstand wurde behoben.[14]

Unterlagen, die über das Schicksal des Michel-Mort-Denkmals während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Auskunft geben könnten, sind bisher nicht an das Stadtarchiv abgegeben worden. Die Auswertung des Fotobestandes ergab hingegen, dass der Eiermarkt ab ca. 1942 eine leichte Wölbung aufwies.[15] Aus dem Boden ragten quadratische Betonteile, die auf jeder Seite mit rechteckigen Öffnungen versehen waren. An jeder Seite des Eiermarktes befanden sich Eingänge, die unter den Platz in einen Splitterschutzraum (LS-Deckungsgräben) führten, der ca. 2,50 m tief und von einer gewölbten, eingeschalten Betondecke überspannt war.[16] Die unter der Erde befindlichen Gänge, die zum Schutz der Bevölkerung vor Bombensplittern errichtet worden waren, waren nicht wie bei Splittergräben üblich im Zickzack, sondern im Rechteck angelegt. Über der Betondecke befand sich offenbar eine Auflage von Schutt und verdichteter Erde, die auch befahren werden konnte. Einer der Eingänge, der unter den Eiermarkt führte, befand sich in unmittelbarer Nähe des Michelm-Mort Denkmals. Am Standort des Denkmals änderte sich in Kriegszeiten nichts, allerdings fehlten dem steinernen Helden Schwert, Hand und Unterarm.

Es ist anzunehmen, dass der Splitterschutzraum um 1945/46 ganz oder teilweise verfüllt wurde. Der Eiermarkt erhielt eine wassergebundene Decke, die Anfang bis Mitte der 1960er Jahre durch eine Pflasterung ersetzt wurde. Wahrscheinlich wurde das Denkmal zeitgleich von seinem ursprünglichen Standort weg Richtung Nikolauskirche gerückt. Das gusseiserne Gitter, das das Denkmal seit 1902 umzäunt hatte, fehlt seit dieser Zeit und wurde auch in späteren Jahren nie wieder errichtet.

Einem Bericht des OeA zufolge hatte der Museumsdirektor Karl Geib um 1951 einen Auftrag an den akademischen Bildhauer Karl Steiner aus Bad Kreuznach vergeben, das beschädigte Kunstwerk zu restaurieren. Steiner sollte Arm und Schwert nachmodellieren und an dem Denkmal anbringen, was auch erfolgte.[17] 1959 wurden der Statue Schwert, Gurt und Gehänge erneut entrissen. Das Schwert ließen die Diebe noch an Ort und Stelle, an eine Hauswand gelehnt, am Eiermarkt zurück.[18]

Im Jahr 1964 beklagte Museumsdirektor Otto Guthmann, dass der bestohlene Michel Mort  „ohne dieses Schwert doch sehr unvollständig „ aussehe.[19] Offenbar erfolgte daraufhin eine Vervollständigung der Plastik, der schon wenig später, im Jahr 1968, eine erneute Zerstörung, vermutlich durch angetrunkene Amerikaner, folgte. Das Rechtsamt stellte bei der entsprechenden amerikanischen Dienststelle einen Antrag auf Schadensersatz.[20] Ob es zu einer Entschädigung kam entzieht sich der Kenntnis.

