Innenansichten - Beinbrechs intimer Blick auf Johann Heinrich Kaufmann

Johann Heinrich Kaufmann, der Cousin Maler Müllers, und seine Familie

Im Spätsommer 2003 habe ich zusammen mit dem seither verstorbenen Herrn Heinz Koch die Ausstellung „Hier spielt die Musik. Musikleben der Stadt Kreuznach im 19. Jahrhundert“ für das Schloßparkmuseum erarbeitet. In diesem Zusammenhang fiel mir im Stadtarchiv die Kopie eines Tagebuches in die Hand, dass ich, nachdem ich darin zu lesen begonnen hatte, als eine außerordentlich interessante und informative Quelle zur Kreuznacher Stadtgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts empfand. Verfasst worden war das Tagebuch von Johann Jacob Beinbrech, der 1799 in Kreuznach geboren wurde und 1834 dort verstarb.

Beinbrech war der Sohn eines Schuhmachers aus Kreuznach, der in der Neustadt lebte. Zusammen mit seinen Eltern und einem Onkel bewohnte Johann Jacob eines der Ellerbachbrückenhäuser. Er besuchte ab etwa 1805 die Elementarschule des Schullehrers Ludwig Wittmann in der Klappergasse. Von dort wechselte er um 1810 auf das Collège de Creuznach, die sogenannte Latein- oder Sekundärschule, die er drei Jahre lang, wahrscheinlich von 1810-1813, besuchte. Johann Jacob verließ wohl schon vor Beginn des Schuljahres 1813/14 die Schule.
1814, wahrscheinlich im April, trat Johann Jacob probehalber für zwei Wochen in ein Ausbildungsverhältnis bei dem Kaufmann Valentin Frera, dessen Handlung in der Neustadt lag. Entgegen Beinbrechs Wunsch sollte er weiter bei seiner Mutter leben, sein Vater war mittlerweile verstorben, und nicht im Haus seines Lehrherrn. Eine vertragliche Übereinkunft zwischen den Parteien kam daher nicht zustande. Johann Jacob nutzte die Zeit, um bei diversen Privatgelehrten Unterricht in Französisch, Rechnen und Schönschrift zu nehmen, bis er ein halbes Jahr später, am 01. Oktober 1814, seine Ausbildung als kaufmännischer Lehrling bei Johann Heinrich Kaufmann beginnen konnte. Ab sofort lebte er mit seinem Lehrherrn und dessen Familie unter einem Dach, nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt.
Nach vier Jahren Ausbildung und gemeinsamen Leben unter einem Dach, wurde er am 1. Oktober 1818 von Johann Heinrich Kaufmann in den Rang einer „Bedienten Würde“ - d.h. zum Handlungsgehilfen oder Kommis - erhoben und aus der Lehre entlassen. Beinbrech zog zurück zu seiner Mutter, blieb jedoch weiter mit Kaufmann und seiner Familie verbunden.

Im darauf folgenden Frühjahr des Jahres, ab April 1819, begann Beinbrech ein Tagebuch zu führen, dessen Eintragungen erst 1832 abbrachen. Seine Aufzeichnungen erfolgten, da er ohne Arbeitsverhältnis war in den Jahren 1819 bis 1821 mit einer gewissen Regelmäßigkeit, und erlauben es, ein Bild seines Lebens in dieser Zeitspanne zu zeichnen,. Ab 1821 werden die Aufzeichnungen spärlicher, später sind sie eher sporadischer Natur.

Als Johann Jacob seine Tagebuchaufzeichnungen begann, stellte er ihnen seinen bisherigen Lebenslauf voran. In diesem nahm seine Lehrzeit bei Kaufmann, die zu diesem Zeitpunkt schon hinter ihm lag, einen nicht unbedeutenden Raum ein. Den Aufzeichnungen, die von ihm ab April 1819 fast täglich niedergeschrieben wurden, ist zu entnehmen, dass er auch nach Beendigung der Lehrzeit seinem ehemaligen Prinzipal Kaufmann und dessen Familie eng verbunden blieb.

