Hamburger, Karl Theodor Willibald
Nachname:
Hamburger
Bild: Karl Theodor Willibald Hamburger
Vorname:Karl Theodor Willibald (Rufname)
Religion:
ev.
geboren:Gronau (Kreis Hanau/Hessen) 6.1.1884
gestorben:Bad Kreuznach
21.8.1965
Vater:

Hamburger Johann Karl Bernhard, *1842 † 1906; Volksschullehrer

Mutter:Sauer Elisabeth(e) Engeline *1858 †1931
curriculum vitae:

1904 Abitur am „Neuen Gymnasium“ in Darmstadt, danach Studium der Architektur an der TH Darmstadt; 1909 Dipl.-Ing.; 1909/1910 erste Tätigkeit als Architekt im damals österreichisch-ungarischen Bosnien; 1912-1954 Leiter des Bauamts der Bad Kreuznacher Diakonie-Anstalten; nach 1945 intensives und breit gefächertes kommunalpolitisches Engagement: 1945 im Bürgerrat (Vorläufergremium des 1946 gewählten Stadtrats), 1946 im Vier-Männer-Rat (zuständig für die Kontrolle der Bauvorhaben und der Verteilung von Baumaterialien im Rahmen des beginnenden Wiederaufbaus), 1946 Stadtverordneter bzw. Stadtrat; 22.9.1946 bis 7.3.1949 bisher einziger ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Bad Kreuznach (gute Zusammenarbeit mit den französischen Besatzungsbehörden, Förderung des Wiederaufbaus, Umsetzung der Währungsreform in Bad Kreuznach), danach Beibehaltung des Stadtratsmandats; 1947 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung für Rheinland-Pfalz; 1948 Kreistags- und Kreisausschussmitglied; 1956 Kreisdeputierter (Stellvertreter des Landrats); zahlreiche Ehrenämter in Wirtschaft und Kultur (z.B. Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz)

Heirat:
Schweisgut Friederike
(Schweisgut Karl, Elise; (verh. Darmstadt 26.4.1913)
Kinder:

Karl Bernhard Edwin *Kreuznach 13.2.1914 †Kreuznach 19.2.1914,
Ernst Ludwig Karl Edwin („Lutz“) *Kreuznach 4.3.1916 †18.7.1941 (gef.),
Hans Dietrich Otto Theodor („Hans-Dieter“) *Kreuznach 20.5.1921 †Bad Kreuznach 27.8.2004

Parteimitgliedschaften/ Vereinsmitgliedschaften:

1904 Darmstädter Wingolf  (überkonfessionelle Studentenverbindung); 1917 Freimaurer in der Johannisloge „Die vereinigten Freunde an der Nahe“ im Bund der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“; um 1920 Wissenschaftlicher Verein Kreuznach; 1946 Mitbegründer und Mitglied der CDP (seit 1947: CDU) in Bad Kreuznach; 1961 Gründungsmitglied der „Künstlergruppe Nahe“

Auszeichnungen/ Orden:1910 Ehrenbürger der deutschen Ortsgemeinde Schutzberg in Bosnien; 1952 Wichern-Plakette; 1962 Freiherr vom Stein-Plakette
Veröffentlichungen der Person:

1939 Aufsatz „Über Anstaltsbaukunst“; Fruchtbare Tätigkeit als Architekt: 1909/10 frühe Arbeiten im österreichisch-ungarischen Bosnien (z.B. evangelische Kirche in Schutzberg), 1912–1954 Bau und später Wiederaufbau zahlreicher Gebäude auf dem Gelände der Bad Kreuznacher Diakonie-Anstalten (u.a. Haus „Pella“, Paulinum, Lehrlingsheim, Feierabendhaus, Emma-Reich-Halle) sowie für deren Außenstellen in Fischbach-Weierbach und auf dem Niederreidenbacher Hof; daneben wichtige Bauten im öffentlichen Raum und für private Auftraggeber (z.B. Kreuznacher Loge 1925f., Ringschule 1926ff., Rheumaklinik [heutiges Hotel Fürstenhof], 1956f., Eingangshäuschen zum Bad Kreuznacher Kurpark, Villen der Familien Marum und Melsbach in Bad Sobernheim). In Hamburgers Arbeiten als Architekt verbinden sich Funktionalität und Formgebung zu jeweils eigenen bauästhetischen Gebilden, wobei immer wieder das sogenannte „Glockendach“ als für ihn typisches Gestaltungsmerkmal Anwendung findet. Auch als Maler (Landschaftsmalerei, Städtebilder, Stilleben, Porträts) und Designer (z.B. frühere Glasfenster der Bad Kreuznacher Diakonie-Kirche) trat er hervor und galt schon um 1930 als beachtenswerter Vertreter der dem Bauhhaus nahestehenden „Neuen Werkkunst“.

Veröffentlichungen zur Person/ Werkverzeichnis:

Hans-Dieter Hamburger, Willibald Hamburger – Ein Lebensbild. Maschinenschriftliches Manuskript. Bad Kreuznach 2000 (Familienarchiv Hamburger);
Gerd Michael Kneib, 1945 – und wie es weiterging. Ein Beitrag zur Geschichte unserer Stadt in: Bad Kreuznach von der Stadterhebung bis zur Gegenwart. Herausgegeben von der Stadtverwaltung Bad Kreuznach aus Anlass der 700-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte (=Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Kreuznach, Bd. 1). Bad Kreuznach 1990, S. 262, 268, 270, 274, 276, 278, 319;
Walter Krumm, Mit neuer Zuversicht in Wirtschaft und Politik. Vor vierzig Jahren Währungsreform und Kommunalwahlen nach deutschem Recht in: Bad Kreuznacher Heimatblätter 1988, Hefte 11 und 12;
Richard Walter, Erste freie Wahl vor sechzig Jahren. Der Darmstädter Hamburger wird Kreuznachs einziger ehrenamtlicher Bürgermeister in: Bad Kreuznacher Heimatblätter 2006, Heft 12;
Horst Silbermann, „Keine goldenen Zeiten“. Dokumente zur Nachkriegszeit aus dem Familienarchiv Hamburger in: Bad Kreuznacher Heimatblätter 2009, Heft 1;
Edith Ruser und Herbert Dellwing, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Stadt Bad Kreuznach (=Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 5.1). Düsseldorf 1987, S. 76, 170, 190, 198-200;
Neue Werkunst. Willibald Hamburger. Mit einer Einleitung von Alfons Schmittgen. Berlin/Leipzig/Wien 1930;
25 Jahre Künstlergruppe Nahe. Bad Kreuznach 1986 (enthält eine dreiseitige Würdigung des Malers Willibald Hamburger)

Abbildungen:

Familienarchiv Hamburger (dort weitere Fotos)

Zusammenfassende Würdigung:

Die Bedeutung von Willibald Hamburger für Bad Kreuznach liegt auf zwei Ebenen: Zum Einen hat er als Architekt durch die von ihm entworfenen Bauten das Gesicht der Nahe-Stadt mitgeprägt und zum Anderen hat er sich als einer der tatkräftigsten „Männer der ersten Stunde“ nach dem Zweiten Weltkrieg im Bereich der Kommunalpolitik nachhaltige Verdienste um Stadt und Kreis Bad Kreuznach erworben, als es darum ging, das politische, administrative, wirtschaftliche und kulturelle Leben wieder in Gang zu bringen und den Wiederaufbau zu organisieren.

Dr. Horst Silbermann
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