Diesmal bat man Hanna Cauer, eine in Kreuznach lebende und als Bildhauerin arbeitende Nichte Robert Cauers d. J., die Wiederherstellung des rechten Arms vorzunehmen. Sie veranschlagte für die anfallenden Arbeiten insgesamt 950 DM. Keine drei Wochen später, bevor Hanna Cauer überhaupt dazu gekommen war, die Restaurierungsarbeiten vorzunehmen, wurde der Kopf des Grafen von Sponheim von Unbekannten abgeschlagen.[21] Durch diesen Vorfall wurde eine Diskussion ausgelöst, prinzipiell darüber nachzudenken, ob es sinnvoll sei das schon sehr verwitterte Denkmal überhaupt noch zu reparieren oder es insgesamt neu zu schaffen.[22] Überlegt wurde dabei auch ein Abguss in Bronze.[23] Sowohl Steiner als auch Cauer wurden gebeten Angebote für die notwendigen Restaurierungsarbeiten abzugeben. Die Restaurierungsmaßnahmen wurden in die Wege geleitet und von Hanna Cauer durchgeführt. Deren Aufgabe darin bestand, „Kopf und Arm, deren Neumodellierung in Ton, sodann in Gips; endlich die Punktierung und Ausführung (…) in Savonnière-Stein, ferner das Anarbeiten und stabile Ansetzen diverser Stücke sowie die Ausführung notwendiger kleinerer Revovierungen vorzunehmen“. [24] Das verlorengegangene Schwert sollte in der Gewerblichen Berufsschule angefertigt werden.[25]

In der Verwaltung überlegte man währenddessen, ob für das Denkmal nicht ein neuer Standort gesucht werden solle, um die ständigen Übergriffe auf das Denkmal zu erschweren. Ein Standortwechsel blieb aus.

Am 29. November 1969 wurde das instandgesetzte Denkmal auf dem Eiermarkt aufgestellt und die Allgemeine Zeitung (AZ)  meinte: „Michel Mort ist wieder der Alte“.[26] Schon im Mai 1970 wurde das frisch restaurierte Denkmal erneut zerstört. Der OeA druckte in seiner Ausgabe vom 2. Juli 1970 sogar eine Suchmeldung nach dem entwendeten Schwert ab. Bei einer Routineuntersuchung wurde die amerikanische Militärpolizei auf dem Dachboden der Kaserne in der Bosenheimer/Alzeyer Straße fündig, das Schwert kehrte in städtischen Besitz zurück.[27]

Bis Ende der 1970er Jahre ist dokumentiert, dass das Schwert aus der Skulptur wiederholt herausgebrochen und dabei Arm und Hand zerstört wurden. Der OeA nannte es in einem Artikel aus dem Jahr 1978 scherzhaft eine „dutzendfache Entwaffnung seit 1959“.[28]

Wahrscheinlich durch die von Willy Matthern Ende 1978 veröffentlichte Schrift über Michel Mort und von dem bevorstehenden 700. Todesjahr in Gang gesetzt, entbrannte eine lebhafte öffentliche Diskussion darüber, das Michel Mort-Denkmal zu retten, dass mittlerweile von starken Ablösungserscheinungen, hervorgerufen durch natürliche Verwitterung und aggressivem Umwelteinfluss, gezeichnet und von der völligen Zerstörung bedroht war.

In einer Sitzung des Vereins für Heimatkunde für Stadt und Kreis Bad Kreuznach e.V. Anfang März 1979 wurde der Wunsch der Mitglieder, das Michel-Mort-Denkmal zu restaurieren, in einen Beschluss gefasst, der den Vorsitzenden Dr. Werner Vogt dazu veranlasste, sich am 06. März 1979 mit diesem Auftrag offiziell an den Kulturdezernenten der Stadt Herrn Hans-Georg Schindowski zu wenden.[29] Schon vor der Sitzung waren unverbindliche Gespräche mit den Bildhauern Theo Ignaz Graffé aus Mainz-Gonsenheim von Seiten des Vereins für Heimatkunde durch Familie Senner und offenbar auch mit Hanna Cauer von Seiten der Stadt geführt worden. Außerdem war veranlasst worden, ein kostenlos geführtes Spendenkonto zur Rettung des Denkmals bei der Sparkasse einzurichten.[30] Hinsichtlich der Rettung des Kunstwerkes waren damit wichtige Impulse zur Unterschutzstellung des Denkmals und seiner später erfolgten Restaurierung im Jahr 1984 gegeben worden.

