Für Bad Kreuznach standen dabei insbesondere die Erfahrungen und Ansätze der Partnerstadt im Mittelpunkt, die Impulse für die eigene weitere Entwicklung geben können. Gleichzeitig bot das Treffen Raum, gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren und voneinander zu lernen.
Ein besonderer Schwerpunkt des Programms war der Besuch bei den Stadtwerken Neuruppin. Im Gespräch mit dem kaufmännischen und technischen Leiter erhielten die Gäste aus Bad Kreuznach Einblicke in die aktuellen Überlegungen und Entwicklungen rund um die Geothermie und alternative Formen der Energiegewinnung.
Angesichts schwankender Energiepreise, anspruchsvoller Rahmenbedingungen auf den Energiemärkten und der Notwendigkeit, die kommunale Energieversorgung langfristig klimafreundlich und wirtschaftlich tragfähig aufzustellen, gewinnt die Erschließung erneuerbarer Energiequellen zunehmend an Bedeutung. Der Austausch zeigte, wie wichtig es ist, innovative Technologien zu prüfen, regionale Potenziale zu nutzen und die kommunale Energieversorgung strategisch weiterzuentwickeln.
Für Bad Kreuznach waren die Einblicke aus Neuruppin besonders interessant, da sich die Stadt selbst mit innovativen Ansätzen für eine nachhaltige Wärmeversorgung beschäftigt. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die Überlegung, Flusswasser als natürliche Wärmequelle zu nutzen. Die Erfahrungen aus Neuruppin im Bereich der Geothermie bieten hierfür einen interessanten Anknüpfungspunkt und eröffnen neue Perspektiven für den weiteren Austausch über alternative Formen der Energiegewinnung.
Auch das Thema Modulbau wurde im Rahmen des Arbeitstreffens aufgegriffen. Die Möglichkeiten modularer Bauweisen bieten interessante Ansätze, um auf den Bedarf an zeitgemäßer Infrastruktur flexibel und effizient zu reagieren.
Oberbürgermeister Emanuel Letz unterstrich die Bedeutung des Austauschs für die kommunale Arbeit:
„Städtepartnerschaften leben davon, dass wir nicht nur freundschaftliche Beziehungen pflegen, sondern auch voneinander lernen. Das Arbeitstreffen in Neuruppin zeigt, wie wertvoll es ist, kommunale Zukunftsfragen gemeinsam zu betrachten und Erfahrungen auszutauschen. Gerade bei Themen wie Energieversorgung, Klimaanpassung und Stadtentwicklung stehen unsere Städte vor vergleichbaren Aufgaben. Der Blick über die eigene Stadtgrenze hinaus eröffnet neue Perspektiven und stärkt unsere Fähigkeit, tragfähige Lösungen für die Menschen vor Ort zu entwickeln.“
Bürgermeister Thomas Blechschmidt hob insbesondere die Bedeutung einer verlässlichen und zukunftsorientierten Energieversorgung sowie die kommunalen Handlungsmöglichkeiten hervor:
„Die aktuellen Entwicklungen auf den Energiemärkten zeigen, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit alternativen Formen der Energiegewinnung auseinanderzusetzen. Für uns als Stadt ist es dabei entscheidend, innovative Ansätze nicht nur technisch und wirtschaftlich zu betrachten, sondern auch die entsprechenden Fördermöglichkeiten zu prüfen und konsequent zu nutzen. Gerade bei zukunftsweisenden Projekten der kommunalen Wärmeversorgung müssen wir alle verfügbaren Optionen ausloten, um eine nachhaltige und zugleich finanzierbare Umsetzung zu ermöglichen. Der Austausch mit Neuruppin liefert uns hierfür wertvolle Impulse.“
Auch Jörg Fritz, Geschäftsführer der Stadtwerke Neuruppin, unterstrich die Chancen des fachlichen Austauschs und die Bedeutung innovativer Wärmekonzepte:
„Die Energiebranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Preisentwicklungen, veränderte Marktbedingungen und die Anforderungen an eine klimafreundliche Versorgung stellen Stadtwerke vor große Aufgaben. Umso wichtiger ist es, technologische Alternativen wie die Geothermie konsequent zu prüfen und dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen, weiterzuentwickeln. Das Nahwärmekonzept in Bad Kreuznach mit der geplanten Nutzung von Flusswasserwärme zeigt, dass auch andere natürliche Wärmequellen interessante Möglichkeiten für eine nachhaltige Wärmeversorgung bieten. Entscheidend ist, die jeweiligen regionalen Potenziale zu erkennen und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Der interkommunale Austausch ist dafür eine wertvolle Grundlage.“
Neben den fachlichen Gesprächen zur kommunalen Entwicklung nahm auch der kulturelle Austausch einen wichtigen Platz im Besuchsprogramm ein. Einblicke in das Kunstprojekt „Zwischenorte“ verdeutlichten, wie Kunst und Kultur öffentliche Räume neu erschließen, Begegnungen ermöglichen und Impulse für die Stadtentwicklung setzen können.
