Haus der Stadtgeschichte

Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte
Finger sorgt für Geschmacksnote bei Familienbrot

Die Lieblingshobbies meiner Frau sind Schwimmen, Kochen und Backen. Das beherrscht sie alles bestens, Letzteres sehr zur Freude unserer Familie und unseren Freunden. In Corona-Zeiten hat sie das Backen noch um ein köstliches Ergebnis erweitert. Brot aus Sauerteig, so sind wir künftig nicht auf Hefe angewiesen, die wieder mal knapp werden könnte, was wir alle aber nicht hoffen.

Mich fasziniert, dass wir künftig unser eigenes Familienbrot essen. So muss der Sauerteigansatz (Waser und Mehl) die ersten beiden Tage mit dem Finger verrührt werden, dessen Bakterien sorgen für den eigenen Geschmack und der ist vorzüglich, wie uns die erste Sauerteig-Brot-Kostprobe beschert hat.

Für alle, die jetzt auch beginnen Brot aus Sauerteig zu backen, sei gesagt: Fünf Tage lang muss der Sauerteigansatz gefüttert werden, d.h. das Mehl und Wasser mit dem Löffel verrühren. Den Teig dann nicht komplett verbacken, sondern einen Teil zurückhalten und kühlen. Denn dieser Sauerteigansatz ist dann die Grundlage für das nächste Brot.

Der Aufwand lohnt sich, ich freue ich schon auf den nächsten Kanten Brot.

Gez. Hansjörg Rehbein, 11. September 2020 

 Mit sportlicher Aktivität gegen die Corona-Müdigkeit
Foto: Klaus Castor

Seit Corona fahren wesentlich mehr Menschen mit dem Rad. Experten schätzen, dass die Verkehrsbelastung in deutschen Städten seit den Corona-Einschränkungen teilweise um 40 Prozent gesunken ist. Die Fahrradbranche erlebt insbesondere bei den E-Bikes einen Boom.

Die Begeisterung für dieses Fortbewegungsmittel habe ich auch bei der Auftaktveranstaltung des Stadtradelns gespürt. Fahrradfahren bringt Menschen zusammen, wenn auch derzeit als Schutz vor dem Corona-Virus mit gebührendem Abstand.

Die Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem und der Ausflug in der Gruppe mit Eis oder dem Bier zum Abschluss die Seele.

Auch die schwimmsporttreibenden Vereine wie der VfL freuen sich auf ihr Training im Hallenbad, das demnächst wieder öffnet, die Fußballer in unserer Region haben ihren Saisonstart hinter sich. Auch die Sporthallen sind wieder geöffnet.

Es gibt wieder mehr Normalität, wie gut das tut!

Ich drücke uns allen fest die Daumen, dass wir gut über den Herbst und Winter kommen!

Gez. Hansjörg Rehbein, 10. September 2020

Eröffnung Speiselokal trotz Coronapandemie
Michael Wambsganß-Bollweg / Bau-+Projektleiter, Elfie Jung/Gattin v. Hans-Heinz Jung-Inhaber Felsenkeller 1960er-2018, Nicole Jung-Puchner / Hausbesitzerin ab 2018 mit Tochter Lea Puchner, Sheba + Ben Ahmed

Während viele Gastronomen Ihre Lokalität in der 6monatigen Coronapandemie leider schließen müssen/mussten, ist die Euphorie und Kraft von Sheba und Ben Ahmed aus Indien ungebrochen. Von Mai bis heute musste die Eröffnung ihres Restaurants Royal Taj in Bingen coronabedingt mehrfach verschoben werden. Ende August 2020 konnten sie ihr indisches Speiselokal auf der Amtsstraße 15 endlich eröffnen. Am Eröffnungstag kamen zahlreiche Gäste über den Tag verteilt bis 22.30 Uhr ins Royal Taj. Viele von Ihnen, unter anderem auch meine Person, verkosteten zum  ersten Mal indische Speisen und waren sehr begeistert davon. Das Pächterehepaar und die Servicekräfte sind äußerst freundlich und aufmerksam.

Ich hatte das Glück mit dem Bau- und Projektleiter Michael Wambsganß-Bollweg und der Hausbesitzerin Nicole Jung-Puchner und ihrer Familie gemeinsam im Royal Taj dinnieren zu dürfen. Wir hatten einen sehr schönen Abend mit exzellenten indischen Speisen und natürlich kamen wir auf die faszinierende Geschichte des Hauses und des Ladenlokals zu sprechen. Von 1871-1932 betrieb der Braumeister Johann Baptist Trautwein hier eine Brauerei. Er braute sein Bier nur im Winter, ca. 3.000 Hektoliter pro Jahr, welches zum Teil auch in die näheren Orte wie Rüdesheim am Rhein „exportiert“ wurde. Nach dem 2.Weltkrieg übernahm die Bad Kreuznacher Brauerei diese Lokalität und betrieb die Brauerei bis in die 1960er Jahre. Danach übergab Johann Baptist Trautwein das Gebäude seinem Neffen Hans-Heinz Jung vom Weingut Junghof. Von den 1960er Jahren bis ca. 2010 änderte sich die Lokalnutzung und es befanden sich diverse Gastronomien in den Folgejahren in diesem Ladenlokal. Durch zwei Großbrände kam es zu einem Leerstand bis 2018. Von 2018 bis Mitte 2020 ließ die neue Hausbesitzerin Nicole Jung-Puchner, Tochter des Vorbesitzers Hans-Heinz Jung, gemeinsam mit dem Planer, Bau- und Projektleiter Michael Wambsganß-Bollweg das Ladenlokal und das ganze Haus umbauen, sanieren und modernisieren.

Was für ein Erlebnis…in diesen momentan harten Zeiten für Unternehmer und Selbständige…die positive Kraft und Ausstrahlung dieser indischen Gastronome erleben zu dürfen. Alle Gäste wünschten Sheba und Ben Ahmed viel Kraft, Energie und Durchhaltevermögen für die Zukunft und bedankten sich für den wunderschönen Abend, den sehr freundlichen Service und die feinen, leckeren Speisen. Ich hoffe sehr, dieses Beispiel möge Vorbild vieler Menschen werden.

Charlotte Eberwien, 9. September 2020  

Bad Kreuznach, du fehlst mir!
Die Stadt hat sich in den vergangenen Monaten wieder gefüllt. Dennoch ist weiterhin Vorsicht angesagt.

Ich bin im kleinen Ort Odenbach aufgewachsen. Schon damals fuhr ich mit meinen Eltern und meinem Bruder regelmäßig nach Bad Kreuznach, um Klamotten zu kaufen, zum Augenarzt oder ins Kino zu gehen. Als Jugendliche und junge Erwachsene zog es meine Freunde und mich dienstags zum Jahrmarkt. Tolle Fahrgeschäfte und das Feuerwerk begeisterten uns jedes Jahr.Jetzt wohne ich in Hallgarten, also noch viel näher an der Stadt. Mein Mann und ich entspannen gerne in den Crucenia Thermen oder essen in der Pizzeria Da Vinci.

Seit der Corona-Krise waren wir kaum noch in Bad Kreuznach. Wir meiden größere Menschenmengen und bleiben überwiegend zuhause. Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder ohne Angst vor Ansteckung durch die Fußgängerzone schlendern können und dass die Geschäfte, Eisdielen und Restaurants dann noch da sind und nicht aufgrund der Krise schließen mussten!

Haltet durch, wir kommen wieder!

gez. Simone Schneider, 8. September 2020

Reichlich Fotoblitze im Haus der Stadtgeschichte – 38 „Masken-Models“ kamen
Georg Troll ließ sich mit Ehefrau Elisabeth und Tochter Theresa von Markus Schmidt-Keber fotograiferen.

Sechs Kegelbrüder aus Wissen haben Bad Kreuznacher Stadtgeschichte mitgestaltet. Bei ihrem Wochenendtrip nach Bad Kreuznach kamen sie am Samstag im Haus der Stadtgeschichte vorbei und ließen sich spontan mit ihren Corona-Schutzmasken fotografieren. Markus Schmidt-Keber (Foto Sawatzki) hatte reichlich zu tun. Von 10 bis 13 Uhr hatte er insgesamt 38 „Models“ vor der Linse. Damit war Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann sehr zufrieden. Seite Mitte April läuft die Corona-Dokumentation im Haus der Stadtgeschichte. Seither wurden hunderte von Fotos von Hinweisen auf die Corona-Schutzvorschriften in Schaufenstern, Behörden, Betrieben etc. gemacht, Plakate, Flyer, Handzettel gesammelt. Über 100 Einträge umfasst das Corona-Tagebuch mittlerweile. Bei den Corona-Gesprächen werden Interviews mit Betroffen wie Feuerwehrleuten, Ärzten, als Hördokumente aufgezeichnet.

Veronika Gugenheimer hatte ihre Tochter Franziska mitgebracht und wurde auch vom SWR-Kameramann gefilmt. Foto: Hansjörg Rehbein

Zum Fotoshooting kamen eine junge Mutter mit ihrem Baby, ein Ehemann und Vater, der sich mit Frau und Tochter fotografieren ließ, Rollstuhlfahrer(innen), eine 93 Jahre alte Frau, die selbst viele Masken schneiderte und verschenkte, ein Mann mit Jahrmarktsmaske und dessen Frau, die einige Masken mitbrachte. ein FCK-Fan mit dem Vereinslogo auf der Maske und ein Teenager-Pärchen, das den Abschluss bildete.

Fast die ganze Zeit dabei ein Fernsehteam des SWR, das einen Beitrag für die Landesschau drehte, der in dieser Woche im Dritten Programm ausgestrahlt werden soll.

gez. Hansjörg Rehbein, 7. September 

Die dunkle Seite der Macht wirbt für den Gesundheitsschutz

Darth Vader wirbt für die Vernunft und mahnt in Corona-Zeiten eine Maske zu tragen. So gesehen im Bad Kreuznacher Kino Cineplex, das erfreulicher Weise wieder geöffnet ist und uns ein weiteres Stück Normalität in unser Leben gebracht hat.

Darth Vader gilt nach der Bewertung des American Film Institute als der drittgrößte Bösewicht der Filmgeschichte nach Hannibal Lecter und Norman Bate. Die Star-Wars-Parodie „Darth Vader privat“, die im Kinderkanal zu sehen war, zeichnet aber ein anderes Bild von der dunklen Seite der Macht.  Mit meinen Söhnen habe ich herzlich gelacht, als Darth Vader mit seinem Teddybär im Bett liegt und seine Mutter bittet, das Licht anzulassen, weil er Angst vorm Einschlafen hat.

In unserem Keller liegt noch eine Darth-Vader-Spielzeugmaske, die mein jüngster vor über zehn Jahren in der Fastnachtszeit getragen hat. Vielleicht ziehe ich sie für das Foto-Shooting der Corona-Maske im Haus der Stadtgeschichte an.

Ein bisschen Spaß muss sein

gez. Hansjörg Rehbein, 4. September

Traumurlaub auf Rügen in Corona-Zeiten 

Mitte August unternahmen wir eine organisierte Reise ins Ostseebad Binz.

Vor der Reise hatten wir schon von zuhause aus das Ausflugsprogramm gebucht.

Der erste Programmpunkt bestand aus einer Ortsführung durch Binz. Die Reiseleiterin erschien in der Mode der Jahrhundertwende und erzählte uns viel Wissenswertes und Spannendes über das größte Seebad der Insel. Sie führte uns entlang der alten, weißen Villen in Bäderarchitektur bis zur 560 m langen Seebrücke.

Auch eine Fahrt mit der Schmalspurbahn “Rasender Roland“ stand auf unserem Programm. Während der ganzen Fahrt bestand natürlich Maskenpflicht. Die Fahrt führte vorbei an kleinen Ortschaften, Wiesen und Feldern, durch das Waldgebiet der Granitz zum bekannten Ostseebad Baabe.

Auch unsere Reise blieb nicht unberührt von den Folgen der Corona-Krise.

Bevor wir uns morgens mit einem Frühstück für die Ausflüge stärken konnten mussten wir uns in Geduld üben (Foto).

Vor dem Speisesaal hatten sich oft lange Schlangen hungriger Gäste gebildet. Wir wurden einzeln zu den Tischen geführt. Wie erwartet, bestand im ganzen Hotel Maskenpflicht.

Auch konnte man vor dem auf der Insel bekannten Bäcker Peters hungrige, mit Maske ausgestattete nach Backwaren lechzende Kunden erblicken.

Trotz allem war es ein sehr schöner Urlaub.

Astrid Böhm, 3. September 2020


Erst-Kommunion-Feiern noch bis zum 27. September

Samstag, 22. August 2020, 14 Uhr:

 „Weißer Sonntag“ im August. Das ist eine historische Novität. Wegen des allgegenwärtigen Corona-Virus, der ganz Deutschland – auch -  im April zu einem Lockdown zwang, war es aber unvermeidlich, die Erstkommunionfeier so vieler Kinder am ersten Sonntag nach Ostern abzusagen.

Nun gehen die Jungen und Mädchen aus unserer Pfarreiengemeinschaft in der Zeit zwischen 22. August bis einschließlich 27. September in Kleingruppen zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Das Foto zeigt drei festliche gekleidete Mädchen und einen Jungen am Portal der Heiligkreuz-Kirche. Die reine Freude strahlt aus ihren schönen Gesichtern. Es ist ihnen Gottes Segen und eine gute Zukunft zu wünschen.

Was werden sich als Erwachsene ihren Kind und Enkeln von ihrer ersten heiligen Kommunion im Corona-Jahr erzählen können, von einem Gottesdienst, der nur unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln gefeiert werden durfte!

Drei Elternpaare gehen indessen einen anderen Weg. Sie lassen ihre Kinder zum ersten Mal des Herrn gehen, wenn es keine Corona-Einschränkungen mehr gibt.

gez. Marita Peil, 2. September 2020

Gedanken zur Corona-Krise in Bad Kreuznach und darüber hinaus
Markus Bach (links) bei der "Männerlesung" im Freibad Bad Münster.

Markus Bach M.A., Christ, Gewerkschafter, Schriftsteller, hat uns einen Beitrag für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte geschrieben, der sehr nachdenklich stimmt und auch nachdenklich stimmen soll:

Ja, die globale Corona-Krise ist auch in Bad Kreuznach angekommen. Anfänglich fragten sich viele, ob die Intensiv-Betten in den regionalen Krankenhäusern ausreichen, wenn es mit dieser offenbar unberechenbaren Erkrankung noch heftiger kommen sollte. In vielen Hinterköpfen werden Pestängste wach. Albert Camus' Roman "Die Pest" wird mit einem Schaudern gelesen.

Trotz Distanz rücken viele Menschen näher zusammen - widersprüchlich nur auf den ersten Blick - und doch sterben auch in unserer Stadt viele Menschen einsam unter Corona-Bedingungen, wenn auch nicht unbedingt an Corona selbst.

Tja, und dann wird der Jahrmarkt abgesagt: die wohl schlimmste Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg - die Corona-Pandemie - hat auch Bad Kreuznach im Griff.

Zum ersten Mal seit 1945 ist eine globale Krise in unseren Breiten so unmittelbar angekommen, dass sie uns ganz persönlich betrifft: Lieb gewonnene, nie wirklich hinterfragte Freiheiten werden eingeschränkt; Geschäfte schließen, manch' eine Existenz ist bedroht und einige können dieser Entwicklung trotz KurzarbeiterInnengeld nicht mehr Stand halten und rutschen ins gesellschaftliche und persönliche Abseits.

Wir alle sind drastischen Einschränkungen unterworfen und selbst die größten Wirtschaftsliberalen fragen nach staatlichen Hilfen - der viel gelobte Markt kann's eben nicht richten. Leben und Tod, das bemerken jetzt viele Menschen, sind durchaus mehr als die BefürworterInnen der reinen Lehre von Angebot und Nachfrage glauben machen wollen.

Der Preis der menschlichen Existenz ist sein einzigartiger Wert, mit nichts zu bezahlen.

Genau diese Einschätzung gilt für alle Menschen - weltweit. Wir alle sind durch unseren je eigenen Wert in unserem Recht auf Unterschiedlichkeit und Wertschätzung gleichgestellt, was in der Charta der UN-Menschenrechte eindeutig formuliert ist.
Doch haben wir das als Gesellschaft jemals bedacht, wenn es um die globalen Krisen und die vielen Kriege weltweit nach dem Ende des II. Weltkriegs 1945 ging, so wie wir es jetzt in Corona-Zeiten bedenken, wenn unsere Freiheiten unmittelbar eingeschränkt werden?
Was hat es uns als Gesellschaft denn gejuckt, dass bis heute Jahr für Jahr Millionen Menschen an Hunger sterben; dass Kinder schon kurz nach ihrer Geburt an Mangel- und Unterernährung elend zu Grunde gehen, dass Mädchen nur wegen ihres Geschlechts getötet oder grausam beschnitten werden?

Was hat es uns als Gesellschaft denn gejuckt, dass unsere Art der fleischorientierten Ernährung, der Massentierhaltung und des Massenkonsums, des Raubbaus an der Natur über Großkonzerne gewinnorientiert gesteuert genau diesen Hunger fördern, die Klimakrise verschärfen, die wiederum den Hunger verschlimmert?

Was hat es uns als Gesellschaft denn gejuckt, dass auch mit in Deutschland produzierten Waffen Menschen in Kriegen massenweise getötet wurden und werden?
Was hat es uns als Gesellschaft denn gejuckt, dass auch mit in Deutschland mitverursachten Konflikten und Kriegen Menschen in die Flucht, aufs Meer und schließlich dort ins Ertrinken getrieben wurden und werden?

Einige wenige Menschen wie etwa die Bad Kreuznacher Reschke-Brüder hat es etwas gejuckt. Sie wollen privat organisiert Menschen auf der Flucht vor dem Ertrinken retten. Das ist aller Ehren wert, genauso wie projektorientiertes Helfen einzelner Gruppen, nicht zuletzt in der Flüchtlingskrise des Jahres 2015.
Alles das wird in unserer globalisierten Welt jedoch nicht ausreichen, um die Menschenrechte für jede einzelne ErdenbürgerIn durchzusetzen, wie wir es für uns und unsere Nachbarn in derselben Straße in Bad Kreuznach mit Recht in der Corona-Krise erwarten.

Wir werden unser Gesundheitssystem eben nicht der Gesundheit jedes Einzelnen angedeihen lassen können, wenn dieses Gesundheitssystem nur unter Gewinngesichtspunkten geführt wird und das gilt nicht nur in Corona-Zeiten in Bad Kreuznach, wenn wir mit Recht um die Zahl der Intensivbetten besorgt sind.
Es wird nicht reichen, nur Spenden gegen den Hunger auf der Welt zu sammeln, um die Folgen von Hunger, Krieg und Verfolgung zu mindern und die Menschenrechte für jeden einzelnen Füchtling weltweit durchzusetzen.

Wir werden die Macht der Großkonzerne, der Waffenschmieden, der Börsengewinnler einschränken und die Militärhaushalte unserer NATO-Staaten drastisch verringern müssen, wenn wir mit Recht allen Menschen ein Leben ohne Krieg, Angst und Hunger ermöglichen wollen. Nur wenn wir das Geld fürs Militär in Bildung, Gesundheit, Nahrung und Gleichberechtigung umleiten und den Raubbau an der Natur beenden, werden wir die Chance haben, für jeden Menschen auf diesem Planeten die Menschenrechte durchzusetzen.
Das gilt natürlich auch für uns selbst. Denn Corona, das den Bad Kreuznacher Jahrmarkt zu Fall brachte, ist eine Folge des massenhaften Artensterbens bedingt durch die von uns selbst ausgelöste Öko-Krise und diese Pandemie wird nicht die letzte sein, die unser schönes Leben in Bad Kreuznach bedroht, wenn wir nicht in allen Lebensbereichen umsteuern. Nicht nur für Corona in Bad Kreuznach gilt: global denken, lokal handeln.

Markus Bach, 1. September 2020

Di ganz Korona

„Do kimmt die ganz Korona“.  Wir haben Mundartautor  „Hombes“ (Karl-Rudolf Hornberger) gebeten für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte e Schdiggelche zu schreiwe:

Mir Kreiznacher brauche nit in de Krimmele ze suche, wemmer das Wort Korona heere. Das Wort kenn ich seit meiner frihscht Kindheit schunn. Domals wa das kee Krankheetwi heit, womeechlich noch e’Pandemie. Nee, di Korona war e’Wort aus unserm alldächliche Schbrachgebrauch! Wenn ich middaachs aus de Schul kam, hatt mei Deller Rilles-Rallessupp e’nunner gewürcht, also di Graupesupp, di’s fascht alle Daach gebb hot, gess, dann saat mei Mudder zu merr: „Bub! De eerscht werre dei Uffgaawe gemacht, bevor de bei di Buwe uff di Gass gehsch! Di ganz Korona schdeht schunn vor de Diir.“

 Mit de Korona wa nit di Krankheit Corona Covid 19 gemeent, di di Gasse Buwe ve’leicht hätte kenne honn, nee! Korona wa das Wort for Sippschaft, for e’Haufe Buwe, di domols uff de Gassa geschdann honn, um mit merr ze schbiile. Hickelches, Klickerches, Ve’band odder Völkerball. Alles Schbiile for Kinner, di’s heit nit mehr gewwe duut. Ox am Berch, Mudder wie weit darf ich Reise? Schlapp hat den Hut verloren. All di Kinnerschbiile konnt merr nor schbiile, wenn e’Korona Kinner uff de Gass war. Alleen is das nit gang, dass merr Hickelche geschbiilt hätt, un Völkerball alleen, das is aach nit gang. Di ganz Korona Kinner vun de Gass musst do sein, deno konnt merr middenanner schbiile.

 Heit bleiwe di Kinner deheem in de Schdubb, klicke am Handy, e‘vor un ze’rick, gehn an de Kompjuder un mache ihr Uffgaawe for di Schul im Homscherring. Dodebei misse’se uffbasse, dass de Vadder odder di Mudder kee Corona mit heem bringt, wenn di aus’em Urlaub aus Malle komme, sunnscht honn’se aach in heidicher Zeit di Corona.

 Gez. Hombes, 31. August 2020

Foto: Immer unterwegs, so wie man ihn kennt, de Hombes.

Wegen Corona: Mehr als eine Million Menschen haben New York verlassen
Beschäftigung in New-Yorker Corona-Zeiten: Astrid Böhms Brieffreund Alex fotografiert Vögel.

In einer E-Mail an Astrid Böhm hat deren amerikanischer Brieffreund Alex die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Stadt New York beschrieben. Sie hat die Nachricht mit Übersetzung für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt:

As I see the numbers in Europe are on the way back up.  It is not better here-situation remains

grave, and we in USA at least will likely live with this for years to come.

I spend my time doing my bird watching and photography. That is about all there is, which I can do in relative safety. It is too dangerous to travel anywhere.  The City of New York dying, more than

a million people have left the city permanently, and the people who left were the tax base for the city revenues.  Thousands of businesses are boarded up closed, and thousands of apartments

abandoned.  It will take a generation fo the city to recover, It is not good.

 Stay safe

 Alex

 Übersetzung:

Wie ich sehe, steigen die Zahlen der Infizierten in Europa wieder.  Es ist nicht besser hier-die Situation bleibt ernst, und wir in den USA werden wahrscheinlich noch Jahre damit leben müssen.

Ich verbringe meine Zeit mit Vogelbeobachtung und Fotografie. Das ist alles, was es gibt, was ich in relativer Sicherheit tun kann. Man kann nirgendwo gefahrlos hinreisen.  Die Stadt New York stirbt, mehr als eine Million Menschen haben die Stadt dauerhaft verlassen, und die Menschen, die gegangen sind, waren die Basis für die Stadtsteuereinnahmen.  Tausende von Unternehmen wurden geschlossen, und Tausende von Wohnungen verlassen.  Für die Stadt wird es die Zeitspanne einer Generation benötigen, um sich zu erholen. Es ist nicht gut.

 Bleib gesund

Alex

Zwischenbilanz zum 100. Corona-Tagebuch-Eintrag
Maskenkunst von Walter Brusius. Wer sich mit seiner Maske fotgrafieren lassen will, kann ohne Voranmeldung am Samstag, 5. September, von 10 bis 13 Uhr in Haus der Stadtgeschichte, Mannheimer Straße 189, kommen.

Hoffen und Bangen, Trauer und Freude, das Auf und das Ab der Gefühle: Ein Land im Ausnahmezustand. Mitten im Lockdown startete das Haus der Stadtgeschichte am 17. April 2020 sein Projekt Corona-Tagebuch der Stadt Bad Kreuznach. „Digital sein Dank“ war die Überschrift des ersten Eintrages, zur Trauer über die soziale Distanz, zu der die Corona-Schutzbestimmungen uns gezwungen hat.  Da war der Gruß an unsere Lieben und unsere Freunde über Whats App zumindest ein Trost. Seither ist viel passiert, vieles wieder zum Besseren, aber immer mit der Sorge verbunden, ob die Infektionszahlen wieder so stark ansteigen, dass die Schutzmaßnahmen erneut verstärkt werden müssen. Den 100. Tagebucheintrag heute, Donnerstag, nehmen wir zum Anlass, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

Als stünde der Weltuntergang bevor, kauften die Menschen die Regale leer, Klopapier wurde zur Mangelware, man begann sich schon früh von seinen Urlaubsträumen am Mittelmeer oder in den Bergen zu verabschieden, die Haare und Bärte wurden lang und länger, weil die Frisöre erst im Mai wieder öffnen durften. Im April schwante den Gässjern schon, dass es mit „nix wie ennuner“ nix werden würde und aus den uniformen Masken als Virenschutz wurde bunte und teils schrille und originelle Mode-Gags. Für die Gläubigen unter uns war es eine bedrückende Zeit, kein Osterfest in den Kirchen, online-Gottesdienste stattdessen, Corona machte die Trauerfeiern noch trauriger, weil nur wenig Menschen Abschied am Grab nehmen durften. Der 13. Mai 2020 dürfte uns allen als besonderer Tag in Erinnerung bleiben, denn ab diesem Donnerstag durften die Gaststätten wieder unter Auflagen öffnen, und dann die freudige Nachricht, dass ab 27. Mai die Tanz- und Fitnessstudios wieder öffneten. 

30 Autorinnen und Autoren haben bislang Beiträge für unser Corona-Tagebuch geschrieben, fotografiert und gezeichnet, denn unter den Einträgen waren auch Gemälde und Karikaturen. Post erreichte uns aus Spanien und England. Eine Oma schickte uns das Zwiegespräch mit ihrer Enkelin, eine Tante das Märchen, geschrieben von ihrer Nichte. Jugendliche formulierten ihre Gedanken und Gefühle zu Corona, ein Geburtstagskind seine Wünsche, ein Pfarrer i.R.  philosophische Gedichte, ein Kreuznacher berichtete über die katastrophalen Zustände im Flüchtlingslager „Moria“ auf der griechischen Insel Lesbos.

Corona wird uns leider noch eine ganze Weile beschäftigen, so dass wir auch unser Tagebuch weiterführen werden. Wir laden sie dazu herzlich ein, uns Ihre Beiträge zu schicken stadtarchiv@bad-kreuznach.de Wir möchten möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen mit der Krise für die Zukunft dokumentieren weshalb gerade Ihre persönlichen Ausführungen für uns interessant sind. Schreiben Sie mit an dem Corona-Tagebuch der Stadt Bad Kreuznach

 

Gez. Franziska Blum-Gabelmann und Hansjörg Rehbein, 27. August 2020

Von Schutzmasken und Schnutenpullis

Als Kinder freuten wir uns alle auf die Fastnacht oder den Karneval. Wir konnten uns verkleiden und allerhand Unsinn unter den Masken machen. Die Masken schützten uns davor, erkannt zu werden. Das war dann auch in den Krimis und Western so. Bei Edgar Wallace gab es den „Frosch mit der Maske“, und in den meisten Western waren die Gangster maskiert. Ich kann mich auch noch an Reymonds Operette „Die Maske in Blau“ erinnern. Später bei der Bundeswehr wurden wir alle mit einer Gasmaske ausgestattet (im Bundeswehrjargon Schnüffelbüchse genannt). Diese Vollgesichtsmaske sollte vor Gasangriffen schützen. Um ihre Wirksamkeit zu überprüfen mussten wir damit in einer Gaskammer mit Tränengas sonderbare Übungen machen. Nach dem Verlassen war das dann meistens noch eine tränenreiche Angelegenheit, denn das Tränengas war auch noch in der Kleidung.

Im Berufsleben schaffte ich mir dann eine Farbspritzmaske an. Eine enganliegende Gummihalbmaske mit einem Schraubfilter, die mich vor Spritznebel schützte. Heute bin ich Rentner und versuche mich nicht zu verstecken, muss aber seit dem 29.04.2020 solch einen Stofffummel im Gesicht tragen. Ob er mich oder andere schützt weiß wohl niemand so genau. Auf unserer Urlaubsreise nach Rügen saßen wir über 8 Stunden im Reisebus mit Mundschutz, trotz Klimaanlage eine Tortur. In Binz sahen wir ein originelles Plakat vor einem Geschäft. Hier wurden „Schnutenpullis“ angeboten. Es ist doch schön, wenn die Leute noch Humor haben.

 gez. Volker Ritter, 26. August 2020

2021 haben wir das Corona-Virus hoffentlich zum Teufel gejagt!
Mandeln, Magenbrot und Popcorn als "Trostpflaster" für den ausgefallenen Jahrmarkt.

Donnerstag, 20. August 2020: Es ist eine traurige Gewissheit: In diesem denkwürdigen Jahr muss unser heißgeliebter Jahrmarkt wegen eines erzverd…. Corona-Virus ausfallen. Dennoch marschiere ich zur Pfingstwiese; ich kann nicht anders! Bin eben ein Kreuznacher Urgestein.

Öde und trübsinnig liegt der große grau asphaltierte Platz in der heißen Nachmittagssonne. Ein samtig blauer Himmel wölbt sich darüber, und ein paar pittoreske Schönwetterwölkchen ziehen träumerisch unbekümmert von Süd nach Nord. Es ist das ideale Jahrmarktswetter.

Doch die bunte altvertraute Budenstadt mit ihren vielen Zauberdingen, „de Jahrmartksstiggelcher“, die man dort erwerben kann, die rasanten Karussells; in denen man unbeschwert-nervenkitzlig dahinfliegt, all das muss in diesem Jahr ein Wunschtraum bleiben.

Die Pfingstwiese liegt in tiefem Schweigen. Keine laute Musik peitscht und hämmert, zerreißt die Stille. Kein fröhliches Lachen, kein munteres Schwatzen, keine überschäumende Freude „Un wenn mer sich`s ganze Jahr iwwer nit sieht; aan Jahrmarkt trifft mehr sich garandiert!“ Im Corona-Jahr 2020 gilt das nicht.

Ich vermisse den guten alten, ewig jungen Jahrmarkt sehr, denn wir zwei begleiten einander wie treue Freunde seit meiner Kinderzeit. Jedem Kreuznacher ergeht es ebenso. Die bunten, pulsierenden Lichter. Der köstliche Duft nach gebrannten Mandeln, nach vielen, leckeren Speisen- und dazu ein Glas kühlen goldenen Rebensaftes. Der Jahrmarkt kennt so viele verschieden Facetten“ Er ist die pure Lebensfreude. Aber in diesem Jahr lockt er nicht, der Schlachtruf: „Nix wie enunner!“. Für uns Kreuznach ist das bitter. Mit tun vor allem die Schausteller leid, denn sie leben vom Kirmestreiben und arbeiten hart, um uns den Alltag zu verschönern. Nun haben sie auf der Pfingstwiese ein zauberhaftes Jahrmärktchen errichtet - Wir lassen uns eben nicht unterkriegen!