Das Amt für Schul- und Kulturwesen nahm sich des Themas an. Aufgrund einer Ortsbesichtigung am 13. März 1979 schrieb Theo J. Graffé im Mai ein Angebot zur Restaurierung des Denkmals und legte ein Gutachten bei, dass er, beraten von einem Restaurator aus Münster, angefertigt hatte. Sein Befund lautete: “Starke Ablösungserscheinungen auf der Epidermis bedingt durch natürliche Verwitterung und aggressiver Umwelteinflüsse. Kopf und rechter Arm vermutlich ergänzt. Zustand des Materials ist stellenweise bis zu einer Tiefe von 20 – 30 mm amorph; daher ist die Wasseraufnahme progressiv ansteigend. Der Salpetergehalt der abgeriebenen Substanz an stark befallenen Teilen ist erheblich. Totalverlust der Figur (Ablösung sämtlich von Cauer bearbeiteten Oberflächenteile) bei Belassung am Ort in etwa 12-15 Jahren. Eine Renovierung ist unbedingt erforderlich“[31] .

Es folgten Diskussionen darüber, welcher der geeignete Weg wäre, das Denkmal zu restaurieren, zu sichern und dauerhaft zu erhalten. Neben dem Bildhauer Graffé wurden auch Hanna Cauer, der Bildhauer Karl Steiner und Franz Mann Ing. grad. um eine Einschätzung gebeten. In diese Diskussion schaltete sich auch das Landesamt für Denkmalpflege in Person von Dr. Caspary ein, der aufgeschreckt von Äußerungen in der Zeitung, dass das Denkmal um einen halben Zentimeter abgetragen und anschließend mit Kunstharz aufgeschichtet werden solle, Stellung bezog, wie auch Walter Cauer, der Sohn Roberts Cauer d. J., der mit seiner Cousine Hanna Cauer in Kontakt stand. Caspary und Cauer mahnten bei der Stadt einen sachverständigen und zeitgemäßen Umgang mit dem Denkmal an.[32]

1979 kristallisierte sich heraus, dass die Idee, eine Bronzereplik des Denkmals anzufertigen, zu teuer und nicht umsetzbar war. Die Stadt verfolgte die realistische Option, das Denkmal durch einen Kunststeinabguss zu ersetzen und das Original im Heimatmuseum unterzubringen.[33]

Die Stadt feierte am 15. und 16. September 1979 das Erinnerungsfest 700 Jahre Michel Mort. Anlässlich des Jubiläums wurden viele Aktionen geplant und durchgeführt. Ein historischer Umzug, die Prägung eines Michel Mort Talers, die Ausgabe eines besonderen Poststempels, zwei Ausstellungen und vieles andere mehr.[34] Im Vorfeld des Festes wurde die mit einer schwarzen Patina überzogene Skulptur von Mitgliedern der „Freiwilligen Feuerwehr Bad Kreuznach“ gereinigt. In einem Gutachten erwähnt Graffé diesen Vorgang später und wertet ihn als weiteren schädlichen Eingriff am Denkmal: „Dabei habe ich feststellen müssen, daß die Wäsche – bei aller guten Absicht – dem Michel Mort weiter geschadet hat“[35].

Am 06. Dezember 1979 erfolgte die vorläufige Unterschutzstellung des Cauerschen Kunstwerkes, welche durch die endgültige Unterschutzstellung am 22. Mai 1980 bekräftigt wurde.

Im Februar 1980 nahm Kulturdezernent Schindowski zusammen mit dem Steinmetzmeister Plützer aus Sobernheim, eine Ortsbesichtigung am Michel-Mort-Denkmal vor. Im Anschluss daran wurde Plützer aufgefordert, ein Angebot sowohl für die Neuherstellung als auch für die Restaurierung des Denkmalsockels abzugeben. Im Kultur- und Büchereiausschuss wurde wenig später, am 25. März 1980 beschlossen, dass der Bildhauer Graffé „eine Renovierung der Michel-Mort-Figur auf dem Eiermarkt (Herstellung einer Kunststein-Replik)“ vornehmen soll und dass das Original in das Puricelli-Schlösschen gebracht werden soll. Pützer solle sich um den Sockel kümmern. Der Auftrag an Graffé wurde im Juni 1980 vergeben. Aus gesundheitlichen Gründen trat Graffé jedoch von seinem erteilten Auftrag im März 1981 zurück und der bisherige Plan wurde fallengelassen.