Aufgrund des Tagebuches ist es erstmals möglich, für eine genau definierte Zeitspanne (1814-1821) einen Einblick in die innere Ordnung des Geschäftshaus des Spezereienhändlers Johann Heinrich Kaufmann zu gewinnen und ansatzweise einen Eindruck davon zu erhalten, wie Kaufmann sich und seine Familie in der Privatsphäre und der öffentlichen Sphäre organisierte und präsentierte. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass Beinbrechs Sicht subjektiv und selektiv war, denn Johann Jacob war Teil der Hausgemeinschaft, nicht Teil der Familie. Beinbrechs Wahrnehmung war zudem altersspezifisch und muss in den Kontext der Zeit gesetzt werden.

Neben den im Schlossparkmuseum erhalten gebliebenen Zeichnungen und schriftlichen Unterlagen, den wenigen überlieferten Briefen, Kaufmanns Gedichtbänden und veröffentlichten Tagblättern, Stimmungsbildern und Äußerungen zum Tagesgeschehen, stellt das Tagebuch Beinbrechs eine herausragende authentische Quelle dar.

Johann Heinrich Kaufmann (1772-1843)


Kaufmann wurde am 06.12.1772 in Kreuznach geboren und starb dort am 23.11.1843. Seine Mutter war Maria Margaretha Roos, die in erster Ehe mit dem Bürger, Zuckerbäcker und Krämer Johann Peter Schäfer verheiratet gewesen war, der zum Zeitpunkt der Hochzeit Witwer war. Dieser Ehe entstammten sechs Kinder, wovon drei das Erwachsenenalter erreichten; Caroline, Johanetta und Johann Friedrich Schäfer. Nach dem Tod Schäfers 1767 ehelichte Maria Margaretha den Caspar Hilgard oder Hillarius Kaufmann, den Vater von Johann Heinrich Kaufmann. Dieser zweiten Ehe entstammten mindestens fünf weitere Kinder.
Im Stadtarchiv ist eine am 12.01.1768 angefertigte Auflistung des Vermögens von Maria Margaretha Roos, und den Männern Schäfer und Kaufmann erhalten geblieben. Beide Haushalte müssen als gut situiert eingestuft werden. Kaufmanns Besitz weicht von Schäfers in sofern ab, als sich in seinem Besitz überraschend viele Kunstgegenstände befanden, etwa „drey stück Schildereyen mit schwartzem Rahmen, drei große Landschaften, Mein Portrait, 2 kleine spanische auf Kupfern Platen und schwartzen Rahmen, 6 kleine Landschaften, 2 Portraits auf Holtz, ein kleines brust Bildt, 6 Landschaften“. Kaufmann nannte sogar eine optische Maschine mit Gläsern sein eigen. Neben den Gemälden fällt die Anzahl an Büchern ins Auge; etwa eine „Historien und bilder Bibel , Wilands Prosaische Schriften, Gesners Prosaische Schriften, Speners Schriften, Weiden Kampffs Frostgründe, Historie und Moral, General instruction des Buchhalters, Dohns Erfahrener Kaufmann, Kayserliche Galerie zu Wien, 80 a 100 Kupferstiche“.
Die Auflistung lässt vermuten, dass insbesondere der Kaufmann`sche Haushalt der Kunst und der Literatur sowie der Bildung zugeneigt war.

Kaufmanns Mutter hatte mehrere Schwestern, darunter eine mit dem Namen Katharina Margaretha Roos. Diese hatte den Bäcker und Bierbrauer Johannes Friedrich Müller geheiratet. Deren gemeinsamer Sohn, Johann Friedrich Müller (1749-1825), der auch Maler Müller, Dichtermaler oder Malerdichter genannt wird, und der am 13.01.1749 geboren wurde, sollte im Leben von Johann Heinrich Kaufmann eine besondere Rolle einnehmen.

Johann Heinrich heiratete am 24.09.1798 Johanna Margaretha Kayser; ihr Kosename war Meta. Mit seiner Frau hatte er zehn Kinder, sieben Jungen und drei Mädchen, wovon nicht alle überlebten und das Erwachsenenalter erreichten.

