Die Geschichte Bad Kreuznachs ist eng mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden. Die Erfahrungen der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg und die tiefen Einschnitte des Zweiten Weltkriegs haben auch die Stadt geprägt. Umso bedeutender ist die Entwicklung, die Europa seitdem genommen hat. Insbesondere die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich steht beispielhaft für die Kraft des Dialogs und die Bereitschaft, aus einer belasteten Vergangenheit eine friedliche gemeinsame Zukunft zu gestalten.
Mit der historischen Verständigung zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle wurde hierfür ein entscheidender Grundstein gelegt. Der Élysée-Vertrag von 1963 markiert bis heute einen Meilenstein der deutsch-französischen Freundschaft und der europäischen Einigung. Diese politische Verständigung wirkt bis in unsere Stadt hinein und wird dort im unmittelbaren Miteinander konkret erfahrbar.
Bad Kreuznach pflegt mit Bourg-en-Bresse in Frankreich und Neuruppin in Brandenburg lebendige Städtepartnerschaften, die von gegenseitigem Respekt, Offenheit und Begegnung auf Augenhöhe getragen werden. Diese Partnerschaften sind Ausdruck eines Europas, das nicht nur auf politischen Verträgen beruht, sondern vor allem auf persönlichen Beziehungen zwischen den Menschen.
Oberbürgermeister Emanuel Letz betont hierzu: „Der Europatag erinnert uns daran, dass Frieden, Freiheit und Verständigung in Europa immer wieder neu gestärkt werden müssen. Gerade für Bad Kreuznach ist dies von besonderer Bedeutung, weil unsere Stadt weiß, was Krieg, Besatzung und politische Umbrüche für Menschen und Gesellschaft bedeuten. Umso wertvoller sind heute unsere freundschaftlichen und intensiven Beziehungen zu unseren Partnerstädten. Sie machen deutlich, dass aus der Geschichte Verantwortung für die Zukunft erwächst.“
Nathalie Herberger, Verantwortliche für die Städtepartnerschaften und Internationale Beziehungen, ergänzt: „Unsere Partnerschaften mit Bourg-en-Bresse und Neuruppin sind lebendig und von einem vertrauensvollen Austausch geprägt. Besonders wertvoll ist dabei die Zusammenarbeit auf Arbeitsebene: Trotz unterschiedlicher Strukturen, Rahmenbedingungen und Herausforderungen können wir voneinander lernen, neue Impulse gewinnen und uns gemeinsam weiterentwickeln. Das gilt gleichermaßen für den kulturellen Austausch wie für Themen der Stadtplanung, Nachhaltigkeit und Verwaltungsarbeit.“
Der Europatag ist daher nicht nur Anlass zur Erinnerung an die historischen Leistungen der europäischen Einigung, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart. Die Stadt Bad Kreuznach versteht ihre Städtepartnerschaften als wichtigen Beitrag zu einem offenen und solidarischen Europa. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Verständigung dort beginnt, wo Menschen einander begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und partnerschaftlich verbunden bleiben.
Weitere Stimmen zum Europatag aus Bad Kreuznach und den Partnerstädten:
Jean-François Debat, Bürgermeister von Bourg-en-Bresse: „Anlässlich des Europatages möchte ich die unerschütterliche Freundschaft begrüßen, die unsere beiden Städte seit über 60 Jahren verbindet. Getragen von starken historischen, kulturellen und menschlichen Bindungen, wächst die Beziehung zwischen Bad Kreuznach und Bourg-en-Bresse ständig weiter. Unsere Städtepartnerschaft, die am 29. Juni 1963 unterzeichnet wurde, ist eine der ältesten in Frankreich. Entstanden aus dem Wunsch nach Versöhnung nach dem Krieg, ist sie zu einem Vorbild für bürgerschaftliche Zusammenarbeit geworden. Diese historische Verbindung lebt vom Austausch zwischen unseren Vereinen, Schulen, Unternehmen und Stadträten und erneuert sich durch aktuelle Projekte, wie etwa die kulturelle Zusammenarbeit im Bereich des Puppentheaters. Unsere freundschaftliche Beziehung trägt die europäischen Werte des Teilens und der Zusammenarbeit in besonderer Weise weiter.“
Nico Ruhle, Bürgermeister der Stadt Neuruppin: „Europa ist dort am stärksten, wo Menschen sich begegnen. Unsere Partnerschaften mit Städten in Polen, Tschechien, Italien und Deutschland sind das beste Beispiel dafür. Wir führen nicht nur Verwaltungen zusammen, sondern bringen Menschen direkt miteinander in Kontakt. Ob durch unsere Schulen, in kulturellen Bereichen der Musik und Literatur, durch den Austausch unserer Sportvereine, Landfrauen und Seniorengruppen oder die Vernetzung von Wirtschaft und Fachkräften. In jedem Bereich blicken wir über den Tellerrand hinaus. Mein Fazit zum Europatag: Diese Vielfalt ist unsere Stärke. Wir können in fast jedem Lebensbereich viel voneinander und übereinander lernen. Auf diesem Miteinander der Partnerstädte werden wir weiter aufbauen und damit im Kleinen den europäischen Gedanken der Völkerverständigung weiter vorantreiben.“
Auch die Bad Kreuznacher Gymnasien engagieren sich stark für den europäischen Austausch.
Dazu Ludger Föhrenbacher, Leiter des Gymnasiums am Römerkastell: „Europa ist zentraler Bestandteil unseres Schullebens. Das Röka ist seit 2017 zertifizierte Europaschule des Landes Rheinland-Pfalz. In den Fächern Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde werden grundlegende Kenntnisse zu Europa vermittelt. Das Röka hat ein ausgefeiltes Fahrtenprogramm mit Europa-Schwerpunkt: An erster Stelle natürlich Bourg-en-Bresse, dann aber auch die Fahrt zu unserer englischsprachigen Partnerschule in Rotterdam, Fahrten nach England und nach Spanien. Seit einigen Jahren fährt die Schule wieder regelmäßig nach Verdun und anschließend nach Metz. Ein zweites wichtiges Standbein für unsere Europaaktivitäten ist unsere Mitgliedschaft bei Erasmus+, mit der wir am EU-Programm zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit teilnehmen.“
Stefan Hammer, Leiter des Lina-Hilger-Gymnasiums: „Europa zeigt mir hoffnungsvoll, wie wir zusammenleben können: vielfältig UND geeint. Wir sollten zukünftig unseren Erfolg stärker feiern und unsere gemeinsame Leistung nicht zu bescheiden sehen.“
Der Förderverein für Städtepartnerschaften unterstützt Projekte, die den Städtepartnerschaften dienen und den interkulturellen Dialog fördern.
Achim Kliebsch, Vorsitzender Förderverein für Städtepartnerschaften: „Am Europatag erinnern wir daran, dass Europa vor allem durch Begegnungen lebt – durch Menschen, die einander zuhören, voneinander lernen und Freundschaften über Grenzen hinweg pflegen. Der Förderverein hat genau dies im Fokus. Wir unterstützen mit Freude den Austausch mit unserer französischen Partnerstadt Bourg-en-Bresse, denn er ist ein gelebtes Stück unserer Verbundenheit. Ebenso wichtig ist uns der Kontakt zur Fontanestadt Neuruppin. Sie steht exemplarisch für die reiche literarische Tradition Deutschlands. Europa erschöpft sich nicht in Institutionen – es wächst dort, wo seine Kulturen, Sprachen und Menschen im Alltag zusammenfinden.“
Symbolfoto: Europaflagge, Pixabay.com

