Als die Kreuznacher Bäckereien „Bubenschenkel“ an Schüler verteilten – Rezept und Fotos des Gebäcks gesucht


Die vorliegende Liste ist eine Aufstellung der Bäcker in Kreuznach, die in den Jahren von 1896 bis 1901 von der Stadtverwaltung beauftragt wurden, zum Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar „Bubenschenkel“ zu backen. Die Aufträge wurden unter den Bäckern der Stadt gleichmäßig verteilt. 1897 lieferten die Kreuznacher Bäckereien Ferber, Hüge, Merz, Schultheis, Ries, Streug, Staab, Schilling, Engbarth, Albrecht, Schraut, Ritter, Rockenbach, Bohr, Franzmann und Heuchert sowie Knobloch und Martin insgesamt 3488 Bubenschenkel an die Stadtverwaltung Kreuznach.

Das Hefegebäck wurde unter den Schulkindern verteilt, wobei das Gymnasium nicht in der Liste geführt wird. Die Bubenschenkel erhielten die Schulhäuser Holzmarkt und Poststraße, das Schulhaus Mainzerstraße und die Schulhäuser Planiger- und Kreuzstraße. Bedacht wurden auch das katholische und evangelische Waisenhaus sowie das Elisabethenstift, die Kleinkinderschule in der Poststraße und die katholischen und evangelischen Kleinkinderschulen der Stadt. Die Stadtverwaltung beauftragte 1897 die Stadtverordneten Späth, Stumpf und Kossmann, sich um die Bestellung und Überwachung der korrekten Lieferung zu kümmern.

Wie die "Buweschenkel" genau aussahen, ist unbekannt

Im Volksmund „Buweschenkel“ genannt, wurde das etwa 25 Zentimeter lange und zwölf Zentimeter breite Gebäck aus zwei Teilen zusammengesetzt. Nach Buss und Westermann, die sich mit Redewendungen der Kreuznacher Mundart beschäftigt haben, verbreiterte sich das Gebäck an den Seiten und lief in je zwei kugeligen Knöpfen aus. Leider ist bisher weder ein Foto noch ein Rezept überliefert, die über das exakte Aussehen oder die Beschaffenheit des Teiges Auskunft geben könnten. Kurfürst Philipp Wilhelm von der Pfalz soll die Sitte Bubenschenkel zu überreichen 1685 eingeführt haben. Die Tradition ist aus vielen Regionen überliefert. Noch bis 1915 bekamen Jungen und Mädchen das Gebäck überreicht. Auch nach dem Ende der Monarchie lebte der Brauch weiter.

Heinz-Jürgen Jacobi, ein Archivbenutzer, erzählte jüngst, dass auch er noch nach dem Zweiten Weltkrieg „Buweschenkel“ überreicht bekommen habe. Diese hätten allerdings eine gewisse Ähnlichkeit mit Weckmännern gehabt. Der Anlass war die Eröffnung der Spannbetonbrücke nach der Umgestaltung 1956.

Vielleicht hat eine Leserin oder ein Leser ein Foto von diesem „Kreiznacher Buweschenkel“ oder das Rezept? Das Stadtarchiv ist gerne bereit, sie beim Lesen der alten Schrift zu unterstützen.

Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 726


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