Kaffee-, Wirts- und Schaubuden: So sah der Jahrmarkt vor 170 Jahren aus

Bevor das Stadtarchiv ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir wöchentlich unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im 26. Teil: Wie der Kreuznacher Jahrmarkt vor knapp 170 Jahren aussah, verrät eine Planskizze von 1851.

Seit 1810 findet auf der Pfingstwiese an drei Tagen der „moderne Jahrmarkt“ statt, der von dem Kreuznacher Maire Carl Joseph Burret (1761-1828) aus vornehmlich wirtschaftlichem Interesse ins Leben gerufen wurde. Der Aufbau auf der Pfingstwiese orientierte sich zunächst an der Kreuzform, die als Grundriss für die Anordnung der Buden diente. Indem sich zwei Straßen kreuzten, entstanden eine Hauptstraße und zwei Nebenstraßen. Begrenzt wurde der Markt- und Messeplatz zur Nahe hin durch den Wiesenweg. Der Viehmarkt wurde hinter dem Wiesenweg Richtung Nahe abgehalten. 1851 ist diese Struktur auf dem mit Tusche gezeichneten Jahrmarktsplan noch gut erkennbar.

Die erste überlieferte Skizze eines Jahrmarktplans stammt aus dem Jahr 1834. Er benennt die Breite der Haupt- und Nebenstraßen. Auf den Plänen der darauffolgenden Jahre sind Hinweise auf den Standort von Kaufbuden, Zelten oder Schaubuden angedeutet. Ab Ende der 1840er-Jahre werden die Pläne genauer sowie detail- und informationsreicher; ab den 1850er-Jahren sind markante Merkmale aus dem Umfeld der Pfingstwiese eingezeichnet, wie das Wiesenzelt, die Wiesenstraße oder das Wachtlokal. Letzteres ist dann über Jahre hinweg an der gleichen Stelle zu finden.

Der Plan ist ein bedeutendes Zeugnis des frühen Jahrmarkts

1851 stand am oberen Ende des Kreuzes das Bioplastische Theater von Johannowitsch. Am rechten Arm des Kreuzes gastierten die akrobatischen Künstler von Rudolph Knie und am linken Arm des Kreuzes stand das Wiesenzelt, in dessen Nähe die Kunstreiter von Blumenfeld anzutreffen sind. Gegenüber von Johannowitsch, etwa auf der Höhe von Brenners Mühle, waren linker Hand die „Pirmasenser“ anzutreffen, die dort, noch ohne Buden, ihre Schuhe verkauften. Dieser Bereich diente als Ein- und Ausgang der Budenstadt. 1851 setzte sich der Markt aus „Tanzbuden“ (etwa Lambert, Tesch), „Wirtsbuden“ (zum Beispiel Wallauer, Golling, Eckenroth), „Kaffeebuden“ (etwa Steinbrecher, Schmidt), „Krämerbuden“ (zum Beispiel Partenheimer, Trierweiler), „Schaubuden“ und „Kegelbahnen“ (zum Beispiel Engelsmann, Rösner), sowie „Karussells“ und dem „Viehmarkt“ zusammen. Entlang der inneren Kreuzform sind die Stellplätze der Buden eingezeichnet und nummeriert. Hinter jeder Zahl steht der Name des Betreibers. Alle größeren Vergnügungsgeschäfte wie Zirkusse, Karussells, Kegelbahnen und Tanzbuden sind auf dem Plan optisch hervorgehoben. Auch dort sind, mit Ausnahme eines Karussells, die Namen der Betreiber vermerkt.

Der Plan von 1851 ist insofern interessant, als sich nach den am Eingang postierten Pirmasenser auf der linken Seite bis zur Querstraße Richtung Johannowitsch die Tanz-, Wirts- und Kaffeebuden befinden, die geradewegs zum Wiesenzelt führen. Die Krämerbuden belegen im Wesentlichen den Rest des Marktes. Der Jahrmarktsplan von 1851 stellt zusammen mit der Teilnehmerliste ein bedeutendes Zeugnis des frühen Kreuznacher Jahrmarkts dar.

Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 1837

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