Projekt Jugend Stärken im Quartier und AJK

"Wünsche mir respekvolleren Umgang": OB Kaster-Meurer im Interview mit den Jugendreportern


Jugendreporter: Frau Dr. Kaster-Meurer, können Sie sich bitte vorstellen?

Heike Kaster-Meurer: Ich bin 55 Jahre alt, habe vier Kinder und bin Ärztin von Beruf. Ich habe in Bonn Medizin studiert und lebe seit 1992 in Bad Kreuznach. Ich esse gerne Nudeln und lebe mit meinem Mann und unserer Katze Flecki zusammen. Insgesamt habe ich drei Enkel, zwei Mädchen und einen Jungen.

Jugendreporter: Wie viele Kinder haben Sie und wie alt sind sie?

Heike Kaster-Meurer: Ich habe insgesamt vier Kinder. Inzwischen sind sie 34, 28, 25 und 23 Jahre alt. Ein Kind wohnt noch in Bad Kreuznach und die anderen wohnen in anderen Städten.

Jugendreporter: Seit wann sind Sie Oberbürgermeisterin?

Heike Kaster-Meurer: Ich bin seit dem 4. Juli 2011 Oberbürgermeisterin.

Jugendreporter: Macht Ihnen Ihr Job auch Spaß?

Heike Kaster-Meurer: Klar, sonst könnte ich ihn nicht machen. 

Jugendreporter: Wie wird man eigentlich Oberbürgermeisterin? Und was verdienen Sie? Heike Kaster-Meurer: Ich wurde gewählt. Damals waren meine Kinder schon groß und da wollte ich beruflich noch mal was anderes machen und habe dann kandidiert und die Wahl auch gewonnen. Als Oberbürgermeisterin verdiene ich 10.000 Euro.

Jugendreporter: Unser Projekt ist in der AJK e.V. und die wiederum im Pariser Viertel. Was halten Sie von unserem Viertel?

Heike Kaster-Meurer: Das Pariser Viertel hat einen ganz besonderen Charme. Es ist dort so bunt wie im Urlaub. Es ist ein Ort, an dem viele unterschiedliche Menschen gut zusammenleben.

Jugendreporter: Wie finden Sie unseren Träger, also die AJK e.V. Bad Kreuznach?

Heike Kaster-Meurer: Ich finde die AJK richtig gut, kenne sie schon lange, sehe sie wachsen und finde ihre Projekte richtig toll.

Jugendreporter: Was wünschen Sie sich für Bad Kreuznach und seine Menschen?

Heike Kaster-Meurer: Ich wünsche mir, dass der Umgang miteinander insgesamt respektvoller wird. Das Miteinander ist nicht mehr so harmonisch wie noch vor Jahren. Aber das friedliche Zusammenleben kann nur funktionieren, wenn jeder etwas für die Gemeinschaft tut und wir respektvoll miteinander umgehen. Ich bin oft Anfeindungen ausgesetzt, weil ich eine andere Meinung habe, das darf in einer Demokratie so nicht sein. Gerade der Austausch im politischen Bereich ist sehr verroht. Viele sagen etwas, ohne sich wirklich auszukennen, ohne die Hintergründe zu kennen. Diese Kommunikationskultur ist nicht gut für das Miteinander.

Jugendreporter: Woran kann es liegen, dass unsere Kommunikationskultur so respektlos ist?

Heike Kaster-Meurer: Ich denke, dass es viel mit den Social Media zu tun hat. Viele kommentieren dort anonym, dadurch ist die Hemmschwelle gesunken. Menschen urteilen so schneller. Außerdem gibt es Serien wie Der Bachelor oder Germany‘s next Topmodel, wo Frauen abgestraft werden, die einem Ideal nicht entsprechen. Es ist inzwischen schon normal, dass man gekränkt wird. Bei vielen sinkt so die Hemmschwelle, anderen gegenüber respektlos zu sein. Früher war es unvorstellbar, solche Dinge zu sagen. Rücksicht auf andere zu nehmen, ist nicht mehr normal. Selbstverständliches hat sich geändert.

Jugendreporter: Sind Sie zufrieden mit der sozialen Situation in Bad Kreuznach?

Heike Kaster-Meurer: Jeder ist für unsere Stadt verantwortlich. Jeder Oberbürgermeister muss Interesse daran haben, dass die Bürger seiner Stadt gut leben. Es fängt mit Bildung an. Vor allem in der Kita. Es ist wichtig, dass wir gut in die Bildung investieren.

Jugendreporter: Vor kurzem wurde im Stadtrat darüber diskutiert, dass das Jugendamt an den Kreis abgegeben wird. Dadurch werden vielleicht auch Projekte wie unseres geschlossen. Was halten Sie davon?

Heike Kaster-Meurer: Noch wissen wir ja nicht, ob die Projekte dann wirklich geschlossen werden. Uns allen muss wichtig sein, dass die Projekte weitergehen und die Jugendlichen weiterhin gefördert werden. Allerdings habe ich da nicht so viel Hoffnung, wenn das Jugendamt abgegeben wird.

Jugendreporter: Stimmt es, dass Sie nicht wollten, dass die Eisbahn gebaut wird?

Heike Kaster-Meurer: Das stimmt nicht! Herr Schnorrenberger hat die Eisbahn ohne Genehmigung gebaut und eröffnet. Die Verwaltung fand das Projekt zwar gut, muss aber eine Genehmigung ausstellen. Diese muss zuerst bei uns beantragt werden. Denn wenn etwas passiert, sind wir sonst verantwortlich. Deshalb haben wir immer wieder gesagt, dass er eine Baugenehmigung beantragen soll. Doch das hat Herr Schnorrenberger nicht getan. Obwohl er sich also nicht an die offiziellen Vorgaben gehalten hat, hat er im Internet viel Wirbel gemacht. Ich bin froh über jeden, der etwas für diese Stadt macht, aber man muss sich eben auch an die Gesetze halten.

Jugendreporter: Was denken Sie über die AfD?

Heike Kaster-Meurer: Das ist aus meiner Sicht eine Partei, die die Demokratie gefährdet und die in unserem Stadtrat unterschätzt wird. Ihr Ziel ist es, dass die Demokratie keine Rolle mehr spielt. Unser Grundgesetz besagt, dass die Menschen gleich wert sind. Und das stellt die AfD in Frage.

Jugendreporter: Können Sie uns empfehlen, Oberbürgermeister zu werden?

Heike Kaster-Meurer: Wer Spaß am Gestalten hat und viel mit Menschen zu tun haben will, dem kann ich das empfehlen. Man muss aber auch viel aushalten. Früher arbeitete ich als Chirurgin und bekam oft ein Dankeschön, das passiert mir als Oberbürgermeisterin nicht so oft.

Jugendreporter: Haben Sie auch Hobbys?

Heike Kaster-Meurer: Früher hatte ich Hobbys. Inzwischen habe ich gar keine Zeit dafür. Aber wenn ich mal doch Zeit finde, gehe ich Radfahren, ins Kino oder lese gerne Bücher.

Jugendreporter: Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Und ist das Glas halbleer oder halbvoll?

Heike Kaster-Meurer: (lacht) Rosa. Und das Glas ist halbvoll, sonst könnte ich meinen Job nicht machen. 

Wir danken Frau Dr. Kaster-Meurer für die Gastfreundschaft und das tolle Interview!


Foto: Die Jugendreporter interviewten am 10. März die Oberbürgermeisterin in ihrem Büro im Stadthaus.