Und 2021 haben wir das Corona-Virus hoffentlich zum Teufel gelegt. Mein Wunsch für Euch ist: Bleibt alle gesund, bis wir uns wiedersehn,

 beim nächsten Jahrmarkt, das wär`schön

gez. Marita Peil, 25. August 2020


 Prinzessin Barbara ist wieder von Corona genesen – Ein Märchen mit Happy-End

Ein Märchen mit Happy-End hat Josefine Himmelsbach im Alter von sieben Jahren geschrieben.  Zunächst durfte sie die Prinzessin Barbara nicht besuchen, da diese mit dem Corona-Virus infiziert war. Doch nur eine Woche später kam von der Krankenschwester die Nachricht „alles wieder o.k.“ Überschrieben hat sie ihre Fortsetzungsgeschichte „Frühjahr im Salinental“, In dem Josefine mit der Prinzessin und der Katze Milchi spazieren war. In ihrer Geschichte spielen noch der Frosch Fritzi, die Freudinnen Inka und Hasi, die mit einer Möhrenrakete in das Weltall fliegt, mit. 

Die Ideengeberin ist ihre Tante Dr. Barbara Himmelsbach. In der Corona-Lockdown-Zeit im März schickte sie ihrer Nichte täglich Fotos vom Salinental, von den abgesperrten Spielplätzen und den Tierfamilien. Josefine hat viel Fantasie. Noch bevor sie schreiben konnte, erzählte sie Geschichten. Also beste Voraussetzungen für ihren Traumberuf Schriftstellerin und/oder Lehrerin.

Ein Virus „bereist“ die Welt – und wir?

„Die Corona-Krise ist eine große Herausforderung für die gesamte Reisebranche. Auch ich kann meiner bisherigen Tätigkeit als freiberufliche Texterin und Reiseleiterin nun nicht mehr nachgehen, da mein Hauptauftraggeber den schwierigen Weg in die Insolvenz beschreiten musste.“  Susanne Lehner, die als Flugbegleiterin die Welt kennenlernte, hat sich in diversen Seminaren und Kursen Sprachdiplome und Reiseleiter-Qualifikationen erworben

Sie hat zuletzt noch zwei Gruppen auf ihren Reisen nach Dubrovnik und Rom begleitet. Aus ihren beiden Reiseberichten veröffentlichen wir für unser Corona-Tagebuch Auszüge:

Spontan nach Dubrovnik im Corona-Sommer – eine gute Idee?

Der Frankfurter Flughafen ist für Ferienzeiten erschreckend leer, an der Sicherheitskontrolle dreht das Personal Däumchen. Im Gate-Bereich bleibt dann (vor allem beim Einsteigevorgang) der geforderte Mindestabstand von 1.5 m nur ein frommer Wunsch. Die Flugzeit von 1:30 h vergeht auch trotz Maske recht schnell und bei sommerlichen Temperaturen von 30°C landen wir am Flughafen der zauberhaften Stadt. Der äußerst sympathische Taxifahrer Domo schildert uns ungefragt die verheerenden Auswirkungen der Krise und die überall spürbare Verzweiflung wegen der ausbleibenden Gäste in diesem so anderen Sommer.

Wir wollen uns von unserem Reiseziel im Süden Kroatiens während der nächsten 4 Tage überraschen lassen.  Dies gelingt auch prompt: Die üblicherweise von Menschen aus aller Herren Länder völlig überlaufene Stadt ist nämlich gähnend leer!! Wo sich sonst auch gerne mal eine ganze Schiffsladung Touristen in die wunderbare – und durch das UNESCO-Weltkulturerbe geschützte – Altstadt ergießt, bieten sich heute Perspektiven, die jedem ambitionierten Fotografen das Herz höher schlagen lassen. Einsame Plätze, verwaiste Restaurants, menschenleere Gassen –  die gleißende Julisonne verstärkt die Absurdität der ungewohnten Szenerie. 

Der Römer in Anzug mit Krawatte und Maske

Geschichte auf Schritt und Tritt –  weltberühmte Bauwerke, mittelalterliche Gassen, ehrwürdige Parkanklagen und prächtige Plätze – Rom weiß zu beeindrucken! Aber neben der faszinierenden Architektur antiker Ruinen und opulenter Sakralbauten überzeugt vor allem das stilvolle italienische Leben in den Straßen und auf den Piazzas, in den unzähligen Cafés und Restaurants. Und dies hält langsam wieder Einzug in die Stadt – der Römer in Anzug mit Krawatte und Maske, der Tourist mit Kamera und Maske.

So genießen auch wir die ewige Stadt in diesem so anderen Sommer, schlendern durch das Modeviertel um die Via del Corso, erklimmen die Spanische Treppe, lassen uns durch die unzähligen Gassen des Centro Storico treiben. Ein Besuch der Vatikanischen Museen anderntags ist jedoch leider nicht ganz so entspannt wie erhofft. Trotz im Vorfeld gebuchteter Tickets (Begrenzung der Besucherzahl), ist das Museum überraschend gut besucht. Der gewünschte Mindestabstand kann kaum eingehalten werden und unsere Hoffnung, dieses unvergleichliche Museum voller zeitloser Kunstschätze mit Ruhe zu besuchen schwindet. Wir schwimmen im Besucherstrom automatisch weiter, ohne die überwältigende Kunstsammlung in ihrer Gesamtheit wirklich erfassen zu können. 

Und so halten wir lieber Abstand zu den gut besuchten Hauptsehenswürdigkeiten, genießen nur einen Blick auf Kolosseum und Forum Romanum vom Hügel des Kapitols. 

Susanne Lehner, 21. August 2020

 

Kein Schnaps beim Wurzel-Sepp – Trauerflor für Jahrmarktsfähnchen
Zwei große Jahrmarktsfans: Werner Matle  (links) und Karl-Heinz Au. Foto: Hansjörg Rehbein

Mein Nachbar Werner Matle gehört zu den größten Jahrmarktsfans in meinem persönlichen Umfeld.  Er sammelt alles, was mit dem Jahrmarkt zu tun hat: Das Polo-Shirt mit dem fröhlichen Brückenhaus, Plakate, Plaketten, Kalender etc. Klar, dass ihn die Corona bedingte Absage des Volksfestes hart getroffen hat. Sein Freund Karl-Heinz brachte ihn nun auf die Idee, das Jahrmarktsfähnchen, diesen Flatterstoff am Auto, mit einem Trauerflor zu versehen.

Nun haben sich die beiden auf der Pfingstwiese getroffen und ihr persönliches „Jahrmarktsfoto“ schießen lassen. Apropos Schießen. Werner Matle hat die Aufnahmen vom Fotoschießen von 1974 bis 2008, in dem Jahr, in dem seine Frau Karin starb, aufgehoben. Karl-Heinz Au hatte eine Porträtzeichnung dabei, die ihn als zartes Jüngelchen im Alter von fünf Jahren zeigt. Sie wurde 1954 bei seinem ersten Jahrmarktsbesuch auf der Pfingstwiese angefertigt, erzählt er und streicht sich dabei schmunzelnd durch seinen Rauschebart.  Auf das traditionelle Gläschen Schnaps beim Wurzel-Sepp muss er in diesem Jahr verzichten, den gönnt er sich mit seiner Frau Renate seit 1968.

Und so gibt es viele persönlichen Geschichten und Geschichtchen, die die Kreiznacher mit ihrem „Johrmarkt“ verbinden. Da bleibt nur die Hoffnung, dass wir unseren Jahrmarkt im nächsten Jahr wieder feiern dürfen.

Gez. Hansjörg Rehbein, 20. August 2020


  • Flüchtlinge auf Lesbos werden vor Corona nicht geschützt

    Als Unterstützer von der Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline  war Marc Bremmer dreieinhalb Wochen im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.  Für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte gibt er einen Einblick in das Leben der Flüchtlinge.  Bremmer betreibt gemeinsam mit Yuliyan Ilev das freie Internetradio FM Gässjer in Bad Kreuznach. Die beiden führen auch die Corona-Gespräche, ein Projekt im Haus der Stadtgeschichte.

    „Corona hat weltweit das Leben verändert. In ganz Europa hat man sich darauf geeinigt einen Mindestabstand von 1,5 Meter zu halten, sich möglichst oft die Hände zu waschen oder gar zu desinfizieren und im öffentlichen Raum eine Maske zu tragen.

    Ich habe 3 1/2 Wochen an einem Ort in Europa verbracht in dem all das nicht gilt:
    Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Dort leben aktuell 15.000 Menschen unter unwürdigsten Bedingungen im Dreck. Das Problem besteht seit 2015, als die Flüchtlingskrise täglich bis zu 12.000 Leute auf die Insel trieb.

    Heute kommen weitaus weniger Menschen dort an, aber es gibt weiterhin massive Probleme.
    Eines davon Corona und die Prävention. Für die Prävention wird von offizieller Seite nichts getan.
    Die EU hält es nicht für nötig diese Menschen, ein Großteil  davon Kinder, vor der gefährlichen Krankheit zu schützen.

    In einem Lager das für 2.880 Leute angelegt ist, sind aktuell ungefähr 15.000 Menschen untergebracht. Kleine Familien sind gezwungen auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern zu hausen, nur getrennt durch Hasendraht von der Familie nebenan.

    An Social-Distancing ist nicht zu denken. Die engen Gänge zwischen den Zelten und Verschlägen sind an vielen Stellen gerade mal einen halben Meter breit, wodurch es unmöglich ist einem entgegenkommenden auszuweichen.

    Die wenigen Sanitäranlagen, die es gibt, hatten in meiner gesamten Zeit vor Ort kein fließendes Wasser. Hände gewaschen wird sich an Wasserkanistern, welche von Geflüchteten selbst aufgebaut wurden (Foto). Das Moria Corona Awareness Team (MCAT), von Geflüchteten selbst organisiert, sorgt dafür, dass diese Kanister immer mit Wasser gefüllt sind und eine kleine Wasserflasche mit Seife vorhanden ist.

    Mund-Nase-Masken sind quasi nicht vorhanden. Eine Hilfsorganisation vor Ort testet am Tag ungefähr 150 Menschen auf das Corona-Virus. Wie durch ein Wunder wurde bisher kein einziger Fall nachgewiesen.

    Sollte sich das ändern, wird sich das Virus wie ein Lauffeuer im Lager verbreiten und viele Opfer fordern und es werden Stimmen laut werden die fragen, wie es dazu kommen konnte? Die traurige Antwort auf diese Frage ist, dass die Europäische Gemeinschaft lieber ein vermeintliches Bild der Abschreckung erschaffen hat, statt Menschen in Not die Menschlichkeit entgegenzubringen, von der in Art. 2 des EU-Vertrags deutlich gesprochen und die in den berühmten Zeilen von Schiller in der Europa-Hymne besungen wird.“

    Marc Bremmer, 19. August 2020

  • De Johrmarkt fällt aus!
    Das Riesenrad wäre wieder der Blickfang gewesen. Archivfoto 2019: Julia Schneider

    Kein Jahrmarkt in diesem Jahr. Das beschäftigt viele Menschen in unserer Region, so wie Elle Schaller, die für das Corona-Tagebuch ein Mundart-Gedicht geschrieben hat:

    Es is Anfang Auguschd, ich steh uff de Nohbrick,
    in Richdung Pingschdwiss geht mei Blick.
    Kee Rieserad iss dort ze siehn,
    unn’s kimmt aach diesjohr nit dohien.

    Mit ganz viel Wehmut denk ich draan,
    nix werd’s mit Johrmarkt unn Karussell fahrn.
    All die Schausteller duun merr leed,
    kimmt doch nix inn, wenn sich nix dreht.

    Schunn jetz‘ vemiss ich all die Leit
    in Kreiznachs scheenschder Johreszeit.
    Sunnschd is merr Mittwochs schunn emol gugge,
    ab Fleeschworschd-Dunnerschdaach gab’s was ze schlugge.

    Freidaachs war die offiziell Eröffnung dann
    unn Samschdaachs gab’s de Hauptandrang.
    Sunndachs sinn die Familie mit de Kinner iwwer de Platz geloff,
    Mondachs honn sich Behörde unn Firme zum Friehschobbe getroff.

    Dienschdachs is merr noch emol hien,
    um’s große Feierwerk ze siehn.
    Doch das war’s nor ganz korz gefasst,
    es is viel mehr, was merr vebasst.

    Bei de Weinprob uff em Rieserad
    kam merr schunn ganz gut in Fahrt.
    De „Freundeskreis“ hod die Tradition ufflewe geloss
    unn in großer Runde e Spansau genoss.

    Die Schausteller hadde uff’m Platz jed Johr ihr Mess,
    weil momendan kee richdisch Kerch is, hädd ich‘s faschd vegess.
    Em Balzer sei Kringel-Chips mit Worschd,
    es Glässje im Weinzelt geje de Dorschd.

    Aach beim Kaafe in de Dibbegass
    hadd merr immer richdisch Spass.
    Was hodd merr alde Bekannde getroff,
    die em schunn lang nimmer in die Fieß geloff.

    De Duft vunn Mandele, Brodworschd, Pizza unn Fisch,
    unn’s Gejohl vunn de Fahrgeschäfte, aach das vermiss ich.
    Unn ebbes, was es nit gibt im Städtche:
    e beschrift‘ Reiskorn im Glasherz am Kettche,

    die wilde Geischder in de Bahn
    unn aach es Auto-Scooter fahr’n,
    die Champignons, es Ami-Eis,
    unn vum Kamel-Renne de Preis.

    All das hädd ich unn noch viel mehr,
    wenn doch widder Johrmarkt wär.
    Doch weje Corona geht’s nit „enunner“,
    so hoff ich uff e Impfstoff odder e Wunner.

    Wenn merr all venünfdisch bleiwe,
    es „Freiheitsrecht“ nit iwwerdreiwe,
    unn wo’s sein muss, e Maske draan‘,
    dann kenne merr negschdjohr widder Rieserad fahr‘n.

    Elle Schaller, 18. August 2020

  • Kommunionsfeier in der Coronazeit

    Die Corona Epidemie verändert das Leben von Kindern in allen Lebensbereichen erheblich und fordert sehr viel Geduld und Disziplin von ihnen. So mussten bei Ausbruch der Corona Pandemie neben dem Schulbesuch auch alle kirchlichen   Termine und Feiern bis auf weiteres abgesagt werden. Nach monatelanger Pause    vom Katechismus Unterricht dürfen seit Juli/August die Vorbereitungen auf die Heilige Kommunion stattfinden, unter Einhaltung der Abstandsregelungen und Maskenpflicht.

    Im Vorgespräch mit 9 Kommunionskindern und dem Pfarrer bewunderte ich die besinnliche und disziplinierte Haltung dieser jungen Menschen. Da sie sich Monate lang nicht auf die Kommunionsfeier vorbereiten konnten, war es notwendig, alles Wissenswerte für die Kommunion neu aufzufrischen. Dies geschah durch den Pfarrer in sehr einfühlsamer und rücksichtsvoller Weise. Wegen der anhaltenden Hitzewelle gab es vom Pfarrer in der Pause ein leckeres Eis für jedes Kind und jeden Sitzungsteilnehmer. Auch ich, als beauftragte Fotografin, erhielt diverse hilfreiche Informationen und Anweisungen vom Pfarrer.

    Vier Tage später fand die offizielle Kommunionsfeier in der Katholischen Kirche von Hargesheim statt. Natürlich waren alle 9 Kinder aufgeregt und nervös, aber auch voller Freude auf diese Feier. Jedes Elternpaar durfte mit maximal 6-8 Verwandten oder Freunden an der Feier teilnehmen. Dabei wurde ein Abstand von mindestens 2 Metern zu den anderen Familien eingehalten und beim Beten und Singen trugen alle die Mund-Gesichts-Maske, auch die Kommunionskinder auf dem Altar. Es ist dem Pfarrer zu verdanken, dass die Kinder in einer geborgenen und liebevollen Weise die Heilige Kommunion erleben durften. Seine ruhige und freundliche Art tat allen richtig gut.

    Da die Corona Epidemie viele Änderungen im Ablauf der Kirchenfeier bedingt, die Zahl der Kirchengäste erheblich reduziert und die Gesichtsmaske weder Mimik noch Gefühle zu erkennen gibt, war es schwer, gar unmöglich, echte Feierstimmung aufkommen zu lassen. Um diesen Verlust bedauere ich die Kinder sehr.  

    Ich hoffe, die Kinder haben die Feierlichkeiten als solche wahrnehmen können. Ja, Corona verändert unsere Traditionen und Gewohnheiten sehr und ich hoffe, wir alle können dennoch viel Positives aus all diesen Veränderungen gewinnen.

    Charlotte Eberwien, 17.08.2020

  • Die „Infodemie“ im Netz

    Die dubiosesten Heilmittel gegen das Coronavirus werden im Netz angepriesen: Kamelurin, Bleichmittel und Methanol haben weltweit hunderte von Menschen das Leben gekostet, tausende mussten in Krankenhäusern behandelt werden. So hat bekanntlich US-Präsident Trump empfohlen Desinfektionsmittel zu spritzen.

    Scharlatane, selbsternannte Experten und Wunderheiler spuken durch die sozialen Netzwerke und sorgen für eine „Infodemie“, wie eine Gruppe internationaler Wissenschaftler nach einer Untersuchung von mehr als 2300 Berichten in 25 Sprachen aus 87 Ländern bilanzierte. Facebook hat seit April sieben Millionen Beiträge mit fragwürdigen Infos zum Corona-Virus gelöscht.

    Gegen die „Infodemie“ hilft nur eines. Seriöse Quellen nutzen. Nur seinen Ärzten oder den Informationen der staatlichen Gesundheitsämter vertrauen. Das gilt auch für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder das Robert-Koch-Institut.  Das ist immer noch der sicherste Weg, um sich im Dschungel von Fake-News zurechtzufinden.

     Gez. Hansjörg Rehbein

    14. August 2020

  • Gedenkstunde auf der Pfingstwiese: Ein Prosit auf den Jahrmarkt 2021!

    Der Tag rückt immer näher und ich kann und will es immer noch nicht glauben. Der Jahrmarkt fällt aus und zwar zum 20. Mal seit seiner Premiere im Jahr 1810. Mit meinen Freunden mache ich das beste aus der Situation. Wir haben für den eigentlichen Jahrmarkts-Freitag, 21. August, einen Tisch im Gasthaus „Zur Pfingstwiese“ reserviert und werden dort unser Glas auf den Jahrmarkt 2021 erheben.

    Ich werde dort auch meine Arbeitskleidung tragen, das blaue Polo-Shirt mit dem lustigen Brückenhaus, das ich für die Betreuung der Naheweinprobe auf dem Riesenrad bestellt habe.

    Wir werden nicht die Einzigen sein, die unsere „Gedenkstunde“ an den beliebten Plätzen auf dem Festgelände abhalten, dort, wo eigentlich das Weinzelt, das Schwarzwaldhaus, das Kettenkarussell und vielen andere Attraktionen stehen hätten sollen. Zumindest ein „Jahrmärktchen“ wird gefeiert, denn die Gastronomie rund um die Pfingstwiese hat geöffnet.  

    Das bringt mich auf das Thema, dem wir das alles zu verdanken haben: Corona: Bitte daran denken Abstand halten, vernünftig bleiben, dann heißt es hoffentlich im nächsten Jahr wieder nix wie enunner!

    Gez. Hansjörg Rehbein, 13. August 2020

  • „Todesfall“ im Bad Münsterer Kurpark

    Mit Ironie gewürzt ist dieser Beitrag, den Volker Ritter für unser Corona-Tagebuch geschrieben hat:

    Viele Jahre drehte sich das alte Wasserrad und betrieb damit einen Teil der Pumpen, die das Solewasser auf die Gradierwerke pumpte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Gradierwerke abgerissen und die beiden noch verbliebenen mit Elektropumpen versorgt. Das Wasserrad wurde nicht mehr gebraucht und stillgelegt. Lange Zeit lag es in einem Dornröschenschlaf und träumte davon, sich wieder drehen zu dürfen. Leider kamen die Prinzen aus der Kurverwaltung und der Stadtkämmerei nicht vorbei, um das Rad wach zu küssen. So schlief es weiter, bis es schließlich verstarb. Ob das Coronavirus daran Schuld war weiß niemand. Es ist auf jeden Fall vor Schwäche zusammengebrochen. So wird es vermutlich der zurzeit im Kurpark grassierenden „Abrisspandemie“ zum Opfer fallen und nicht mehr ersetzt werden. Schade, wenn ein weiteres altes Industriedenkmal verschwindet.

    Gez. Volker Ritter, 12. August 2020

  • Reisen in Coronazeit

    Von April bis Juli 2020 verfolgte ich allzu gerne die Nachrichten in allen Medien, weil die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle in Deutschland deutlich rückläufig waren. Heute jedoch verfolge ich bewußt nicht mehr täglich die Nachrichten, weil leider viel zu viele  deutsche Urlaubsreisende beweisen, wie unmündig, unvernünftig und rücksichtslos sie mit der Corona Pandemie umgehen.

    Ist es nicht schon schrecklich genug, dass durch Corona die Tourismusbranche weltweit „eingebrochen“ ist und dadurch beispielsweise Menschen wie die Kubaner zusätzlich unter einer extremen Lebensmittelknappheit Hunger leiden müssen? Oder viele Einzelhändler in Deutschland durch den Lockout Ihre selbständige Existenz verloren haben? Und durch Schließung vieler mittelständischen Unternehmen zahlreiche Menschen arbeitslos geworden sind?

    Dies sind alles Nachrichten, die mich noch mehr antreiben, jeden Tag bewußt zu leben und aus jedem Tag das Schönste zu machen. Aufgrund des weiterhin sonnigen Wetters, der Kurzarbeit und damit verbunden der vielen Freizeit, bin ich viel an der frischen Luft oder reise viel im eigenen Land. Meine Spaziergänge am Rheinufer von Bingen sind wie eine Urlaubsreise im wunderschönen Mittelrheintal. Die meisten Menschen halten den Sicherheitsabstand von 1,5 – 2 m ein und tragen in Lokalitäten und Räumlichkeiten eine Mund-Gesichts-Maske. Beim Wandern im Soonwald habe ich die ersten großen eßbaren Pilze wie Röhrlinge und Steinpilze gefunden und mit Freunden verspeist. Meine Reise in die Schweiz, Region Zürich, ließ mich Corona viel entspannter erleben. Alle Menschen hielten den Sicherheitsabstand ein, selten bestand Maskenpflicht, dennoch fühlte ich mich trotz Corona sicher. Beim Wandern auf dem Rotenfels entdeckte ich trotz zahlreicher Wanderer den großen Schwalbenschwanz Schmetterling und zwei wunderschöne Smaragdeidechsen auf dem Weg zur Bastei (Foto). Ich war jetzt drei Tage in Saarburg, ein Ort, den ich seit Jahren sehen wollte. Trotz Urlaubszeit in Deutschland traf ich dank der derzeitigen Hitzeperiode nur wenige Touristen als erwartet in Saarburg. Herrlich! So konnte ich in Ruhe den Ort mit dem 20 m hohen Wasserfall im Altstadtbereich genießen und eine Schiffsfahrt auf der Saar erleben. Auf der Heimreise legte ich auf dem Gipfel vom Erbeskopf, 816 m ü NN, dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz, einen Zwischenstopp ein und wanderte eine Stunde lang auf dem Bergkamm in den Wäldern. So schön kann Leben in Corona Zeiten sein.

    Charlotte Eberwien, 11.08.2020

  • Hotel-Hygiene wie in einer Raumfahrt-Station im All
    Raumfahrtstation im All. Ist das der Urlaubort der Zukunft?

    Urlaubsregionen sind Risikogebiete. Sonne, Strand, Meer, Berge und Wälder rücken mehr und mehr in den Hintergrund. Infektionszahlen, Hygiene- und Abstandsregeln, Maskenpflicht beherrschen die Berichterstattung in den Medien. Mir tun neben den Menschen, die vom Tourismus leben und um ihre Existenz kämpfen, auch die jungen Menschen leid, die derzeit nicht in den Genuss kommen, unbeschwert Land und Leute in aller Welt kennenzulernen, wie das meine Generation gewohnt war. Das gilt nicht für jene Freiheits-Egoisten, denen jede Vorsichtsmaßnahme egal ist und somit auch Gesundheit und Leben ihrer Mitmenschen.

    Mein jüngster Sohn will nun mit einem Freund nach einem arbeitsintensiven Semester in seinem Architekturstudium mit dem guten alten Inter-Rail-Ticket nach Florenz und Rom fahren, um dort sich die Werke der alten Baumeister anzuschauen und zu entspannen. Ich habe ihm nicht abgeraten. Ich vertraue auf die Vernunft meines Sohnes und gebe ihn mahnende Worte mit auf den Weg, wie es wohl die allermeisten Väter machen.

    Die Antwort auf die Corona-Pandemie ist die Abkehr vom Massentourismus hin zu alternativen ökologisch nachhaltigeren Formen. Ein Vorschlag der Experten: Weniger reisen, länger bleiben.

    In Berlin ist bereits das erste Anti-Corona-Hotel eröffnet mit einer Sicherheitsschleuse, in der Desinfektionsnebel versprüht wird. Außerdem gibt es Temperaturscanner in der Lobby, kontaktlose Fahrstühle, desinfizierende Fußmatten, waschbare Matratzen und eine besondere Reinigung der Zimmer mit UV-Strahlen durch Fachleute in Schutzanzügen. Das mutet alles ein wenig an wie das Leben in einer Raumfahrtstation im All.

    Ich glaube, wir müssen uns in Zukunft auf einiges gefasst machen.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 10. August 2020 

  • Gedanken eines Geburtstagskindes in Corona-Zeiten
    Veronika Gugenheimer geht gerne mt dem Kinderwagendurcvh Bad Krueznach spazieren und macht Fotos von Sehenswürdigkeiten für ihr Instagram unter @badkreuz_foto

    „Heute bin ich ein Geburtstagskind. Ich bin 35 Jahre alt. Schon 35 oder noch 35?!?, fragt Veronika Gugenheimer in ihrem Brief für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte. Wir sagen 35 Jahre jung und gratulieren recht herzlich. Über ihre Wünsche in Corona-Zeiten schreibt sie folgendes:

    Seit zehn Jahren lebe ich in Deutschland. Meine Heimat ist Belarus (Weißrussland). Ich habe schon viel gemacht in meinem Leben bzw. in Karriere- und im Privatbereich.

    Im März 2020 wurde meine zweite Tochter geboren. Die kleine Franziska bringt mir viel Glück und macht mein Leben besonders glücklich.

    März 2020 war ein anstrengender Monat für Deutschland, weil die Corona-Zeit begonnen hat. Die Menschen fanden sich plötzlich im Dunkeln, wie sollten sie weiterleben? Viele Fragen, Missverständnisse, Beschränkungen, Angst…

    Wann erschein das Licht am Ende des öffentlichen Tunnels? Wann kehrt die Gesellschaft zur Normalität zurück?

    Ich glaub, dass die sozialen Turbulenzen bald enden und die Menschen wieder in Frieden leben werden.

    Übermorgen, am 9. August 2020, ist der wichtigste Tag in meiner Heimat. Die Präsidentschaftswahlen finden statt. Ich mache mir Sorgen darüber, was passieren wird. Werden die Menschen besser leben?

    Die Zeit wird es zeigen

    Veronika Gugenheimer, 7. August 2020

  • Corona und die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens
    Foto: Eva Bock-Meyer

    In den vergangenen Wochen sind einige Menschen aus meinem Bekanntenkreis gestorben oder lebensbedrohlich erkrankt, keiner davon, soweit ich weiß, als Folge einer Infektion mit dem Corona-Virus. Und dennoch sorgt diese uns bedrohende Pandemie dafür, mich wieder mal mit der Endlichkeit des Lebens, mit dem Sterben und dem Tod auseinander zu setzen.

    Das sind schon lange keine Tabu-Themen mehr für mich. An die Stelle der Angst vor dem Tod ist bei mir die Freude darüber getreten über jeden Tag, den ich gesund erleben darf. Ein guter Freund, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern will, hat mich darin bestärkt, indem er erst kürzlich sagte: Der wahre Reichtum im Leben ist die Gesundheit, mit der Freiheit das wichtigste im Leben.

    Wenn wir in andere Länder schauen, insbesondere in jene, die ein schwaches Gesundheitssystem haben und in denen daher die Armut den sicheren Tod bedeuten kann, können wir in Deutschland dankbar und auch ein klein wenig demütig sein.

    Der Ratschlag sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen, hat ein ganz anderes Gewicht als vor der Pandemie, zu der Zeit, in der wir noch unbeschwert, ohne Angst und maskenfrei mit vielen Menschen feiern konnten. Daher habe ich mich sehr über das Foto gefreut, das mir eine gute Freundin aus Spanien geschickt hat. Sie hatte das seltene Vergnügen, das Aufblühen der Königin der Nacht (Foto) zu beobachten.

    Gez. Hansjörg Rehbein 4. August 2020  

  • Genuss-Wandern durch die Weinberge – Die Winzer danken es
    Im steilsten Weinberg Europas, dem Bremmer Calmont an der Mosel, genießt die Deutsche Weinkönigin Angelina Vogt die Aussicht und einen guten Riesling.

    Die Deutsche Weinkönigin Angelina Vogt aus Weinsheim schreibt für das Corona-Tagebuch:

    Ich werde nie den Moment vergessen, als auf einen Schlag alle meine Termine als Deutsche Weinkönigin für die nächsten drei Monate abgesagt wurden und ich mir unwillkürlich die Frage stellen musste: Bin ich jetzt arbeitslos? Doch ich würde behaupten, dass nicht nur wir deutschen Weinmajestäten, sondern die gesamte Weinbranche alles gibt, um in dieser erschreckenden Situation den Kopf nicht hängen zu lassen und stattdessen neue (digitale) Pfade zu beschreiten.

    Ein Silberstreifen am Horizont war dann die Ankündigung, unsere Deutschlandtour (der Besuch aller 13 Weinanbaugebiete) fortsetzen zu können. Nach vier Monaten im Home-Office definitiv eine willkommene Abwechslung! Während der Gespräche mit Winzern vor Ort konnten wir mit großer Erleichterung feststellen, dass insbesondere der Weintourismus in Deutschland von der, natürlich immer noch sehr schwierigen, Situation langsam profitieren kann. Den Urlaubern in den Weinregionen wird meines Erachtens nachhaltig bewusst, dass man gar nicht weit reisen muss, um großartige Landschaft, Kultur und Erholung zu finden. Die Wertschätzung und persönliche Bindung zur heimischen Region ist wirklich ein schöner positiver Effekt in einer schweren Krise. Also schnappt eure Wanderschuhe und genießt all das, was quasi direkt vor der Haustüre liegt! Die Winzer werden es euch danken J

    Eure Angelina aus Weinsheim,, 3. August 2020

  • Heldentenor zwischen Hühnerstall und Plastikstühlen
    Foto: Josef Nürnberg

    Am Sonntag waren wir bei Freunden aus meinem Italienischkurs zum Pizzaessen eingeladen. Der Hausherr hat sich in dem riesigen Garten einen Steinofen nach italienischen Vorbild gebaut. Die darin gebackenen Pizzen und das Brot schmeckten vorzüglich.

