Haus der Stadtgeschichte

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Fred Lex schreibt und zeichnet für Corona-tagebuch

Einkauf am Gemüsestand


Seit meine Frau mich für unseren Zwei-Personen-Rentner-Haushalt zum Chefeinkäufer ernannt hat, bin ich morgens schon früh auf den Beinen. Schlange stehen vor den Einkaufsmärkten vermeidet man am besten, wenn man bereits in den Morgenstunden präsent ist. Dann sind die Kontrolleure in den Gelbwesten am Eingang noch mit ihren Handys beschäftigt und es gibt keine Wartezeiten, weil der Markt besuchermäßig noch nicht am Limit ist.

 Wir wohnen gleich um die Ecke nicht weit von der Alzeyer Straße und liegen damit an einer interessanten Supermarktkette in Bad Kreuznach-Südost. Ganz unten der Obi, dann der Lidl, am Friedhof ein türkischer Discounter, es folgt der Rewe-Kreisel und ganz oben der Aldi. Auf jeden Fall: zur Not kann man alles zu Fuß erreichen.

Ich starte mit dem Einkaufskorb am liebsten am Gemüsestand. Diesmal ist Blumenkohl dran. Blumenkohl gehört zu den gesündesten Gemüsearten. Mein ausgewählter Blumenkohlkopf ist zum Stückpreis von 4,99 € zu haben. Als ich nach Hause komme, schlägt meine Frau entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen: „Vier Euro neunundneunzig!!!“. Sie gehört zu den kritischen Hausfrauen, die gerne mal zum Vergleich an die D-Mark-Zeiten erinnern. Damals bekochte sie einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und vier Kindern, da war Wirtschaftlichkeit angesagt. „Da hätte ich ja damals für den Blumenkohl zehn Mark hinlegen müssen“, stellt sie fest. Ich weise darauf hin, dass die Landwirtschaft in der Corona-Krise  enorm unter Kostenstress steht. Außerdem ist bekannt, dass der Blumenkohl schon immer teuer ist, weil die Landwirte in Handarbeit die Deckblätter über das Innere knicken, damit die von Natur aus elfenbeinfarbenen Blumenkohlröschen  auf Wunsch der Hausfrauen schön weiß bleiben.

 Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Blumenkohl keine Deckblätter. Aber er war ein richtiges Prachtexemplar und ließ sich zur Hälfte für eine weitere Mahlzeit einfrieren.

Fred Lex, 27. Mai 2020