Kaufmann war ein Familienmensch. Er war seinem Halbbruder Johann Friedrich Schäfer und dessen Familie sowie der Familie seiner Schwester Maria Elisabeth, die den Buchhändler, Verleger und Kaufmann Johann Ludwig Christian Kehr heiratete, ein Leben lang auf das Engste verbunden. Die Familienmitglieder übernahmen gegenseitige Patenschaften für ihre Kinder, man arbeitete zusammen und unterstützte sich, in gemeinsamen Interessen verbunden, im öffentlichen wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen und im politischen Leben wirkend.
Für alle Familienmitglieder war die Verankerung in der Religion, die Familien Kaufmann und Schäfer gehörten dem lutherischen Glauben an, ein das Leben bestimmendes Element.

Kaufmann wohnte auf der linken Naheseite Kreuznachs in der Neustadt. Er führte wie seine Vorväter einen Spezereihandel (Gemischtwarenladen). Um 1800 befand sich im Erdgeschoss (= 1. Stock) und im zweiten Geschoß seines Geschäftshauses je ein Laden. Zeitweise, von September 1797 bis Dezember 1799, war im dritten Stock sogar die Leihbibliothek seines Schwagers Ludwig Christan Kehr untergebracht.
Als Beinbrech 1814 in die Handlung Kaufmann eintrat, befand sich im Erdgeschoss erwähnter Spezereiladen und im zweiten Stock eine Abteilung für Frauenmoden, der bis 1816 von Caroline Seynisch betreut wurde. 1819 wird Kaufmann als Handelsmann, 1821 als Spezerey- und Ellenwarenhändler und 1826 als „Colonial Waaren“ Händler geführt. Das Haus, in dem er sein Gewerbe betreibt, trug damals die Hausnummer 452. Das Geschäftshaus von Kaufmann lag Ecke Mannheimerstraße -Erbesbrunnengasse. Dieses Haus steht heute nicht mehr. Im Jahr 1825 gehörte zu dem Haus noch eine Scheune, die sich rückwärtig an das Haus anschloss und wahrscheinlich als Magazin genutzt wurde. Anhand alter Fotos der Zeit um 1900 sowie zeitgenössischer Baupläne ist davon auszugehen, dass es sich bei dem bewussten Geschäftshaus um ein viergeschossiges Gebäude handelte. Es scheint ein „Ständerhaus“, wohl aus dem 18. Jahrhundert stammend, gewesen zu sein. Mit Ausnahme des Erdgeschosses (1. Stock), in dem sich der Laden befand, zeigten pro Stockwerk drei gleichgroße Fenster zur Mannheimerstraße hin. Über die Aufteilung der Räume ist wenig bekannt. Eine Anzeige in der Kreuznacher Zeitung vom 6. Juli 1821 gibt Auskunft darüber, wie die Zimmeraufteilung ausgesehen haben könnte, da Kaufmann einen Stock seines Hauses zur Untermiete anbot: “Bei Unterzeichnetem ist eine helle angenehme Wohnung zu vermiethen bestehend in Stube, Stubenkammer, Gesellen-Kammer, Küche, Speicher und einem Platz im Keller. Sie kann gegen Ende dieses Monats bezogen werden. J. H. Kaufmann.“ Belegt ist aus dem Jahr 1901, dass sich sowohl zu ebener Erde als auch im 1. Stock Ladenflächen befanden. Im 2. Stock gab es außerdem noch ein Büro, das man über eine Treppe erreichte. Insgesamt fällt die Höhe der Räume auf. Der Laden im Erdgeschoss hatte eine Höhe von 3,07 m, der darüber liegende Stock 2,68 m, der darauf folgende 2,70 m und der letzte 2,50 m.