Ein weiterer Höhepunkt des Aufenthalts war die Teilnahme am 13. Europäischen Literaturfest Brandenburg „Neben der Spur“. Im Rahmen des Literaturfestes stand eine Lesung mit der Autorin Peggy Mädler und ihrem Roman „Selbstregulierung des Herzens“ auf dem Programm.
In den Gesprächen mit Bürgermeister Nico Ruhle, dem Baudezernenten und dem Kulturamtsleiter wurden darüber hinaus weitere Themen angesprochen. Dazu gehörten der Verwaltungsaustausch, die Fachkräftesicherung, die Digitalisierung kommunaler Dienstleistungen, die Wirtschaftsförderung sowie Maßnahmen zur Klimaanpassung. Auch die Bedeutung öffentlicher Veranstaltungen und gemeinschaftsstiftender Aktivitäten wie des Hubertuslaufs sowie die Gestaltung und Förderung von Kunst im öffentlichen Raum waren Gegenstand des Austauschs.
Der Besuch zeigte, dass die Städte vor vielen vergleichbaren Herausforderungen stehen. Für Bad Kreuznach sind die Erfahrungen aus Neuruppin dabei insbesondere dort wertvoll, wo neue Lösungsansätze für die eigene kommunale Entwicklung gesucht werden. Der persönliche Austausch ermöglicht es, Erfahrungen unmittelbar miteinander zu teilen und neue Ansätze kennenzulernen.
Dass das Arbeitstreffen im zeitlichen Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 3. Oktober stattfand, verlieh dem Besuch eine besondere Bedeutung. Der Tag der Deutschen Einheit erinnert nicht nur an die historische Überwindung der deutschen Teilung, sondern auch an die Bedeutung von Zusammenhalt, Verständigung und gemeinsamen Perspektiven. Die Städtepartnerschaft zwischen Bad Kreuznach und Neuruppin steht beispielhaft für diese Werte. Sie verbindet Menschen, Institutionen und kommunale Verantwortungsträger über Ländergrenzen hinweg und zeigt, wie aus historischer Verbundenheit eine aktive Zusammenarbeit für die Zukunft entstehen kann.
Der Besuch in Neuruppin hat damit einmal mehr gezeigt, dass gelebte Städtepartnerschaft weit über gegenseitige Besuche hinausgeht: Sie schafft Raum für fachlichen Austausch, neue Ideen und gemeinsame Perspektiven – und stärkt die Verbindung zwischen Bad Kreuznach und Neuruppin.
Foto (v.l.n.r.): Bürgermeister Nico Ruhle, Kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Guido Gerlach, Bürgermeister Thomas Blechschmidt, Stadtwerke Geschäftsführer Jörg Fritz, Technischer Leiter der Stadtwerke Artur Dzasokhov, Oberbürgermeister Emanuel Letz
Foto: Stadt Neuruppin