Anschließend nahm die Stadt Kontakt mit verschiedenen Bildhauern und Institutionen, sogar mit der Handwerkskammer Rheinhessen auf, um eine zeitgemäße Lösung des Problems zu finden. Nachdem sich die Handelskammer nicht in der Lage sah praktisch zu helfen, erfolgte am 30. März 1982 eine eingeschränkte Ausschreibung mit 54 von ihr empfohlenen Bildhauern darunter Franz Eichenauer, dem Kubach-Wilmsen-Team und Karl Steiner. Die Angebote sollten der Stadt bis 30. April 1982 zugehen für: die “Herstellung, Lieferung und Montage einer Kunststein-Replik, sowie Restaurierung eines  vorhandenen Sockels für das Michel Mort Denkmal in Bad Kreuznach“.[36] In der Objektbeschreibung stand: “In Bad Kreuznach, auf dem Eiermarkt, steht das von Prof. Robert Cauer d. J. geschaffene, im Jahre 1902 eingeweihte Michel-Mort-Denkmal. Es stellt in Lebensgröße zwei Krieger dar, den stehenden Michel Mort, der in der rechten Hand den in die Knie gesunkenen Grafen von Sponheim hält und diesen gleichzeitig mit seinem Körper deckt. Beide – Skulpturen und Sockel - sind aus Savonniere-Kalkstein gefertigt und sind durch Umwelteinflüsse stark angegriffen. Das Denkmal wurde durch die untere Denkmalschutzbehörde am 22.05.1980 als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt. Da das Michel-Mort-Denkmal zum Schutz vor weiteren Beeinträchtigungen in das Bad Kreuznacher Heimatmuseum überführt wird, soll eine Kunststein-Replik geschaffen und auf dem zu restaurierenden Sockel am jetzigen Standort aufgestellt werden, Art und Umfang der erforderlichen Arbeiten sind anhand des anliegenden Leistungsverzeichnisses ersichtlich.“

Die Überlegungen, wie das Denkmal gerettet werden könnte, mündeten in die Entscheidung, ein neues Verfahren, das Epoxid-Harz-Abgussverfahren zu nutzen, um einen Abguss des Originals zu erhalten, dass den Ist-Zustand wiedergeben sollte.

Der Auftrag wurde nach Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege, und nach Klärung ob vor dem Abguss schon Restaurierungen an dem Original vorgenommen werden sollten, an den Bildhauer Hans-Günter Thiele aus Ludwigshafen vergeben. In der Auftragsvergabe vom 27. April 1982 stand zu lesen: „Herstellung, Lieferung und Montage einer Replik des Michel Mort Denkmals in Epoxidharz-Sandsteincharakter“. Am 15. Dezember 1982 teilte die Kreisverwaltung Bad Kreuznach mit, dass sie die Entfernung des unter Denkmalschutz stehenden Michel-Mort-Denkmals zum Zwecke der Herstellung eines Abgusses in Epoxid Harz genehmige und auch die spätere Überführung des Originaldenkmals in das Karl-Geib-Heimatmuseum. Einschränkend führte sie an, dass erforderliche Instandsetzungsarbeiten am Denkmal vor der Herstellung des Abgusses zu melden seien. Bei einem Treffen im Thiel`schen Atelier wurden von Museumsdirektor Dr. Bullinger, dem Kulturdezernenten Schindowski und dem Bildhauer Thielen festgelegt, dass grob erkennbare Schadstellen am Original entschärft, aber nicht ausgebessert werden sollen. Mit dieser Entscheidung gab sich die Denkmalbehörde zufrieden.

