Eine 16-Jährige schildert in ihrem Tagebuch Silvester und Neujahr 1910/1911

Bevor das Stadtarchiv ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir wöchentlich unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im 38. Teil: Eine 16-Jährige schildert in ihrem Tagebuch Silvester und Neujahr 1910/1911


Kreuznach, den „31. Dez. Habe Neujahrskarte von Fritz Metzger + Käthe Metzger erhalten. Natürlich erwidert. Phillip war heute Abend da. Ich habe Blei gegossen + Papa. Jeder hatte einen Wagen Papa sogar eine Siegestrophäe. Haben Rumpunsch getrunken + Glühwein war sehr fein. Ging erst um dreiviertel 1 Uhr ins Bett. - Das Jahr 1911-  Jetzt ist schon ein ganzes Jahr vorbei, in dem ich alles was ich erlebte hier niederschrieb. Wieviel Trauriges + Fröhliches hat mir dies Jahr gebracht. Und Gott müssen wir für Gutes + Böses dankbar sein, denn er weiß alles am besten zu lenken und zu leid[!]en darum lieber Gott stelle ich Dir auch für das kommende Jahr alles anheim. Du weißt wohl was am besten ist. Doch ein große Bitte hätte ich an Dich: Lass uns alle, alle so gesund wie wir heute sind, das nächste Jahr erleben. Und schenke Du unserer ganzen Familie zu allem was sie tun Deinen Segen, so wird sich alles zum Besten kehren. - Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen - 1. Jan. 1911- War heute Mittag bei Wiedenstritts. Kathie + ich gingen noch zu Hoffs das neue Jahr anwünschen. Habe noch tüchtig Klavier gespielt. Pitthans wollten mich mit in den Liederkranz nehmen. Wollte aber nicht, sonst hätte es am Ende wirklich geheißen ich wollte mit Karl etwas. Dazu habe ich doch viel zu viel Ehrgefühl. Von Schloss + Dietrich kamen heute noch Neujahrskarten an.“ Der Eintrag stammt aus dem Tagebuch einer Jugendlichen. Sie war 16 Jahre alt, als sie mit den Eintragungen begann, die von Januar 1910 bis April 1915 in unregelmäßigen Abständen erfolgten. In dem Buch schildert sie u.a. familiäre und gesellschaftliche Ereignisse in Kreuznach und ihre Zeit in einem Kasseler Pensionat. Die letzten Seiten wurden mit einer Schere herausgetrennt. Das abschließbare Tagebuch, geheftet, mit Goldschnitt und einem bordeauxroten Umschlag  versehen, der Ornamente des Jugendstils trägt, ist Bestandteil eines noch unerschlossenen Konvolutes, das dem Archiv 2014 geschenkt wurde. Tagebücher sind autobiographische, schriftliche Zeugnisse, die für die Erforschung der Alltags- und Mentalitätsgeschichte eine wichtige Quelle darstellen.

Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH  N.N.

Das Tagebuch der sechzehnjährigen


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