Haus der Stadtgeschichte

Neues

Charlotte Eberwien schreibt und fotografiert für das Corona-tagebuch

Reisen in Coronazeit


Ist es nicht schon schrecklich genug, dass durch Corona die Tourismusbranche weltweit „eingebrochen“ ist und dadurch beispielsweise Menschen wie die Kubaner zusätzlich unter einer extremen Lebensmittelknappheit Hunger leiden müssen? Oder viele Einzelhändler in Deutschland durch den Lockout Ihre selbständige Existenz verloren haben? Und durch Schließung vieler mittelständischen Unternehmen zahlreiche Menschen arbeitslos geworden sind?

Dies sind alles Nachrichten, die mich noch mehr antreiben, jeden Tag bewußt zu leben und aus jedem Tag das Schönste zu machen. Aufgrund des weiterhin sonnigen Wetters, der Kurzarbeit und damit verbunden der vielen Freizeit, bin ich viel an der frischen Luft oder reise viel im eigenen Land. Meine Spaziergänge am Rheinufer von Bingen sind wie eine Urlaubsreise im wunderschönen Mittelrheintal. Die meisten Menschen halten den Sicherheitsabstand von 1,5 – 2 m ein und tragen in Lokalitäten und Räumlichkeiten eine Mund-Gesichts-Maske. Beim Wandern im Soonwald habe ich die ersten großen eßbaren Pilze wie Röhrlinge und Steinpilze gefunden und mit Freunden verspeist. Meine Reise in die Schweiz, Region Zürich, ließ mich Corona viel entspannter erleben. Alle Menschen hielten den Sicherheitsabstand ein, selten bestand Maskenpflicht, dennoch fühlte ich mich trotz Corona sicher. Beim Wandern auf dem Rotenfels entdeckte ich trotz zahlreicher Wanderer den großen Schwalbenschwanz Schmetterling und zwei wunderschöne Smaragdeidechsen auf dem Weg zur Bastei (Foto). Ich war jetzt drei Tage in Saarburg, ein Ort, den ich seit Jahren sehen wollte. Trotz Urlaubszeit in Deutschland traf ich dank der derzeitigen Hitzeperiode nur wenige Touristen als erwartet in Saarburg. Herrlich! So konnte ich in Ruhe den Ort mit dem 20 m hohen Wasserfall im Altstadtbereich genießen und eine Schiffsfahrt auf der Saar erleben. Auf der Heimreise legte ich auf dem Gipfel vom Erbeskopf, 816 m ü NN, dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz, einen Zwischenstopp ein und wanderte eine Stunde lang auf dem Bergkamm in den Wäldern. So schön kann Leben in Corona Zeiten sein.

Charlotte Eberwien, 11.08.2020