Am 16. Mai 1983 beschloss die Verwaltung einen neuen Standort des Denkmals auf dem Eiermarkt, wozu ab 1979 verschiedene Pläne erarbeitet worden waren. Der Sockel sollte abweichend von der vorhergehenden Planung statt in der Mitte des Platzes nunmehr in nördliche Richtung versetzt werden, weg von seinem bisherigen Standort vor der Nikolauskirche. Nachdem der Bauausschuss den vorgelegten Plan bestätigte, wurden die dafür erforderlichen Arbeiten eingeleitet und 1985 umgesetzt.[37]

Die Replik des Michel-Mort-Denkmals war 1984 fertiggestellt. Das Original, der Abguss und die Gussform wurden nach Kreuznach gebracht. Die Kunstharzform kaufte die Stadt für 1.500 DM an und brachte sie in den Keller der Grundschule an der Hofgartenschule. Der Abguss des Originals wurde am neuen Standort auf dem Eiermarkt aufgestellt. Die AZ und der OeA meldeten am 24. und 25. März 1884 ihren Lesern enthusiastisch: „Er ist wieder da!“ bzw. „In der Neustadt wacht wieder ein Michel Mort“. Das Original wurde in die Römerhalle transportiert. Hans Günter Thiele, der 1978 den Staatspreis für das Kunsthandwerk in Rheinland-Pfalz gewonnen hatte, erhielt für die Herstellung, Lieferung und Montage einer Replik des Michel-Mort-Denkmals in Epoxidharz-Sandsteincharakter sowie für die Restaurierung des vorhandenen Sockels 22.554,80 DM.

Unter dem 10. Oktober 1984 notierte der Kulturdezernent Schindowski: „Die Angelegenheit Restaurierung Michel-Mort-Denkmal kann somit als erledigt beschlossen werden.“

Dies war nur bedingt richtig. Die Replik stand auf dem Sockel auf dem Eiermarkt und damit war dieser Vorgang beendet. Für das unter Denkmalschutz stehende Kunstwerk von Robert Cauer d. J. begann dagegen eine fast 25 Jahre andauernde Odyssee.

Das Original fand nicht wie geplant und immer wieder betont den Weg ins Museum. Wegen Platzmangel im Depot wurde die Skulptur im März 1985 von der Römerhalle aus nach Planig gebracht und dort in einer städtischen Scheune, die offenbar neben dem ehemaligen Planiger Gemeindehaus stand, gelagert. Dort blieb das Denkmal „Michel Mort der Kreuznacher 1279“ zunächst stehen. Im Juni 1992 wurde von einem Kreuznacher Bürger eine Anfrage an den Oberbürgermeister Helmut Schwindt über den Verbleib, den Zustand, die Sicherung und den zukünftigen Standort des städtischen Denkmals gestellt. Noch im gleichen Monat wurde das Original vor Ort in Augenschein genommen. Dabei wurde festgestellt, dass das Kunstwerk zwar stark verstaubt sei, aber vor direkten Witterungseinflüssen geschützt lagere. Festgehalten wurde auch, dass das Denkmal nach Fertigstellung der Bücherei in ein anderes und dann endgültiges Depot kommen solle, zumal das Denkmal aus einem weichen Stein hergestellt sei.

1996 stand das Original noch immer in dem Schuppen und das angrenzende Haus wurde nun offenbar als Feuerwehrgerätehaus genutzt. Beim Aufräumen des Schuppens zum „Tag der offenen Tür“ stießen Feuerwehrleute auf den unrestaurierten Michel Mort. Oberbürgermeister Rolf Ebbeke kündigte bei seinem Besuch anlässlich der genannten Feierlichkeit und der damit einhergehenden Besichtigung des Denkmals an, dass es aus dem Schuppen geholt und zurück nach Bad Kreuznach gebracht werden solle.[38] Dies geschah. Wann, konnte nicht rekonstruiert werden.