1807/1808 lebten Kaufmann, seine Frau, drei Kinder und zwei Lehrlinge (Peter Claes und Bernhard Schäfer, ein Sohn seines Halbbruders) sowie eine Magd unter einem Dach; insgesamt also 8 Personen. Am 29. August 1815 lebten in diesem Haus in der Mannheimerstraße 12 Personen. Der Prinzipal, wie ihn Beinbrech nennt, mit seiner Frau Margaretha, sieben Kindern, Philipp, Karl, Heinrich, August und Ludwig sowie Margaretha und Amalia, zwei Lehrlinge nämlich Andreas Köbig und Jacob Beinbrech, die damals 15 und 16 Jahre alt waren, sowie die Putzmacherin Caroline Juliane Seynisch.
Die 1815 herrschende räumliche Enge verdeutlicht Beinbrechs Hinweis auf seinen Bettkameraden, denn er und Köbig teilten sich eine Bettstatt, in der sie schliefen.
Caroline Seynisch verließ 1816 diese Hausgemeinschaft, um sich beruflich neu zu orientieren. Verbunden mit ihrem Weggang waren die Räumung des zweiten Stockes und die Aufgabe eines Geschäftszweiges der Kaufmannschen Handlung, nämlich des Handels mit selbst gefertigten Frauenmoden, die Seynisch nach Wunsch und Auftrag herstellte. Stoffe und auch Accessoires verkaufte Kaufmann, wie Anzeigen in der Kreuznacher Zeitung dokumentieren, allerdings auch weiterhin. Kaufmanns Familie bewohnte wohl bis 1821 die über dem Laden liegenden drei Stockwerke.

Wie das Haus eingerichtet war und wie die Familie lebte, wird von Beinbrech nicht erwähnt. Die einzigen bekannten Möbelstücke in Kaufmanns Haus, deren Existenz aus Beinbrechs Tagebuch überliefert ist, sind neben dem erwähnten Bett ein Klavier, das nach dem Wegzug von Caroline Seynisch vom dritten in den zweiten Stock gebracht und dort aufgestellt wurde. Im Zusammenhang mit dem Klavier beschreibt Beinbrech geradezu idealtypisch ein biedermeierliches Motiv: junges Volk, das sich um das Klavier versammelt, um sich miteinander zu unterhalten, zu singen und zu tanzen. Ob es nur Mädchen waren, die Beinbrech erwähnt, oder auch junge Männer, ist nicht klar überliefert. Man kann davon ausgehen, dass der Raum, in dem sich das Klavier befand, als eine Art „gute Stube“ fungierte. Zumal das Klavier ein Symbol bürgerlicher Lebenswelt darstellte; Ausweis von Bildung und Geselligkeit.
Dass Kaufmann und seine Familie in einem geschmack- und wertvollen Ambiente lebten, ist durch das Fragment eines Testamentes aus dem Nachlass Louis Kaufmann dokumentiert. Neben Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens, wie Mehlkasten und Backmulde, Bettzeug, Tischtücher und Servietten, sind Möbel wie Truhen, Schränke, Tische und Stühle überwiegend aus hochwertigem Nussbaumholz erwähnt. Außerdem verschiedene Spiegel, silbernes und vergoldetes Geschirr, ein aus Elfenbein gefertigter Apostel, Porzellan, eine Büchersammlung, Ölgemälde, kolorierte und unkolorierte Kupferstiche, Pastell-, Porzellan- und Wachsbilder, eine Mappe mit Zeichnungen, nicht näher beschriebene Kunstgegenstände und vieles andere mehr. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Motive der Bilder: Familienmitglieder, „Alt-Kreuznach“, in- und ausländische Landschaften, religiöse und weltliche Motive mit ikonographischen Inhalten. Als Künstler werden Simmler und Catoir im Zusammenhang mit Landschaften genannt. Ein Pastellbild stellte den „Maler Volz“ dar, der ein Freund Kaufmanns und selbst Künstler war.

Direkt neben Kaufmanns Haus verlief einer der drei Arme des Gerberkanals, der in Karten und Plänen zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit „Am Bächelchen“ bezeichnet wurde. Noch 1819 lief dieses gefasste Gewässer, ein wohl aus dem Mittelalter stammender Kanal, der die an der Stadtmauer liegenden Gerbereien und Mühlen mit Wasser versorgte, offen durch die Stadt. Unmittelbar vor Kaufmanns Haus verhalf eine kleine Brücke den Fuhrwerken über den Kanal.
Im Allignementplan von 1837 ist erkennbar, dass der Kanal überall dort mit blauer Farbe eingezeichnet ist, wo er offen durch die Stadt verlief. Die Strecke neben Kaufmanns Haus führte zunächst unter das Haus des Nachbarn und dann weiter durch die Stadt Richtung Ellerbachmündung. Der Kanal ist dort weder mit blau gekennzeichnet noch mit durchgezogenem Strich versehen. Zu dieser Zeit lag Kaufmanns Haus also nicht mehr an einem offenen Gewässer.
Kaufmann nutzte die örtliche Besonderheit für Werbezwecke. So inserierte er in der Kreuznacher Zeitung als „J. H. Kaufmann an dem Bächelchen“ oder „J. H. Kaufmann am Bächelchen“. Kaufmann zu Ehren schrieb Isaak Maus, der mit ihm befreundet war, 1821 ein Gedicht mit dem Titel „In`s Kaufmannshaus am Bächelchen!“ Einen größeren Werbeeffekt konnte sich Kaufmann für sein Handelshaus kaum wünschen. Außerdem nutzte er als einer von wenigen Kaufleuten in Kreuznach regelmäßig die Zeitung, um mit Anzeigen für seine Produkte zu werben.

