Foto zeugt von den Werbestrategien einer Kreuznacher Weinkellerei vor rund 90 Jahren

Bevor das Stadtarchiv ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir wöchentlich unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im 32. Teil: Das Foto eines Ausstellungsstands der Kreuznacher Kloster-Kellerei C.F. Eccardt zeugt von den Werbestrategien im Weingewerbe im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt den Informationsstand der um 1890 gegründeten Bad Kreuznacher Kloster-Kellerei C.F. Eccardt auf einer Ausstellung. Aufgenommen wurde das Foto von „Photo Kronenberg“ in Düsseldorf, Hofgartenstraße 8. Die handschriftlich ergänzte Information „Düsseldorf Gastwirte Ausstellung 1933“ konnte nicht bestätigt werden. Der Weingroßhändler Carl Ferdinand Eccardt (1848-1922) wirbt mit seinem Stand 107 für den deutschen Wein (Rhein, Mosel, Nahe, Pfalz), der Präsentationsschwerpunkt liegt jedoch auf dem Nahewein, seinem Wein aus Bad Kreuznach.

Wie zufällig lenkt der Aufbau des Standes den Blick in eine Ecke, in der sich die Stadt des Naheweins auch als Kurstadt und Heilbad werbewirksam darstellt − mit modernem Auftritt über einprägsame, grafisch zeitgemäße Poster und Flyer, die um 1927 gestaltet wurden. Über das Produkt Wein verbindet Eccardt Internationales, Nationales, Regionales und Lokales miteinander. Der Stand wirkt wie die Inszenierung eines bürgerlichen Weinlokals vor 1914.

Goldene Medaillen sollen Qualität der Naheweine bezeugen

C.F. Eccardt präsentiert in einem eigens zu Schauzwecken angefertigten, transportablen und aufwendig ausgearbeiteten hölzernen „Vitrinenaufsatz“, der an ein Element einer Schankraumausstattung erinnert, eine Auswahl eigener Weine und Schaumweine. Mit den an der Wand drapierten Medaillen belegt er deren Qualität und unterstreicht dies unter anderem mit dem Hinweis auf die auf der Weltausstellung in Paris 1903 verliehene goldene Medaille.

Besondere Beachtung kommen der Magnumflasche „Blume der Nahe“ zu sowie einer etwas kleineren, von Künstlerhand bemalten Weinflasche in der Mitte des oberen Regalbodens. In der Mitte des unteren Regalbodens prangt der Begriff „Hoflieferant“, was zumindest 1906 für den König von Rumänien und 1907 für den Großfürsten Alexis Alexandrowitsch zutreffend war. Gleichzeitig belegt der Schriftzug „St. Petersburg“, dass der Schrank vor 1914 gefertigt wurde. Ein Tisch mit Gläsern vor gekühltem Wein, davor Stühle, die zum Niederlassen und Probieren einladen, ergänzen das bewusst gestaltete Ambiente.

Stand weckt Assoziationen von Weinseligkeit und Winzeridylle

Rechts und links des Schrankes fallen zwei vergrößerte Postkartenmotive auf, die vertiefend eher lokale Aspekte zum Thema Wein aufgreifen. Während die rechte die „Drei Wein-Generationen“ der C.F. Eccardt´schen Kellerei und damit das Geschäft thematisiert, Tradition, Seriosität und Kompetenz, vermittelt die linke auf volkstümlich anmutende Weise den eher emotionalen und sinnlichen Aspekt. Die Darstellung lässt Assoziationen zu Weinseligkeit, Winzeridylle und Heimatverbundenheit zu.

Das Foto ist ein Zeugnis für das Nebeneinander verschiedener Werbestrategien und deren zeitgenössischen Ausdrucksformen am Beispiel der Klosterkellerei C.F. Eccardt im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH Fotoarchiv 8.70/162-16.

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