2002 stand das Denkmal in einem alten Lagergebäude der Stadt in der Bosenheimer Straße. Von dort wurde es nach dem Verkauf der Halle auf den Kuhberg gebracht, wo es zuerst unter einer Plane im Freien stand. Nachdem Kinder, Luca und Jan Kaul, das Michel-Mort-Denkmal beim Spielen im Freien stehend, nur von einer Plane geschützt entdeckt hatten, entbrannte erneut eine Diskussion um die Lagerung des unter Denkmalschutz stehenden Kunstwerkes. Aus konservatorischen Gesichtpunkten scheiterte die Anregung, es unter ein Dach in den Garten des Caueranwesens zu bringen, und auch die diskutierten Standorte Stadtbücherei und Gesundheitszentrum/Loge wurden verworfen.

Aus Interesse an der Stadtgeschichte heraus und aufgrund wiederholten Drängens von Steffen Kaul, entschied Oberbürgermeister Andreas Ludwig Anfang 2005, dass das Kunstwerk restauriert und im Foyer des Stadthauses aufgestellt werden solle.

Nachdem die Gelder für das Projekt bereit standen, wurde das Denkmal 2006 vom Kuhberg, es lagerte mittlerweile in einer Halle des ehemaligen Militärgeländes, in den Bauhof transportiert. Am 16. Oktober 2006 erhielt der Dipl. Restaurator Roman Borkowski M.A. aus Wiesbaden den Auftrag, die Skulptur zu restaurieren. Die Restaurierungsarbeiten wurden in enger Zusammenarbeit und Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Institut für Steinkonservierung in Mainz besprochen und geplant.

Die 1984 erstellte Abgussform, die dazu diente, den Ist-Zustand des Denkmals zu dokumentieren und einen Abguss des Originals herzustellen, wurde über zwanzig Jahre später von dem Restaurierungsatelier Rebensburg erneut dazu verwendet, einen Abguss des zerstörten Arms und der abgetrennten Hand zu erhalten. Der Bauhof stellte das fehlende Schwert her.

Nach einer langen Odyssee wurde dem Michel-Mort-Denkmal, dem Original von Robert Cauer d. J., wieder ein würdiger Platz inmitten des Stadtgeschehens zugewiesen. Das seit annähernd einem Vierteljahrhundert andauernde Drama, einen sicheren Platz für ein unter Denkmalschutz stehendes Cauersches Kunstwerk zu finden, ist damit hoffentlich beendet.

Eine Kreuznacherin, die im September 1979 an den Kulturdezernenten Herrn Karl-Georg Schindowski schrieb, als sie zur Erhaltung des Michel-Mort-Denkmals 20 DM spendete, kommentierte das Restaurierungsvorhaben der Stadt damals mit ihrer persönlichen Wertschätzung der Gestalt Michel Morts, nämlich mit den Worten „Ehre wem Ehre gebührt“. Eine Einschätzung, die für viele Kreuznacher auch noch heute 2007 gilt.

Franziska Blum-Gabelmann M.A.                      Bad Kreuznach März 2007

Bilduntertitel:

1: Nikolauskirche und Eiermarkt vor 1902. StAKH Fotoarchiv.
2: Michel-Mort-Denkmal 30er Jahre. StAKH Fotoarchiv.
3: Blick in das Cauer`sche Atelier ca. 1900. SPM.
4: Eiermarkt mit Denkmal 30er Jahre. StAKH Fotoarchiv.
5: Eiermarkt mit Denkmal 30er Jahre. StAKH Fotoarchiv.
6: Eiermarkt mit Denkmal ca. 1944. StAKH Fotoarchiv.
7: Eiermarkt ca. 1945/46. FS Steffen Kaul.
8: Eiermarkt mit Denkmal 1950-1955. StAKH Fotoarchiv.
9: Eiermarkt mit Denkmal 50er Jahre. FS Steffen Kaul.
10:Eiermarkt mit Pflasterung 60er Jahre. FS Cauer Gesellschaft.
11: Sockel ohne Denkmal 1983/1984. FS Steffen Kaul.
12: Michel-Mort-Denkmal Abguss, neue Pflasterung. FS Steffen Kaul.
13: Abgussform. FS Steffen Kaul.
14: Michel-Mort-Denkmal Abguss 2007. StAKH Fotoarchiv.
15: Michel-Mort-Denkmal Original Planig 1992. FS Steffen Kaul.
16: Michel-Mort-Denkmal Original Kuhberg 2004. FS Steffen Kaul.