Kaufmann war, seit Burret 1810 den Kreuznacher Jahrmarkt ins Leben gerufen hatte, dort für zehn Jahre mit einer 16 Schuh großen Verkaufsbude vertreten. Ab 1821 verzichtete er darauf. Er trat auch als Zwischenhändler auf, was sein reiches Sortiment erklärt. Kaufmann orderte bei Großhändlern und vertrieb seine Waren an Wiederverkäufer, in der Regel Händler aus dem Kreuznacher Hinterland, die vor Ort wiederum diese Waren verkauften und bis in den Hunsrück hinein. Oft handelte es sich dabei um Wirte, die nebenher als Krämer fungierten. Die Waren wurden, wenn sie nicht persönlich abgeholt wurden, den Händlern per Post(-Kutsche) oder Fuhrwerk zugestellt. Kaufmann erhielt seine Waren per Schiff (Binger Hafen), per Fuhrwerk und per Post(-Kutsche). Er pflegte Handelsbeziehungen ins nahe und ferne Ausland, bis in die Niederlande und in die Schweiz. Außerdem besuchte er regelmäßig die Frankfurter Messe. Auch diese wirtschaftlichen Zusammenhänge beschreibt Beinbrech ausführlich, ebenso wie den Schmuggel dem Kaufmann wie viele andere Geschäftsleute in Kreuznach nachging.

Das Haus in der Mannheimer Straße blieb wohl bis zum Tod von Amalie Kaufmann, einer unverheirateten Tochter Kaufmanns, die in überlieferten Familienbögen als Händlerin bezeichnet wird und in der Mannheimerstraße 150 lebte, im Familienbesitz. Allerdings wurde wahrscheinlich noch zu Kaufmanns Lebzeiten - er starb 1843 - ein Neubau im Kurgebiet in Erwägung gezogen und geplant. In einem Verzeichnis der seit 1843 angefangenen und teils schon beendeten Neubauten in der Stadt Kreuznach wurde im Mai 1844 die Witwe Kaufmann erwähnt, die ein neues Haus baue. An ihre Stelle traten im Juni 1845 die Geschwister Kaufmann. Das neue Haus scheint 1844 fertiggestellt gewesen zu sein. Es war in der späteren Augustastraße 12 gelegen. Das Haus, eine repräsentative mehrstöckige Villa mit angeschlossenem Museum und Atelier, lag direkt an der Nahe in Sichtweite des Kurhauses und wurde von Louis Kauffmann und seiner Familie bewohnt.

Johann Heinrich verschaffte seinen Kindern ganz selbstverständlich den Zugang zur Bildung. Die Söhne genossen eine gymnasiale Ausbildung und absolvierten ein Studium. Aber auch die Töchter erfuhren eine gute Bildung, was sich unter anderem darin zeigte, dass Johanna Margaretha, seine älteste Tochter, im Elternhaus in den 1830er Jahren eine Schule für Kleinkinder errichtete.
Seine Söhne Philipp und Ludwig sollten im Bereich der ästhetischen Kultur, der Literatur und Malerei eine ähnlich große Bedeutung wie ihr Vater erlangen. Philipp machte durch seine Gedichte und insbesondere durch Übersetzungen von Klassikern auf sich aufmerksam und scheint der intellektuellere der Geschwister Kaufmann gewesen zu sein. Er lebte konsequent ein romantisches Lebensideal, womit er in Preußens Hauptstadt Berlin für einen handfesten Gesellschaftsskandal sorgte, als er sich, alle konventionellen Grenzen überschreitend, mit einer verheirateten Frau verband. Philipp war Kosmopolit und bewegte sich zudem im Dunstkreis von nationalen Größen wie Liszt.
Ludwig oder Louis arbeitete als Zeichenlehrer am Kreuznacher Gymnasium. Seine hinterlassenen Portraits und Skizzen sind eine wichtige Quelle für die Visualisierung des familiären Kontextes der Kaufmanns. Er sorgte für das zweite f im Familiennamen. Auch er blieb in seinem Lebensstil nicht von der bildungsbürgerlichen Atmosphäre seines Elternhauses unbeeinflusst, worauf erwähntes Museum und angegliedertes Atelier hinweise.