    Den großen Teich haben sie trockengelegt. Dort entstehen soll eine kleine Freiluftarena, „Piccolo Colosseo“ (kleines Kolosseum). Die Sitzreihe aus Stein steht schon. Bis Ende August soll alles fertig sein, denn für September ist ein Gartenkonzert mit einem befreundeten Musiker geplant.

     In Corona-Zeiten ist viel Kreativität und Solidarität mit unseren Künstlern und Musikern gefragt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Jahr Großveranstaltungen mit vielen tausend Konzertbesuchern über die Bühne gehen. Dazu ist die Sorge vor einer zweiten Welle, die schon jetzt befürchtet wird, zu groß.

    Wie es auch aus der Not geboren ein paar Nummern kleiner geht, aber nicht minder anspruchsvoll und unterhaltsam, zeigen auch der Heldentenor Stefan Vinke und seine Ehefrau Sabine, Sopranistin. Auf den Bühnen der Opernwelt unterwegs, gaben sie zuletzt Zuhause in Hargesheim ein dramatisches Gartenkonzert (Foto) und sangen u.a. die Kerkerarie aus der Beethoven-Oper „Fidelio“. Das Gartenkonzert war ein Geschenk für alle, die Kultur so lange vermisst haben, schreibt Josef Nürnberg in seinem Bericht im Oeffentlichen Anzeiger. Auch das Operetten-Picknick im Museumsgarten Römerhalle fand einen großen Anklang.  

    Stefan Vinke weltberühmt als der Nibelungen-Held Siegfried lud zudem zu Wagnerfestspielen zwischen Plastikpool und Hühnerstall ein. Das Konzert wurde im Radio übertragen.

    gez. Hansjörg Rehbein 31. Juli 2020

  • Freunde zu haben ist ein großer Schatz
    Die Familien mal wieder vereint: Santiago (links) mit Frau (4.v.l), Kindern, Schwiegerkindern und Enkelkindern

    In seinem zweiten Brief, den Elke Beckkamp aus dem Spanischen übersetzt hat, wendet sich Santiago direkt an die Leser des Corona-Tagebuches im Haus der Stadtgeschichte.                                   

                                                              Hallo an alle Leser -

     Es ist mir ein wenig peinlich, dass ich mich Ihnen noch nicht vorgestellt habe.

     Ich bin ein älterer Mann, geboren in Monzon (Huesca) Spanien, im Jahr 1937.

    Somit bin ich eine Person, die mit dem Spanischen Bürgerkrieg Erfahrung gemacht hat.

     Ich bin verheiratet mit Rosa und aus dieser Verbindung sind drei Kinder hervorgegangen, zwei Jungen und ein Mädchen sowie drei Enkelkinder.

     Nun fragen Sie sich vielleicht, was ein „Montisonense“ aus Aragon in Tarragona/ Catalunya macht.

    Ich wurde wegen meiner Arbeit als Wartungstechniker der Monsanto-Ibérica-Fabrik im Jahr 1985 versetzt, in der ich 35 Jahre meines Lebens verbrachte.

    Und genau hier, in Catalunya, trafen wir unsere guten deutschen Freunde Elke und Ehemann Peter.

    Elke kam in unseren Chor und wurde der Stimmlage „Alt“ zugeordnet genau wie meine Frau Rosa und ich als Unterstützung der Stimmlage Tenor in unserem Chor „Harmonia“ des Kulturzentrums von Aragon in Tarragona.

     Meine Hobbies sind Aquarelle malen (ich nehme immer noch 8 Stunden Unterricht im Monat),

    ich bin Naturliebhaber, unternehme, bzw. unternahm gerne Reisen (heute hindern mich meine Jahre daran, öfter Ausflüge zu machen), ich bin Briefmarkensammler von inländischen Briefmarken, ich finde gerne Freunde, da Freunde zu haben, ein großer Schatz bedeutet.

    Sollten Sie mehr über mich wissen wollen, stehe ich gerne zur Auskunft zur Verfügung. Elke wird es mir dann sagen.

    Nach der Bürgerkriegszeit damals dachte ich, ich würde keine ähnliche Erfahrung mehr machen.

    Aber es war nicht so – diese tödliche Covid 19 Pandemie hat uns alle ergriffen, die Reichen, die Armen, die Weißen und die Farbigen.

     Ja, seit Ende Januar d.J. waren wir alle angehalten, uns auf unsere Häuser zu beschränken und so haben wir fast 4 Monate gelebt, ohne dass ich meine Kinder, Enkelkinder und Freunde umarmen konnte.

    Die Technologie war unser Verbündeter, unsere Verbindung. Über Handies konnten wir uns hören, sehen und unser Wissen und Informationen vergleichen. Es war unser Kampf, der uns aber innerlich stark gemacht hat.

    Es waren Monate der Unsicherheit; unsere Behörden waren nicht klar genug und als Uninformierte mussten wir die Folgen (er-)tragen. Und immer war das „Damokles-Schwert“ aus Angst über uns, dass sich das Corona-Virus in unserem Körper niederlassen könnte.

    Nach der Auflösung der Beschränkungen sind wir in die 3.Phase übergegangen womit wir u.a. unsere verlorenen Freiheiten wiedererlangt haben.

    Ich muss bekennen, dass diese neue Situation im Ergebnis nicht sehr positiv war. In Barcelona waren Gruppen junger Menschen ungehorsam gegenüber den von Gesundheitsexperten auferlegten Regeln, was die Anzahl der Infizierten erheblich erhöhte.

    Es wird oft nicht akzeptiert, dass die Verwaltung die Verantwortung für die Neuausbrüche an die Bürger weitergibt. Es gibt einen Teil der Bürger, die sich unverantwortlich verhalten.

    Junge Menschen insbesondere, befassen sich nicht mit einem strengeren Lebensstil; sie sehen nicht klar, dass wir uns in einem Krieg mit einem sehr gefährlichen Feind befinden.

    Die höchste staatliche Institution, der König von Spanien, (Felipe VI)

    sprach zum Volk: „Überwindet diese Bedrohung der Gesundheit und der Wirtschaft mit Mut und

    selbstverständlich g e m e i n s a m!“

    Er sagte dies mit Erinnerung an all die Opfer des Corona-Virus.

    Dem gegenüber steht mit Datum vom 22.7.20 landesweit an einem Tag die Erhöhung der Anzahl der Infizierten von 550 auf 1.200 und dies aus den bereits oben angeführten Gründen.

    Und noch weiterhin werden die notwendigen Standards, die die Gesundheitsbehörden festgelegt haben, nicht eingehalten..........

    Nun hoffe ich, dass Ihnen dieser Zusatzbericht zugesagt hat.

    Grüße an die Leser (an Elke natürlich Küsse)

    Santiago

  • Pferde-Maul statt Menschen-Mund – „Mutierte“ Mundschutz-Masken sorgen für Lacher

    Maßlos enttäuscht war meine Frau, als sie die von ihr bestellten Mundschutzmasken aus dem Postumschlag holte. Sie hatte Fotos von unseren Mundpartien geschickt, mit dem Auftrag sie eins zu eins auf die Maske zu drucken. Stattdessen grinsten uns gigantische Mäuler an, so dass meine Frau sie schon wütend wegwerfen und sich beschweren wollte.

     Das konnte ich verhindern. Nun trage ich beide wechselweise, wenn eine in die Waschmaschine wandert. Ich komme mir dabei vor wie Mister Ed, das sprechende Pferd aus einer beliebten alten amerikanischen Comedy-Serie, denn auf der Maske ist mein Mund zum Maul eines Gauls mutiert. Die allermeisten, denen ich in Gaststätten, Geschäften oder in Schwimmbädern begegne, verziehen unter ihren Masken das Gesicht zum Lachen, bei nur wenigen sehe ich an der gerunzelten Stirn oder an den fast schön bösen Blicken die Missbilligung. Häufig entwickeln sich kleine amüsante Gespräche mit netten Menschen.

    Die missratenen Masken erfüllen letztlich doch einen guten Zweck. 

    Gez. Hansjörg Rehbein, 29. Juli 2020

  • Welchen Sinn geben wir unserem Leben nach der Pandemie?

    Ein guter Freund aus Spanien, Santiago Isla, hat Elke Beckkamp geschrieben. Die beiden Briefe hat sie für die Leserinnen und Leser des Corona-Tagebuches im Haus der Stadtgeschichte übersetzt:  

    Ich grüße Dich, Freundin ELKE,

    Santagio und seine Frau Rosa grüßen die Leserinnen und Leser des Corona-Tagebuches

     ….und, wie ist es so, nach der Lockerung der Einschränkungen?

    Nach der Einschränkung durch Covid-19 bleibt es (das Virus) in unserem Leben präsent!

     Neue Ausbrüche bei infizierten Menschen können sehr wahrscheinlich sein, was einen großen Teil unserer Bevölkerung, insbesondere die jungen Menschen, verwirrt.

     Wenn der Alarmzustand oder die endgültige Kontrolle des Virus aufgehoben wird, werden die vorbeugenden Maßnahmen ignoriert, aber natürlich bleiben sie.

     Das Bewusstsein in der Gesellschaft ist da aber die Leute haben eine erstaunliche Fähigkeit, zu vergessen! Die Gesellschaft geht davon aus, dass es ein „Vor“ und ein „Danach“ des Schreckens-Virus Covid 19 geben wird.

     Die Zeit, die während der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verbracht wurde, hat jeder von uns genutzt, um anstehende Aufgaben zu erledigen, zu malen, zu schreiben, zu Hause mit der Familie Spiele zu machen, die Fotos eines ganzen Lebens zu ordnen, die wir in unsortierten Schubladen hatten, auch hing man häufiger am Telefon, um sich über Familie, Freunde, zu informieren und auch …. zu beten.

     Wir haben jedoch wenig unternommen, um unsere Ideen in gravierenden Fragen in Ordnung zu bringen. Welchen Sinn geben wir unserem Leben nach den Monaten der Pandemie? Welche Rücksicht nehmen wir betreffend Liebe, Freundschaft, Vergebung, Frieden, Reichtum und warum nicht auch betreffend der Transzendenz des Lebens?

     Vor den Augen so viel Trostlosigkeit! 28.500 offiziell Verstorbene und 45.000 nicht registrierte Fälle! Ich schließe daraus, dass es keine korrekten Zahlen gibt.

     Neben der ernsten Realität gibt es keine authentische Reflexion im Hinblick auf spirituelle (immaterielle) Werte, sondern es wird den instinktiv gesteuerten Bewertungen wie dem bloßen Überleben, der Gewalt, Machtgier und Lügen der Zugang gewährt.

     Es ist meine sehr persönliche Meinung, dass es keine Übung darin gab, Glauben und Ethik nach Wahrheit zu durchsuchen, um ein Gleichgewicht zwischen dem Weltlichen und dem Geistigen zu finden.

     Reich zu sein ist nicht das oberste Ziel des Lebens, der Ordnung oder einst eines guten Sterbens, sondern es sind die Prämissen der Menschenwürde.

     Die Pandemie hat den allgemeinen Mangel an Ethik unserer Parlamentarier und der Regierung aufgedeckt mit deren bedauerlichem Spektakel von Improvisationen, Widersprüchen, Verschleierung von Informationen. Gleiches betrifft auch die bedauerlichen Desinformationen einiger Medien, die sich in den Dienst der kommunistischen sozialen Exekutive und den Separatisten gestellt haben (pol.Parteien in Spanien).

     Wir müssen viele Wahrheiten kennenlernen, diese Zeit wird sie an die Oberfläche bringen und sie werden sicherlich große Ausmaße annehmen.

     Alle, die von der tödlichen Krise dieser Pandemie, die unsere Gesellschaft so viele Leben gekostet hat, profitiert haben, wird man entlarven.

     Das Schreckens-Virus geht weiter neben uns her. Die Erfahrung muss uns dienen, uns gemeinsam als Einheit den Ausbrüchen zu stellen, mit mehr Verantwortung und Entschlossenheit angesichts eines viralen Problems von globaler Tragweite, dem jeder von uns ausgesetzt ist.

     Die noch nicht definierte Lösung (Impfstoff) rückt jeden Tag näher, wie es bereits geschah im Jahr 1918 (verheerende Spanische Grippe von 1918 – 1920. Weltweit belief sich die Zahl der Toten auf 50.000.000). Auch da lauerte die Gefahr des Wiederausbrechens!

     Die Gesellschaft ist beispielhaft gewesen, die Stadtverwaltungen, die näher an der Bürgerschaft waren, haben die Mittel besser verwaltet als es Kosten gab, die die Pandemie verursachte.

     Ich glaube, dass letztlich unsere ganz persönliche Aktivität die notwendigen Präventionsmaßnahmen zusammengeführt und auch die Wissenschaft normalisiert (!!) hat, die weiterhin verschiedene Rezepte an unsere Nation proklamieren wird.

     Wir werden erfolgreich aus dieser Krise herausgehen!

     Küsse. Dein Freund!

    SANTIAGO – ISLA

     Fortsetzung folgt

  •  Wenn „Prinz Eisenherz“ einen Kaffee trinken geht

    Nicht jedem gefällt es, bei Besuchen in Restaurants, Cafés oder in Freibädern ein Formular mit seinen persönlichen Daten ausfüllen zu müssen, um im Fall einer Infektion die Ansteckungskette nachvollziehen zu können. In manchen Lokalen gibt es für Stammgäste einen besonderen Service. Dort sind die Zettel vorbereitet und man muss nur noch Datum, Uhrzeit und seine Unterschrift eintragen.

    Manchmal waren auch „Prominente“ wie Prinz Eisenherz oder Micky Maus oder die „Corona-Fee“ zu Gast, so gibt zumindest der eine oder andere Eintrag Auskunft. Die überwiegende Mehrheit, so ist zumindest mein Eindruck, nimmt diese Schutzmaßnahme aber ernst. 

    Ein Missbrauch dieser Daten ist leider nie ganz auszuschließen. Die Adressenjäger lauern überall.  Die Zettel müssen nach sechs Wochen wieder vernichtet werden. Wie, ist nicht vorgeschrieben. Ein Gastwirt aus Halle, habe ich im Internet gelesen, hat sich gegen die Kontaktformulare entschieden. Bei ihm schreiben die Gäste ihren Daten einfach auf einem kleinen Zettel und werfen den in einen großen Senfeimer, der einen Schlitz oben hat. Die "Senf-Kontakt-Urne", so nennt der Gastwirt den Eimer liebevoll. Niemand kann die Daten so einsehen. Nach der Ablauffrist kommen sie in den Reißwolf.

    Vertrauen wir darauf, dass alles seine Ordnung hat!

    Gez. Hansjörg Rehbein 27.Juli 2020

  • Begrüßungsrituale in Corona-Zeiten
    Der Corona-Ellenbogen-Gruß zwischen Odo Steinmann, Vorstand Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück, und Gisbert Wolnizki (Filialleiter Simmern), der in den Ruhestand verabschiedet wurde. Foto: Volksbank

    Es gibt keinen Theater-, keinen Opern- und keinen Gaststättenbesuch – nur Hund, Katze, Frau. Und ganz nebenbei, den Schwager, der hier grade mit Freundin eingezogen ist, den habe ich noch nie sonderlich gemocht. Nur Familie, keine Gäste. Das ist auf Dauer nicht auszuhalten - ich will, dass ihr kommt. Sofort. Und bringt die Anderen mit. Ich koche - Corona hin, Corona her. Ich will Normalität. Ich werde sonst verrückt.“ Am Telefon klang das wie ein Hilfeschrei! Kurze Überlegung. Wir sagen zu, kontaktieren die anderen und fahren zu unseren Freunden über den Berg in nächste Tal. Der Schwager mit Anhang ist nicht da. Familie kann manchmal auf die Nerven gehen.

    Ein Zusammentreffen in Corona-Zeiten unter Freunden heißt: Man wahrt Distanz und fragt: „Seid ihr gesund?“ Kein Händeschütteln also, keine innige Umarmung, den anderen spüren, riechen, von Wärme umfangen werden, kein Kuss auf den Mund. Auf Nasen-Mund-Schutz wird verzichtet. Man kennt sich schließlich, weiß, wo sich der andere „herumtreibt“ und nach vier Wochen allein zuhause ist die Ansteckungsgefahr gering.

    Ein Begrüßungsversuch wird trotzdem gestartet. Aber anders – mit Distanz eben. Die Jungs versuchen sich mit den Schuhen zu berühren, eine Art Kicken ohne Ball. Oder sie tippen sich unter Gekicher gegenseitig mit den Ellenbogen an. Lachen entkrampft. Etwas befremdlich und ungelenk. Hat den Charme von Kleinjungenritualen. Die Mädels lächeln sich zu, das wirkt wesentlich eleganter. Ein Ritual muss aber sein, quasi ein verbindendes Entree in den Abend.

    Am nächsten Tag. Ein lang anberaumtes Treffen mit neuen Kollegen. Nasen-Mund-Schutz – kein Händeschütteln. Distanz. Dabei ist das Handschütteln, zumindest in den westlichen Breitengraden, immer noch die zentrale Höflichkeitsgeste im zwischenmenschlichen Kontakt. Sie stellt Nähe zwischen bekannten und unbekannten Individuen her. Ist in der Regel die erste unverfängliche körperliche Kontaktaufnahme mit einem oft fremden oder unbekannten Gegenüber. Wen habe ich da vor mir? Ist der Händedruck schlaff, schwach oder kräftig? Ist die Hand schweißig oder trocken, rau oder schwielig, fettig oder klebrig? Neben der Vergabe von Sympathiewerten nach dem ersten Eindruck ist das Händeschütteln ein nonverbaler Informationsaustausch wie ein unbewusstes Kräftemessen.

    Nun in Corona-Zeiten kein körperlicher Kontakt und auch noch eingeschränkte Sicht wegen des Nasen-Mund-Schutzes. Ein ganzes Repertoire an gesellschaftlich eingeübten und akzeptierten Begrüßungsritualen fällt da weg. Das kumpelhafte Schulterklopfen unter Männern etwa, manchmal verbunden mit klassischem Männer-Baby-Talk: „Oh“, „Jo“, „Na dann“, „Alla fort“. Die demonstrativen Luft- oder Wangen-Bussi-Bussis mit vorgestrecktem Oberkörper modevernarrter Mädchen und Frauen, der Bruderkuss auf den Mund zwischen politischen Schwergewichten, der devote Clan-Kuss, die patriarchalische Machtdemonstration vor Publikum. Der ehrerbietende Stirnhandkuss des Jüngeren gegenüber dem Älteren etwa, die Küsschen á la franҫaise einmal rechts einmal links, oder zweimal rechts einmal links und die bewegungsintensiven Szene- und Subkulturbegrüßungsrituale der Rapper, Street-Dancer (…) ebenso wie der flüchtige Begrüßungskuss auf den Mund zwischen eng Vertrauten.

    Mir erscheint die köperkontaktlose Begrüßung fremd. Da Gruppenzugehörigkeit durchaus auch an Begrüßungsritualen ablesbar ist, erscheint mir die Corona-Distanz als ein Verlust von gesellschaftlicher Vielfalt. Wie wird es sein, wenn wieder alles normal ist? Haben diese Beschränkungen Auswirkungen auf die Nähe von Beziehungen? Verändert es den Umgang mit körperlicher Nähe?

    Franziska  Blum-Gabelmann 24. Juli 2020

  • Urbanisierung begünstigt die Verbreitung von Viren 

    Über die rücksichtslose Abholzung des Regenwaldes am Amazonas mit ihren drastischen lokalen und globalen Folgen hat sich Hans

    Die Zerstörung des Regenwaldes raubt den Bewohnern ihre Lebensgrundlage

    Oehler drei Mal vor Ort ein Bild gemacht. Über die „grundlegenden Ursachen der Corona-Pandemie“ hat er einen offenen Brief an “liebe Verwandte und Freunde“ und „liebe Mitchristen und Mitmenschen“ geschrieben, den wir auch in unserem Corona-Tagebuch veröffentlichen:

    „Trotz vieler Erleichterungen bestimmt die Corona-Pandemie weiter unseren Alltag. Trotzdem ist jetzt vielleicht Zeit sich grundlegenden Ursachen der Epidemie zuzuwenden.

    Mehr als zwei Drittel der Erreger, die Epidemien wie Ebola, Zika oder die Vogelgrippe auslösten, stammen ursprünglich von Wildtieren, die in tropischen Regionen heimisch sind. Werden diese Lebensräume und intakte Ökosysteme zerstört, führt das zu einem Verlust der Artenvielfalt und verändert die Zusammensetzung der Säugetierpopulation. Weniger Artenvielfalt bedeutet mehr Tiere einer Art. Wenn mehr Tiere einer Art im selben Lebensraum vorkommen, können sich Infektionskrankheiten zwischen den Tieren einer Art besser verbreiten. Wo Wälder gerodet oder Wildtiere ausgerottet werden wird das Gleichgewicht zerstört. Krankheitserreger verlieren ihren Wirt und suchen sich einen neuen – etwa den Menschen. Spillover wird dies genannt. Die Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Pflanzen sind komplex. Alles hängt mit allem zusammen.

    Verantwortlich für den Verlust der Biodiversität ist vor allem die massive Zerstörung der Wälder! Jedes Jahr wird weltweit Wald in der Größe von Großbritannien zerstört. Seit Bolsonaro an der Macht ist, wurde in Brasilien so brutal abgeholzt, dass der Amazonas Regenwald vor dem Kollaps steht. Davon konnte ich mich auf meiner 3.Amazonasreise 2018 (fuhr den Amazonas von dem Quellfluss Ucayali bis zur Mündung in Belem – 6.400 Km) überzeugen.

    Hans Oehler in einem Dorfladen

    Diese Urwälder werden für die industrielle Landwirtschaft beseitigt – für gigantische Monokulturen von gen technisch veränderten Soja und Mais, von Palmöl und Zuckerrohr für den Export. Vorangetrieben wird deren Anbau von multinationalen Agra- und Lebensmittelkonzernen, von Spekulanten und Finanzinvestoren. Die Zerstörung von Wäldern, die Ausbreitung von Monokulturen und der Landraub –der damit einhergeht- führen dazu, dass Indigene sowie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ihre Lebensgrundlage verlieren und in die Stadt fliehen. Die Urbanisierung ist ein weiter Faktor, der die Verbreitung von Viren begünstigt, die dich über Reisende schließlich global verbreiten.

    Europa und insbesondere Deutschland spielen eine fatale Rolle in diesem ungerechten Spiel. Kein anderer Kontinent konsumiert derart auf Kosten der Länder im globalen Süden wie die EU. Sie beansprucht für ihre Grundnahrungsmittel und andere Konsumgüter eine Fläche, die mit 6,4 Millionen Quadratkilometer eineinhalbmal größer ist alle 28 Mitgliedstaaten zusammen. Die EU gehört weltweit zu den größten Importeuren von Soja und Palmöl. Deutschland ist der drittgrößte Importeur von landwirtschaftlichen Produkten und Nahrungsmittel der Welt, obwohl sich dieses Land zu mehr als 90 % selbst versorgen könnte. Doch die die deutsche Landwirtschaft ist wesentlich auf die Produktion und en Export von Fleisch (MilliardärTönnies lässt grüßen) und Milchprodukten konzentriert.

    Das Ganze beschreibt, wie abhängig unser System und unser Alltag von der Ausbeutung von Mensch und Natur sind. Covid-19 und seine Folgen sind nicht eine Bedrohung von außen, sondern aus dem System heraus entstanden! Unser Wirtschaftssystem ist existenziell krisenanfällig und ökologische Fragen und die soziale Frage hängen eng zusammen.

     Was können wir tun?

    1. In unserem persönlichen Umfeld Fleisch- und Wurst-Konsum drastisch reduzieren!

       Wie schwer das fällt habe ich selbst erlebt.

    2. Über die Zusammenhänge von ökologischen und sozialen Problemen informieren!

    3. Schreiben an deinen/Ihren Bundestagsabgeordneten:

     Das   M e r c o s u r (Gemeinsamer Markt Südamerikas)-Abkommen nicht unterschreiben! Es würde die ungerechten Wirtschaftsverhältnisse   auf Dauer sichern und vor allem den Regenwald nicht schützen.

     4. Schreiben an Brasiliens Präsident Bolsonaro.

     Unsere Enkelin Finja schrieb ihm am 22.11 2019 und erhielt auch Antwort.

     5. Regelmäßiges Gebet um Einsicht der entscheidenden Politiker,

     dass auf Dauer nur eine gerechte Verteilung alle Güter zu Frieden und Wohlstand führen!

    Gemeinsam können wir etwas verändern, haben wir Vertrauen und Zuversicht. 

    In diesem Sinne wünsche ich erholsame Ferien und Urlaub.

    Frohe Grüße – in schwierigen Zeiten

    Hans (Oehler)

  • Mit steinernen Zeugen der Stadtgeschichte behutsam umgehen

    Ich war schon einige Male in der Grundschule in der Hofgartenstraße, meist zu Presseterminen, ich hatte nie viel Zeit und daher keinen Blick für die architektonische Schönheit dieses Gebäudes, das ab 1894 nach den Plänen von Stadtbaumeister Friedrich Hartmann als städtische Realschule errichtet wurde.

    Doch dieses Mal war es ganz anders. Mit der Kamera war ich für unsere Corona-Dokumentation im leeren Schulgebäude (Hofgartenstraße 14) unterwegs und fotografierte die Corona-Wegweiser in Form von Fußabtritten auf den Böden, Hygienehinweise in den Waschräumen, Plakate zur Abstandsregel und einiges mehr. Ich nahm mir die Zeit und ließ das imposante Treppenhaus, die altehrwürdige Aula, die langen Flure und die hohen Decken auf mich wirken. Vom Hausmeister, der mir wieder aufschloss, erfuhr ich, dass es im Keller noch alte Möbelstücke gibt, Tische, in deren Mitte das Tintenfass stand.  Ich stellte mir vor, wie Generationen von Schülern und Lehrer hier ein- und ausgingen, die Kinder mal fröhlich, mal betrübt, die Lehrer, einst strenge Pauker wie Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel mit dem Rohrstock im Gegensatz dazu die heute einfühlsameren Pädagogen.

    Alte Gebäude könnten Geschichte und Geschichten erzählen. Doch davon gibt es leider nicht mehr viele in unserer Stadt. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen mit den noch vorhandenen steinernen Zeugen der Stadtgeschichte behutsam umgehen.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 22. Juli 2020 

  • Es war einfach herrlich – Kirchenführung wieder möglich
    Marita Peil (3.v.l.) mit ihrer Gruppe nach der Kirchenführung

    Nach dreimonatiger gesetzlich verordneter Abstinenz konnte ich heute (Samstag, 11. Juli) meine erste Kirchenführung in St. Nikolaus nach Aufhebung des Corona-Lockdown machen. Es war einfach herrlich, und ich hatte eine großartige Gruppe!

     Vor Beginn der Führung musste sich jeder Teilnehmer mit Namen, Anschrift und Telefonnummer registrieren.  Anschließend: Einmal bitte die Hände desinfizieren. Die Masken sitzen vorschriftsmäßig und mit Abstand – fing unser Spaziergang durch mehr als 750 Jahre Kirchen-, Religions-und Stadtgeschichte an.

    Die mittelalterliche St. Nikolauskirche ist ein in jeder Hinsicht faszinierendes Gotteshaus; ich habe viel zu zeigen und zu erzählen.

    Den Leuten schien meine Führung zu gefallen haben, denn am Ende durfte ich viele nette Worte hören und erhielt auch viel Applaus. Um Spenden für die Kirchen brauchte ich gar nicht zu bitten; man ließ fleißig Scheine in die Orgelpfeife am Südportal wandern. Vielen Dank noch mal an Alle!

    Nach der Führung wurde mir erst richtig bewusst, wie sehr ich das vermisst habe. Jetzt möchte ich wieder an jedem zweiten Samstag im Monat eine Führung in St. Nikolaus veranstalten. Immer um 14 Uhr. Die nächste findet am 8. August statt.

    Gez. Marita Peil, 21. Juli 2020

  • Glücksmomente in der Corona-Zeit

    Über die Medien erfuhr ich im Juni von der Geburt des weißen Rentierbabies Nala (09.06.2020) auf der Rentieralm in Niederhausen an der Nahe. Also machte ich mich bei herrlichem Sonnenschein auf den Weg dorthin. Was ich dann erlebte, bewegt mich heute noch sehr. Nach der Begrüßung durch die Inhaberin Sonja Persch-Jost berichtete sie mir ganz stolz von der Geburt eines weiteren weißen Rentierbabies mit Namen Ronja (28.06.2020), dem dritten weißen Rentierbaby dieser Alm. Voller Freude und großer Aufregung über den ersten Kontakt mit Rentieren und der 4 Tage jungen Ronja näherte ich mich dem Muttertier Lou mit ihrem ersten Rentierbaby. Lou ließ sich beim Grasen nicht stören und so konnte ich mit zittrigen Händen Aufnahmen von Ronja erstellen. Ein 4 Tage junges weißes Rentier vor meiner Fotolinse machte mich unfassbar glücklich; ließ mich für den Rest des Tages die Corona-Pandemie völlig vergessen.

    Frohen Herzens fuhr ich nach Hause, mit ganz viel Wissenswertem über Rentiere dank Sonja Persch-Jost. Vier Tage später erlebte ich einen unvergesslich schönen Wandertag mit einigen Rentieren, weiteren Gästen und Sonja und Ihrem Ehemann. Wie lieb und einfühlsam diese Rentiere sind, kann ich gar nicht in Worte fassen. Beide Erlebnisse mit diesen Rentieren lassen mich heute noch „im siebten Himmel schweben“ und haben mein Leben in der Corona-Zeit erheblich verändert, verschönert, auf ewig bereichert. Wer der Corona-Pandemie entfliehen möchte, neue Lebensfreude gewinnen möchte, dem kann ich Besuche auf dieser Rentieralm von Herzen sehr empfehlen.      

    Gez. Charlotte Eberwien, 20.07.2020

  • Was heißt eigentlich Normalität ?

    In mein Corona-Tagebuch  trage ich jetzt das Wort Normalität ein. Dieses Wort hört man im Verlauf der Corona-Pandemie jetzt  sehr oft. Da heißt es zum Beispiel: „Wir haben die Normalität noch nicht wieder erreicht“ oder „Wir sollten bald wieder zur Normalität zurückkehren“. Was für eine Normalität ist da gemeint?

     Geht es da um Wachstumsfanatismus, um Massentourismus, um Partyrummel oder Konsumwahnsinn? Alles wieder wie gehabt ?

     Ich habe meinen Freund, den Hannes von Iwwernoh , neulich bei einem Glas Wein um Aufklärung  gefragt. Er gehört  wie ich altersmäßig dem achten Lebensjahrzehnt an.

     „Was heeßt hier Normalität, mei Liewer, du redd’sch jo schon wie die Schlaumeier aus dene Werdschaftsinschditute“, hat er gemeint. „Die lie’n doch völlich danebe.  Es geht doch  um was ganz annerschdes. Mir wolle eenfach so lewe wie immer.

     Nadierlich brauche mir e‘ Wachsdum, das siehsche doch draus an deine Tomade: ohne Dünger geht do nix. Das heest: es muss sichergestellt werr‘n, dass mir Rentner das krie‘n, was mir verdient honn. Das brauche mir für unsere finanzielle Bewechlichkeit. Oder hosch du schun alles vun de Welt gesiehn? Na, also ! Mei negschde Kreizfahrt no Wenedich is schun geplant! Es heeschd doch: Venedig sehen und dann sterben. Bis es soweit is, wolle mir nadierlich noch e bissje Halligalli mache. Vorsjohr hä’sche mich noch bei de Fassenacht im Narrekäfich siehn kenne. Aber nadierlich denke mir aach ans Schbare.

