Haus der Stadtgeschichte

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Fred Lex schreibt und zeichnet für das Corona-Tagebuch

Was heißt eigentlich Normalität ?


Geht es da um Wachstumsfanatismus, um Massentourismus, um Partyrummel oder Konsumwahnsinn? Alles wieder wie gehabt ?

Ich habe meinen Freund, den Hannes von Iwwernoh , neulich bei einem Glas Wein um Aufklärung  gefragt. Er gehört  wie ich altersmäßig dem achten Lebensjahrzehnt an.

 „Was heeßt hier Normalität, mei Liewer, du redd’sch jo schon wie die Schlaumeier aus dene Werdschaftsinschditute“, hat er gemeint. „Die lie’n doch völlich danebe.  Es geht doch  um was ganz annerschdes. Mir wolle eenfach so lewe wie immer.

 Nadierlich brauche mir e‘ Wachsdum, das siehsche doch draus an deine Tomade: ohne Dünger geht do nix. Das heest: es muss sichergestellt werr‘n, dass mir Rentner das krie‘n, was mir verdient honn. Das brauche mir für unsere finanzielle Bewechlichkeit. Oder hosch du schun alles vun de Welt gesiehn? Na, also ! Mei negschde Kreizfahrt no Wenedich is schun geplant! Es heeschd doch: Venedig sehen und dann sterben. Bis es soweit is, wolle mir nadierlich noch e bissje Halligalli mache. Vorsjohr hä’sche mich noch bei de Fassenacht im Narrekäfich siehn kenne. Aber nadierlich denke mir aach ans Schbare.

Ich hatt  frieher viil mit reiche Leit se tun. Un ich kann dir nur saa‘n: vun  de Reiche kannsch’e   es Schbare lerne. Desweche kaafe ich mei Sache nor noch im Internet. Ausserdem: in meinen eigenen Räumen, also deheem, brauch‘ ich beim Inkaafe  kee Maske ansezieh‘n. Des is e gewaldiche Entlasdung !

Siesch‘de mei Liewer, des versteht merr unner  Normalität.“

Ich war sprachlos.

 „Proschd, uff guude Gesundheit“, sagte mein Freund Hannes noch zum Abschluss und nahm einen großen Schluck aus seinem Weinglas.

 Ab und zu  werde ich immer mal an seine Worte zurückdenken. Bin  gespannt, wie es weitergeht.

Gez. Fred Lex, 17.07.2020