Ein "Leuchtturm und Juwel" in Rheinland-Pfalz

Sechs Jahre Haus der Stadtgeschichte


„Ein lebendiger Ort der Erinnerung, der Bildung, des Austauschs im Herzen der Stadt und das Ergebnis eines beispiellosen bürgerschaftlichen Engagements – was für eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte! Damit ist Bad Kreuznach Leuchtturm und Juwel gleichermaßen in der an Höhepunkten nicht gerade reichen Karte der kommunalen Archivlandschaft von Rheinland-Pfalz.“

So viel Lob und Anerkennung für die Arbeit macht auch Oberbürgermeister Emanuel Letz stolz, der reichlich Grund hatte, Danke zu sagen: dem Land für die großzügige finanzielle Förderung des Umbaus des ehemaligen Bettenhauses Golling zum Haus der Stadtgeschichte, dem Stadtrat für die Entscheidung, das Gebäude für diese Zwecke zu erwerben, und dem Förderverein Bürgerarchiv, der 305.000 Euro beisteuerte. Besonderer Dank gilt der Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann und ihrem Team. „Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit. Sie machen dieses Haus zu einem Ort, der offen ist für die Menschen. Es ist auch eine wichtige Forschungs- und Bildungsinstitution. Wer wissen will, wie sich Bad Kreuznach entwickelt hat, wer verstehen will, was diese Stadt geprägt hat, wer jungen Menschen Geschichte nahebringen will, der braucht genau diesen Ort.“

Letz skizzierte die lange, wechselhafte Geschichte des Stadtarchivs, das 1681 urkundlich erwähnt wurde. Die Bestände waren durch Kriege, Hochwasser und Sturzfluten, durch schlechte Lagerung und Plünderung bedroht. Zudem wurde improvisiert und in Kellern, auf Dachböden und in Provisorien ausgelagert. Erst mit diesem Haus gelang der ersehnte Fortschritt. Am vorherigen Standort im ehemaligen Pförtnerhaus im Schlosspark standen gerade mal 90 Quadratmeter zur Verfügung, hier sind es 744 Quadratmeter.

Werner Fuchs, Vorsitzender des Fördervereins Bürgerarchiv, ging in seinem Grußwort auf den Anlass ein. „Sechs Jahre sind eine runde Sache.“ Zur Begründung sagte er: „Vor sechs Jahren ist der Förderverein Bürgerarchiv nach getaner Arbeit liquidiert worden. Sechs Jahre zuvor, 2014, war er gegründet worden, nachdem wiederum sechs Jahre zuvor, nämlich 2008, die Stiftung Haus der Stadtgeschichte ins Leben gerufen worden war.“ Er bedankte sich bei den „Persönlichkeiten des Kreuznacher Bürgertums und des Mittelstandes, die es ermöglicht haben, unser ehrgeiziges Ziel zu erreichen. Neben dem eigentlichen finanziellen Vorgang war bei allen Sponsoren die besondere Verbundenheit zu unserer Heimatstadt zu spüren.“ Werner Fuchs nutzte die Gelegenheit, sich auch bei seiner Frau Annemarie zu bedanken. Sie baute ein Archiv über das berufliche, gesellschaftliche und private Leben des Ehepaares auf. Teile dieser über Jahrzehnte gewachsenen Dokumentation könnten, so die Hoffnung von Fuchs, eines Tages in das Bürgerarchiv der Stadt übernommen werden.

Im Anschluss diskutierten Dr. Beate Dorfey und Franziska Blum-Gabelmann in einer Talkrunde u. a. über die Zukunft der Archivarbeit. Dabei legte die Landesarchivleiterin einen besonderen Schwerpunkt auf die Digitalisierung von Archivgut, die weit mehr ist als das bloße Einscannen von Unterlagen. Die Erstellung von Digitalisaten, deren beständiger Pflege, Sicherung und Bereitstellung sind mit hohen Kosten sowie erheblichem Personalaufwand verbunden. Von besonderer Bedeutung ist dabei, die Authentizität und Unveränderbarkeit der digitalen Unterlagen dauerhaft zu gewährleisten. Dr. Dorfey verglich diese Herausforderungen mit der Übernahme analogen Archivguts und zeigte damit anschaulich auf, welche anspruchsvollen Aufgaben in den kommenden Jahren auf Stadt und Archiv zukommen. Franziska Blum-Gabelmann wünscht sich vom Oberbürgermeister, dass er hierfür in Stadtrat und Verwaltung die notwendige Sensibilität und das entsprechende Verständnis fördert.

Corona-Dokumentation, Ausstellungen, Besuche von Schulklassen und Kindergärten, Filmvorführungen, Vorträge und sogenannte Sammeltassengespräche nach dem Motto „Bürger erinnern sich und erzählen“: In den sechs Jahren seines Bestehens hat das Haus der Stadtgeschichte ein breites Spektrum an Angeboten und Veranstaltungen entwickelt. Die Archivdirektorin ermunterte die zahlreichen Besucherinnen und Besucher: „Machen Sie sich bitte einmal die Mühe und prüfen Sie die Homepage Ihres Hauses der Stadtgeschichte auf digitale Angebote aller Art. Sie werden überrascht sein, was dieses vergleichsweise kleine Haus mit viel Engagement alles auf die Beine stellt.“


Foto: Über das große Lob der Landes-Archivdirektorin Dr. Beate Dorfey (2.v.l.) freuten sich Emanuel Letz (links), Franziska Blum-Gabelmann und Werner Fuchs. Foto: Charlotte Eberwien. 

Text: Hansjörg Rehbein

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