Johann Heinrich Kaufmann stand mit vielen Menschen in Kreuznach in Beziehung, die für die Stadt im politischen, wirtschaftlichen und religiösen, vor allem aber im kulturellen Leben eine herausragende Rolle spielten und spielen sollten. Hier ist ein Netzwerk erkennbar, das von einem gemeinsamen Interesse getragen wurde, was sich insbesondere bei seinem gesellschaftlichen  Engagement bei der Gründung des Gymnasiums und bei der Kirchenvereinigung 1817 zeigte, oder bei seinem Engagement, das historische Michel Mort Denkmals bei Sprendlingen bzw. den Platz auf dem es stand, für die Nachwelt zu erhalten und zu sichern.

Kaufmann bespielte die kulturelle Klaviatur in der ganzen Breite: Theater-, und Konzertbesuche, Gesellschaften, Diskussionsrunden, seine Nähe zu Vereinen, zur Kreuznacher Zeitung und zum Verlag seines Schwagers Kehr. Er reist, schreibt und dichtet, erzählt und unterhält, führt zusammen und vermittelt. Um ihn herum und mit ihm ist die entstehende und entstandene bürgerliche Öffentlichkeit in Kreuznach zu Beginn des 19. Jahrhunderts greifbar. Kaufmann steht für den neuen Bürger, den Bildungsbürger in Kreuznach. An ihm und den Personen, die sich in seinem Umfeld bewegten, lässt sich lebensweltliche Konstituierung von Bürgerlichkeit in Kreuznach zu Beginn des 19. Jahrhunderts greifen und darstellen.


Johann Friedrich Kaufmann der Dilletant


Für Kaufmann war die ästhetische Kultur, insbesondere der Bereich der Literatur, ein zentrales Moment in seinem Leben. Sie hatte für ihn ein allumfassendes, ein raumfüllendes Gewicht. Kaufmann lebte die Kunst und er lebte die Literatur. Sie waren für ihn sinnstiftend. Die Kunst stellte das Medium dar, mit deren Hilfe er sich mit sich selbst, seinem Ich und der Welt auseinandersetzen konnte. Kaufmanns Gedichte stellen die Quintessenz höchster Konzentration und Verinnerlichung dar, sind Ausdruck eines sublimierten emotionalen Prozesses.

Durch die Veröffentlichung seiner Werke stellte er sich und seine Gedankenwelt in einen Kontext, den Diskurs von Gleichgesinnten, die wie er die Kunst zum zentralen Bezugspunkt ihres Lebens gemacht hatten. Kaufmanns Gedichte und seine spezifische Art diese zu transportieren, sind als Entfesslung der reflektierenden wie empfindsamen Subjektivität zu sehen.

Die Entstehungsgeschichte von Kaufmanns Gedichten reicht nachweislich bis in die 90er Jahre des 18. Jahrhundert zurück. Seine Gedichtbände sind Dokumente seines künstlerischen Schaffens und zugleich ein Kaleidoskop seines Lebens. Die Gedichte thematisieren seine Familie und Personen des öffentlichen Lebens, lokalhistorische Ereignisse, Sehenswürdigkeiten, Reisen und Naturschönheiten und Naturempfindungen, aber auch die Liebe und den Tod, das Ideal des Schönen, die Vergänglichkeit und die Moral sowie religiöse Themen. Sie lassen eine tiefe und innige emotionale Verbindung zu seiner Frau und den Kindern vermuten. Kaufmann zeigt sich in seinen Gedichten als gefühlvoll, was nicht nur dem Zeitgeschmack zuzuschreiben ist, sondern seiner Wesensart entsprach. Sie sind unterhaltsam und mitunter von einer beschwingten Leichtigkeit.