    Ich hatt  frieher viil mit reiche Leit se tun. Un ich kann dir nur saa‘n: vun  de Reiche kannsch’e   es Schbare lerne. Desweche kaafe ich mei Sache nor noch im Internet. Ausserdem: in meinen eigenen Räumen, also deheem, brauch‘ ich beim Inkaafe  kee Maske ansezieh‘n. Des is e gewaldiche Entlasdung !

    Siesch‘de mei Liewer, des versteht merr unner  Normalität.“

    Ich war sprachlos.

     „Proschd, uff guude Gesundheit“, sagte mein Freund Hannes noch zum Abschluss und nahm einen großen Schluck aus seinem Weinglas.

     Ab und zu  werde ich immer mal an seine Worte zurückdenken. Bin  gespannt, wie es weitergeht.

    Gez. Fred Lex, 17.07.2020

  • „Happy Hour“ auf Skype – Wie Jugendliche mit dem Lockdown umgingen

    „Das alles fühlt sich an, als wäre ich in einem Film, den ich nie schauen wollte“ – dieses Zitat einer meiner Lehrkräfte könnte die Situation der letzten Wochen und Monate wohl nicht passender beschreiben.

    Die Zeiten des „Lockdowns“ waren nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche eine Herausforderung: Angefangen bei den verschiedenen Online-Lernplattformen, auf denen sich jeder plötzlich zurechtfinden soll, einer regelrechten Email-Flut mit mal mehr oder weniger wohlüberlegten Arbeitsaufträgen und dem anschließenden Noten- und Klausuren-Chaos. Unübersichtliche Tools und Apps und das darauffolgende Durcheinander bei Abgabeterminen, Gruppenprojekten sowie Videokonferenzen ergänzten die allgemeine Verwirrung.

    Was den größten Einschnitt in den Alltag darstellte, war das fast komplette Ausbleiben der zwischenmenschlichen Begegnungen und sozialen Kontakten.

    Verschiedene Hobbies und Vereine die auf Eis gelegt werden, lange im Voraus geplante Geburtstagspartys und Familienfeiern einfach ausfallen lassen, in der vermeintlich „aufregendsten Zeit seines Lebens“ nur mit Eltern und Familie zu Hause bleiben müssen – so haben sich Jugendliche wohl nicht das Jahr 2020 vorgestellt. Das gemütliche Zusammentreffen in Bars, Restaurants und Cafés und natürlich auch das gemeinsame Feiern, Tanzen gehen und Clubs unsicher machen, all dies war in den letzten 4 Monaten nicht mehr möglich.

    Da blieb also nichts anderes übrig, als kreativ zu werden: Cocktail-Abende via FaceTime, zusammen auf Internetportalen den gleichen Film schauen und live kommentieren, als auch das Wiederaufleben von Quiz-Duell waren einige der vielen Ansätze, wie die Jugend in den letzten Monaten versuchte, ihre sozialen Kontakte über das Internet aufrechtzuerhalten.

    Ein positiver Nebeneffekt der Corona-Krise war, dass einem nun unglaublich viel freie Zeit zur Verfügung stand, die es zu nutzen galt. Einige nutzen diese Zeit um versäumten Schlaf von bis zu 12 Schuljahren nachzuholen und den eigenen Biorhythmus komplett auf den Kopf zu stellen, weil bis 4 Uhr morgens Netflix geschaut wurde. Andere wiederum nutzen die neugewonnene Freizeit, um Sprachen, Instrumente oder ein neues Hobby zu erlernen oder bei Sport-Challenges mitzumachen.

    Außerdem brachte der Fernunterricht auch so einige Vorteile mit sich. Sich seinen Tages- und Wochenablauf persönlich zurechtzulegen und gerade das zu erledigen, was einen an diesem Tag interessiert, anstatt jeden Tag in die Schule zu gehen und mal wieder in irgendeinem gähnend langweiligen Unterricht zu sitzen, hat ein Großteil der Schüler sicher sehr genossen. Hausaufgaben lassen sich in Jogginghose auf der Terasse (unweit der Kaffeemaschine) oder im Garten sitzend, schon sehr viel entspannter erledigen.

    Insgesamt ist es jedoch wichtig zur Kenntnis zu nehmen, dass auch Jugendliche – so entspannt sich „Corona-Ferien“ auch anhört – einem starken Stress ausgesetzt waren. Die Ungewissheit, die die letzten Wochen prägte, wird nun, da die Frage aufkommt, wie die Situation wohl nach den Sommerferien aussehen wird, nur stärker. Wie geht es für die Abschlussjahrgänge weiter? Wie sollen wir alle gleichzeitig oder gleichwertigen Unterricht erhalten unter Beachtung aller Vorgaben? Welche Auswirkungen hat eine Veränderung der finanziellen Situation in meiner Familie als auch in Deutschland für mich und meine Zukunft? – Es wird wohl eine Weile dauern bis auf all diese Fragen eine Antwort gefunden ist…

    Wiebke Lehner (18), 16. Juli 2020

  • Corona-Zwangspause nutzt DJ Jenni für Besuch in der alten Heimat

    Mensch, hat der Josef ne Verjüngungskur gemacht?, frage ich mich, als ich einem vollbärtigen Mann, der mit dem Fahrrad unterwegs war, zuwinkte und ihn zu mir rief. Doch es war nicht Josef sondern Jenni, sein Sohn, der von den Freunden seines Vaters „Little Joe“ genannt wird. Die Verwechslung passiert öfters, erzählt er. Jenni nutzt die Corona bedingte Zwangspause für einen Besuch in der alten Heimat bei Freunden. Seit 13 Jahren arbeitet er als Musiker und DJ in Berlin.

    Als DJ arbeitete er auch in einem der legendären Lokale seines Vaters, dem Blue Marlin. Josef Traut, wem erzähl ich das, war einer Könige des Kreuznacher Nachlebens. Ich erinnere mich noch ein heiße Nächte im Cueva und im El Barco und natürlich im Blue Marlin. As er dann älter und ruhiger wurde, übernahm er das Salinas. Als sich bei uns der erste Nachwuchs einstellte, waren wir dort fast jeden Samstagmorgen zum Kaffeekränzchen mit Gleichgesinnten und unseren Kindern Stammgäste und waren froh, dass Onkel Josef ein Herz für die Kleinen hatte und Eimer mit Bauklötzen und Spielzeug auf den Boden schüttete. Mein Ältester, damals vier oder fünf Jahre alt, konnte nicht glauben, dass er Josef heißt, weil die Maria nicht da war. Josef antwortete trocken: „Es steht auch nicht jeder Ochs in der Krippe“. Was haben wir gelacht.

    Übrigens: am Nachbartisch in meiner Mittagspause saß das Pärchen, Gordi  und  Tatjana, die Jenni herzlich begrüßten. An Mamas Brust schlummerte der 12 Wochen alte Jona.  Sie erzählten mir, dass sie sich im Blue Marlin kennengelernt haben, wo Gordi damals als Barkeeper arbeitete. Sie bestellte bei ihm an der Theke keinen Cocktail sondern dort völlig unüblich einen Kaffee, den es aber nicht gab, und den Gordi aber dennoch herzauberte. Und die Liebe nahm ihren Lauf.

    Also für alle Fans des guten alten Blue Marlin: DJ Jenni ist in der Stadt

    Gez. Hansjörg Rehbein 15. Juli 2020

  • Wann ist Corona vorbei? So schnell werden die Korken leider nicht knallen

    In der Geburtstagsfeier-Dauerschleife liegen wir, da ja nach den Lockerungen der Corona-Regeln wieder geselliges Beisammen möglich ist. Der Geburtstag meiner Frau liegt mittlerweile schon dreieinhalb Monate zurück, aber erst jetzt kam sie dazu, bei unserem Lieblingsitaliener den Freunden unseres Freitags-Kreises einen Runde Prosecco auszugeben, zum wg. Corona ausgefallenen Brunch bei uns zu Hause will sie eventuell nochmal einladen. In jedem Fall nachholen will eine weitere Bekannte ihren runden Geburtstag, den sie groß feiern will, wenn es sein muss „unrund“ 2021. Mit einer Sektspende in meinem Wunschlokal bin ich wie eine Reihe anderer ebenfalls noch dran. Ich nulle erst wieder im kommenden Jahr. Dann will ich altersgerecht mit meinem Grillfest am späten Nachmittag beginnen. So ist der Plan

    Wie wäre es doch schön, wenn wir bald das endgültige Ende von Corona feiern könnten. Wie heißt es leider aber: Träume sind Schäume. So schnell werden die Korken da wohl nicht knallen.

    Gez. Hansjörg Rehbein 14. Juli 2020

  • Corona überstehen – auch im hohen Lebensalter

    Wir Bürger in Bad Kreuznach können uns echt nicht beklagen - trotz Corona Pandemie. Zum Glück gibt es in Deutschland bisher keine Ausgangssperre und der Wettergott ist uns hier seit März sehr wohl gesonnen.

    Alles ideal auch für relativ „gesunde“ Menschen im hohen Alter. Anni Wolf, 94 Jahre alt, ist noch gut zu Fuß und verbringt daher viele Stunden im eigenen Garten, bisweilen bei einem kühlen Glas Corona Bier. Bis Anfang 2020 hätte sie sich niemals vorstellen können, dass das Wort „Corona“ jemals eine derart negative Bedeutung erhalten würde. Dank ihrer stets positiven Lebenseinstellung fällt es ihr aber nicht schwer weiterhin gerne mal ein Glas Corona Bier zu genießen. Möge Anni Wolf vielen Kreuznachern zum Vorbild dienen mit ihrem Lebensmotto: Versuche immer alle Herausforderungen deines Lebens positiv zu meistern, dann gewinnst du unerwartet viele schöne Stunden des Lebens.

    Ich wünsche allen Lesern, Autoren und Bürgern: Bleiben sie weiterhin besonnen und vor allem gesund.   

    Charlotte Eberwien, 11. Juli 2020

  • Summen zwischen Kirchenbänken

    In meiner Tageszeitung habe ich gelesen, dass unsere Landrätin an die Kirchen appelliert, wegen der großen Ansteckungsgefahr durch Corona in den religiösen Zusammenkünften auf den Gesang zu verzichten. Für meine Kirchengemeinde kann ich da nur sagen: unsere Gemeinde  singt nicht, sie summt.

    In den Gottesdiensten  der Johanneskirche sitzen Besucherinnen und Besucher mit und ohne Gesichtsmaske  auf dem mit Sicherheitsabstand  exakt durchgeplanten Kirchengestühl, und wenn es das Programm erforderlich macht, dann summen sie. Ich war dabei und habe nach Handdesinfektion und  Adressenangabe Texte und Noten in gedruckter Form erhalten, nicht zum Mitsingen, sondern zur Information. Den Mundschutz durfte ich, sobald ich meinen Platz eingenommen hatte, vorübergehend abnehmen. „Nicht singen nur mitsummen“, schärfte uns der Pfarrer ein.  Die Musik, sobald sie erforderlich war, kam instrumental von oben, nämlich aus dem Bereich der Orgel plus zwei geschulter Stimmen auf der Empore. Zwischen den Kirchenbänken selbst schwebte nur ein sanftes Vibrieren, ähnlich wie bei einem freundlich gestimmten, aber ausgebremsten Bienenschwarm. Das war das Summen der Gemeinde.

    Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und einige liturgische Formeln durften wir Kirchenbesucher, vom Mundschutz befreit, in normaler Lautstärke vortragen.  Aber damit war auch schon alles gesagt. Für begnadete Gemeindesängerinnen und -sänger ein schmerzliches Pausieren, denn nirgendwo wird so gerne und so laut gesungen wie bei uns Evangelischen.  Kein Wunder, denn mit Martin Luther begann die Singbewegung der Reformation. Luther selbst sang gerne und gut. Sein Wittenberger Liederbuch aus dem Jahr 1529 nannte er ein „Gemeindegesangbuch“. Die Gemeinde soll singen, sagte er. Und dies tat sie umso lieber, als der Barockpoet  Paul Gerhardt (1607 – 1676) so anmutige  Lieder für die Protestanten  schrieb wie: „Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit“.

    Schade, dass man diese schöne Melodie in dieser Sommerzeit auf der Kirchenbank nicht lauthals heraussingen darf. Mit Summen sollte man aber  erst gar nicht anfangen. Das Lied hat immerhin fünfzehn Strophen. Also: einfach nur stumm lesen.

    Fred Lex, Bad Kreuznach, 10. Juli 2020

  • Nichts für „Warmduscher“
    Noch  gibt es wenig Besucher im Freibad Bad Münster. Das liegt sicherlich auch am unbeständigen Wetter.

    Aufgrund der Corona-Krise hat das Freibad in Bad Münster am Stein-Ebernburg im Gegensatz zu den vorhergehenden Jahren dieses Jahr erst seit dem 01. Juli 2020 geöffnet. Voller Vorfreude auf das erfrischende Element begab ich mich zum Eingang des Bades, wo schon eine längere Schlange maskierter Besucher auf den Einlass wartete. Nachdem ich einen Chip mit einer Nummer erhalten hatte ging es ans Ausfüllen eines Formulars mit Adressdaten, Telefonnummer, Einlasszeit und Chipnummer.

    Auf markierten Einbahnstraßen ging es zur Umkleidekabine. Da die warmen Duschen aufgrund der Hygienevorschriften nicht zur Verfügung standen ging es zur Abkühlung unter die kalte Dusche im Außenbereich, was zuerst etwas Überwindung kostete. 30 Minuten im warmen Wasser des Solebeckens und Wechsel zum „Bahnen schwimmen“ im Schwimmerbecken wirkten wie eine „Kneippkur“.

    Dabei beobachtete ich, dass der von den Besuchern berührte Bereich ständig von den Mitarbeitern des Schwimmbadpersonals, das zum größten Teil ehrenamtlich tätig ist, desinfiziert werden musste.
    Das sommerliche Wetter, der Blick auf die Kulisse des Rheingrafensteins und die schöne Grünanlage des Bades trugen dazu bei, dass ich mich für einige Zeit wie im Urlaub fühlte.

    Astrid Böhm, 09.07.2020

  • Mittel gegen Corona-Trübsinn: Optimismus kann man lernen

    Drei Ordensschwestern schlendern gemütlich durch den Kurpark und genießen ihr Eis in der Waffel, auf der Wiese turnt ein junger Vater mit seiner kleinen Tochter und auf den Bänken sitzen Menschen, die sich unterhalten, ein Buch lesen oder, wie ich, die Szenerie beobachten, die eine Ruhe und Normalität ausstrahlt. Opa und Oma schieben ihr schlafendes Enkelchen und erzählen mir, dass sie auf die Nachricht aus der Entbindungsstation im Krankenhaus warten, dass weiterer Nachwuchs auf unserer Welt angekommen ist. Ein Sonntagnachmittag, so wie ich ihn genieße. Im setze mich auf mein Rad fahre nach Hause und freue mich auf einen Grillabend und auf ein gutes Glas Nahewein im Kreis meiner Familie. Von Corona keine Spur und das ist auch gut so.

    Maskenpflicht und Abstandsregelung mahnen uns aber, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist. Die dramatischen Entwicklungen in den USA, in Brasilien und in weiteren Ländern führen uns dies täglich vor Augen. Es kommt einem schon fast wie eine Ewigkeit vor, dass in Deutschland quasi die Alarmstufe Rot ausgerufen wurde. Am 27. März trat das „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lange von nationaler Tragweite“ in Kraft. Danach folgte unmittelbar der Shut-Down. Mittlerweile sind viele Bestimmungen aufgehoben bzw. gelockert.

    Niemand kann sagen, ob und wann es eine zweite Welle geben wird.  Das ist aber alles kein Grund zur Schwarzmalerei. Optimisten leben gesünder, hat kürzlich wieder mal eine Studie belegt. Und Optimismus kann man lernen, in dem man beispielsweise ein Dankbarkeitstagebuch schreibt und somit sein Hirn austrickst, indem man düstere Gedanken und Missmut vertreibt. Positives Denken fördert das Ausschütten der Hormone, die zu Glücksmomenten führen. 

    Gez. Hansjörg Rehbein, 8. Juli 2020

  • Memento mori - Gedenke der Vergänglichkeit

    Der Bad Kreuznacher Künstler Gernot Meyer-Grönhof hat sich mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt.  Er beschreibt wie folgt sein Werk: "Memento mori" bedeutet so viel wie "Gedenke der Vergänglichkeit". Der Platz des Malers an der Staffelei ist verlassen...das Licht steht in diesen Bildern für Ewigkeit und die Erlösung von den irdischen Lasten.

    Gez. Gernot Meyer-Grönhof, 7. Juli 2020

  • Bleib mir vom Leib! Aggression und Hysterie in Corona-Zeiten

    Über eine Schattenseite in Corona-Zeiten berichtet Marita Peil, die Hysterie und Aggression beobachtet und erlebt:

    Es mag wohl sein, dass sich viele Menschen während der Corona-Pandemie Anderer hilfreich annehmen. Doch es gibt auch etliche Zeitgenossen, deren Aggressionspegel gewaltig gestiegen ist. Besichtigen kann man das u.a. morgens beim Sport im Salinental.

    Das ist einmal das ältliche Paar, das jeweils sonntags am Uferweg joggt. Beide hübsch nebeneinander. Sie sausen am Gradierwerk 5 um die Ecke, und – o Schreck! – da kommen ihnen zwei, drei Ausflügler entgegen. Kein Zweifel, das müssen Corona-Infizierte sein! Sofort läuft der Mann vor die Frau. Er streckt seinen Arm mit der zornig geballten Faust abwehrend gegen die ahnungslosen Leute aus und herrscht sie an: „Hauen Sie ab! Gehen Sie sofort aus dem Weg!“ Die Blondbezopfte kreischt hysterisch: „Lassen Sie uns am Leben!“

    Erschrocken bleiben die Spaziergänger stehen. Ratlos. Dann schütteln sie den Kopf. Lachen. Es wird auch schon mal der Vogel gezeigt.

    Oder: Eine alte Frau walkt verkniffenen Gesichts mit ihren Nordic-Walkingstöcken auf dem schmalen Fußgängerweg, wo sich einmal die Kleingärten befanden. Kommt ihr jemand entgegen, lässt sie sofort den Stock über den Weg hinausfahren und drängt die Person ohne Rücksicht auf Verluste gegen das Holzgeländer zum Triebwerkgraben. Die unmissverständliche Botschaft: Bleib mir bloß vom Leib!

    Vor ein paar Tage unterhalte ich mich, ebenfalls im Salinental, mit einer Bekannten. Wir stehen auf der Wiese am Wegrand. Plötzlich schnauft ein schwergewichtiger alter Mann mit ungesund ischämisch-blauem Gesicht daher. Als er uns sieht, brüllt er mit schleimiger Rallerstimmer: „“Verp… euch, ihr A….“ Obwohl es traurig ist, müssen wir lachen.

    Meine Bekannte berichtet mir von einschlägigen Erfahrungen, die sie in Geschäften gemacht hat. Corona ist schlimm, aber Hysterie und Aggression sind nicht die Lösung!

    Gez. Marita Peil , 6. Juli 2020

  • Brexit-Boris-Covid - not the same procedure as every year ...

    Corona sorgt nicht nur für Zukunftsängste und Einschränkungen in unserem Leben. Ich habe einem „alten Kollegen“ aus gemeinsamen Zeiten bei der Rhein-Zeitung in Mainz geschrieben. Arnim Friess arbeitete dort als Fotograf und ging 1993 nach England und studierte Theaterdesgin und European Scenography am UCE in Birmingham.

    Geboren ist er in Bad Kreuznach. „Meine Eltern sind die ehemaligen Juweliere Friess. Ich stamme aus einer alteingesessenen Familie aus Wein- und später Juwelenhändlern. Ein Großonkel ist der Baumeister Henkel, Entdecker des Römerfußbodenmosaiks“, schreibt er. An seine Geburtsstadt hat er noch folgende besondere Erinnerungen: an die Zeit in der

    Grundschule Kleiststraße, der Unterricht bei Frau Klepzig, die heute noch im Pauluskirchen- Chor singt, an das Gymnasium an der Stadtmauer, wo er 1994 sein Abitur 1984 machte. „Zu der Zeit habe ich auch leidenschaftlich im KHC gefochten“.

    Dann folgte das Studium Grafik Design an der FH Wiesbaden, das er aber abbrach, um bei der MRZ in Mainz zu arbeiten. Über seine aktuelle Situation in England weiß Arnim Friess derzeit leider nicht viel Gutes zu berichten. Für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte schreibt er wie folgt:

    „Wir wollten hier eigentlich alt werden. Hier - das ist England, genauer gesagt Leamington Spa, wo für einen Ex-Bad Kreuznacher alles ein bißchen ähnlich ist: Ein altes, viktorianisches Bad, Salinenwasser, ein Fluss fließt durch einen schönen Park, das ehemalige Kurhaus ist jetzt die Bücherei. Vor fast 27 Jahren haben wir den Neuanfang gewagt, folgten unserer Freude an allem Englischen, meine Frau wurde Kinderarzt im staatlichen Gesundheitssystem, ich verwandelte eine Begeisterung für Licht vom Fotografieren zur Bühne in 150 Theater-, Oper- und Musical-Produktionen als Lightdesigner. Ich habe zwei Töchter, die zwar deutsche Pässe haben, sich aber wie englische Girls fühlen und benehmen.

     Für uns war klar Auch die nächste Periode unseres Lebens sollte in unserer Wahlheimat stattfinden, vielleicht im schönen Devon oder Cornwall, an der Küste. Als Europäer kein Problem. Dann kam Brexit. Ein Schock, aber wir dachten - das wird schon. 3.5 Millionen Europäer leben in England - die kann man nicht einfach über Nacht loswerden. Dann kam Boris. Der Brexit Lautsprecher, früher als Polit-clown verlacht, hatte seine Ambitionen erfüllt - Primeminister. Und der Ton veränderte sich. Versprechungen wurden widerrufen und man dachte - dem kann man nicht trauen. Und dann: Covid 19. Die Theater bleiben zu, und haben nicht die Subventionen wie in Deutschland, das Gesundheitssystem überlastet, und seit dem Finanzcrash unterfinanziert. Der Polit-Clown und sein Zirkus aus Ministern stellt sich heraus als das, was wir immer vermuteten: Unfähig die ernste Krise zu managen, und die höchste Todeszahl in Europe ist die Folge. Wir erkennen nicht mehr das Land unserer Jugendträume, und langsam stellt sich der Gedanke ein: Alt wollen wir hier wohl nicht mehr werden.“

    Gez. Arnim Friess, 3. Juli 2020

     Foto: Teilnahme an „nightoflight“ als einer der wenigen lighting designer in England mit einem Disco-Gartenhaus - die deutsche Aktion fand hier kaum Anklang, auch ein Zeichen, das sich England vom Europäischen Gedanken abnabelt, bedauert Arnim Friess.

  • Anoosha (8) hat „Betten“ für Corona-Patienten gebaut

    Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen sind weiterhin Themen in den Gesprächen von Elke Beckamp mit ihrer acht Jahre alten Enkelin Anoosha. Sie hat uns ein Foto von den „Corona-Betten“, die das Mädchen gebaut hat, und einen kurzen Brief geschickt:

    „Alles wird getan, um wieder gesund zu werden. Die Betten für die Patienten im Krankenhaus kann die Krankenschwester nach draußen an die frische Luft rollen. Die mag das Corona-Virus nicht und verschwindet endlich.

    Dann bekommen die Kranken frisches Obst. Dann wird alles gut!

    Gez. Anoosha, 1. Juli 2020

  •  „Mir honn doch Corona“ -  Warum Abstand halten so schwerfällt

    Kein Küsschen von der kleinen Enkeltochter, keine Umarmung vom Sohn. Noch immer heißt es zum Schutz vor dem Corona-Virus Abstand halten. Die Verhaltensregeln haben sich zwar vieler Orts eingespielt und werden auch befolgt, aber daran gewöhnen können wir uns nur sehr schwerlich.

    Besuche von den Angehörigen in den Altenheimen sind wieder erlaubt, mittlerweile auch ohne vorherige Terminvereinbarung. Ich bin froh, dass ich mich mit meiner Mutter nicht mehr getrennt durch eine Plexiglasscheibe unterhalten muss, ein Szenario, das mich an einen Krimi erinnert, wenn Angehörige ihren Liebsten im Gefängnis besuchen.

    Die Lockerungen machen auch den Alltag in den Altenheimen erheblich leichter. Mit freut es auch für das Pflegepersonal, das Schwerstarbeit leisten, viel Geduld und Fingerspitzengefühl aufbringen muss. Nicht nur bei Bewohnerinnen und Bewohnern, die immer wieder dieselben Fragen stellen, sondern auch bei unwirschen und zum Teil wenig verständnisvollen Angehörigen, wie mir erzählt wurde.

    Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es auch heitere Seiten. Dieser Tage erzählte mir unser Ur-Gässje Steffen Kaul von einem herzlichen Missverständnis mit seiner Tante „Eppi“, Elfriede Schäfer (96), der er immer wieder auf ihre Frage „Warum besuchst Du mich nicht?“antworten musste „Mir honn doch Corona“, worauf die alte Dame erwiderte. „Ei Bub, ich bin doch de ganze Daach dehem,  ich kann doch niemanden aanstegge!“ Mittlerweile hat Steffen auch seine Tante wieder besucht, worüber sich die alte Dame natürlich sehr gefreut hat.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 30. Juni 2020

  • Corona hat verheerende Auswirkungen auf das Bildungssystem

    Aus ihrem Alltag als Nachhilfelehrerin berichtet Marita Peil für das Corona Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte:

    Montag 8. Juni. Die Corona-Pandemie hat auch in Bad Kreuznach verheerende Auswirkungen auf das Bildungssystem, das im Grunde bereits davor erhebliche Mängel aufwies. Seit einer Woche ist meine Nachhilfeschülerin Dilara zurück. Riesige Freude auf beiden Seiten! Aber: Obwohl sie nach den Sommerferien eine Abschlussklasse besuchen wird, muss sie nur ein Mal pro Woche zur Schule. Immer Freitag.

    Nun gibt es leider in ihrer Familie einige Personen mit gravierenden Vorerkrankungen. Dilara selbst ist gesund. Wegen ihrer vorerkrankten Familienmitglieder benötigt sie aber ein ärztliches Attest, damit sie überhaupt die Schule besuchen darf. Auch die Eltern müssen den Schulbesuch ihrer Tochter schriftlich genehmigen. Ansteckungsrisiko!

    Letzten Freitag hatte Dilara beides daheim vergessen. Prompt schickte die Rektorin sie nach Hause.

    Bis zu den Sommerferien besucht sie nun also ein Mal pro Woche die Schule, während ich sie im gleichen Zeitraum zwei Mal unterrichte.

    Ob sie denn die Schule während der Coronaferien vermisst hat, will ich wissen. Sie lacht. Nicht dran zu denken! Aber: Dilara, ihre Familie und ich haben in dieser Zeit öfter miteinander telefoniert. Mal sehen, was uns nach den Ferien blüht.

    Gez. Maria Peil, 26. Juni 2020

  • Der Kaffee-Mann ist wieder da

    Der Kaffee-Mann ist wieder da. Nach drei Monaten Corona-Quarantäne steht Karlheinz Schau wieder mit seinem blauen Oldtimer (Citroen HY , Baujahr 1967) auf dem Wochenmarkt. Wieder ein Stück Normalität zurück. Darüber freuen sich viele Stammgäste. Ein guter Cappuccino am frühen Morgen am Dienstag und Freitag auf dem Weg zum Büro ist für mich ein lieb gewonnenes Ritual.

    Schau hat sich ein zweites „Schätzchen“ gekauft. Ebenfalls ein Citroen, Baujahr 1971, in weiß, den sein Vorbesitzer in Frankreich für Pferdetransporter genutzt hat. Seite Wochen ist er am schweißen und schrauben. Der Umbau zum Kaffeewagen soll bis Herbst abgeschlossen sein. Viel mehr Platz wird er bieten und auf zwei Seiten offen sein, schwärmt er mit großer Vorfreunde. Na, ich bin mal gespannt.

    Ich wünsche dem Kaffeemann und seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Beschickerkreis viel Erfolg auf den Wochenmarkt, dessen Besuch für viele aus und um Bad Kreuznach immer wieder ein Erlebnis ist.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 25. Juni 2020  

  • Gegen den Quarantäne-Depri-Blues
    Keine Mundschutz-Masken müssen die Strasßenmusiker tragen. Das öffentliche Leben ist auf dem Weg in die Normalität und das bleibt hoffentlich auch so. Zeichnung: Bertold Schwartz-Crato

    Gegen den Quarantäne-Depri-Blues hat der Heimatdichter und Pfarrer i.R.  Ulrich Nordmann zwei Varianten zum Thema „Wenn Quarantäne mal vorbei“ gedichtet. Diese wollen wir unserem Corona-Tagebuch und seinen Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten:

    Wenn  die Quarantän vorbei,

    erhebt sich großer Jubelschrei:

    Das Corona sei vergessen!

    Lasst uns saufen, lasst uns fressen!

    Durch alle Welt wolln wir jetzt reisen.

    Gespartes Geld froh um uns schmeißen.

    Die Corona-Glückbeschränkung

    verschwinde tief in der Versenkung:

    Als wäre nichts gewesen leben

    und im siebten Himmel schweben

     

    Variante B:

    Wenn die Quarantän vorbei

    erhebt sich großer Jubelschreib:

    die Corona ist zu Ende,

    die Menschen reichen sich die Hände,

    geschwisterlich wird unsre Welt,

    wir teilen Hab`, wir teilen Geld,

    wir leben biologisch rein,

    wie vormals wollen wir nicht sein!

    Das wird ein Greta-heilges Leben:

    Wir wolln im siebten Himmel schweben.

    Gez. Ulrich Nordmann 24. Juni 2020

  • Masken vor dem Stofftempel – Corona-Alltag gezeichnet

    Man nennt ihn den „Gässjemaler“ oder auch Neustadtzeichner. Bertold Schwartz-Crato gehört zu den schrägen und liebevollen Typen, die im historischen Stadtkern leben. Wie bunt und originell die Szene dort ist, hat er fotografiert und dann mit Pinsel auf Papier festgehalten. Für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte hat er den Stoff-Tempel gezeichnet, jenes Geschäft in der Mannheimer Straße 40, dessen Schaufenster er in der Leerstandsphase 2017/2018 vor der Sanierung und Eröffnung für seine Zeichnungen nutzte. Bilder von ihm waren auch im zag-Büro und im NaheRaum der katholischen Kirche an der Alten Nahebrücke zu sehen. 


    Gez. Betrold Schwartz-Crato, 23. Juni 2020

  • Maar statt Mare – Vulkaneifel war mehr als nur ein Ersatz
    Das Gemündener Maar und die Wanderwege sind ein kleines Naturparadies. Foto: Heike Rehbein

    Am Freitag, 19. Juni um 12.10 Uhr war es endlich soweit. Meine Frau und ich eröffneten unsere Schwimmsaison, ohne die der Sommer kein echter Sommer ist. Dabei gingen wir sehr zögerlich und behutsam vor, denn das Wasser im Gemündener Maar hatte erfrischende knapp 19 Grad Temperatur!

