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E wie Eichenauer

7 Entwürfe zur Kunst am Bau

2013 überführte das Stadtarchiv nach der Besichtigung eines Archivaußenlagers 7 Entwürfe der Kunstmaler Franz Albrecht Eichenauer (1926-1995) und Ute Brigitte Pauline Eichenauer-Best geb. Best (1926-2008) in seinen Bestand.

Zunächst konnten die undatierten, farbigen Ausführungen keinem realisierten Projekt der Stadtverwaltung oder einem städtischen Gebäude zugeordnet werden; eine Anfrage im Archiv der Bauverwaltung und Bauaufsicht ergab keinen Treffer. Die Vermutung lag nahe, dass die Entwürfe, 6 Gouachen und 1 mit Wasserfarben ausgeführtes Blatt, im Rahmen eines Wettbewerbs zu „Kunst am Bau“ bei der Stadt eingereicht worden waren. Dafür spricht auch die Art, wie die Entwürfe überliefert wurden: nämlich bemalte Pappe, etwa 2 mm dick, 0,66 m x 0,23 m groß, im Maßstab 1:13 gezeichnet, und wiederum auf einer ca. 5 mm dicken, strukturierten Pappe mittig angebracht. Diese spezifische Darbietungsform diente der Präsentation, da so die Entwürfe an die Wand gehängt oder herumgereicht werden konnten, ohne die Zeichnungen zu beschädigen. Bei genauem Hinsehen können zwei fest definierte Situationen in Innenräumen erkannt werden.

Variante 1: rechts und links eine Tür, Variante 2: rechts und links Fenster, wobei eines davon über einem Heizkörper lag. Die dazwischen liegende Fläche von ca. 8 m sollte mit Szenen gestaltet werden, die auf einer narrativen Struktur beruhen. Diese setzt sich aus einer Kombination von Symbolen und modernen Piktogrammen zusammen, die auf unterschiedlich großen, geometrischen monochromen Farbflächen aufgebracht sind, die Bezüge zu Handwerk, Handel und Gewerbe herstellen lassen.

Da die Pläne undatiert sind, konnte kein exaktes Entstehungsjahr ermittelt werden. Die von den Künstlern verwendete Farbgebung, narrative Formensprache und stilistische Ausführung ließen jedoch auf die 1960er Jahre schließen. Da es sich bei dem Auftraggeber um die Stadt Bad Kreuznach handelte, lag es nahe, dass die Entwürfe für eine Schule, möglicherweise für die Städtische Berufsschule, angefertigt worden waren, für die 1956 die Planungsarbeiten begonnen hatten. 1958 wurde in der Ringstraße Richtfest gefeiert, 1962 folgte der Umzug in die neuen Gebäude. Mit Hilfe der Tochter des verstorbenen Künstlerehepaares, Frau Claudia Frey, konnte durch Einsicht in das Auftragsbuch ihres Vaters dann eine exakte Zuordnung erfolgen. Die Stadt Bad Kreuznach hatte durch den Architekten, Stadtoberbaurat Herbert Möller, 3 Entwürfe für die Wandgestaltung der Städtischen Berufsschule in Bad Kreuznach ausgewählt und bei dem Künstlerehepaar zur Umsetzung in Auftrag gegeben. Im August 1960 waren 1. Symbolisierung des Handels, 2. Bedeutung Kreuznachs im Mittelalter (beide Ute Eichenauer-Best) und 3. Handel und Verkehr von Franz Eichenauer realisiert worden.

