Haus der Stadtgeschichte

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Susanne Lehner schreibt für das Corona-Tagebuch

Ein Virus „bereist“ die Welt – und wir?


Spontan nach Dubrovnik im Corona-Sommer – eine gute Idee?

Der Frankfurter Flughafen ist für Ferienzeiten erschreckend leer, an der Sicherheitskontrolle dreht das Personal Däumchen. Im Gate-Bereich bleibt dann (vor allem beim Einsteigevorgang) der geforderte Mindestabstand von 1.5 m nur ein frommer Wunsch. Die Flugzeit von 1:30 h vergeht auch trotz Maske recht schnell und bei sommerlichen Temperaturen von 30°C landen wir am Flughafen der zauberhaften Stadt. Der äußerst sympathische Taxifahrer Domo schildert uns ungefragt die verheerenden Auswirkungen der Krise und die überall spürbare Verzweiflung wegen der ausbleibenden Gäste in diesem so anderen Sommer.

Wir wollen uns von unserem Reiseziel im Süden Kroatiens während der nächsten 4 Tage überraschen lassen.  Dies gelingt auch prompt: Die üblicherweise von Menschen aus aller Herren Länder völlig überlaufene Stadt ist nämlich gähnend leer!! Wo sich sonst auch gerne mal eine ganze Schiffsladung Touristen in die wunderbare – und durch das UNESCO-Weltkulturerbe geschützte – Altstadt ergießt, bieten sich heute Perspektiven, die jedem ambitionierten Fotografen das Herz höher schlagen lassen. Einsame Plätze, verwaiste Restaurants, menschenleere Gassen –  die gleißende Julisonne verstärkt die Absurdität der ungewohnten Szenerie. 

Der Römer in Anzug mit Krawatte und Maske

Geschichte auf Schritt und Tritt –  weltberühmte Bauwerke, mittelalterliche Gassen, ehrwürdige Parkanklagen und prächtige Plätze – Rom weiß zu beeindrucken! Aber neben der faszinierenden Architektur antiker Ruinen und opulenter Sakralbauten überzeugt vor allem das stilvolle italienische Leben in den Straßen und auf den Piazzas, in den unzähligen Cafés und Restaurants. Und dies hält langsam wieder Einzug in die Stadt – der Römer in Anzug mit Krawatte und Maske, der Tourist mit Kamera und Maske.

So genießen auch wir die ewige Stadt in diesem so anderen Sommer, schlendern durch das Modeviertel um die Via del Corso, erklimmen die Spanische Treppe, lassen uns durch die unzähligen Gassen des Centro Storico treiben. Ein Besuch der Vatikanischen Museen anderntags ist jedoch leider nicht ganz so entspannt wie erhofft. Trotz im Vorfeld gebuchteter Tickets (Begrenzung der Besucherzahl), ist das Museum überraschend gut besucht. Der gewünschte Mindestabstand kann kaum eingehalten werden und unsere Hoffnung, dieses unvergleichliche Museum voller zeitloser Kunstschätze mit Ruhe zu besuchen schwindet. Wir schwimmen im Besucherstrom automatisch weiter, ohne die überwältigende Kunstsammlung in ihrer Gesamtheit wirklich erfassen zu können. 

Und so halten wir lieber Abstand zu den gut besuchten Hauptsehenswürdigkeiten, genießen nur einen Blick auf Kolosseum und Forum Romanum vom Hügel des Kapitols.

Susanne Lehner, 21. August 2020