„Werner Fuchs ist ein herausragendes Beispiel für gelebtes bürgerschaftliches Engagement. Ob als Förderer der Kultur, als Ratgeber bei der erfolgreichen Konversion, als Freund der jüdischen Gemeinde oder als wichtiger Unterstützer des Bürgerarchivs im Haus der Stadtgeschichte – Bad Kreuznach profitiert bis heute von seiner Erfahrung und von dem hohen Ansehen, das er weit über die Stadtgrenzen hinaus genießt. Für dieses Wirken ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Mit der Ehrenmedaille würdigt die Stadt Bad Kreuznach dieses außergewöhnliche Engagement und seine Verdienste um das Gemeinwesen“, sagte OB Letz.
Zu Steffen Kaul erklärte der Oberbürgermeister: „Steffen Kaul bewahrt mit außergewöhnlicher Leidenschaft die Geschichte unserer Stadt und macht sie für viele Menschen erlebbar. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für das historische Erbe, für die Freiwillige Feuerwehr und für zahlreiche Projekte des kulturellen Gedächtnisses hat er sich in besonderer Weise um Bad Kreuznach verdient gemacht. Die Ehrenmedaille ist Ausdruck unseres Dankes und unserer Anerkennung für dieses beeindruckende Lebenswerk.“
Der Feierstunde wohnten zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft sowie Wegbegleiter der Ausgezeichneten bei und unterstrichen damit die Bedeutung der Verleihung. Im Verlauf der Veranstaltung trugen sich beide Geehrten in das Gästebuch der Stadt Bad Kreuznach ein.

Werner Fuchs – Herausragendes bürgerschaftliches Engagement
Werner Fuchs, geboren 1941 in Idar-Oberstein, hat sich in vielfältiger Weise um Bad Kreuznach verdient gemacht. Seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und für gemeinsame Ziele zu gewinnen, hob die damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2024 hervor. Bereits 2002 war Werner Fuchs mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden, 2006 mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.
Von 1980 bis 1996 stand Werner Fuchs zunächst der Sparkasse Bad Kreuznach vor, die 1983 mit der Sparkasse des Kreises Mainz-Bingen zur Sparkasse Rhein-Nahe fusionierte. 1996 wechselte er in den Vorstand der Landesbank Mainz.
Als „Kulturmacher“ plante und ermöglichte er von 1975 bis 1996 Ausstellungen zu den unterschiedlichsten Themen, insbesondere zur Geschichte der Stadt Bad Kreuznach. Highlights sind das Maler-Müller Gedächtnisjahr 1975 und die Welt der Anne Frank 1985. Nach Amsterdam, Frankfurt und New York war Bad Kreuznach die vierte Stadt, in der zum Teil noch unveröffentlichte Fotos sowie weitere Dokumente, darunter Originalseiten aus dem Tagebuch Anne Franks, gezeigt wurden.
Darüber hinaus prägte Werner Fuchs eine Vielzahl kultureller Aktivitäten, darunter Liederabende, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, die Sparkassen-Edition, der mit von Fotos vom Rudolf Hornberger über den Alltag im Geschäftsbereich dokumentierten Geschäftsbericht, oder die Prägung des Nikolauspfennigs. Zu den kulturellen Großprojekten, die Werner Fuchs intensiv begleitet hat, zählen zudem die Eule-Orgel in der Pauluskirche, das Glaskunstwerk „Symchat Tora“ in der Bad Kreuznacher Synagoge sowie das Bürgerarchiv im Haus der Stadtgeschichte.
Als Finanz- und Wirtschaftsfachmann war Werner Fuchs zudem Impulsgeber für die Gründung der Regionalinitiative Rhein-Nahe im Jahr 1995. Bis heute unterstützt er als Mitglied des Verwaltungsrates den VfL 1848 Bad Kreuznach. Als Vorsitzender des Beirats der Bad Kreuznacher Entwicklungsgesellschaft (BKEG) begleitete er als Ratgeber die erfolgreiche Konversion, also die Umwandlung ehemaliger militärischer Liegenschaften in neue Quartiere für Wohnen und Gewerbe.
Steffen Kaul – Bewahrer der Stadtgeschichte
Steffen Kaul, Jahrgang 1961, ist seiner Heimatstadt Bad Kreuznach in besonderer Weise verbunden. Sein Haus in der Gerbergasse in der Neustadt ist für ihn seit jeher Lebensmittelpunkt. Schon als Kind setzte er sich intensiv mit seiner Stadt auseinander. Bereits im Alter von neun Jahren begann er damit, Zeitungsartikel mit Fotos historischer Gebäude zu sammeln.
Aus dieser frühen Leidenschaft ist über die Jahrzehnte ein beeindruckendes Archiv entstanden. Mehr als 50.000 Fotografien mit Ansichten aus Bad Kreuznach umfasst seine Sammlung inzwischen; daraus sind zehn Bildbände hervorgegangen. Steffen Kaul gilt als unermüdlicher Bewahrer und Hüter der Bad Kreuznacher Geschichte. Wenn historische Bausubstanz verschwindet, dokumentiert er dies kritisch unter anderem mit einem „Abrisskalender“, den er als Mahnung gegen städtebauliche Fehlentscheidungen versteht.
Auch für den Erhalt von Kunst im öffentlichen Raum hat er sich eingesetzt. So initiierte er eine Spendenaktion, damit die Skulptur „Seehunde“ des Bildhauers Karl Steiner nicht in Vergessenheit gerät. Die restaurierte Arbeit soll künftig im Oranienpark am Teich mit Überdachung einen neuen Platz finden.
Darüber hinaus engagiert sich Steffen Kaul seit 1974 im Brand- und Katastrophenschutz. Er ist Mitglied des Ehrenzugs der Freiwilligen Feuerwehr und war bis 2006 Zugführer des zweiten Löschzugs. Im Rahmen seiner Tätigkeit rettete er vier Menschen das Leben und erhielt für seinen mutigen Einsatz das Feuerwehr-Ehrenkreuz des Landes Rheinland-Pfalz.
Mit dem Aufbau zweier Museen hat er zudem weitere wichtige Beiträge zur Erinnerungskultur in Bad Kreuznach geleistet: das „Eiskeller-Museum“, das als kleinstes Museum Deutschlands gilt, sowie das „Bunkermuseum“. Im Eiskeller-Museum werden seit 2008 Exponate zur Brauereigeschichte der Stadt gezeigt. Das Bunkermuseum erinnert an einen ehemaligen Luftschutzbunker im Kauzenberg, in dem viele Menschen während des Zweiten Weltkriegs Schutz vor Bombenangriffen suchten.
Auch seine Stadtführungen, die er mit zahlreichen Anekdoten bereichert, sind bei Einheimischen wie bei Gästen sehr beliebt. Für sein Wirken wurde Steffen Kaul bereits 2020 mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Zur Ehrenmedaille der Stadt Bad Kreuznach
Die Ehrenmedaille ist neben dem Ehrenbürgerrecht eine weitere hohe Auszeichnung der Stadt Bad Kreuznach. Sie wurde bisher an weitere fünf Männer und zwei Frauen verliehen: Clemens Schneider und Richard Walter (2002), Inge Rossbach und Hans Peters (2003), Rosi Schittek und Hans Jöckel (2010), Nikolaus Blättermann (2013).
Foto ganz oben: OB Emanuel Letz zeichnete Werner Fuchs (links) und Steffen Kaul (rechts) mit der Ehrenmedaille der Stadt aus. Fotos: Isabel Gemperlein