Franz Eichenauer hatte nach seiner Heirat mit Ute Best im Oktober 1954 seinen Lebensmittelpunkt von Oberlahnstein in die Nahestadt verlegt. Er wurde am 2. November 1926 in Koblenz geboren. Nach Abitur, Kriegsdienst und britischer Kriegsgefangenschaft in Schneverdingen absolvierte er von 1946 bis 1948 ein Volontariat und mehrere Praktika als Bühnenbildner an diversen Theatern. Eichenauer studierte bis 1952 an der Landeskunstschule Mainz angewandte und freie Malerei. Nach dem Staatsexamen absolvierte er die Meisterklasse. Im Bad Kreuznach der Nachkriegszeit avancierte er bald zu einem wichtigen Repräsentanten der Bad Kreuznacher Kunst- und Kulturszene. Im Bereich „Kunst am Bau“ und „Kunst im öffentlichen Raum“ beschritt er neue Wege (z.B. Salinenbrunnen) und blieb gleichzeitig der Tradition des Kunstgewerbes verhaftet, die sich in seinen Kooperationen mit ortsansässigen Architekten und Handwerkern äußert wie z.B. mit dem Architekten Hans Kuhn und dem Schreiner Reinhold Schwindt (Guam&Schwindt). Eichenauer, der sich selbst als Maler und Plastiker bezeichnete, setzte ganz unterschiedliche Techniken bei seinen Mosaiken, Fresken, Sgrafitti, Blei- und Betonglasfenstern, Wandteppichen, Plastiken, Brunnenanlagen, Emaillen, Reliefs, Acryl-, Aquarell- und Gouache-Malereien, Tusche- und Kohlezeichnungen ein. Im öffentlichen Raum sind seine Werke aufgrund einer charakteristischen Handschrift leicht erkennbar. Seine Werke hat er mit „fe“ signiert. Er profitierte, wie andere Künstler auch, von der gesetzlichen Vorgabe, dass ein fester Prozentsatz der Bausumme für Kunst am Bau verwendet werden soll, ein Aspekt der Kunst- und Kulturförderung, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf Anraten des Deutschen Städtebundes wieder aufgegriffen wurde. Noch heute sind die zunächst für verschollen gehaltenen Ausführungen in der Berufsbildenden Schule Wirtschaft erhalten. Es handelt sich um Wandmalereien, die entweder in „fresco buon“ oder „fresco secco“ Technik hergestellt wurden und die noch immer die Flure dreier übereinanderliegender Stockwerke der Schule schmücken. Allerdings entspricht die vorgefundene Situation keinem der im Archiv vorliegenden Entwürfe. Zwei der ca. 5 m langen Gemälde wurden in leicht abgewandelter Form realisiert, das dritte Wandfresko mit Stadtwappen ist so abgeändert, dass sein ursprünglicher Entwurf nicht mehr erkennbar ist.

Die Bedeutung von Franz Eichenauer drückt sich neben seinem Lebenswerk, das u.a. in Kirn in eine Stiftung eingegangen und dort gesichert ist, auch in anerkennenden Auszeichnungen aus, wie dem 1987 vergebenen Kaiser-Lothar-Preis und dem 1994 verliehenen Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Hervorzuheben ist sein lebenslanges Engagement in der deutsch-französischen Freundschaft wie auch der Einsatz für die Vermittlung des europäischen Gedankengutes im künstlerischen Bereich. Außerdem war er der Künstlergruppe-Nahe verbunden, die er als Mitbegründer 30 Jahre als Vorsitzender führte und der er dann als Ehrenvorsitzender verbunden blieb.

Zuletzt wurde in den Jahren 2015-2016 auf die reichhaltigen Zeugnisse der Stadt Bad Kreuznach zur Kunst im öffentlichen Raum im Rahmen der „Geschichtshäppchen um viertel vor sechs“ hingewiesen, darunter auf den von Franz Eichenauer entworfenen und in Beton ausgeführten Salinenbrunnen, der ein charakteristisches Beispiel seines Schaffens in den 1970er Jahren darstellt. Kunst am Bau – Kunst im öffentlichen Raum ist ein wichtiger und wertvoller Bestandteil ästhetischer Bildung und Kunstförderung. 2014 wurden die 7 vorgenannten Entwürfe von einem Restaurator gereinigt.

Weiterführende Hinweise:

Claudia Frey; http://www.kirn.de/unserestadt/kunstundkultur/eichenauerstiftung/, Bad Kreuznach. 100 Jahre Berufsausbildung. Gestern-Heute-Morgen. o.O., o.D.


©Franziska Blum-Gabelmann


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