    Nachdem Corona bedingt unsere geplante Reise nach Sardinien ins Wasser fiel, entschieden wir uns für einen Kurzurlaub in der Vulkaneifel. Wichtige Voraussetzung war der Hinweis im Internet, dass das Naturbad Gemündener Maar in der Nähe von Daun öffnet.  

    Und wir waren die ersten, die an der Eingangstür standen und dienten dem Personal daher als Testlauf für die Corona-Schutzauflagen. Wir hatten uns online für zwei der ingesamt knapp 200 zu vergebenden Tickets in der Zeit von 12 bis 15 Uhr angemeldet. Die Wege waren vorgegeben und mit Flatterband abgespannt. Spender mit Desinfektionsmittel standen bereit, für den Weg zwischen Bad und Kiosk musste man die Mundschutzmaske tragen. Die Schwimmeister und das Personal an der Kasse waren noch entspannt, denn die Besucherzahl an den ersten drei Tagen war sehr überschaubar. Wir genossen die Exklusivität und hatten den See mit Trinkwasserqualität fast für uns alleine.

    Hoteliers und Gastronomen merkten wir an, dass sie sehr über den Neustart erleichtert und bemüht um ihre Gäste sind. Die meisten Gäste, so zumindest waren unsere Beobachtungen, verhielten sich diszipliniert und verständnisvoll.  Zu den Qualitätsmerkmalen eines erholsamen Urlaubs gehört auch ein gutes Speise- und Getränkeangebot. Spezialitäten wie das  Eifeler Landbier und der Döppekooche (Kartoffeltopfkuchen) schmeckten uns vorzüglich.

    Es fehlte uns an nichts. Hinter unserem Gästehaus stehen große alte wunderschöne Pappeln, in einem dahinter liegenden Streifen eines Naturschutzgebietes durftet es nach Wildkräutern. Als kleine Geste des Dankes für einen erholsamen Urlaubstag in Corona-Zeiten nahm ich jeden Abend ein kleines „Waldbad“ und umarmte einen der stolzen Bäume.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 22. Juni 2020

  • Bischofsweihe – Feiern mit erheblichen Einschränkungen

    Nur allzu gerne wäre ich bei dieser Bischofsweihe von Domdekan Dr. Bertram Meier im Hohen Dom von Augsburg persönlich dabei gewesen. In den turbulenten Zeiten von Corona waren jedoch nur die wichtigsten kirchlichen und politischen Würdenträger geladen. Also konnte ich leider nur per TV-Übertragung live an diesem Ereignis teilnehmen.

    Die ursprünglich für März geplante Bischofsweihe wurde wegen Corona auf Juni verlegt. Die musikalische Leitung hatte Domkapellmeister Stefan Steinemann, mit 27 Jahren der jüngste Kapellmeister in Deutschland.

    Den Festgottesdienst eröffnet Kardinal Reinhard Marx, ebenso die Bischofsweihe: Bertram Meier kniet vor Kardinal Marx, zwei Kirchenvertreter halten das Evangelium Buch geöffnet über das Haupt von Priester Meier, es folgt die Salbung, danach die Übergabe der Bischofsymbole Ring, Kappe und Stab. Als Bischof geweiht nimmt Bertram Meier jetzt Platz auf dem Bischofsstuhl. Er ist jetzt „Hirte von über 1,3 Millionen Katholiken“ und darf den Festgottesdienst fortsetzen.

    Bischof Meier richtet seine Dankesworte an alle Gläubigen. Er möchte die Kirche in Deutschland und der Welt näher am Menschen praktizieren. Sein Wahlspruch lautet: vox verbi vas gratiae und will damit sagen „Ich bin nur ein Werkzeug und Diener der Gnade Gottes.“ (Zitat B. Meier). Er überträgt Schwester Anna Schenk die Amtsleitung des Bischofssekretariates, erstmals eine Frau in dieser Position. „Ich wünsche mir Mitarbeiter, die nicht bremsen sondern mitziehen.“ (Zitat B. Meier). Am Ende seiner Rede kommt es anstelle des üblichen „Händeschüttelns“ wegen Corona zu einem „Schulterklopfen“.

    Nachfolgend erweisen diverse Kirchenvertreter dem neuen Bischof ihre Referenz. Es folgt normalerweise die Gabenüberreichung an den neuen Bischof, aber wegen Corona hat dies bereits eine Woche zuvor stattgefunden. Auf Wunsch des neuen Bischofs ist die Kollekte dieses Festgottesdienstes für den bischöflichen Hilfsfond angedacht.

    Bischof Meier beginnt mit der Eucharistiefeier. Statt „einander die Hand zu reichen“ bittet er die Gläubigen wegen Corona „Schenken wir einander freundliche Blicke als Zeichen von Frieden und Gemeinschaft.“ Es folgt die Verteilung der Hostien an die Gläubigen, die danach sofort wieder ihre Gesichtsmaske anlegen.

    Anschließend hält Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, eine kurze Rede. Er dankt der Kirche für Ihr Durchhalten und Verständnis in den letzten Wochen und Monaten.

    Bischof Meier beendet den Festgottesdienst mit den Worten „Die Kirche ist bereit auf neue Herausforderungen einzugehen. Herr Söder, sie erhalten nachher eine gelb-weiße Maske von der Kirche „als ein starkes Signal an alle“. Das im Anschluss an die Weihe übliche Fest entfällt wegen Corona.“

    So hat die Bischofsweihe trotz zahlreicher Corona bedingter Einschränkungen dank moderner TV-Technik nichts an Feierlichkeit, Glanz und Großartigkeit eingebüßt.

    Gez. Charlotte Eberwien 19. Juni 2020

  • Menschen-Nähe wir entbehren

    „Überwältigt von der Macht nahen Wald-Grünes“ schrieb Karl-Ulrich Nordmann „dieses herrliche zartfühlende naturesoterische Gedicht am 27. April 2020:

    „Weil die Abstände sich mehren,

    Menschen-Nähe wir entbehren.

    Begrüßungsküsse keine wagt.

    Kontakt mit Freunden abgesagt.

    Nasenmasken uns entehren,

    Verhindern menschliches Verkehren.

    Geist und Körper spiel´n verrückt,

    Wenn man Berührung unterdrückt.

    Auch Nordmanns empfinden die Beschränkung

    Als leib- und seelische Beschränkung.

    Sie fragen: wie soll`s weiter gehen?

    Ist keine Freiheitsbahn zu sehen,

    Dass wir den Nächsten nah berühren

    Und seinen Körper an uns spüren?

    Doch hör´n wir nicht des Waldes Rauschen

    Und winkt uns nicht der Bäume Grün?

    Auf Waldes Stimme lasst uns lauschen

    Und die Qurantän vertauschen

    Mit bunter Blüten Freiheits-Blühn

    Wir gehen in den Wald. Da steht ganz eng

    Die Bäume. Was verboten draußen streng

    Ist hier erlaubt. Und von den stolzen Buchen

    Woll`n wir usn die schönste suchen;

    Woll`n sie umarmen, drücken, küssen,

    Woll´n das Leben uns versüßen,

    Gleich früher, als wir jung uns drückten

    Und uns wunderbar entzückten.

    Doch die Buche ist zu spröde,

    Als dass sie Seelenwärme böte,

    Uns schlägt der Puls an´s harte Holz,

    Es steigt das weh, es schmerzt der Stolz,

    Es knackt die Hüft, es zieht ein Krampf

    Das Holz ist kalt, umsonst der Kampf!

    Wohl-Lebens-Förster-Geist entweicht.

    Unsre Herzen werden leicht:

    Wald-Baden – hoffnungsloser Traum

    Vom Körper-Kontakt mit einem Baum!

    Wir verlassen Waldes-Graus

    Betreten fröhlich unser Haus.

    Wir steigen in die Bade-Wanne

    Und sind einander Eich und Tanne.

    Wir holen eine Flasche Wein

    Und schenken voll die Gläser ein.

    Wir loben hoch die Quarantänen,

    Vergießen nicht Corona-Tränen:

    Ist doch jetzt beste Zeit

    Für eheliche Zweisamkeit!

    Gez. Ulrich Nordmann 18. Juni 2020

  • Endlich wieder Tanzen! 

    Seit dem 27. Mai sind die Tanzstudios wieder geöffnet in Rheinland-Pfalz. Wunderbar –  mein Training hatte ich so vermisst! Natürlich habe ich seit dem Lockdown während der Corona-Krise zuhause etwas geübt mit Morgengymnastik. Auch habe ich viele lange Spaziergänge gemacht. Aber das Tanztraining jeden Dienstagabend, das bietet mir doch etwas ganz anderes:

    Langsam und unter Anleitung die Muskeln dehnen und Spannung aufbauen, das funktioniert nur im Tanzstudio effektiv. An der Ballettstange kann ich meinen von der PC-Arbeit geplagten Rücken richtig aushängen. Dann die Positionen – uffz, beim Plié gehe ich natürlich nur unter strenger Beobachtung meiner Lehrerin so richtig tief in die Knie. Die Arme weit ausbreiten und kreisen lassen, eine schwungvolle Pirouette drehen, das geht in meinem Wohnzimmer gar nicht. Längere Schrittfolgen zur Musik, Raum einnehmen: auch nicht möglich bei mir zuhause. Also ziehe ich genussvoll meine Bahnen durch den Saal. Ich schaue rüber zu den anderen Frauen in meiner kleinen Gruppe, ich glaube denen geht es ähnlich wie mir.

    Ich freue mich so, dass das alles wieder möglich ist. Mit Abstandsregeln und Hygienevorkehrungen, natürlich. Corona hat mir bewusst gemacht: Es gibt Gewohnheiten, die liebe ich sehr. Und dazu gehört – endlich wieder Tanzen!

    Britta Lehna, Bad Kreuznach 17. Juni 2020

  • Die Augenpartie rückt in Corona-Zeiten in den Blick

    Über das Fehlen persönlicher Kontaktaufnahme hat Franziska Blum-Gabelmann ihre Gedanken für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte aufgeschrieben:

    Sicherheitsabstand, Mund-Nase-Maske, Desinfektion, kein körperlicher Kontakt außerhalb der Familie. Der Händedruck ist nicht gewünscht, die Umarmung von Bekannten und guten Freunden verboten. Kontaktaufnahme im öffentlichen Raum mit Unbekannten, Geschäftspartnern und Kollegen erfolgt mit Maske, und die verdeckt bis auf die Augenpartie die Mimik im Gesicht. Der Mund ist versteckt. Die Sprache gedämpft oder verzerrt, je nach Beschaffenheit des Materials aus dem die Maske hergestellt ist. Mit der Maske im Gesicht fällt eine nonverbale Sprache weg, von klein auf erlernt, befähigt das Gesehene zu decodieren, Voraussetzung um das Gesagte des Gegenübers zu bewerten, die Person selbst einzuordnen.

    Die Augenpartie rückt in Corona-Zeiten in den Blick. Mancher erträgt diese plötzliche Aufmerksamkeit, die Konzentration auf die Verengung der Kontaktaufnahme nicht; senkt den Blick, schaut weg. „Warum guckst du mich so an, sieh mich an wenn ich mit dir rede, senk die Augen, provozier mich nicht, was willst du?“ Sätze aus der Kindheit klingen da an und gutgemeinte Ratschläge, dass man Menschen nicht direkt in die Augen blickt – dass sei schlechtes Verhalten, gesellschaftlich nicht akzeptiert und provoziere - besonders Männer. Und jetzt? Zwar kein Tabubruch, aber eine verordnete neue Verhaltensregel. Ehemals unschicklich, nun (überlebens-)notwendig.

    Macht das was, wenn Begrüßungsrituale und Gesprächsformen neu definiert und eingeübt werden? Es erinnert mich an Diskussionen über verschleierte Frauen, die bis auf die Augen verhüllt sind. Erzwingt dies für sie eine andere Art der Kommunikation? Vielleicht eine Augensprache in der Öffentlichkeit? Eine zwischen Frauen und eine zwischen Frauen und Männern?

    Einem Menschen tief in die Augen sehen bedeutet, einen Blick auf seine Seele erhaschen, auf seinen aktuellen Gemütszustand, sein Empfinden für das Gegenüber. An der Augenpartie lassen sich Traurigkeit, Glück, Depression, Freude ablesen, spiegeln sich Ekel, Ablehnung, Wut, Gewaltbereitschaft, Härte, Teilnahmslosigkeit, Lust ebenso wie Verständnis, Zustimmung, Zuneigung und Liebe. Über Augen erfolgt Kontaktaufnahme, wird Distanz und Nähe hergestellt. Bewusst, unbewusst und spielerisch wie beim Flirten, dem koketten Spiel der Augen, das lockt und einlädt und verspricht und doch klar signalisiert, dass das alles nur ein Versprechen ist, eine Illusion. Oder doch nicht?

    Der intensive Blick in die Augen des Gegenübers lässt braune, blaue, grüne, graue, seltener bernsteinfarbene Augen erkennen. Augen, die unter dicken Brauen kaum zu entdecken sind, die groß oder klein, mandelförmig oder rund, frisch oder verquollen sind, von glatter Haut oder Falten aller Art umgeben, von Wimpern umkränzt. Augen mit Wärzchen und Altersflecken, feucht oder trocken – manchmal mit Tränensäcken und kleinen Narben - Hinweise auf (gelebtes) Leben oder Krankheit. Augen die, die mit Kajal und Wimperntusche versehen, mit farbigen Pigmenten bestäubt und als Kunstwerk geschaffen Bewunderung erzeugen, den klaren Blick verstellen, täuschen, locken, verschleiern – Schönheit zieht Blicke auf sich - hat viele Gesichter.

    Die Vielfältigkeit auf dem neuen Augen-Blick-Kontakt-Terrain, das es zu erlernen und zu ertragen gilt, verweist auf die Unsicherheit dieser Zeit, die sich gerade in den Augen widerspiegelt.

    Gez. Franziska Blum-Gabelmann 16.6.2020

  • "Von Deinem Geiste lass uns naschen"

    In unseren Corona-Koffer vor dem Haus der Stadtgeschichte legte M. Vallerius-Aubel vier Corona-Gedichte, die der Heimat- und Mundartdichter, Pfarrer i.R. Karl-Ulrich Nordmann, für Freunde und Bekannte geschrieben hat.

    Aus den ersten beiden zu Ostern und zu Pfingsten haben wir folgende Verse entnommen:

    Hoffnung ist das große Wort

    An dem Quarantäne-Ort.

    Wie vor dem die treuen Frauen

    Wollten Jesu Grab beschauen

    Voll Traurigkeit und hoffnungslos;

    Die Freud ist hin, die Angst ist groß –

    Doch der Stein auf ihren Herzen

    Weg rollt er und weg die Schmerzen!

    Die schwarze Trauer weicht dem Licht,

    Das Grab steht offen – merkt ihr nicht.

    Komm, Heil`ger Geist, schweb auf uns nieder

    Und erwärm` Seel und Glieder!

    Der Du den Geist vom Ungeist trennst,

    Der Du durch Herzens Dunkel brennst,

    Der Du erfrischest trüben Sinn,

    Der Du uns führst zur Freiheit hin,

    Der Du gibst Augen neue Sicht,

    Der Du die Liebe Jesu lehrst,

    Der Du Gott in dem Nächsten ehrst,

    Der Du dem Philosophen Kant

    Zum Imperativ gabst den Verstand –

    Ein Flämmchen Geist lass uns erhaschen,

    von deinem Geiste lass uns naschen!

    Komm, Pfingst-Geist, mach uns Menschen froh

    Und alte Ochsen ebenso!

    Gez. Karl-Ulrich Nordmann, 15. Juni 2020

    Fortsetzung folgt...

  • Corona und die Auswirkungen auf den „Kreiznacher Johrmarkt“

    Für den Freundeskreis "Kreiznacher Johrmarkt" äußert sich deren Vorsitzender Dieter Gronbach zur Absage für 2020:

    Als die ersten Meldungen „wegen der Corona-Pandemie vorerst keine Großveranstaltungen bis mindestens 31. August 2020“ bekannt wurden, konnte es keiner so richtig glauben! „Das wird durch hoffentlich nicht so streng gehandhabt und für Volksfeste gibt es vielleicht Ausnahmen“, dachten bundesweit viele Kirmesfans. Auch in Bad Kreuznach war der 192. Jahrmarkt  vom 21. - 25. August 2020 fest eingeplant und die Schausteller hatten ihre Zusagen.                                                    

    Nachdem der Bund und die Länder das Verbot von Großveranstaltungen jedoch in Verordnungen festgelegt hatten, mussten auch die größten und bekanntesten Volksfeste abgesagt werden. Überall setzte sich, wenn auch schweren Herzens, die Erkenntnis durch, dass man mit Maskenpflicht, Abstandsregelungen und der Begrenzung von Besucherzahlen kein traditionelles Volksfest feiern kann.

    Damit fällt im Jahr 2020 der 20. Jahrmarkt seit 1810 aus. Die Zahl „20“ scheint unserem Volksfest kein Glück zu bringen, denn auch 1920 ist der Jahrmarkt ausgefallen!

    Wir als Freundeskreis überlegten dann, welche unserer Jahrmarktsaktivitäten dennoch durchgeführt werden können. Da ist zuerst mal der Jahrmarktskalender zu nennen. Er wird -wie gewohnt- im Juli erscheinen, da er im Kalendarium bis ins Jahr 2021 reicht und damit zum nächsten Jahrmarkt hinführt. Im letzten Jahr hatten wir eine Serie gestartet, die an die Höhepunkte unseres Volksfestes nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum 200. Jahrmarktsjubiläum erinnern soll. Die jetzige Ausgabe umfasst den Zeitraum von 1960 – 1974. Als Angehöriger des Geburtsjahrgangs 1946 habe ich diese Zeit zu Beginn als Teenager miterlebt und bin als Zeitzeuge nicht nur auf Literatur und Archivmaterial angewiesen, sondern kann vieles auf Grund eigenen Erlebens beisteuern. Dies gilt für das „Calypso“, den „Round Up“ und die „Enterprise“, die unvergessene “Lustigen Waage” sowie die (Groß)Zelte der damaligen Zeit. Auch an die Steilwandfahrer und die Boxbude wird mit Fotos und Geschichten erinnert.

    Den älteren Jahrmarktsfreunden wollen wir damit angenehme Erinnerungen zurückbringen und den jungen Jahrmarktsfans zeigen, dass die Faszination, die unser Jahrmarkt ausstrahlt, zeitlos ist.

    Seit 2015 haben wir auch wieder „Entwanzungen“ durchgeführt. Sie fanden während der offiziellen Jahrmarktseröffnung im Naheweinzelt statt. Dabei wurden Zugezogene (von Kreiznachern „Wanzen“ genannt), die sich durch ihr Engagement für die Stadt Bad Kreuznach und ihre Bürger besonders ausgezeichnet haben, nach 20 Jahren Aufenthalt in unserer Stadt als „echde Kreiznacher“ anerkannt. Hier gilt aber 2020: wenn es keine Jahrmarktseröffnung gibt, gibt es auch keine Entwanzung!

    Die dritte Aktion unseres Freundeskreises, das Spansau-Essen kann auf eine über 120 Jahre alte Tradition zurückblicken. Es wurde bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gepflegt und von uns 2017 „wiederbelebt“. Es wurde nicht nur auf dem Jahrmarktsgelände in den Zelten angeboten, sondern die Spansau stand auch an Jahrmarkt in den Gaststätten der Stadt auf dem Speiseplan. Kein Jahrmarkt auf der Pfingstwiese muss daher -geschichtlich gesehen- nicht zwingend einen Verzicht auf das Spansau-Essen bedeuten! Hier muss man die Entwicklung der Corona-Einschränkungen in der Gastronomie abwarten und zeitnah eine Entscheidung treffen. Es wäre schön, wenn man sich dieses kleine Stück Tradition, trotz der Absage des Jahrmarktes, bewahren könnte.

    Der Ausfall des Jahrmarktes hat aber nicht nur eine starke emotionale Seite für die Volksfestbesucher, sondern auch eine erhebliche wirtschaftliche Dimension für die Schaustellerbetriebe. In ihrem Jahresplan ist unser Jahrmarkt eine feste Größe mit guten Umsätzen und Gewinnen. Für die heimischen Schausteller, die ihre Standplätze auf die hiesige Region beschränken, ist er sogar die Haupteinnahmequelle. Wir begrüßen daher jede Maßnahme, die diesen Personenkreis unterstützt, wohl wissend, dass eine Kompensation nicht möglich ist.   

    Uns ist jedoch eines wichtig. Ersatzangebote, egal in welcher Form haben aber nichts mit unserem Jahrmarkt zu tun und sollten auch nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden. Nach unserer festen Überzeugung kann man den „Kreiznacher Johrmarkt weder verkleinern noch verlegen oder in seiner Art verändern. Entweder er findet so statt, wie ihn jeder kennt und schätzt oder er fällt eben (leider) aus!!!

    Wir hoffen, dass dies nun nicht noch öfter vorkommt und wir dann- nunmehr im Jahr 2029, den 200. Jahrmarkt gemeinsam feiern können.

    Gez. Dieter Gronbach, 13. Juni 2020

  • Nix wie Corona

    Wie traurig die Corona-Zeiten sind, hat Peter Trautmann für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte gemalt. Motiv ist das Brückenhaus, „das sowieso schon genug gebeutelt ist mit seinen kranken, lahmen und mittlerweile gebrechlichen Füßen. Jetzt muss es auch noch eine Maske tragen und zum schlimmsten kommt es aus dem Hintergrund, unser geliebter Kreuznacher Jahrmarkt fällt der Corona Pandemie auch noch zum Opfer, also: NIX WIE CORONA! Sehr schade für uns alle.“

     

    Gez. Peter Trautmann, 12. Juni, 2020

  • Corona macht Trauerfeiern noch trauriger

    Seit dem 11. Mai sind wieder Trauerfeiern in der Friedhofskapelle erlaubt, mittlerweile mit bis zu 50 Teilnehmern. „Auf diese Lockerungen der Corona-Schutzbestimmungen haben die Angehörigen sehnsüchtig gewartet. Wir merken das auch daran, dass aufgeschobene Urnenbestattungen jetzt angemeldet werden“, berichtet Christine Senft-Witt von der Friedhofsverwaltung.

    Über ihre Gedanken und Gefühle bei einem Friedhofsbesuch am 28. April hat Marita Peil in ihrem Corona-Tagebuch geschrieben:

    Gestern konnte ich auf dem Friedhof beobachten, wie Bestatter Bernd Geyer den Sarg einer knapp 100jährigen Dame für die Beisetzung vorbereitete. Er und sein Team trugen – von Berufs wegen – schwarze Gesichtsmasken. Die Särge dürfen seit Corona nicht mehr in dem dafür vorgesehenen Bereich unter der Trauerhalle geschmückt werden. Nein, so muss es im Freien geschehen. Ich finde das sehr traurig und würdelos, denn Jeder kann bei den Arbeiten zusehen.

    Und es gibt gleich noch mehr Regeln, die für die Angehörigen der Verstorbenen sehr schlimm sind:

    Die Urne mit der Totenasche darf bis auf Weiteres nicht beigesetzt werden. Weil man die Aschekapsel lagern kann. Erdbeisetzungen hingegen müssen innerhalb von zehn Tagen erfolgen. Zur Trauerfeier – im Außenbereich ! – dürfen neben dem Pastor oder Zelebranten nur ein oder zwei Angehörige erscheinen.

    Also: Auch die alte Dame, deren Sarg Herr Geyer und sein Team gerade für den letzten Weg vorbereiten, wird keine Trauerfeier in der Kapelle erhalten, kein Orgelspiel zum Abschied. Dennoch Gottes Segen für die Ewigkeit, liebe Frau H. – Zuweilen ist es doch gut, wenn man für immer sagen kann: Time to say goodbye!“

    Gez. Marita Peil, 11. Juni 2020

  • Warten auf Fußball – mir fehlt der Pausenkaffee und die Bratwurst nach dem Spiel
    Moyses wartet darauf, dass der Ball wieder rollen darf. Foto: Heinz Back

    Bei der Radioübertragung der Geisterspiele der Fußball-Bundesliga hört man jedes Kommando der Trainer und das Fluchen und Wehklagen der Spieler. Das kenne ich auch von den Spielen, die ich bisher live verfolgte. Ich vermisse die Atmosphäre in der B-Klasse Bad Kreuznach und in der D-Jugend-Landesliga sehr. Mein jüngster Sohn ist Torwart und mit dem Fußballbuben, einem Pflegekind aus einer befreundeten Familie, jubelten wir als Fans vor der Corona bedingten Zwangspause über jedes Tor.

    Ich vermisse auch den Halbzeit-Kaffee und das Stück Kuchen. Die Eltern kochen und backen, um durch die Einnahmen die Mannschafts-Kasse zu füllen, Geld, mit dem das Sommerfest und/oder die Weihnachtsfeier gesponsert wird. Nach den Spielen unseres Sohnes gönnen wir uns eine leckere Bratwurst, die die Grillmeister vom Rost holen. Auch diese Euro wandern in die nicht üppigen Vereinskassen.

    Ich hoffe, dass es im Spätsommer wieder losgeht mit unserem Fußball und dass als Konsequenz aus der Corona-Krise wieder mehr Menschen die Spiele vor ihrer Haustür besuchen.  Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die viel Arbeit und Herzblut in ihre Vereine investieren, haben es verdient.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 10. Juni 2020

  • Tomatenwachstum auf Rollen

    Über das Glück einen Garten zu haben schreibt und zeichnet Fred Lex für das Corona Tagebuch:

    Glücklich ist der Mensch, der einen grünenden, blühenden Garten rings ums Haus sein eigen nennen kann!  Seitdem die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum durch Corona-Anweisungen eingeschränkt ist, hast du hier eine Insel, auf der dich niemand am Spazierengehen hindern kann. Die Gesichtsmaske ist überflüssig, für  eine Abstandsregelung fehlt die Menschenmenge. Ringsum Flieder, Holunder, dichte Eiben , ein paar Bäume und mehr als ein Dutzend Rosensträucher, ein Stück Rasen und darauf einen Liegestuhl, auf dem du träumend die Grenzen zu den fernsten Urlaubsländern überwinden kannst.

    Ich habe Stauden  und Blumenrabatte – was mir fehlt ist ein Gemüsebeet.

    Schmerzlich wurde mir dies bewusst, als ich aus einem Gemüse- und Kräuterhof in Hackenheim Tomaten-Pflänzchen mitbrachte. Auch dort hatte Corona zugeschlagen: der Betrieb durfte den lange geplanten Großverkauf auf dem Hof nicht veranstalten, es ging nur Einzelverkauf. Ich wollte den Züchter nicht auf seinen Produkten sitzenlassen, und so hatte ich sechs Pflänzchen der Sorte Ochsenherz erworben, das sind diese dicken, fleischigen, saftigen Tomaten.

     Wir könnten uns Tomaten auch beim Händler kaufen. Aber jeder Kenner wird mir Recht geben: der Saft, der Duft, der Geschmack – keine Handelsware aus den großen Zuchtanstalten kann das Produkt aus dem eigenen Garten ersetzen. Schon gar nicht, wenn es sich um Ochsenherztomaten handelt.

    Bei mir kam mangels Gemüsebeet allerdings nur eine Aufzucht in Kübeln infrage. Und diese Kübel mussten wiederum auf Holzgestellen mit Rollen stehen, damit sie vor herannahenden Gewitterfronten mit drohendem Starkregen unter das Dach des am Gartenrand stehenden Carports bewegt werden konnten. Das bedeutete: jeweils fünf Meter unters Dach und wieder fünf Meter zurück. Es wäre abwegig gewesen, von Fall zu Fall mit einem Regenschirm zur Hilfe zu eilen.

    Nachdem die Eisheiligen meinen Pflänzchen nichts anhaben konnten, haben sie nun auch die Starkregen der vergangenen Woche gut überstanden. Allerdings: ich bin zu einem sorgfältigen Wetterbeobachter geworden, immer mit der Hoffnung, dass kein unvermittelter Wolkenbruch der Aufzucht schaden kann.

    Gez. Fred Lex 10.6.2020

  • Renaissance mobiler Autokinos trotz Corona Pandemie

    Das mobile Autokino auf der Pfingstwiese hat Charlotte Eberwien besucht und schreibt darüber für das Corona-Tagebuch: Als ich davon erfuhr, daß in Bad Kreuznach vom 14.-18.05.2020 Autokino-Veranstaltungen auf dem Messegelände Pfingstwiese (max. 223 PKW Stellplätze) mit bekannten Künstlern stattfinden werden, war meine Neugier geweckt, da ich als gebürtige Düsseldorferin in der Jugend mit Freundinnen öfters in nahegelegenen Autokinos war. Mich reizte zu wissen, wie dieses Event in der derzeitigen Corona Pandemie beim Publikum ankommt und sich angemessen „feiern“ lässt.“ Hatten Autokinos in Deutschland (erst stationär, später mobil) doch in den 1960er bis 1980er Jahren Hochkonjunktur.

    Am 2. Autokinoabend traten Vincent Groß -Foto- (geb. 1996, Sänger aus der Schweiz) und danach Michelle (geb. 1972, deutsche Sängerin) auf. Beide Künstler wurden von der SWR Bühne gefilmt und auf eine 16 x 8 Meter Leinwand projiziert. Die Tonübertragung erfolgte über die UKW Frequenz 95,8 MHZ im Autoradio. Die Autokennzeichen verrieten den Einzugsbereich der Besucher, die neben Bad Kreuznach aus Alzey, Bamberg, Birkenfeld, Koblenz, Main-Kinzig, Mayen, Rockenhausen, Vogelsbergkreis, Westerwald und Wiesbaden kamen. Die Autos der ersten Reihen hatten direkten Blickkontakt zur Live-Bühne, aber dies tat der allgemeinen „Feierstimmung“ keinen Abbruch. Im Gegenteil: Als hätten sich die Besucher abgesprochen, spielte sich rasch ein, daß Applaus signalisiert wurde mit Einschalten der Warnblinklichter, Emotionen zu den Künstlern mit Konfettiraketen oder dem Schwenken von Leuchtstäben kundgetan wurden. Ein Gast hatte eine Papp-Hand auf einem Holzstab befestigt mit dem Ziel, den Künstlern zuwinken zu können. Endete ein Song oder der Künstlerauftritt, gab es wie auf Befehl ein lautstarkes Hupkonzert. Ein Blick in manche Autos verriet: Die Besucher störte es nicht im Auto zu Schunkeln, zu Singen und zu Feiern. Da kam echte Partystimmung auf, die oft ihren Höhepunkt erreichte, wenn die Künstler die Bühne verließen und zwischen den Autos tanzend und singend auftraten. 

    Was für eine geniale Aktion. Ein herzliches Dankeschön an die Kreuznacher Stadtverwaltung, das WRS Veranstaltungsteam und besonders die zahlreichen Kreuznacher Sponsoren Schuh+Sportpalast, Cineplex, Pro City, Sparkasse, Stadtwerke und Volksbank. Das mobile Autokino erlebt sicher in der Corona Pandemie eine starke Renaissance – lassen sich die Maßnahmen zur Kontaktvermeidung hier super leicht einhalten.

    Gez. Charlotte Eberwien, 8. Juni 2020

  • Solidarisch bleiben und nicht übermütig werden
    Foto: Emanuele di Terlizzi, 18. März, Bergamo, Italien.

