Wertschätzung eines Handwerks: Die Ehrenuhrkunde zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum von Friseurmeister Wilhelm Müller von 1944

Bevor das Stadtarchiv ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir wöchentlich unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im 29. Teil: Eine Ehrenuhrkunde zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum von Friseurmeister Wilhelm Jacob Müller.

Im Namen der Friseurinnung des Kreises Kreuznach verlieh der Obermeister der Innung, Philipp Leonhard, dem Friseurmeister Wilhelm Jacob Müller (1892-1961) am 6. September 1944 eine Ehrenurkunde zu dessen 25-jährigem Geschäftsjubiläum.

Ein knappes Jahr nachdem er im August 1919 die Friseurin Magdalene Catharina Auguste Stock (1894-1968) geheiratet hatte, legte Müller am 31. Mai 1920 in Koblenz seine Meisterprüfung ab, die er laut den Aufzeichnungen der Handwerkskammer in Koblenz mit „gut“ bestand. Müller ging an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt seiner Tätigkeit als Friseur nach: in der Mannheimer Straße 58 und 24 sowie in der Roßstraße 7. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er eingezogen. 1943 führte seine Frau das Geschäft ihres Mannes, der mittlerweile als vermisst galt, unter der Bezeichnung „Müller-Stock, Wilhelm Friseurgeschäft“, Kornmarkt 4, weiter. Ermöglicht wurde dies durch das „Witwenprivileg“. Es erlaubte Witwen, das Geschäft ihres Mannes, weiterzuführen ohne selbst den Nachweis einer Meisterprüfung erbracht zu haben.

Malermeister Rudolf Heil gestaltete die Urkunde

Die eigens zum Jubiläum des Friseurmeisters gestaltete Ehrenurkunde ist mit einem Zitat aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ überschrieben: „Ehret Eure deutschen Meister“. Die künstlerische Ge- und Ausgestaltung der Urkunde  hatte der 1882 in Kreuznach geborene Malermeister Rudolf Heil übernommen, dessen Signatur in der linken Ecke des Bildes als R. Heil 44 erkennbar ist. Nach seiner Ausbildung als Anstreicher bei dem Kreuznacher Maler, Anstreicher und Stuckateur Andreas Kuhnen und dem Militärdienst in Koblenz verließ er die Stadt und zog zu Frau und Sohn nach Roxheim. Dort baute er sich ein Geschäft auf.

Heil hat auf das 0,42 Meter x 0,57 Meter große eierschalenfarbene Blatt, das mit der Zeit stark nachgedunkelt hat, Bild und Schrift mit Bleistift vorgezeichnet und anschließend mit Aquarellfarben koloriert. Als Bildmotiv hat er eine klassische Postkartenansicht Kreuznachs ausgewählt: die alte Nahebrücke mit Blick auf Pauluskirche, Pfeffermühle und Kauzenburg. Entgegen vieler anderer Ehrenzeugnisse, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen, sind hier keinerlei NS-Zeichen zur Anwendung gekommen.

Die Urkunde ist, insbesondere durch die handwerkliche Ausführung des Handwerkskollegen Heil, ein schönes Beispiel der berufsständigen Wertschätzung.

Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Meisterbriefe/Handwerker-Ehrenurkunden.


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