[1] Franziska Blum-Gabelmann, Michel Mort der Kreuznacher. Geschichte und Dichtung; eine Rezeptionsgeschichte. Unveröffentlichtes Redemanuskript 27.11.2002.
[2] Elke Masa, Die Bildhauerfamilie Cauer im 19. und 20. Jahrhundert. Berlin 1989, S. 151-159.
[3] Anne Tesch, Kunstberühmte Hände. Biographie der Bildhauerfamilie Cauer. Bad Kreuznach 1967, S. 69 – 76.
[4] Carl Velten, Des Johannes Trithemius Chronik des Klosters Sponheim (Chronikon Spanheimense) Deutsch 1024-1509. Bad Kreuznach 1969, S. 63-64.
[5] Brief von Johann Heinrich Kaufmann an Johann Friedrich Müller vom 08.01.1815.
[6] Generalanzeiger (GA) 25.11.1899.
[7] OeA 08.03.1906.
[8] OeA 03.10.1906.
[9] OeA 21.05.1907.
[10] StAKH 1161.
[11] Ebenda.
[12] RP 08.05.1919.
[13] OeA 01.06.1935.
[14] OeA 03.06.1935.
[15] Gespräch Klaus Valerius am 16.03.2007.
[16] Gespräch mit Georg Keller am 15.03.2007; Gespräch mit Bodo Zapp am 15.03.2007.
[17] OeA 10.11.1959.
[18] OeA 10.11.1959.
[19] Guthmann an Stadtverwaltung 30. 04. 1964.
[20] Oberbürgermeister Fink an Hanna Cauer 18.03.1968; Schindowski an Hanna Cauer 30.07.1968.
[21] Brief von Guthmann an die Stadtverwaltung 01.10.1968: „Das Michel Mort Denkmal ist erheblich geschädigt. Dem Michel Mort ist nicht nur das Schwert abmontiert sondern auch der Arm abgeschlagen worden. Vor einiger Zeit haben Rowdys dem Grafen von Sponheim den Kopf abgeschlagen.“
[22] Auszug aus der Niederschrift über die Verwaltungskonferenz am 05.06.1968.
[23] AZ 01.04.1969.
[24] Brief Hanna Cauer an Bürgermeister Schmidt 30.04.1969.
[25] Mitteilung an Vergabeausschuss 19.05.1969.
[26] AZ 01.12.1969, OeA 01.12.1969.
[27] Vermerk 29. 05.1970; OeA 03.09.1970.
[28] OeA 15.04/16.04. 1978.
[29] Privatarchiv Friedrich Senner.
[30] Ebenda.
[31] Brief Theo J. Graffé an Kulturdezernenten Herrn Schindowski vom 09.05.1979.
[32] Brief Walter Cauer Darmstadt an das städtische Kulturamt Bad Kreuznach 18.06.1979.
[33] Brief Schindowski an Johann Plützer vom 01.02.1980.
[34] OeA 18.09.1979; AZ 18.09.1979.
[35] Brief Theo J. Graffé an Kreisverwaltung 21.01.1980.
[36] Schreiben der Stadtverwaltung Bad Kreuznach an 54 Bildhauer 30.03.1982.
[37] Bauausschusssitzung 04.05.1983.
[38] AZ 23.07.1996.

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