    Die Helden des Alltages in der Corona-Krise wurden in den vergangenen Wochen vielfach gelobt, gefeiert und beklatscht und das zu Recht. Wir haben uns auch über eine Welle der Solidarität gefreut, die aber bereits wieder am abebben ist. Dies ist zumindest das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg und Erlangen am 18. und 19. Mai., berichtet die Süddeutsche Zeitung.  „Bei vielen Menschen zeigt sich die Einstellung jeder ist sich selbst der Nächste“, resümiert Studienleiter Matthias Fifka. Viele seien eher für Maßnahmen, die ihnen selbst möglich wenig schaden, ungeachtet der Folgen für andere.

    Wie schnell sind doch die Bilder des Todes vergessen, insbesondere das Foto, das der Italiener Emanuele di Terlizzi von seinem Balkon aus am 18. März in Bergamo geschossen hat. Zu sehen ist ein Konvoi von Militärfahrzeugen, die Särge zum Zentralfriedhof bringen. Dieses schockierende Foto ging um die Welt.

    Wir sind alle froh, dass Zug um Zug unser Alltag wieder zurückkehrt, wir wieder Freunde treffen, Restaurants und Kneipen besuchen können, dass wieder Veranstaltungen möglich sind.

    Nicht nur vor dem Hintergrund der schrecklichen Folgen, die eine Corona-Erkrankung haben kann, sollten wir aber nicht übermütig werden. Egoismus kann zu einem Krebsgeschwür mutieren, das die Solidargemeinschaft in unserer Gesellschaft zerfrisst.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 7. Juni  2020

  • Elvis hat ausgedient  - Friseur hat den richtigen Namen nun schriftlich
    Die Kollektion 'Americana' schafft eine atmosphärische und kraftvolle filmische Sicht auf die amerikanische Jugendkultur der 1950er Jahre, beschreibt Friseur.com. Foto: Kiest

    Seinen ersten Friseurtermin nach langer Zeit hat Pitt Elben nun auch im Corona-Tagebuch verewigt.

    „Als ich heute nach zwei Monaten Wildwuchs endlich wieder zum Friseur durfte, hatte ich den Termin schon vor rund zehn Tagen telefonisch vereinbart. Auf die Frage nach dem Namen antwortete ich wie immer, seit einigen Jahren: Elvis. Obwohl nur die erste Silbe stimmt.

    Doch hatte ich nach ein paar Versuchen aufgehört ihn zu korrigieren, denn ich fand seinen beharrlichen Irrtum charmant, obwohl ich nie Elvis-Fan war. Er lächelte stets, sobald er mich sah, und manchmal brachte ich ihn am Ende meiner Kurzhaarfrisur zum Lachen, wenn ich ironisch fragte, wo denn meine Elvis-Tolle geblieben war.

    Heute nun lag am Eingang, neben dem Desinfektionsspender, ein Hausaufgabenheft, in das sich jeder Kunde eintragen sollte. Das habe ich gemacht, wahrheitsgemäß. Und am liebsten hätte ich in Klammern noch Elvis dazu gesetzt, mit einem Kreuzzeichen – als Zeichen, dass der echte Elvis nun „out“ war. Aber er sah meinen Namen, nickte verständig – und begrüßte mich erstmals mit meinem richtigen Namen.“

     Pitt Elben, 6.. Juni 2020

  • Hope (Hoffnung) in Corona-Zeiten

    Ihre Hoffnungen in der Corona-Krise hat Eva Bock-Meyer in einem Gemälde verarbeitet. Die Künstlerin und ehemalige freiberufliche Modedesignerin hat ihre Werke auch in Bad Kreuznach ausgestellt. Für das Corona-Tagebuch schickte sie Ihr Bild "Hope", mit dem sie folgende Gedanken verknüpft:

    Mein Bild "HOPE", bekommt in Corona Zeiten eine ganz neue Bedeutung. Hoffnung auf ein bewussteres Wahrnehmen unserer Umwelt. Hoffnung auf Wertschätzung von Nähe mit der Familie und Freunden. Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona Krise. Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff. Hoffnung auf Vernunft. Hoffnung auf Einsicht. Hoffnung auf eine veränderte, bessere Welt

    Gez. Eva-Bock-Meyer. 5. Juni 2020

  • Harte Zeiten auch für Taxifahrer(innen)

    Mittwoch, 13. Mai 2020: Heute mussten Franz und ich ausnahmsweise ein Taxi in Anspruch nehmen. Die Fahrt sollte vom Ende der Bosenheimer Straße zur Schuhgasse gehen.

    Das Taxi rollte auch prompt an. Eine nette, nicht mehr ganz junge Frau stieg aus dem Wagen, verlud den Brötchenbackautomaten, den wir gekauft hatten, in den Kofferraum und bat uns, im Fond Platz zu nehmen. Wie wir hören, darf neben dem Fahrer niemand mehr sitzen. Eine dicke, transparente Plastikplane mit einer schmalen, quadratischen Öffnung als „Gelddurchreiche“ trennt den Fahrer vom Fahrgastbereich (Foto).

    Auf der Fahrt durch die belebte Bosenheimer Straße in Richtung Innenstadt berichtet die Fahrerin, Frau Heimfarth, auf meine Frage, wie das Taxiunternehmen in Corona-Zeiten denn so laufe, es sei einfach katastrophal. Kein Mensch wolle jetzt mehr mit dem Taxi fahren.

    Sie erzählt: „Mein Chef musste schon vier Wagen abmelden. Wir fahren in Kurzarbeit. Es ist wirklich schlimm! Die Leute glauben, sie würden sich im Taxi anstecken, aber es werden ja alle Hygieneregeln streng beachtet. Das Einzige, was momentan noch geht, sind Dialysefahrten. Die Patienten können ihre Behandlung ja nicht abbrechen, also fahren sie zum Nierenzentrum. Aber sonst…..“ Sie seufzt resignierend.

    Vor Corona, berichtet sie weiter, seien die Leute insbesondere nach Abendveranstaltungen wie Konzerten oder nach Festen mit dem Taxi nach Hause gefahren. Weil jetzt alles verboten sei, bräche dieses wichtige Geschäft weg. Frau Heimfahrt beklagte außerdem, dass alle „systemrelevanten“ Gruppen für ihr Engagement gelobt werden, aber an die Taxifahrer denke kein Mensch. Dabei seien sie doch auch immer auf dem Posten und zudem ansteckungsgefährdet.

    Ich muss gestehen, dass ich auch nicht an die Taxichauffeure gedacht habe. Aber ich fahre ja auch äußerst selten mit dem Taxi.  Hoffentlich hat nebst guten Worten mein Trinkgeld Frau Heimfahrt ein wenig versöhnt.

    Marita Peil, 4. Juni 2020  

  • Corona verschafft der Natur eine Atempause und danach?

    Der Himmel ist blauer und ist in der Nacht ein Meer von Sternen, die Luft ist klarer und frischer, die Farben der Natur leuchten in der Sonne kräftiger. Corona verschafft unserer Natur eine Atempause, so sieht es zumindest aus, so fühlt es sich auch an.

    Blauer Himmel über der Nikolauskirche. Fotografiert am Montag, 1. Juni.

     In den vergangenen Wochen gab es viel weniger Flüge, es waren wesentlich weniger Autos auf den Straßen und auch die Kreuzfahrtschiffe mussten ankern. Nach ersten Untersuchungen gehen Wissenschaftler davon aus, dass der weltweit drastisch gesunkene Schadstoffausstoß sich nach kurzer Zeit positiv auf die Umwelt auswirkt. Die Luftverschmutzung reduzierte sich um 20 bis 40 Prozent, die Schadstoffe durch die Luftfahrt gar um 85 Prozent:  Daher müssten nun auch die letzten Zweifel an der These ausgeräumt sein, dass der Mensch maßgeblichen Anteil am Klimawandel hat.

    Nach Corona werden die Räder, die die Welt und unsere Wirtschaft drehen, nicht stillstehen. Aber wenn nach dem Shut-Down komplett wieder hochgefahren wird, haben wir es nach den dann folgenden Schadstoffmessungen schwarz und weiß welchen Preis wir für die totale Mobilität bezahlen. Nicht nur durch die Jugend-Bewegung Friday for Future erwarte ich spannende Diskussionen welchen Kurs die Menschheit einschlagen wird.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 3. juni 2020

  • Beobachtungen temporärer Veränderungen durch Corona

    Zu den Autorinnen des Corona-Tagebuches gehört auch die ehemalige ehrenamtliche Stadtfotografin Charlotte Eberwien:

    Foto: Charlotte Eberwien

    Im täglichen Leben mit Corona sind viele Veränderungen von März bis heute zu beobachten, die allerdings nur temporäre Erscheinungen sind. Über Ostern konnte man an der Kreuzkirche ein grünes Banner mit den tröstenden Worten finden „Vereint trotz Distanz“. Das wochenlange Schließen aller Kirchen, Kapellen und „Moscheen“ hat schlagartig alle Gläubigen getroffen und rasche Reaktionen seitens religiöser Institutionen spendeten sicher für viele Trost und das Gefühl von Gemeinsamkeit. Erstaunlich und zugleich sehr erfreulich empfand ich das weiße Banner an einem Wohnhaus auf der Mannheimer Straße 49 mit dem Wortlaut „Alles wird gut“, geschmückt mit der Europa Fahne (Foto). Da habe ich lange vor gestanden und mir Gedanken gemacht, wer hier wohl diese grandiose Idee hatte, den Balkon so sinnvoll zu nutzen. War es der Bewohner oder gar der Hauseigentümer? Diese Geste von „Gemeinsam sind wir stark“ berührt sicher jeden von uns in der jetzigen Corona Pandemie Zeit. Ein tiefes, von Herzen kommendes  Dankeschön an den Verursacher

    .Mit der Lockerung diverser Beschränkungen / Verbote (Öffnung Restaurants, Schwimmbäder, Kulturparkanlagen usw.) isind vor Einkaufsgeschäften wieder verstärkt Security Personal zu sehen, eine Maßnahme, die ich für sehr wichtig erachte, weil nur Kontrolle und begrenzte Besucherzahlen die Einhaltung staatlich verordneter Richtlinien garantieren. Was mich jedoch stark verwundert, daß manche Geschäfte zur Nutzung eines Einkaufswagens den Bürger zwingen, ohne diese Wagen nach Gebrauch sofort zu identifizieren! Beobachten z.B. bei Bauhaus und Obi.

    Da habe ich in Worms deutlich bessere Regelungen getroffen, jeder Einkaufswagen musste zur Desinfizierung nach dem Einkaufen an einen speziellen Abstellort platziert werden. Super vorbildlich! Seit März 2020 sind vor vielen Bäckereien, Geschäften und der Hauptpost in Bad Kreuznach vor Geschäftsöffnung Menschenschlangen zu sehen. Das erinnert mich jedes Mal an meine vielen Besuchen in die DDR, wo sich viele Westdeutsche ironisch über diese Menschenwarteschlangen vor Geschäften geäußert haben. Und nun? Sicher lachen diese Menschen heute nicht mehr über Menschenschlangen.

    Im Industriegebiet ist seit April zu beobachten, dass der Schichtbetrieb eines Großunternehmens im Zeitraum 13.40 Uhr bis 14.00 Uhr am Zebrastreifen zu starken Menschenansammlungen und damit Verkehrsstau für den Fahrzeugverkehr führt. Sollten nicht gerade in Corona Zeiten solche Menschengruppen vermieden werden? So lebhaft war es seit Bestehen des Zebrastreifens vor 8 Jahren noch nie. Berufstätigen ist seit der Corona Krise aufgefallen, dass Mitte April die Benzinpreise ihr niedrigstes Preisniveau erreicht hatten. Die Preise für Diesel 0,97 €, Super 1,09 €, Super E10 1,06 von April 2020 haben sich jetzt wieder erhöht zum Normalpreis von Diesel 1,00 €, Super 1,20 €, Super E10 1,17 € (Beispiel: freie Tankstelle Planiger Straße).  Generell sind derartige Niedrigpreise in wiedereröffneten Geschäften städteweit überall zu beobachten. Sicher nur ein kleiner aber wichtiger Trost für uns alle. Deren Folgen und Ausmaße zur Zeit noch nicht absehbar sind für Wirtschaft und Wohlstand der nächsten Jahre!

    Charlotte Eberwien, 2. Juni 2020 

  • Busfahren in Coronazeiten

    Von ihrer Erfahrung im ÖPNV zu Corona-Zeiten berichtet Nadine Müller:

    Seit einigen Jahren bin ich Berufspendler und fahre immer werktags mit dem Bus zur Arbeit und wieder nach Hause.  Eigentlich ist die Busfahrt ziemlich entspannend. Man kann dabei etwas lesen,  aus dem Fenster schauen, einfach abschalten oder ein nettes Gespräch führen.

    Aber seit Corona ist alles anders!

    Am 13. März 2020 hingen an der Fahrertür der Deutschen Bahn Busse ein Schild mit der Aufschrift "Verehrte Fahrgäste, zum Schutz der Fahrer vor dem erhöhten Infektionsrisiko gibt es derzeit keinen Einstieg und Fahrkartenverkauf beim Fahrer. Bitte nutzen Sie die hinteren Türen."

    Von da an, durfte man nur noch hinten einsteigen. Der Fahrkartenverkauf war eingestellt und die Fahrscheine mussten nicht mehr vorgezeigt werden. Hinter dem Fahrer wurde ein Absperrband gezogen. Es war doch sehr befremdlich. Aber ansonsten gab es keine Einschränkungen.

    Durch den Anstieg der Corona Fälle in den weiteren Wochen und das doch erhöhte Ansteckungsrisiko, versuchte ich auf Busfahrten zu verzichten. Am Mittwoch, 15.04.20, ließ es sich nicht mehr vermeiden und ich musste mit dem Bus nach Hause fahren. Zu meinem Pech, fiel der Bus kurzfristig aus und wir mussten auf den nächsten warten. Was für ein Glück schien die Sonne und man konnte das schöne Wetter genießen. Allerdings nervte mich, dass einige Leute den Mindestabstand von 1,50 m nicht einhielten.

    Der Bus kam dann doch schon früher als angegeben, was mich freute, doch der ließ nur die Fahrgäste, die sich im Bus befanden, aussteigen und schloss dann die Türen. Denn der Busfahrer musste seine vorgeschriebene Pause machen. Was leider bei einer Person eher auf Unverständnis stieß. Bis wir aber einstiegen, hatte er sich wieder beruhigt. Der Busfahrer tat mir leid, da die Busfahrer/innen dem Corona Virus doch eher schutzlos ausgesetzt sind und auch noch die schlechte Laune einzelner Fahrgäste ertragen müssen.

    Der Bus fuhr dann planmäßig ab und war jetzt natürlich auch recht voll.

    Eine Schutzmaske hatte ich leider keine dabei, aber zum Glück meinen Schal, den ich als Nasen -Mundschutz verwendet habe.

    Ich war froh, als ich die 10 minütige Busfahrt endlich hinter mir hatte. Irgendwie hatte ich jetzt das Gefühl, dass ich mich doch jetzt hätte anstecken können mit dem Coronavirus. Was aber zum Glück nicht so war.

    Ich ziehe aber nun freiwillig meine Nasen –Mundschutz-Maske an, wenn ich mit dem Bus fahre.

    Gez. Nadine Müller 1. Juni 2020

  • Die Sehnsucht nach einem Haarschnitt

    Der ehemalige städtische Beigeordnete und derzeitige Vorsitzende des Freundeskreises Kreiznacher Johrmarkt, Dieter Gronbach, hat über seinen ersten Friseurbesuch nach langer Zeit einen Beitrag für unser Corona-Tagebuch geschrieben:

    Die Schließung der Friseurläden für 6 Wochen während der Coranazeit sorgte für viel Unbehagen. Obwohl es viele wichtigere Gesundheitsfragen gab, wurde der morgendliche Blick in den Spiegel zum Stimmungstest, denn eine schlechte Frisur kann auch auf das Gemüt schlagen. Hier gilt das Motto: „Die Krise ist schon schlimm, aber die Krise und schlecht frisiert ist noch schlimmer!“

    Frauen und Männer trugen während der „friseurlosen Zeit“ notgedrungen Frisuren, die von der Haarlänge an die 60 und 70er Jahre erinnerten: Locken sprießten, Ohren waren wieder bedeckt und das Nackenhaar wuchs und wuchs. Einige fürchteten schon eine Tendenz zur „Matte“ oder gar die Rückkehr zu „Vokuhila“ (vorne kurz, hinten lang) und ergriffen wagemutig Gegenmaßnahmen. Eigenversuche (oder auch Hilfestellungen des Partners/der Partnerin) mit Schere, Rasierer oder Langhaarschneider führten oft nicht zum gewünschten Erfolg, so auch bei Vizekanzler Olaf Scholz. Eine unsaubere Kante und ein „Loch“ in der seitlichen Haarbracht brachten ihn zu der Aussage: „ich habe mir selbst die Haare geschnitten und fürchte, man sieht es auch“.

    Viele leidgeprüfte Frauen fragten sich beim Anblick der Spitzenpolitikerinnen und Fernsehmoderatorinnen jedoch, wie diese zu ihren gut sitzenden und gestylten Frisuren gekommen sind. Auch im Alltagsleben traf man immer wieder auf perfekt frisierte Personen, die einem lächelnd von ihren „frisurentechnischen Fähigkeiten“ oder denen ihrer Großmutter oder Tante erzählten. Gab es vielleicht doch einen Markt, der nicht für jeden offen war?

    Wir groß war die Freude, als die Beschränkung fiel und ab 4. Mai wieder reguläre Besuche beim Friseur erlaubt waren!  Auch ich sicherte mir eine Reservierung und war bei meiner Stammfriseurin im Hofgut (der ich seit über 25 Jahren die Treue halte) einer der ersten Kunden nach der Öffnung. Gerne nahm ich auch die Auflagen hinsichtlich der Registrierung, Desinfektion, Maskenpflicht u.ä. hin, wobei eine Regelung bei einem Friseur/in besonders schwerfällt: die Kommunikation ist auf ein Minimum zu beschränken!!!

    Gez. Dieter Gronbach, 30. Mai 2020

  • Der Angst ein Gesicht geben

    Oliver Degen ist Kunstlehrer am Gymnasium an der Stadtmauer und arbeitet darüber hinaus als Maler und Designer. An verschiedenen Stellen in der Stadt, meist Hauswände, sind seine Werke (zum Teil auch Schülerprojektarbeiten) zu sehen. Für das Corona-Tagebuch hat er ein Bild gemalt, das er wie folgt erklärt:

    Meine gesamte Jugend war durch asthmatische Probleme gekennzeichnet. Deshalb weiß ich, was Atemprobleme sind. So begann mich das Thema Corona auch irgendwann mehr und mehr zu betreffen. Die Beunruhigung führte deshalb auch dazu, mich bildnerisch damit auseinanderzusetzen und der Angst ein Gesicht zu geben.
    Die grüne abstrakte Form links drückt Nähe aus, die von den momentanen Umständen verhindert wird und die deshalb auch versteinert wirkt. Die Nacktheit soll die allgemeine Verunsicherung und das Ausgeliefertsein verdeutlichen. Aus dem durch den Schädel verdeutlichten Tod wächst aber neues Leben, der Baum wird zum Teil der etwas Hoffnung ausdrückenden Landschaft des Bildhintergrunds.

    Oliver Degen, 29. Mai 2020

  • Unheilvolle Allianz missbraucht Existenzängste in der Corona-Krise
    Auch eine Form des Protestes. Die New York Times druckte in ihrer Ausgabe 24. Mai die Namen von 1000 Corona-Toten ab. Die Gesamtzahl der Pandemie-Opfer ist in den USA auf über 100.000 gestiegen. Quelle: ZDF

    Freiheitsfanatiker, die in ihrem Egoismus ihre persönlichen Rechte über den Gesundheitsschutz ihrer Mitmenschen stellen, Verschwörungsideologen, die hinter der Corona-Pandemie böse Mächte sehen und die Feinde unserer liberalen Demokratie, die uns nur zu gerne zeigen wollen, was Zucht und Ordnung in deutschen Landen ist. Die Corona-Protest-Bewegung ist zwar eine Minderheit, aber eine unheilvolle Allianz, die die Ängste von Menschen, die um ihre Existenz fürchten, für ihre Zwecke und Ziele missbraucht, gegen einen Staat, der milliardenschwere Hilfsprogramme beschließt, um die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. Die Morddrohungen gegen den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach und den Chef-Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, sind ein weiterer Tiefpunkt in unserer politischen Kultur.

    Blicken wir auf das Desaster in den USA, in Russland, England, in der Türkei und in Brasilien und sind froh, dass die Regierungen in Bund und Land bislang so verantwortungsvoll und besonnen mit der Bedrohung durch die Corona-Pandemie umgehen. Die uneinheitliche Vorgehensweis auf Länderebene sorgt allerdings für Unruhe in der Bevölkerung und fördert die Proteste. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ohne den Lockdown in unserem Land eine weitaus höhere Zahl an Corona-Opfern beklagen müssten.

    Für dieses Krisenmanagement gibt es in der Welt große Anerkennung und kaum Verständnis für die Protestbewegung. In Italien gehen Menschen auf die Straße, weil sie ihr Essen und ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Und hier fürchten sich Menschen vor Bill Gates und den 5G-Sendemasten.

    Wir werden noch genug Gelegenheit haben, von unserem Grundrecht der Versammlungsfreiheit Gebrauch zu machen. Spätestens dann, wenn uns nach der Krise die Devise drohen sollte: „Einfach so weitermachen wie bisher“.

    Gez. Hansjörg Rehbein 28. Mai 2020

  • Einkauf am Gemüsestand

    Mit spitzer Feder karikiert und illustriert er Kurzgeschichten, so die Comics vom Jahrmarkt. Fred Lex, Journalist und Mitglied der Künstlergruppe Nahe, schreibt und zeichnet auch für das Corona-Tagebuch des Hauses der Stadtgeschichte:

    Seit meine Frau mich für unseren Zwei-Personen-Rentner-Haushalt zum Chefeinkäufer ernannt hat, bin ich morgens schon früh auf den Beinen. Schlange stehen vor den Einkaufsmärkten vermeidet man am besten, wenn man bereits in den Morgenstunden präsent ist. Dann sind die Kontrolleure in den Gelbwesten am Eingang noch mit ihren Handys beschäftigt und es gibt keine Wartezeiten, weil der Markt besuchermäßig noch nicht am Limit ist.

     Wir wohnen gleich um die Ecke nicht weit von der Alzeyer Straße und liegen damit an einer interessanten Supermarktkette in Bad Kreuznach-Südost. Ganz unten der Obi, dann der Lidl, am Friedhof ein türkischer Discounter, es folgt der Rewe-Kreisel und ganz oben der Aldi. Auf jeden Fall: zur Not kann man alles zu Fuß erreichen.

    Ich starte mit dem Einkaufskorb am liebsten am Gemüsestand. Diesmal ist Blumenkohl dran. Blumenkohl gehört zu den gesündesten Gemüsearten. Mein ausgewählter Blumenkohlkopf ist zum Stückpreis von 4,99 € zu haben. Als ich nach Hause komme, schlägt meine Frau entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen: „Vier Euro neunundneunzig!!!“. Sie gehört zu den kritischen Hausfrauen, die gerne mal zum Vergleich an die D-Mark-Zeiten erinnern. Damals bekochte sie einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und vier Kindern, da war Wirtschaftlichkeit angesagt. „Da hätte ich ja damals für den Blumenkohl zehn Mark hinlegen müssen“, stellt sie fest. Ich weise darauf hin, dass die Landwirtschaft in der Corona-Krise  enorm unter Kostenstress steht. Außerdem ist bekannt, dass der Blumenkohl schon immer teuer ist, weil die Landwirte in Handarbeit die Deckblätter über das Innere knicken, damit die von Natur aus elfenbeinfarbenen Blumenkohlröschen  auf Wunsch der Hausfrauen schön weiß bleiben.

     Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Blumenkohl keine Deckblätter. Aber er war ein richtiges Prachtexemplar und ließ sich zur Hälfte für eine weitere Mahlzeit einfrieren.

    Fred Lex, 27. Mai 2020

  • Wenn die Gondeln Trauer tragen – Nix is mit nix wie enunner
    Ich fülle die Jahrmarktskasse weiter fleißig mit Silberlingen.

    Der Titel des britisch-italienischen Horrorfilmes aus den 70er-Jahren passt: Wenn die Gondeln Trauer tragen, kann das nur heißen: unser Jahrmarkt fällt aus. „Nix wie ennuner“ hat das gleiche Schicksal wie „O`zapft is“. Auch das Oktoberfest in München fällt dem Schutz vor dem Corona-Virus zum Opfer. Mich befällt da ein ganz anderes Virus, der „horror vacui“, die Angst vor der Leere.

    Statt fröhliche Menschen auf dem Riesenrad oder im Weinzelt und Gassen voll mit Buden und Karussells gähnende Leere auf der Pfingstwiese. „Horror vacui“ steht in der Kunst für das Bedürfnis „leere Stellen auszufüllen“. Dafür reicht meine Fantasie. Die realen Bilder gibt es aber erst in 2021, HOFFENTLICH!.

    Zeigen wir bis dahin aber unser Herz für die Schausteller, die schweren Zeiten entgegengehen. Füllen wir unsere Jahrmarktskassen weiter mit Silberlingen, sparen unser Kerwegeld für 2020 und geben es doppelt im kommenden Jahr aus.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 26. Mai 2020

  • Trauriges Osterfest
    Banner an der Heilig-Kreuz-Kirche Foto. Maik Hoffmann

    Viele gläubige Menschen haben die geschlossenen Kirchen in der Lockdown-Zeit als sehr bedrückend empfunden. Dazu gehört auch Marita Peil, die sich sehr stark in der katholischen Kirchengemeinde engagiert.  Über das „Osterfest ganz anders“ hat sich auch in ihrem Tagebuch geschrieben.

    Eintrag, 10. April 2020:

    Heute habe wieder Kirchenaufsicht in St. Nikolaus, ein Amt, das ich sehr gerne ausübe, weil es einem Zeit und Ruhe zum Nachsinnen gibt. Doch heute geht es zu meinem Erstaunen trotz Corona recht turbulent zu. So kommen – freilich in Abständen – ziemlich viele Leute. Ich habe Desinfektionsspray mitgebracht, das nun zur Anwendung gelangt. Dann platziere ich die Leute auf Abstand in den Bänken. Das bedeutet: Alle vier Bänke eine Person oder ein Paar. Meine allmonatliche Kirchenführung muss noch immer ausfallen. Jammerschade!

    Ich sitze auf der erhöhten "Puricellibank“ im südlichen Seitenschiff, um den Kirchenraum gut im Blick zu haben.

    Ach Gott, morgen ist Ostermontag. Aber wie sieht es in der Kirche aus!

    Die Flügel des Hochaltars sind noch fastenzeitlich geschlossen. Nicht eine einzige Blume schmückt Chorraum und Altar.

    Das ewige Licht auf dem Tabernakel erlischt gerade. Ich geh in die Sakristei, hole ein neues und tausche es gegen das verbrauchte aus.

    Morgen wird es wegen Corona keine Osternachtfeier und kein Osterhochamt in St. Nikolaus geben. Pastor Kneib wird den Gottesdienst unter Ausschluss aller Gläubigen in Heiigkreuz zelebrieren. Am nächsten Sonntag wird es auch keine Erstkommuniongottesdienste geben. Alles, auch die Familienfeiern, musste abgesagt werden. Die armen Erstkommunikanten tun mir richtig Leid! Sie hatten sich gewiss auf ihren Ehrentag gefreut.

    Solche Ostern musste ich noch nie erleben!

    Trauriger Ostersonntag ohne Auferstehungsfeier.

    Trauriger Weißer Sonntag ohne Kommunionkinder.

    Leere Kirchen. Keine österlichen Jubelgesänge. Keine Osterfreude.

    Gott hasst diese Welt!?  

    Marita Peil, 24. Mai 2020

  • „Nomen est omen“ oder: Der Name zählt!
    Mal das Gesicht, mal die Pfoten, Frau Fuchs hat sich füt tierische Masken-Motive entschieden.

    Pitt Elben hat uns wieder einen Beitrag für das Corona-Tagebuch geschickt: In Zeiten von Corona zählt der gebotene Abstand – neudeutsch: social distancy – zu den wichtigsten Regeln, sorgt aber auch für Vereinzelung und Vereinsamung, vor allem bei Singles. Trotzdem verdanke ich den Corona-Regeln auch positive Erfahrungen.

    Die kleine Bäckerei in der Altstadt, bei der ich Stammkunde bin, bietet noch handwerklich und geschmacklich überzeugendes Brot – ohne vorgefertigte Teiglinge und Backmischungen. Eine freundliche Verkäuferin bedient mich regelmäßig morgens, doch ihren Namen kannte ich bisher nicht. Und wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, danach zu fragen.

    Doch am Tag, als die Maskenpflicht in Kraft trat, tummelte sich auf ihrem Gesichtstuch eine Schar bunter Fuchsköpfe, was mich schmunzeln ließ. Offenbar selbst genäht, dachte ich und fragte sie danach.

    „Klar, passt ja gut zu mir, weil ich so heiße!“

    Seit der Zeit begrüße ich Frau Fuchs immer mit Namen – und den werde ich wohl nie mehr vergessen.

    Pitt Elben, 23. Mai 2020

  • Auch nach Corona haben junge Menschen gute Perspektiven   
    Die Zahl der Heimarbeitsplätze wird weiter zunehmen. Die Umnutzung der Bürotürme ist eine interessante Aufgabe für Architekten. Foto: building pixabay.com

    Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt wird nach Corona weiter rasant ihren Lauf nehmen. Die Kommunikation über Videokonferenzen aus dem Homeoffice werden zunehmend den Alltag bestimmen, aber sicherlich nicht das persönliche Gespräch komplett ersetzen.

    Diese Rahmenbedingungen bereiten jungen Menschen kein Kopfzerbrechen, gleichwohl aber die Sorge welche Arbeitsplätze es künftig geben wird. Geht der Trend weiter zu Zeitverträgen, werden immer mehr Menschen zur Selbstständigkeit gezwungen, weil Arbeitgeber sich die Sozialabgaben sparen wollen?

    Meine beiden Söhne studieren, Kommunikationsdesign bzw. Architektur. Im Kreise ihrer Kommilitonen haben nicht wenige Zweifel, ob sie das richtige gewählt haben. Dazu tragen auch düstere Berufs-Prognosen alter Hasen für die Zeit nach Corona bei.  Ich bestärke meine Söhne aus der Überzeugung heraus, dass sie die richtige Wahl getroffen haben.

    Einem Kommunikations-Designer bietet die Digitalisierung viele Betätigungsfelder. Und für die Architekten ist beispielsweise die Umgestaltung der Bürotürme in den Großstädten, die wegen der wachsenden Zahl von Heimarbeitsplätzen nicht mehr alle benötigt werden, eine große und reizvolle Herausforderung.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 22. Mai 2020

  • Ich mag „meine“ jungen Leutchen und meinen Job sehr

      „Corona – ein unvollständiges Tagebuch“ schreibt die Bad Kreuznacher Buchautorin Marita Peil und stellt für das Corona-Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte Auszüge daraus zur Verfügung. Im ersten Teil schildert sie welche gravierende Auswirkungen der Lockdown auf ihre Arbeit als Nachhilfelehrerin hat. Die Ereignisse des 11. März hat sie nachgetragen:

    Am frühen Nachmittag des 11. März kommt ganz überraschend der Anruf meiner Nachhilfeschülerin Sarah (Foto). Ihre Schule, das Gymnasium am Römerkastell, wo sie die 11. Klasse besucht, wurde von jetzt auf gleich geschlossen. Der Grund: Ein Schulkamerad aus der Parallelklasse hatte sich mit dem Corona-Virus infiziert. „Ich muss jetzt erst mal zwei Wochen in Quarantäne“, berichtet Sarah. An ihrer Stimme merke ich, dass sie schon ein wenig Angst hat, selbst infiziert zu sein, denn sie hatte ja Kontakt zu dem betreffenden Jungen.

