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C wie Cauer

Postkarte: Hindenburgbüste von Hugo Cauer im Kurpark Bad Kreuznach

Im Mai 1915 modellierte der in Kreuznach geborene Prof. Stanislaus Cauer (1867-1943) Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847-1934) in Lötzen (Masuren), der ihm vom 9. – 13. Mai Modell saß.

Wie Wolfram Pyta in seiner 2007 erschienenen Biografie über Hindenburg schrieb, glückte dem zu diesem Zeitpunkt an der Königsberger Akademie lehrenden Cauer damit erstmals eine stilbildende Büste Hindenburgs. Es sei Cauer gelungen, so Pyta, dass sich die Charakterzüge Hindenburgs von dem Soldatischen entfernten, da Cauer bewusst auf das Martial-bärbeißige verzichtet habe. Ihm sei damit eine Imagekorrektur geglückt, die eine Familiarisierung Hindenburgs mit den Mitteln der Bildhauerkunst bewirkt habe.
Cauer schreibt in dem Artikel „Hindenburg und Ludendorff unter dem Gesichtswinkel des Künstlers“ (1916) davon, „der Nachwelt ein Bildnis von dem großen Heerführer zu hinterlassen, das alle menschlich guten Züge, alle zarten, ebenmäßigen Eigenschaften widerspiegelt. Das den Volkshelden so wiedergibt, wie er im Mai 1915 vor mir stand, ohne jede Pose und ohne jedes falsche Pathos, aber in seiner menschenfreundlichen, Ehrfurcht gebietenden, doch überragenden Art“.
Die Marmorbüste selbst war eine Stiftung für das Kneiphöfische Rathaus in Königsberg, wie eine zweite, ebenfalls von Cauer geschaffene Marmorbüste von Erich Ludendorff (1865-1937), die im gleichen Jahr entstand. Beide Büsten ereilte zudem das gleiche Schicksal, sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Stanislaus Cauer, der mit seinem Werk zur medialen Selbstinszenierung Hindenburgs beitrug, entstammt der Kreuznacher Bildhauerfamilie Cauer, die mit Emil Cauer dem Älteren (1800-1867) ihren ersten Vertreter in Kreuznach hatte. Als Sohn von Robert Cauer (Sohn Emils) und Auguste Schmidt wurde Stanislaus 1867 in Kreuznach geboren. Wie sein Vater versucht auch er sich in der Bildhauerei. Nach einer mehrjährigen Schaffenszeit in Rom wird er zunächst in Berlin und dann ab 1907 in Königsberg an der Akademie lehren und arbeiten, und sich insbesondere beim Ausbau der Neuen Akademie hervortun.
Stanislaus stirbt am 3. März 1943 in Königsberg. Ein großer Teil seiner Arbeiten wird im Zweiten Weltkrieg oder der Nachkriegszeit zerstört oder aber sie bleiben verschollen. Nachzutragen ist, dass zwei weitere Büsten von Paul von Hindenburg und Erich Ludendoff durch die Bildhauer Hugo und Ludwig Cauer, die Cousins von Stanislaus, im Kreuznacher Atelier in der Zeit des Großen Hauptquartiers entstanden. Ludwig Cauer (1866-1947) modellierte die Büste Ludendorffs und Hugo Cauer (1864-1919) jene von Hindenburg. Im Gegensatz zu der von Stanislaus gefertigten Büste sind sie erhalten geblieben und werden im Magazin des Schloßparkmuseums in Kreuznach, wenn auch stark beschädigt, aufbewahrt.


Bild: Büste von Hindenburg aus dem Nachlass KoernickeBild: Büste von Ludendorff aus dem Nachlass Koernicke



Entstehungsjahr dieses Artikels: 2015
Verfasserin: Franziska Blum-Gabelmann
Postkarte 1: Hindenburgbüste von Hugo Cauer im Kurpark Bad Kreuznach;
Postkarte 2: Büste von Hindenburg aus dem Nachlass Koernicke;
Postkarte 3: Büste von Ludendorff aus dem Nachlass Koernicke;
StAKH Fotoarchiv


Literaturhinweise:

⇒ Wolfram Pyta, Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler.
3. Aufl. München 2008

⇒ Andrea Fink, Die Bildhauerfamilie Cauer. Auf Schritt und Tritt. Denkmäler in Bad Kreuznach 1867-1936.
Bad Kreuznach 2009

⇒ Elke Masa, Die Bildhauerfamilie Cauer im 19. und 20. Jahrhundert.
Berlin 1989

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