    Ich bin ebenfalls erschrocken, lasse mir aber nichts anmerken, sondern tröste sie damit, dass sie sich ja nicht zwangsläufig auch angesteckt haben muss. Ich rate ihr, genau zu beobachten und sich ggf. testen zu lassen. Sarah geht gerne zur Schule. „Die fällt jetzt erst mal aus“, bedauert sie, „und zu Ihnen kann ich dann nicht mehr kommen. Vielleicht fangen wir erst nach den Osterferien wieder an.“

    Na gut denke ich, dann ist es ebenso. Die Gesundheit geht vor. Ihren Ballettunterricht kann sie natürlich ebenfalls vergessen – bis auf weiteres. Ich werde Sarah sehr vermissen, aber irgendwann kommt sie ja wieder, wenn sie gesund bleibt!

    Der nächste Anruf kommt von Arda. Auch die Nachbarschule des Röka, die IGS Sophie Sondhelm, muss ihre Pforten schließen. „Hurra, keine Schule“, jubelt Arda am Telefon, „jetzt kann ich den ganzen Tag zocken!“ Zögernd fragt er an, ob er zu mir kommen muss. „Mit Sicherheit nicht, erwidere ich. Gruß an Deine Eltern und bleib gesund.“

    Die beiden Telefonate haben mich erschüttert. Ich mag „meine“ jungen Leutchen und meinen Job sehr. Und nun kommen die Corona-Ferien, auf unbestimmte Zeit. Sehr traurig.

    Unter dem Datum Montag, 4. Mai, schreibt sie:

    Sarah ist zurück, die Oberstufe des Röka hat den Unterricht wieder aufgenommen. Obwohl sie mich während der Coronaferien schon mal angerufen hat und ich in den sieben Wochen ganz gewiss keine Langeweile hatte, bin ich sehr glücklich, dass sie wieder da ist“

    Natürlich gelten bei mir strenge Hygieneregeln; Ohne Maske dürfte Sarah mein Haus nicht betreten. Sie hat aber eine dabei und legt sie noch auf der Straße an. Es folgen Händewaschen und Desinfektion. Dann beginnt der Unterricht – mit 1,70 m Abstand. Es ist Einzelunterricht. Natürlich muss ich auch eine Maske anlegen, sehr unangenehm, zumal die Brille dauerbeschlagen ist. Egal! Arbeit ist ein Privileg!

    Mein zweiter Schüler heißt Kemina (Foto) und besucht die 4. Klasse. Er ist ein goldiger Ägypterjunge, aber er hasst die Maske. Sie ist bei aber Pflicht. „Denk an deine – und meine Gesundheit“, tröste ich ihn, „Es werden wieder bessere Zeiten kommen.“

    In der Schule hat er das Thema Gedichte. Ich erkläre ihm die Begriffe Vers, Strophe, Paarreim, Kreuzreim, Metrum und schreibe ihm alles mit Beispielen auf.

    Tagebuch-Eintrag, 8. Mai:

    Schon vor dem Ende der erzwungenen Ferien habe ich mir vorgenommen, nur Sarah, Kemina und eine Achtklässlerin der Crucenia-Realschule plus, Silvana, zu unterrichten.

    Obwohl ich Arda sehr gerne mag, werde ich mich von ihm verabschieden. Er lernt sehr ungern, bleibt bei jeder sich bietenden (oder erfundenen) Gelegenheit der Schule und dem Unterricht fern und verweigert permanent die Leistung. Deswegen hatte ich mit den Eltern schon vor Corona endlose Diskussionen.

    Heute überrascht mich Kemina mit der Botschaft, er müsse die verhasste Maske 35 Jahre lang tragen, weil es dann erst einen Impfstoff gegen Corona gäbe. Richtig niedergeschlagen ist er.

    Ich lache und frage ihn, woher er diese Weisheit habe, und prompt kam die Antwort: „Aus dem Internet“. Na klar, woher auch sonst.

    Ich erkläre dem Jungen, dass die Wissenschaftler fieberhaft an einer Entwicklung von Impfstoffen arbeiten und dass zur Zeit nicht gesagt werden kann, wann er kommt – Er ist erst mal zufrieden.

    Gez. Marita Peil,  21.Mai 2020

  •  Geht es nach Corona mit „Geiz ist geil“ weiter?
    In der Corona-Krise gibt es viel Soldarität, die hoffentlich danch auch weiter global bestehen bleibt.

    „Geiz ist Geil“ hieß ein populärer aber auch umstrittener Werbeslogan einer großen Elektrohandelskette. Ich setze noch ironisch eins drauf. „Gier ist geiler“. Geht die schon exzessive Schnäppchenjäger-Mentalität und das ruinöse Überbieten des Handels mit Billigstangeboten nach der Krise und einem kurzen Durchatmen einfach so weiter? Das ungehemmte Wachstum und das damit einhergehende rücksichtslose Verbrauchen natürlicher Ressourcen in den Zeiten vor Corona führte dazu, dass wir am Rande eines Abgrunds stehen.

     „Wir werden lernen mit weniger zu leben, selbstbestimmter und achtsamer zu sein“, ist die niederländische Trendforscherin Li Edelkoort optimistisch. Ich hoffe, sie behält recht. Ich bin dabei, meine Lebensgewohnheiten zu verändern.

    Verzicht bedeutet auch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und dazu gehört kein Wochenendtrip zum Christmas-Shopping nach New York. Und Fleisch müssen wir auch nicht jeden Tag auf dem Teller haben.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 20.5.20

  • Freudige Überraschung für Freibad-Enthusiasten

    Ein paar Bahnen im Becken schwimmen, danach gemütlich am Kiosk Pommes essen und auf der Wiese die Seele baumeln lassen. Damit hatten viele dieses Jahr schon abgeschlossen. Daher war die Ankündigung, die Freibäder Ende Mai/Anfang Juni wieder zu öffnen, eine freudige Überraschung für alle Seepferdchenbesitzer und Freibad-Enthusiasten in Bad Kreuznach und Umgebung.

    Naheliegende Konzepte zur Einhaltung der Abstandsregeln wie zum Beispiel das Abstecken des eigenen Bereichs durch eine aus Handtüchern geformte Wagenburg oder die Vertreibung der Nachbarn durch Dauerbeschallung sind von vielen Gästen so schon lange Routine.Trotz der wiedergefundenen Normalität wird es wohl trotzdem noch eine Weile dauern bis sich diese Normalität auch wieder "normal" anfühlt.

  • Online-Gottesdienst ersetzt nicht das Erleben in und mit der Gemeinde
    Wegen Corona keine Gottesdienste. Auch die Tür von St. Nikolaus musste zu bleiben. Foto: Hansjörg Rehbein

    Ihre Gedanken im Corona-Zwangsurlaub in der Zeit vom 20. März bis 14. April hat Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann für unser Corona-Tagebuch niedergeschrieben:

    Ostern ist anders. Trotz dem uns Vertrauten, den Scheckerln, dem Osterlamm, dem Blütenstrauß, den Osternestern, der Osterkerze und unserem improvisierten Osterfeuer im Hinterhof. Der online-Gottesdienst ersetzt nicht das Erleben in und mit der Gemeinde. Ein Papst der ohne Gemeinde in einem riesigen Gotteshaus feiert – beklemmend. Ein Bild der Zukunft? Ostersonntag und Ostermontag kochen wir gemeinsam. Es folgen Brettspiele und d i e Verfilmung von Jane Austens Roman „Stolz und Vorteil“. Lange her, dass Darcy vor aufgehender Sonne und Vogelgezwitscher die Worte: Ich liebe, liebe, liebe sie!“ hauchte.

    Normalität in außergewöhnlichen Zeiten. Familie ist wichtig. Vermittelt Schutz und Sicherheit, Geborgenheit und Wärme, draußen, das ist unkalkulierbar. Da lauert etwas - aber wo? Und trotzdem ist etwas anders. Vater und Tochter arbeiten täglich im Home-Office. Kein Zwangsurlaub wie ich. An Türen muss plötzlich angeklopft werden. Es finden Videokonferenzen in den eigenen vier Wänden statt. Ist das Outfit nicht zu leger? Den Kampf um die frühen Duschzeiten hatte ich schon vergessen und geregelte Essenszeiten sind wieder notwendig, verbunden mit sehnsüchtig formulierten Wünschen wie: ich würde mal wieder gerne Buchteln essen oder könntest du mal wieder (…), wir hatten schon lange nicht mehr (…) und über einen Kaffee um 10.30 Uhr würde ich mich freuen. Ich bin schließlich im Zwangsurlaub oder etwa nicht? Backe so viel wie seit Jahren nicht mehr. Süßes in bitteren Zeiten!

    Vermisse zunehmend meine Kollegen und Freunde. Wenigstens kann ich zu meiner Freundin, ihr unbändiges Lachen, das Strahlen ihres Gesichts erleben. Wir halten Abstand im Hof des Weinguts und sind uns trotzdem nah. Ihre Enkel sind da – Großfamilienidyll. Vertrautes – vor allem Freunde - sind wichtig. Man telefoniert, schickt sich Infos und Fotos, ein kurzes Gespräch an der Tür oder über die Straße mit Bekannten. Die Freundin meines Bruders kann nicht aus U. ausreisen. Der Freund meiner Mutter nicht nach Frankreich zurück, die Grenzen sind für Beide dicht. Meine Tante liegt im Lazarett, man darf sie nicht besuchen. Da wird die Situation kritisch, Angst macht sich breit. Braucht sie Unterstützung? Plötzlich sind da Regeln, Barrieren, die nicht umgangen werden können. Eine Mauer zum Schutz Aller.

    Ende

    F.B.-G., 18. Mai 2020

  • Corona-Zwangsurlaub
    In der ersten Phase des Lockdowns kam das öffentliche Leben fast zum Erliegen,auf dem Kornmarkt gähnende Leere. Foto. Hansjörg Rehbein

    Ihre Gedanken im Corona-Zwangsurlaub in der Zeit vom 20. März bis 14. April hat Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann für unser Corona-Tagebuch niedergeschrieben:

    Die Corona-Krise erfordert die Schließung des Stadtarchivs. Gerade erst aus unseren engen, für ein Archiv, das Kulturgüter bewahrt, wenig geeigneten Räumlichkeiten ins Haus der Stadtgeschichte gezogen, verhindert eine unsichtbare Gefahr, dass wir unsere bekannten Nutzer und neu gewonnenen, neugierig gewordenen Interessenten mit unseren Beständen vertraut machen können. Kaum der Öffentlichkeit übergeben, steht der Betrieb auf Anordnung still. Die Kollegen und ich bauen daraufhin unsere massenhaft angefallenen Überstunden ab, nehmen den Urlaub von letztem Jahr. Ein unfreiwilliges Durchatmen nach all den Anstrengungen der vergangenen 12 Monate ohne wirkliche Pausen. Trotz Zwang willkommen, lässt es uns auf unser fremdgewordenes Menschsein zurückfallen.

    Zuhause in meiner Welt, in der sogenannten „alten Welt“, scheint die Krise weit weg. Um mich herum die erwachende Natur, ein dauerhaft blauer, blank wirkender, fast azurner Himmel. Für die Jahreszeit ungewöhnlich viele warme Sonnentage - vertraute Geräusche. Den Garten bestellen, die Obstbäume schneiden, Gras mähen, Hof abflämmen, Holz einholen, aufräumen und erledigen, was schon lange liegt.

    Der Corona-Krise begegne ich nur durch das Fernsehen oder Radio - fassungslos was ist, was sein könnte! Alles fährt runter – verlangsamt sich – entschleunigt, macht Platz zum Atmen und Denken und Innehalten.

    Bald ist Ostern, die Heilige Woche, und erstmals keine Gottesdienste. An Palmsonntag kein Einzug in die Kirche, keine festlichen Lieder, keine Eucharistie, keine Weihe der Palmen und keine Gemeinschaft. Stattdessen Online-Gottesdienst aus der Kirche mit dem vertrauten Pfarrer. Die geweihten Palmen liegen vor der Kirchentür zum Abholen bereit. Schnell noch die Gräber auf dem Friedhof besucht, ein kurzes Gedenken und wieder nach Hause in die schützenden vier Wände. Irgendwie ist es doch etwas unheimlich da draußen.

    Einmal die Woche im Haus der Stadtgeschichte nach dem Rechten sehen. Die Straßen überraschend leer, kaum Autoverkehr. Vereinzelt alte Menschen mit Masken vor Mund und Nase. Hinweisschilder in geschlossenen Geschäften, sonst Hinweise: bitte Abstand halten, Abstand kann Leben retten, Hände desinfizieren. Das Einkaufen geht schnell, nur das notwendigste und wieder kein Toilettenpapier, Mehl und Nudeln ... sogar Hefe fehlt. Hätte nicht gedacht, dass es noch so viele Frauen gibt, die sich die Mühe machen Hefekuchen und Hefegebäck herzustellen, die Schachteln in den Kühlregalen der Diskounter sind leer, auch der Laden am Haus der Stadtgeschichte hatte keine Trockenhefe mehr. Ist Vorratshaltung ein Fremdwort geworden? Im Supermarkt geht man sich aus dem Weg, schleicht um das gewünschte Produkt, wartet. An der Kasse Spuckschutzvorrichtungen, Kartenzahlung, auf dem Boden regeln Klebebänder den Abstand zum Vordermann. Das kleine Café im REWE ist geschlossen – die umgedrehten Stühle sind zu Barrikaden geworden, die Ausgangstür ist verrammelt.

    Ein Glück, dass es zuhause eine kleine Bäckerei gibt, die frische Hefe verkauft und der Hofladen immer frisches Gemüse und Obst anbietet. Land so scheint es, ist in der Krise ein Standortvorteil. Versorgung gesichert, Nachbar im Blick, keiner bleibt auf der Strecke, und: Bewegungsfreiheit. An Sonntagen begegnet man auf den vertrauten Wander- und Spazierwegen plötzlich Unbekannten. Picknick im Grünen mit Mama, Papa und Kindern. Das eigene Essen und Trinken dabei – Musik konkurriert mit Vogelgezwitscher.

    Im Dorf haben noch manche Nutzgärten. Die Angst, dass die Versorgung nicht gewährleistet sein könnte, rückt deren Bedeutung in ein anderes Licht. Keine Last, kein Freizeitkiller sondern Garant für die eigene Nahrungsmittelproduktion. Frühbeete allenthalben, sehr früh. Zugereiste pachten oder kaufen Gärten, die ganz schnell kultiviert werden. Die ersten Pflänzchen sind in der Erde, Puffbohnen und Erbsen gelegt, für Obststräucher noch schnell ein Plätzchen gesucht. Überall wird zudem gewerkelt – Zwangsurlaub verleiht Kreativität. Der Lärm verstärkt jedoch die Ruhe, die sich übers Land gelegt hat. Viel weniger Auto- und Zugverkehr, keine Flugzeuge am Himmel und, seltsam, keine Kondensstreifen. Erinnert mich an die Samstage meiner Kindheit, als überall geschäftiges Treiben im Dorf herrschte und nicht wie heute nur ab und an ein Traktormonstergerät hindurchfährt und am Nachmittag die Fußballübertragungen plärren, wenn die Männer ihre Autos fürs Wochenende aufhübschen.

    Fortsetzung folgt

    F.B.-G., 17. Mai 2020

  • Die Sorge um meinen russischen Freund Lew (83)
    Zuletzt im April 2013 besuchte ich Lew in Kaliningrad und war Gast in seiner Deutsch-Klasse

    Hoffentlich verschont das Corona-Virus meine Familie, Freunde und Bekannten. So denken sicherlich alle Menschen in diesen Tagen.

    Mit meinem russischen Freund Lew, der in Kaliningrad lebt, telefoniere ich mehr als vor der Corona-Zeit. Er ist 83 Jahre alt und verlässt seine Wohnung nur zum Einkaufen. Er schildert mir, dass es im alten Königsberg nicht so schlimm ist, wie in Moskau und St. Petersburg. Er vermisst seine Arbeit. Um seine Rente aufzubessern und um sein Lebenswerk zu sichern, unterstützt der ehemalige Deutschlehrer das Pädagogischen Lyzeum immer noch stundenweise. Die Arbeit ruht, doch von zu Hause aus hält er die Kontakte zu den ausländischen Partnerschulen, die er seit Anfang der 90er-Jahre aufgebaut hat. „Im Herbst wollen die Mainzer kommen “, erzählt er mir voller Zuversicht. Das Theresianum ist die erste deutsche Schule, mit der das Lyzeum eine Partnerschaft geschlossen hat.

    Kennengelernt habe ich Lew 1992, als ich als Redakteur der Mainzer Rhein-Zeitung einen Hilfstransport nach Kaliningrad begleitet habe. Organisiert von der gebürtigen Königsbergerin Hannelore Loos. Dort war ich eine Woche zu Gast bei Lew, bis in die Nacht haben wir in der Küche bei Wodka und gutem russischen Brot über die Geschichte, die Politik und über die Menschen unserer beiden Länder diskutiert.

    Hoffentlich bleibt Lew gesund. Ich will ihn meinen alten Freund zu meinem runden Geburtstag im kommenden Jahr nach Bad Kreuznach einladen.

    Hansjörg Rehbein, 16. Mai 2020

  • Zwiegespräch einer Oma mit ihrem Enkelkind zu Corona-Zeiten
    Der Försterdackel Alex und Bioman zeigen den KInder wie man sich vor dem Corona-Virus schutzen kann. Der Comic entstand im Rahmen des Hochschulwettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Schöpfer sind der Bioökonomieforscher und Zeichner Dr. Alex Giurca und der Texter Dr. Markus Herbener von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 

    Für ihre acht Jahre alte Enkelin Anoosha schreibt Elke Beckamp  seit deren Geburt ein Tagebuch. Die Eintragungen zu Corona-Zeiten hat sie dem Haus der Stadtgeschichte für dessen Corona-Tagebuch zur Verfügung gestellt:

    Nun lies doch mal, meine Kleine oder je nachdem, wann Du dieses  Tagebuch einmal lesen wirst, meine Große!

    Wir haben jetzt die blöde Corona-Zeit, eigentlich hat sie die ganze Welt. Dieses gefährliche Virus hat alle Menschen in einen Zustand versetzt, den sie vorher nicht kannten und hat den Umgang miteinander sehr schwierig gemacht, weil man sich rasend schnell infizieren, das heißt anstecken kann.

    Man muss zum Beispiel besondere Verhaltensregeln beachten, wenn man sich mit anderen treffen will.

    Man darf noch nicht einmal viele Leute auf einmal treffen, weil es sein könnte, daß bei mehr Leuten auch mal einer mehr dabei sein kann, der uns alle ansteckt.

    Die Schulen sind geschlossen, natürlich die Kitas auch. Kein Restaurant, kein Theater, kein Zoo konnte bisher besucht werden. Nur zum Arzt, in die Apotheke und in den Supermarkt durfte man bisher gehen, damit man sich wenigstens mit Lebensmitteln versorgen kann. Aber man durfte überall sich nur hinstellen oder gehen, wenn man 1,5 bis 3 Meter Abstand zum anderen hatte und einen Mundschutz trägt.

    Es wurden sogar Wachmänner aufgestellt, die aufpaßten, daß man dies alles richtig macht. Am Eingang des Supermarktes gibt es einen Desinfektionsautomaten und Papier, womit man die Hände und den Griff des Einkaufswagens, den viele Leute schon berührt haben, desinfizieren muß. 

    Alle Menschen, junge, ältere und auch Großeltern ganz besonders, wollten geschützt und vom Virus verschont bleiben. Es gibt täglich Zahlen aus ganz Europa, außerdem aus den USA und Rußland über die Anzahl der Menschen, die sich angesteckt haben, die in Krankenhäusern wieder gesund geworden sind und andere, die schließlich verstorben sind. Am schlimmsten ist es den Menschen in Italien, Spanien und Amerika ergangen. In unserem Land gibt es nicht so viele schlimme Zahlen, weil unsere Kliniken, unsere Ärzte und die Frauen und Männer, die die Kranken pflegen,  wahnsinnig gut und viel für die Kranken tun können.

    Jetzt haben wir schon 6 ganze Wochen, daß auch nicht in Büros, Fabriken, Verkaufsläden, Werkstätten gearbeitet werden durfte und in dieser ganzen Zeit konnten die Leute kein Geld verdienen, jedenfalls nicht ihren Lohn oder Gehalt, was sie sonst mit ihrer Arbeit verdient haben. Auch Deine Tante Anette mußte ihr Kosmetikstudio schließen und die Babsi und sie durften niemand behandeln.

    Kannst Du Dir vorstellen wie es ist, wenn man kein oder nur wenig Geld hat zum Einkaufen? Dir ging es bisher immer gut und Du bekommst Vieles, was Du essen und naschen magst, was Du an Kleidung brauchst. Auch jetzt können viele Deiner Wünsche  noch erfüllt werden.

    Aber Du weißt, es gibt Kinder, die ganz wenig haben, die Eltern nicht viel Geld verdienen. Die müssen auf Vieles verzichten.

    Unsere Bundesrepublik Deutschland will allen Menschen helfen, damit sie nicht ohne Geld diese ganze Zeit überstehen müssen. Du weißt, daß man zum täglichen Leben Geld braucht, womit man sich etwas zum Essen, etwas zum Anziehen, kaufen und man alle Kosten bezahlen kann, die durch das Wohnen in einem Haus entstehen. Auch ein Auto muß betankt und versichert werden, wir müssen zum Frisör, manche Menschen müssen mit dem Autobus fahren und auch dafür braucht man Geld.

    Viele Menschen hatten sich vorher von ihrem verdienten Geld ein bißchen aufgespart für die Zeiten, so wie jetzt die Corona-Zeit, damit sie nicht ganz ohne Geld da stehen und sich gar nichts mehr kaufen können. Das sind die Menschen, die klug sind und nicht alles Geld  bis zum Ende ausgegeben haben.

    Aber jetzt haben wir lange genug gewartet, unsere Kanzlerin Frau Merkel und der

    Gesundheitsminister Herr Spahn haben gesagt, daß jetzt wieder Schritt für Schritt, also ganz langsam, die Geschäfte geöffnet werden, die für alle ganz wichtig sind. Vor allen Dingen die Büros, Fabriken und Läden, wo die Leute wieder arbeiten gehen können.

    Darauf haben ganz viele Menschen gewartet. „Endlich!“ sagen sie.

    Die Schulen werden wahrscheinlich Ende Mai, Anfang Juni, wieder öffnen aber nur ganz vorsichtig. Es dürfen nicht alle Schüler an einem Tag in die Klassen. Auch dort sind es  dann täglich viel weniger und auch die Schultage in einer Woche sind weniger.

    Aber jedes Kind freut sich, endlich die Schulfreundinnen und -freunde wiederzusehen. Und auch Deine Lehrerin, die Frau Renner, ist froh, Euch jetzt die Hausaufgaben direkt zu geben, mit Euch viele kluge Sachen besprechen zu können. Die ganzen letzten Wochen hat sie Euch ja per Internet den Wochenplan zum Erledigen der Hausaufgaben zugeschickt.

    Einige Seiten hast Du auch mit mir erledigt und ich sage Dir, es hat mir soviel Spaß gemacht! Und weißt Du, ich lerne selbst auch immer wieder von Neuem mit.

    Wir Beide machen ja viele kluge Dinge zusammen. Alles sieht immer wie ein Spiel aus aber ich baue Dir immer kleine Denkaufgaben ein. Du bist ja wie immer eine kleine Klugscheißerin. Aber mach' Dir nix draus, mich hat man auch immer „Klugscheißerin“ genannt und ich habe mich doll geärgert. Aber sag doch mal, „Wir können doch nix dafür, wenn wir viele Sachen wissen, oder?“

    Wir haben uns übrigens auch mindestens 3 Wochen nicht richtig treffen können, weil man nicht sicher ist, ob nicht die Enkelkinder die Großeltern anstecken können.

    Aber unsere Angst, uns gegenseitig anzustecken, ist nun Gottseidank auch vorüber und wir treffen uns wie letztens am Dienstag. Da hat Dich Deine Mama morgens gebracht und nachmittags wieder abgeholt. Wir konnten alle draußen sitzen, Kaffee trinken, Kuchen naschen, Fußball  und „Warm oder Kalt“ spielen, indem wir abwechselnd einen Ball versteckten zwischen all den Blättern, Blumen und Grünzeug, was hier im Hof wächst. Das hat soviel Spaß gemacht. Opa und ich wußten garnicht, daß wir noch so gelenkig sind zum Tore schießen, dribbeln und stürmen.

    Aber weißt Du, bei mir spielt auch so ein bißchen die frohe Erinnerung mit, daß ich früher, als Dein Papa und Onkel Frank noch Kinder waren, mit denen auch Fußball und Federball spielte.

    Und außerdem erinnerst Du mich auch immer mal wieder an die Zeit als ich junge Mama, war so wie Deine Mama jetzt.

    Ich lege diesem Text auch zwei Fotos bei. Eines, wo Du ganz eng an Deinen Papa geschmiegt, eingeschlafen bist und Dich Dein Papa so gerne so nah bei sich hat. Er hat ein ganz glückliches Gesicht.

    Das andere Foto sind die zwei Corona-Betten, die Du aus Lego gebaut hast. Du wolltest auch ein bißchen helfend eingreifen, wenn die Corona-Patienten im Krankenhaus liegen. Sie können mittels der Räder  am Bett sich selbst draußen an die frische Luft auf der Klinikterrasse fahren. Frische Luft und Sonnenschein mag das Corona-Virus nicht, haben wir gelernt.

    Du baust so gerne mit den Legos, von denen noch die meisten von Deinem Papa und Frank stammen, aus deren Kindheit.

    Ja, und zum Schluß muß ich noch unbedingt etwas Lustiges erzählen. Wir müssen doch den Opa immer überwachen, daß er nicht soviel ißt oder nascht. Am Freitagabend als wir zusammen Abendbrot gegessen haben, hat er wieder zu viele belegte Brote gegessen und Du hast ihn ermahnt. „Ich will keinen dicken Opa“ hast Du ihm lachend gesagt und seine Antwort war „ich kann nix dafür, ich habe einen Bandwurm! Der sitzt im Bauch und frißt all die vielen Sachen!“

    „Das ist auch nicht gut“ hast Du gesagt ...“wenn der Bandwurm zu dick wird und in Deinem Bauch platzt! Iiiiiiiiiieeeeehhhgitt !“

    Glückliche Zeiten mit Dir, mit und ohne Corona, mein kleines Hexchen! Du bist doch mein kleines Hexchen seit nunmehr 8 Jahren. Und Du bist gerne meine kleine Hexe hast Du lachend gesagt.

    gez. Deine Oma ELKE für Dich ANOOSHA, 15. Mai 2020

  • Die 13. bringt Glück und steht für einen historischen Tag

    In diesem Sinne wünsche ich allen Guten Appetit sowie viel Freude und Entspannung.

    Die 13 gilt sowohl als Glücks- als auch als Unglückszahl. Als Optimist entscheide ich mich für das Glück. Der 13. Mai, der zumal nicht auf einen Freitag fällt, könnte als historischer Tag in der Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz eingehen. Denn seit gestern dürfen die Gastronomen unter Bedingungen wieder öffnen. Schon am frühen Vormittag saßen bei strahlendem Sonnenschein wieder gut gelaunte Menschen vor den Straßencafés der Stadt und hatten sich viel zu erzählen.

    Für heute Abend habe ich einen Tisch für mich und meinen Freund Martin in einem unserer Lieblingslokale reserviert. Am Samstag sind wir von guten Freunden zum Abendessen eingeladen, denn Menschen aus zwei Haushalten dürfen sich ja wieder treffen. Als Dankeschön bringt meine Frau eine Karte (Foto) mit, die ein schönes Symbol für Lebensqualität ist: Gut essen und trinken in Gemeinschaft netter Menschen.

    Wir haben wieder ein großes Stück Freiheit zurück und dürfen es hoffentlich auch behalten.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 14. Mai 2020 

  • Corona verändert unser aller Leben dauerhaft

    Als Anfang 2020 der Corona Virus rasant und großflächig in China das Leben der Bevölkerung privat und beruflich „überfiel“ hoffte ich sehr, Europa könne befreit davon bleiben. Mit der schnellen und hohen Zahl an Infizierten und Toten in Italien im Februar saß der „Schock“ rasch auch bei mir in den „Knochen“. War ich doch in der Fassenacht bis Ende Februar fast täglich als Fotografin in menschenüberfüllten Räumen und Veranstaltungen unterwegs. Bis auf eine kleine, alljährlich typische Erkältung in dieser Zeit, scheine ich vom Virus verschont zu sein.

     Beruflich hat Corona mein Leben ab März stark verändert: Kundenbesuche und Werksrundgänge entfallen, der weltweite Einsatz von Mitarbeitern in Krisengebieten oder Ländern mit Grenzschließung entfällt, die firmeneigene Kantine ist geschlossen, Mitarbeiter arbeiten jetzt entweder im Home-Office oder im Schichtbetrieb im wöchentlichen Wechsel von Früh-/Spätschicht (ab 06.00 Uhr/ab 14.00 Uhr), Überstunden und Urlaubstage werden „abgearbeitet“ usw. Natürlich mache ich mir jetzt schon täglich Sorgen um die Existenz des Betriebes und die Arbeitsplätze. Seit Schließung aller „nicht-lebensnotwendigen Geschäfte“ denke ich: „Wir haben Krieg, statt Bomben fallen Viren vom Himmel.“ Mir ist der „Ernst der Lage“ sehr bewusst, aber nicht das Ausmaß. Die „Hamsterkäufe von WC Papier, Mehl und Hefe kann ich bis heute nicht nachvollziehen und verstehen. Bisher habe ich immer noch alle Lebensmittel und lebensnotwendigen Hausgegenstände, auch die Gesichtsmasken, käuflich erwerben können. War mal ein Regal im Laden leer, fand ich das Produkt gleich nebenan im nächsten Laden. Mein Privatleben als Single und Hobbyfotografin ist dank des herrlich sonnigen Wetters seit März in keiner Weise eingeschränkt.

    Ohne Ausgangssperre und als Single habe ich mit der Fotokamera die Veränderungen durch Corona in Stadt und Land versucht einzufangen. Gerne übergebe ich dem Haus der Stadtgeschichte meine Fotos. Die meisten Bürger halten sich glücklicherweise an die Vorgaben und Einschränkungen der Regierung, das beruhigt und läßt die Pandemie gut ertragen. In einer „kriegsähnlichen Ausnahmesituation“ rücken gewisse persönliche Grundrechte zwangsläufig in den Hintergrund, da käme ich nie auf die Idee Grundrechte juristisch einzuklagen. Schon gar nicht gegen die Gesichtsmaskenpflicht, die ja uns alle untereinander schützt. Im Vergleich zu vielen Städten und Ländern geht es uns hier in Bad Kreuznach sehr gut.  

    Charlotte Eberwien, 13.05.2020    

  • KLARA ist mehr als nur eine Einkaufshilfe
    Pitt Elben (rechts)  und seine Kollegen vom KLARA-Team

    Einen Erfahrungsbericht über seinen Einsatz bei der ehrenamtlichen Einkaufshilfe  „KLARA“, der Kreuznacher Lastenradinitiative, hat Pitt Elben für das Corona-Tagebuch geschrieben:

    Für eine Stammkundin, die ihre Bestellung telefonisch durchgab, haben wir Gemüse auf dem Wochenmarkt besorgt: Salat, Äpfel, Kartoffeln, Eier. Gerne leisten wir für Stammkunden auch Vorkasse. D er Radweg entlang der Mannheimer Straße führt beständig bergan. Kein Problem für unser E-Bike. In einem Supermarkt soll ich weitere Lebensmittel einkaufen. Das klappt gut, wenn ich die Produkte kenne. Aber Debreciner? Klingt nach Würstchen, sind auch welche. Frage nach, aber alle Mitarbeiter sind mit Einräumen beschäftigt. Also brauche ich mehr Zeit als gedacht. Wo steht Gries? Da sollte er sein –doch der Regalplatz ist leer. Eine halbe Stunde später stehe ich mit einem Rucksack und einem geflochtenen Korb vor dem kleinen Reihenhaus von Frau B , die mich schon erwartet mit Klappkisten. Gemeinsam füllen wir alles um. Erzählen vom Einkauf; sie ist zufrieden, auch wenn manches fehlt. Klar rundet sie den Betrag auf–für Klara: „Wir sind Ihnen ja so dankbar.“

    Dann eine Adresse imWeyroth. Eine Kundin, die KLARA noch nie genutzt hat. Einfachweil der Weg zum Markt für sie zu beschwerlich sein mag. Eine bescheidene Wohnung in einem großen Mietshaus. Ein älteres Paar, etwa Ende Siebzig, erwartet mich im zweiten Stock. Vor der Wohnungstür nehme ich Einkaufszettel und Geld entgegen. Der Zettel ist handschriftlich ausgefüllt, fein säuberlich –und doch muss ich nachfragen. Ja, das Klopapier wäre am wichtigsten sie haben weniger als eine Rolle. Und auch Nudeln ist dick unterstrichen. Im Supermarktvorhingab es kein Klopapier mehr, sogar Salz war ausverkauft. Also fahr ich zum Markt am Kreisel, aber auch da ist das Regal mit Klopapier leer. „Max. 2 Packungen!!!“ ist da zu lesen. Immerhin gibt es alles andere

    Eine Mitarbeiterin hilft mir, auch ausgefallene Artikel zu finden. Die Schlange vor der Kasse ist lang, ich brauche Geduld. Als ich dran bin, nickt mir die Kassiererin so freundlich zu, dass ich Mut fasse: Ich kaufe für ein älteres Paar ein, die kein Klopapier mehr haben. Sie zwinkert mir zu: Einen Augenblick bitte. Dann steht sie auf, geht zum Büro und ist wenig später mit zwei Doppelrollen Ja-Klopapier zurück. Sofort ereifert sich jemand hinter mir: Da brauch’ ich auch von! Die Kassiererin reagiert souverän, mit einer Finte: Tut mir leid. Der Herr hat’s vorbestellt. Für mich eine Heldin des Alltags, die Frau an der Kasse! Das Paar im Weyroth ist froh, dass ich vor allem beim Klopapier erfolgreich war. Die ältere Dame gibt mir fünf Euro für die Klara-Spendenkasse. Das ist doch viel zu viel, wende ich ein. Aber sie lächelt, winkt und schließt die Tür.

    Dritte Adresse, in der Ringstraße. Eine Seniorin, die alleine lebt, lässt vom Balkon ihrer kleinen Mietwohnung einen Korb herunter mit Einkaufsliste und Geldbörse. Können Sie’s lesen? Klar, bei dieser gestochenen Schrift. Würden Sie mir es nachher auch hochbringen? Sie habe schweres Asthma, und das ist hörbar. Milch, Käse, Mandarinen, Margarine, Quark, Plätzchen, Sprudel: Ähnlich wie bei dem Paar vorhin kein einziger Luxusartikel. Dass ich diesmal alle Warenbekomme, freut mich. Und auch Frau W. ist sehr dankbar. An ihrer Wohnungstür gerät sie ins Erzählen –und ich höre zu. Von Kindern, die weit wegwohnen, sich nicht kümmern können. Von ihrer Sorge, es irgendwann nicht mehr alleine zu schaffen zum Einkauf, zum Arzt. Und ich merke, Klara wird für einige mehr bedeuten als eine bloße Einkaufshilfe in Corona-Zeiten.

    12. Mai 2020

  • Streng preußisch: Schutzmann Wiechert kontrolliert die Abstandsregeln

    Es ist wieder etwas Normalität in Bad Kreuznach eingekehrt. Unter Einhaltung der Abstandsregeln kann wieder eingekauft, Eis gegessen und Kaffee to go getrunken werden. In Geschäften und Supermärkten werden die Grenzen mit Aufklebern abgegrenzt und der Kunde durch Zettel über die neuen Verhaltensregeln informiert.

    Über all dem Treiben wachen, von der Krise ungerührt, die Kreuznacher Stadtoriginale auf ihrem Brunnen. Die Abstandsregeln einzuhalten ist schwer, vor allem wenn man aus Bronze gegossen ist. Der pflichtbewusste Schutzmann Wiechert würde, wenn er von seinem Sockel herabsteigen könnte, streng auf die Einhaltung der Regeln achten. Wiechert, der ja bekanntlich schon seinerzeit bei den zänkischen Marktbesuchern gefürchtet war, würde bestimmt auch keine Ausnahme für seine gegossenen Kumpane auf dem Brunnen machen. Da müssten auch der Debbedee, Gänzjie und Co ihre Plätze räumen und sich mit 1,50 m Abstand voneinander um den Brunnen aufstellen. Ob vor Marris Feierbloos auch einen Spuckschutz installiert werden sollte, müsste dann wohl noch im Einzelnen ausdiskutiert werden.

    Gez. Marius Rehbein, 11. Mai 2020

  • Sympathische Bad-Kreuznach-Botschafterin im Netz gefunden

    Wo gibt es in Deutschland Corona-Dokumentation und in welcher Form? Laut Wikipedia sind wir das einzige Archiv in Rheinland-Pfalz! Beim Surfen durchs Netz stieß ich auf das multimediale Tage- und Skizzenbuch von Heidelberger Autorinnen und Autoren. Dazu gehört Andrea Willig, eine Rundfunkjournalistin, die in Bad Kreuznach geboren ist. Beim Telefonat hatte ich eine sympathische Bad Kreuznach-Botschafterin am anderen Ende der Leitung. „Wenn wir Gäste aus Frankreich haben, machen wir einen Ausflug nach Bad Kreuznach. Dort zeige ich Ihnen die Brückenhäuser, die es ja nicht nur an der Seine gibt“.  Auch an ihre Kindheit erinnert sie sich gerne, an die Spaziergänge mit ihrem Opa Valentin Willig, die auch an die Salinen führte, wo die salzhaltige Luft ihre Gesundheit stärkte.

    Mit ihrem Roman „Die Eule“ hat sie es in die Endausscheidung des Literaturpreises der Heidelberger Autorinnen und Autoren geschafft. Die Entscheidung fällt am 2. Juli.

    Ich drücke ihr da ganz fest die Daumen.

    Zu Beginn der Corona-Krise hat sich Andrea Willig ihre Gedanken gemacht und auch veröffentlicht.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 10. Mai

  • Wochenmarkt-Blumenstände auf der Mühlenteichbrücke lassen

    Das traumhafte schöne Wetter in den vergangenen Tagen hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Gemüter der Menschen in unserer Stadt sonnig sind. Unter den Masken konnte man zumindest fröhliche Gesichter erahnen, bei einem Kaffee to go gab es in der Fußgängerzone mit Abstand nette Gespräche, viele mit dem optimistischen Tenor, dass es jetzt wieder besser wird.

    Es ist sicherlich nicht nur mir so gegangen. Beim Gang über unsere Mühlenteichbrücke habe ich mich freitags an der bunten Blumenpracht der Wochenmarktstände erfreut. Mein Vorschlag, auch nach Corona dieses schöne Entree zum Kornmarkt an den Wochenmarkttagen erhalten. Es wertet sowohl die Brücke als auch den Wochenmarkt auf!

    PS: Es gibt wieder Regen. Gut so! Natur und Landwirtschaft haben dieses Wasser dringend nötig.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 9. Mai 2020 

  • Trotz Abstand auf Tuchfühlung bleiben
    Sonnenbad auf dem Kornmarkt. Die vier Herren verhalten sich vorbildlich.

    Trotz Abstand auf Tuchfühlung mit den Mitmenschen bleiben ist in Corona-Zeiten kann leichtes Unterfangen. In der warmen Jahreszeit genieße ich es, vor den Straßencafés unserer Stadt zu sitzen, einen guten Cappuccino zu trinken und mich mit Menschen zu unterhalten.

    Im Lauf der Zeit sind es eine Reihe von Gesprächspartner, die ich sehr schätze. Einer davon ist Walter Brusius, dem ich regelmäßig in der Fußgängerzone begegne. Kürzlich traf ich ihn auf dem Kornmarkt.  Ich gesellte mich mit einem Kaffee to go und in gefordertem Abstand zu ihm auf eine Bank.

     „Ich lebe auf der Straße“, erzählte er mir.  Zuhause ist der Künstler nur zum Malen, Schreiben und Schlafen. Derzeit ist sehr mit dem Einrichten seines neuen Ateliers beschäftigt.   Bei seinen Touren durch die Stadt gefallen ihm die kreativen und originell gestalteten Corona-Schutzmasken, die häufig selbst genäht sind.

     Auch ich finde, das ist eine besondere Form von Kunst in Corona-Zeiten.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 8. Mai 2020

  • Die Waage lügt nicht - Leider!

    Das kann nur eine Fake-News sein, denke ich mit einem entsetzten Blick auf die Zahlen, die elektronisch angezeigt werden. Aber die Wage lügt nicht – Leider. Da kann ich mich noch so oft draufstellen. Aber mein Gewicht bleibt im dreistelligen Kilobereich. Da nutzt es auch nicht, dass ich mich vor dem Frühstück gewogen habe.  Die Schuldige habe ich gefunden. Die Corona-Krise!!

    Ich vermisse die Menschen in meinem Fitnessstudio und natürlich die Wirbelsäulengymnastik, die die Muskeln am meinen Knochengerüst stärken. Gemeinsam strecken, dehnen, hüpfen zu flotter Musik macht mehr Spaß als alleine Zuhause. Mir fehlen auch die interessanten Gespräche in der Umkleidekabine über die große Politik und über die kleinen Sorgen des Alltages.

    Mit einem Fitnessprogramm zu Hause kann ich mich nicht anfreunden. Dazu fehlt mir die Disziplin meiner Frau, die als ehemalige Leistungsschwimmerin täglich ihre 100 Sit-Ups (Bauchmuskeltraining) macht. Zumindest mit dem Rad fahre ich fast täglich wieder zur Arbeit, und das ist auch dringend notwendig. Jetzt überlege ob ich mit „Crunches“ meine Bauchmuskeln stähle.  Dabei muss ich im Liegen nur die Schulterblätter leicht anheben, im Gegensatz zu den Sit-Ups, eine Liegeübung, bei der der ganze Oberköper immer wieder aufgerichtet werden muss.    

    Hoffentlich machen bald wieder die Fitness-Studios auf!

    Gez. Hansjörg Rehbein, 7. Mai 2020

  • Sehnsucht nach der alltäglichen Freiheit

    Die Jugendreporter Azad, Fatmagül und Delal haben einen Bericht über ihre Situation in der Corona-Krise geschrieben. Das Projekt Jugendreporter wird im Rahmen des Programms „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

  • Hans, der Hartnäckige, mach weiter so!!
    Gabi Gräff-Clemens und Edgar Stanger bei der Lebensmittelausgabe. Dank gebührt auch Heinz-Dieter Becker, der für die Abholung zuständig ist. Foto: Bastgässjer

    Er ist nicht mehr Jüngste (Jahrgang 1941), dafür aber topfit und unermüdlich im Dienste der Mitbürger unserer Stadt unterwegs, die besonders der Hilfe bedürfen. Hans Oehler, der Chef der Bastgässjer organisiert die Lebensmittelversorgung. Die Ausgabe ist von Montag bis Samstag von 12.00 - 15.00 Uhr in der Bastgasse 8, nach telefonischer Vereinbarung durch ein gesichertes Fenster (Heinz-Dieter Becker Handy 0151-28438428). Die Abstände betragen ca. 8-10 Minuten um Begegnungen zu vermeiden.

    Durch Mundpropaganda hat sich die Zahl der Versorgten erhöht. Derzeit sind es 50 und 60 Personen bzw. Haushalte. Viele Abholer nehmen auch Lebensmittel für Nachbaren und Freunde mit. Die Lebensmittel sind Spenden von insgesamt vier Geschäften.

    Der Hans ist hartnäckig wenn es um das Wohl seiner Schäfchen geht. Er ist auch einer, der dem „Teufel vor die Hütte zieht“ und schreckt auch nicht vor den Gefahren des Regenwaldes am Amazonas zurück. Nun organisiert der leidenschaftliche Christ eine „Friedensfahrt nach Moskau“. Solche Menschen brauchen wir gerade in Corona-Zeiten, auch wenn Sie einem so manches Mal auf die Nerven gehen.

    Also, Hans, mach´s gut und weiter so!

    Gez. Hansjörg Rehbein, 5. Mai

  • Noch proste ich der Kamera zu

    Da der Besuch der Straußwirtschaft und die damit verbundene weinselige Geselligkeit dieses Jahr vorerst entfällt, sieht man sich dazu gezwungen kreativ zu werden um wenigstens vorübergehend ein Alternativprogramm aufzustellen. Anstatt gemeinsam in die Stadt zu ziehen, bleibe ich so gemütlich vor meinem Handy sitzen und proste der Kamera zu. Das kommt zwar nicht an wirkliche Treffen in Fleisch und Blut heran, lindert aber die Corona bedingte soziale Distanz erheblich. Es stellte sich heraus dass Dumm schwätze und Wein verschütte Dinge sind, die auch im „Home Office“ bestens funktionieren.


    Gez. Marius Rehbein, 4. Mai 2020

  • Im Mai mache die Schwimmbäder nit uff
    Eine Freibadsaison mit Badekappe, Schwimmbrille und Maske ist schwer vorstellbar

    Je näher der Sommer rückt, desto öfter kommt mein Kalauer zum Einsatz: "Wenn im Mai die Schwimmbäder uffmache, hier, da geh ich on de Sprungturm, nemm de kloone Finger, hier, häng mich an de Zehner un ...“. Die Szene im in dem Kinofilm „Abbuzze“, in der das hessische Comedy-Duo Badesalz im Fitness-Studio einen auf Bodybuilder macht, ist köstlich. Dieses Jahr ist mir allerdings das Lachen vergangen.

    Die Bedrohung durch das Corona-Virus verhagelt uns auch die Freibad-Saison. Der Frühjahrsputz ist abgeschlossen, die Becken sind voll, die sanitären Anlagen geputzt und gewienert, die Umkleidebereiche ebenso. Das Personal hat wieder ganze Arbeit geleistet. Ob die Freibäder so bald öffnen, ist derzeit mehr als fraglich.  Ich muss da wohl kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Schwimmbäder im Mai „nit uff mache“. Viel schwerer als der Verzicht auf das alljährliche Schaulaufen der Muskelmänner und Bikinischönheiten auf der Liegewiese und am Beckenrand wiegt für mich, dass mir der gesunde Freizeitspaß Bahnen schwimmen fehlen wird.

    Verlieren wir nicht unseren Optimismus. Vielleicht verschiebt sich in diesem Jahr die Freibadsaison nach hinten. In den vergangenen Jahren hatten wir ja einen sonnigen Frühherbst, so dass wir noch bis in den Oktober unsere Bahnen ziehen könnten.  Zumindest für jene, die in erster Linie am Schwimmen interessiert sind, wäre dies eine frohe Botschaft. Eine gute Nachricht gibt es schon jetzt. Der Bau des Bad Kreuznacher Salinenbades liegt im Zeitplan. Die Eröffnung ist für den Sommer 2021 geplant.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 30. April 2020

  • Wir besinnen uns wieder auf die Wurzeln unserer Grundversorgung
    Radieschen, Tomaten, Schnittlauch und Borretsch sind in diesem Hochbeet angepflanzt

    Am liebsten esse ich Obst, Gemüse und Salate aus Schwiegermutters Garten. Die schmackhaft-zarten grünen Bohnen gehören zu meinen Lieblingsspeisen, ebenso die saftig-süßen Erdbeeren.  In Corona-Zeiten entdecken immer Mitmenschen ihre Liebe zu eigenen Gemüse-  und Obstgärten und lassen die Kassen in Gartencentern bei der Ware Saatgut klingeln.

    Der Hunger nach dem Ersten Weltkrieg löste in Deutschland eine Gründungswelle von Kleingartenvereinen aus.  100 Jahre später besinnen sich wieder mehr Menschen auf diese Wurzeln unserer Grundversorgung. Mein Nachbar hat in seinem Dachgarten Gemüse-Hochbeete angelegt. Vorreiter sind die essbaren Gärten, einer davon wird an unserer Geesebrigg  von der Initiative „Essbares Bad Kreuznach“ gehegt und gepflegt.

                                                                                                                                                                                                                                                                 Gez. Hansjörg Rehbein, 29. April 2020

  • Masken - nichts als Masken
    Conny Dhonau hat in ihrem Nahe-Lädchen den Humor nicht verloren

    Seit Montag ist es soweit: Maskenpflicht in Geschäften, in Bussen und Bahnen. In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Maskenträger steht und ständig gestiegen und bestimmt daher mehr und mehr das Bild in unseren Straßen.

    Die Masken sind in unserer Gesellschaft auch ein Symbol für die Solidarität unter den Menschen geworden. Es gibt viele ehrenamtliche Nähaktionen und auch „Hobby-Designer“, die beim Entwurf ihre Kreativität spielen lassen.

    Leider gibt auch es gierige Kapitalistengeier, die Masken zu Wucherpreisen im Internet anbieten und damit die Ängste der Menschen vor dem Corona-Virus schamlos ausnutzen.

    „Masken – nicht als Masken – Bild der Einsamkeit“, lauten zwei Textzeilen aus einem Lied von Udo Jürgens, die ich zuletzt so oft zitiert habe und meiner Frau, die dieses Lied eigentlich mag, auf die Nerven gegangen bin.

    In dem Lied heißt es aber auch: „Nur die Wahrheit zählt, Sie ist wie das Licht, Reiß' die Schleier ein, Zeig' mir dein Gesicht.“ Ich freue mich wieder auf maskenlose Zeiten und auf das Gefühl von Freiheit, die uns im Augenblick so sehr fehlt“

    Gez. Hansjörg Rehbein, 28. April 2020

  •  Kein Jahrmarkt – die Kreuznacher Zeit steht still

    Wenn auf der Pfingstwiese die letzten Streben des Riesenrades abgebaut werden, befindet man sich an dem Punkt im Jahr, an dem der nächste Jahrmarkt am längsten in der Zukunft liegt. Ab da werden die Tage gezählt bis es wieder nix wie enunner heißt. Man könnte fast schon sagen, dass Bad Kreuznach seine eigene Zeitrechnung hat, bei der das Volksfest auf der Pfingstwiese im Zentrum liegt.

    Solange ich denken kann, von gebrannten Mandeln auf dem Kinderkarussell bis zum Riesling im Weinzelt, gab es kein Jahr, auf dem ich nicht den Jahrmarkt besucht hatte. Dieses Jahr ist das anders. Am 3. Augustwochenende wird man nicht die Lichter des Jahrmarkts im Wasser der Nahe sehen, wenn man am späten Abend über die Nahebrücke läuft. Die Kreuznacher Zeit steht still. 

    Gez. Marius Rehbein, 27. April 2020

  • Die Krise auf dem Kopf hat bald ein Ende

    Der Pony ist zu lang, die Dauerwelle zu schlapp, die fein gedrehten Löckchen splissig, die Farbe blass. Unsere Figaros und Schneidekünstlerinnen werden schmerzlich vermisst und sehnlichst zurückerwartet. Doch die Krise auf unseren Köpfen nähert sich ihrem Ende. Der Blick in den Spiegel wird uns nicht länger quälen. Die Frisörsalons machen am 4. Mai wieder auf. Fön und Schere, Shampoo und Lockwickler liegen bereit. Der Kampf um die Termine ist bereits voll entbrannt

    Auch ich freue mich wieder auf das nette Geplauder mit meinem Frisör und eine wohltuende Massage beim Haare waschen. Ich werde da reichlich Wolle lassen. Mein Schwiegervater hätte mir bei Anblick meiner Haare uff kreiznacherisch gesaat. „Bub, loss der mol widder die Kohlraab schäle“. Der Hauptfeldwebel in meiner Bundeswehrzeit befahl mir einst militärisch knapp: „Die Kopfmatte kürzen.“

    Übrigens: Die Friseure warnen: Bloß nicht selbst die Haare schneiden. Wie man sieht zu Recht.

     

    Gez. Hansjörg Rehbein

  • Arrivederci Vacanza in Italia
    Capo Testa liegt nur wenige  Kilometer vom nördlichsten Punkt Sardiniens entfernt und gehört zu den schönsten Küstenabschnitten der Insel . Foto: Heike Rehbein

    Brutta Notizia. Arrivederci Vacanza in Italia, was auf Deutsch heißt: Schlechte Nachrichten. Auf Wiedersehen Urlaub in Italien. Wir haben unsere Reise nach Sardinien storniert. Unsere Trauminsel wollten wir Anfang Juni für ein paar Tage besuchen.

    Corona e anche un Sfortuna per il Turismo in tutto Mondo, Corona ist ein Unglück für den Tourismus in der ganzen Welt.  La Speranza e ultimo morire, die Hoffnung stirbt zuletzt.  Forse ci vediamo in Settembre ou alla prossima Anno, vielleicht sehen wir uns im September oder im nächsten Jahr. Cari saluti  per i Gente gentile a Alghero e a Maddalena. Herzliche Grüße an die netten Menschen in Alghero und Maddalena.

    Ich vermisse meine Lehrerin Valeria, die Mädels und mein Tischnachbar Edmondo im Italienisch-Volkshochschule-Kurs.

    Ciao ragazzi

    vi abbraccio (ich umarme Euch)

    E studiate sodo (lernt fleißig)

    Giorgio  (il mio nome italiano - mein italienischer Vorname)

    Gez. Hansjörg Rehbein, 24. April 2020

  • Kochen fördert gute Laune: Kartoffeln schälen, Zwiebeln schneiden

    Kochen macht Spaß hat auch Tennis-Star Angelique Kerber erkannt und nutzt die Corona bedingte Zwangspause, um leckere Gerichte auszuprobieren.

    Bruzzeln und backen, garen und garnieren haben in den vergangenen Jahren stets an Beliebtheit gewonnen. Die Kunst am Herd wird in vielen Kochsendungen regelrecht zelebriert. Und auch in der heimischen Küche kann man daraus ein Event machen. Kochen entspannt und ist somit ein gutes Rezept gegen eine depressive Stimmung in der Corona-Krise. Ich habe schon länger die meditativ-entschleunigende Wirkung von Kartoffeln schälen, Salat putzen und Zwiebel schneiden entdeckt und arbeite gerne der Chefköchin , meiner Frau, zu .

    Selbstgemachte Ravioli waren kürzlich ein köstliches Ergebnis der Familien-Küchengemeinschaft „Vater-Mutter-Sohn“. Der Teig wurde durch die Nudelmaschine gewalzt und in eine Form gelegt, in der die Ravioli wie Plätzchen ausgestochen werden. Dazu gab es ebenfalls selbst gemachte Nusssauce (wir hatten noch Nüsse aus dem Herbst)   und geriebenen Gorgonzola-Käse. „Gespült“ wurde mit einem guten Grauburgunder von der Nahe.

     Als Zeichen von Solidarität mit unserer Gastronomie nutzen wir aber auch den Bring- und Holservice. Bei einem befreundeten Caterer bestellten wir unsere Ostermenus und für unser Grillen am 1. Mai auf der Dachterrasse sind schon verschiedene Salate geordert.  Krise macht auch kreativ.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 23. April 2020

  • Das gute Mittagessen der Oma wird wehmütig vermisst
    Enkel Fabian mit Oma Waltraud vor der Corona-Krise

    „Oma, es kommen auch wieder bessere Zeiten“. Am Telefon tröstet der Enkel die 89-Jahre alte Frau, die allein in ihrer Wohnung isoliert ist und von ihrer Familie mit allem versorgt wird. Auch für meinen jungen Kollegen fällt der unfreiwillige Abstand zur Oma schwer, allein schon deshalb, weil er vor Corona häufig von ihr zum Mittagessen eingeladen war und sie ihm die Lieblingsmahlzeiten seiner Kindheit kochte.

    Meiner Frau ist es kürzlich gelungen, eine ältere Frau, eine nette Café-Bekanntschaft, zu einem kurzen Spaziergang auf Abstand aus ihrem Häuschen zu locken, bevor ihr die sprichwörtliche Decke auf den Kopf fällt. 

    Meine Mutter ist vor ein paar Wochen in ein Altenheim gezogen. Auch wir telefonieren regelmäßig. Kürzlich rief sie an und sagte traurig: „Ich wollte wieder mal deine Stimme hören“.

    Wir alle leiden unter diesem Ausnahmezustand, ganz besondere die alten Menschen in unserer Familie, im Bekannten -und Freundeskreis.

    Viele aus dieser Generation tun sich schwer mit der Kommunikation in den sozialen Medien. Mein Vorschlag: mal wieder altmodisch Briefe schreiben. Zeit und Muße haben wir ja dazu.  

    Gez. Hansjörg Rehbein, 22. April 2020

  • DJ Ed Stone grüßt die Welt aus dem Homeoffice

    Auch in Corona-Zeiten lässt sich Edgar Döll nicht unterkriegen. Der ehemalige Geschäftsführer des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben (ZSL) Bad Kreuznach grüßt aus seinem Studio im Homeoffice „die Welt“. Direkten Kontakt haben der Rollstuhlfahrer und seine Frau Elke nur über ihre persönlichen Assistenten, die sie betreuen und versorgen. Edgar alias DJ Ed Stone nutzt die Quarantäne, um sein riesiges Musikarchiv zu ordnen.

    In der Stadt ist Edgar bekannt wie ein „bunter Hund“ und geschätzt für sein unermüdliches Engagement, wenn es um die Rechte von unseren behinderten Mitmenschen geht, oder als Manager der Bundesliga Powerchair-Hockey Spieler der Sportfreunde der Diakonie.

    Für mich ist Edgar als unerschütterlicher Optimist ein Vorbild. Er gehört zu den Menschen, deren positive Botschaft gerade in diese Krisen- Zeiten so wichtig sind.

    Wie sagte schon der legendäre Fußball-Philosoph und Trainer-Legende Dragoslav „Stepi“ Stepanovic:  „Lebbe geht weider“

    Hier der Link zu Edgar Dölls Beiträgen

    https://www.youtube.com/watch?v=UZhZZAOVgc4

    Gez. Hansjörg Rehbein, 21. April 2020

  • Die längste Kuchentheke der Welt
    Heiß begehrte Ware in den Supermärkten und massenhaft in vielen Haushalten "gebunkert"

    Klopapier, Mehl und Hefe gehen in Corona-Zeiten weg wie warme Semmeln. Als stünde der Weltuntergang bevor, kaufen die Leute die Regale leer. Mittlerweile haben die Lebensmittelhändler dem einen Riegel vorgeschoben und ein Kauf-Limit gesetzt.

    Ich habe eine Idee, was man mit den vielen Backzutaten als sinnvolle Gemeinschaftsaufgabe nach Corona machen könnte: Vom Löwensteg bis zum Bocksbrunnen: Wir kommen mit der längsten Kuchentheke der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde. Bei dem Gedanken an Schoko-Torte, Apfelkuchen, Mohnstreusel …. läuft mir schon das Wasser im Munde zusammen.

    Inspiriert hat mich dazu das Märchen der Gebrüder Grimm „der süße Brei“. Aus einem verzauberten Topf, in dem ein armes hungerndes Mädchen Hirsebrei kocht, quillt endlos Brei, der die Häuser flutet und auf die Straßen fließt. Erst als ihr der Zaubersatz  „Töpfchen, steh" wieder einfiel, hörte es auf zu kochen. Wer wieder in die Stadt wollte, der mußte sich durchessen.

    Tja wenn man zaubern könnte, wäre die Bedrohung durch das Corona-Virus längst Geschichte.

    Den Erlös aus dem Verkauf des Kuchens könnte man ja dann für einen guten Zweck spenden, als Zeichen dafür, dass es auch nach Corona mit der Solidarität im Lande weitergeht.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 20. April 2020

  • Corona zwingt zur vorzeitigen Heimkehr

    Als ich mich noch vor einem Monat im Auslandssemester in Wales auf das Wiedersehen mit meiner Heimat Bad Kreuznach freute, war mir noch nicht klar, dass die Heimreise doch schneller kommen sollte als gedacht. Am 11. März erklärt die WHO das Coronavirus zu einer Pandemie, am 12. März schließen in Frankreich und Portugal die Schulen, am 14. März erfahre ich, dass wohl auch an meiner Gasthochschule in Cardiff die Vorlesungen eingestellt werden, am 16. März sitze ich in einem Flugzeug von London Stansted nach Frankfurt am Main.

    Am Abend desselben Tages sehe ich aus dem Fenster des Autos wieder die ersten vertrauten Gebäude: Das Leuchtschild der Michelin über der B 41, den Fernsturm auf dem Schanzenkopf und natürlich die Weinberge. Von außen wirkt es so, als hätte sich Zuhause nichts verändert.

    Doch Veränderung ist Mitte März eher eine Stimmung, als etwas Greifbares.

     Gez. Marius Rehbein, 19. April 2020

  • Digital sei Dank

    Seit Wochen kann ich meine Herzbuben Leo und Romeo nicht mehr an mich drücken, sondern den beiden kleinen Söhnen meiner Kusine Elena nur über Whats App zuwinken. Auch blicke ich auf die Freitagabende wehmütig. Meistens treffen wir uns mit Freunden zu einem gemütlichen Essen in einem Restaurant oder einer Gastwirtschaft. Stattdessen trösten wir uns zu Hause „im digitalen Kreis“ versammelt in der Handykamera-Konferenz und heben unser Glas, gefüllt mit gutem Nahewein, auf wieder bessere Zeiten. Abstand halten ist wichtig und vernünftig, fällt aber so schwer. In diesen Zeiten wird einem so recht bewusst, wie gut es uns vor Corona ging und wir uns an den vielen Freiheiten, den kleinen wie den großen erfreuen können. Ich habe meine Wurzeln im analogen Kommunikations-Zeitalter und bin mittlerweile wegen der Corona bedingten Isolation dem digitalem Medium dankbar, dass ich meine für mich so wichtigen sozialen Kontakte nicht verliere.

    Gez. Hansjörg Rehbein, 17. April 2020

    Über seine persönlichen Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen in Zeiten der Corona-Krise schreibt Hansjörg Rehbein ein Tagebuch im Haus der Stadtgeschichte.