Kaufmann veröffentlichte seine Gedichte und kleinen Abhandlungen (Tagblätter) in der Lokalzeitung und diversen überregionalen Blättern, die er sicher auch las, vielleicht sogar abonniert hatte. Neben den Kreuznacher Zeitungen hießen sie: Ameise, Nassauischer Landeskalender, Rheinische Mannigfaltigkeiten, Charis, Agrippina, Flora, Rhenus, Neckarbote, Colonig, Mosella, Hermione, Hermann und das Rheinische Unterhaltungsblatt.

Johann Heinrich Kaufmann war in Kreuznach um 1818 eine bekannte Größe, aber auch auf regionaler und überregionaler Ebene hatte er durch seine schriftstellerische Arbeit auf sich aufmerksam gemacht, was Adam Storcks Äußerung in seinem Buch „Darstellungen aus dem preußischen Rhein- und Mosellande“ nahe legt. Er beschreibt Kaufmann, „als gefühlvoller Mensch und Dichter bei seinen Freunden allgemein beliebte Kaufmann in Kreuznach“.

Zwei Jahre später, im November 1820, inserierte Kaufmann in der Kreuznacher Zeitung und warb für sein erstes Buch: „Gedichte, Briefe und Tageblätter“. Er bat alle Interessenten, sich in eine Subskribentenliste eintragen zu lassen. Fast ein halbes Jahr später, am 8. Mai 1821, konnte der aufmerksame Leser der Kreuznacher Zeitung entnehmen: “Gedichte Briefe und Tageblätter von Johann Heinrich Kaufmann Subscriptions=Preis à fl. 1.36 Kr sind angekommen, und können in Empfang genommen werden bei dem Verfasser in Kreuznach.“ Sein erster Gedichtband wurde bei Carl Ludwig Brede auf Kosten des Verfassers gedruckt. 1834 erschien das zweite Bändchen „Rheinische Klänge und Wanderbilder“, das in Koblenz bei seinem Neffen Johann Friedrich Kehr gedruckt wurde. Darüber hinaus sind keine weiteren Buchpublikationen bekannt, die unter seinem Namen veröffentlicht worden sind. Zwar erwähnt Kaufmann in seinem ersten Gedichtband einen Roman, der von ihm verfasst, aber noch ungedruckt sei, aber ob es je zu einer Drucklegung kam, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings existiert ein kleines Heftchen, dass nach seinem Tod erschien und weitere Gedichte von ihm und über ihn enthält, nämlich „Schiller`s Lotharingische Jungfrau „Nahe, Rhein und Mosel“ in Wort und Bild. Festgeschenk aus Kaufmann`s Haus für Kinder über 1000 Wochen.“  Es liegt leider nicht vollständig vor. Ein unversehrt gebliebenes Exemplar war bisher nicht auffindbar.

Kaufmanns Hingabe an die Kunst und sicher auch sein Lebensstil irritierten manche Zeitgenossen. Selbst Beinbrech beurteilte als erwachsener Mann Kaufmann als überspannt, aber als die beste Seele von der Welt. Meta, Kaufmanns Frau hingegen schildert er als vorbildliche Hausfrau. Kaufmann entsprach nicht wirklich Beinbrechs Vorstellung von einem Hausvater, wohingegen Meta dem Bild einer Hausmutter entsprach. Beide Geschlechter sollten eine klare Rollenzuweisung haben. Meta hatte sie - Kaufmann nicht. Tatsächlich ist Kaufmann ein Vertreter des entstehenden Bildungsbürgertums, welcher der Kunst eine neue Funktion in seinem Leben einräumte.

Kaufmann hat, will man Beinbrechs Schilderungen glauben, ein offenes Haus geführt. Im „Neuen Nekrolog der Deutschen“ war 1846 über Kaufmann zu lesen: “Er war ein Kaufmann von bemerkenswerter geistiger Bildung. Ein Dichter, dessen Veröffentlichungen in verschiedenen Magazinen und Almanachs sehr geschätzt wurden. Kaufmanns Haus war jedoch der gesellschaftliche Mittelpunkt in allem kulturellen Leben der Stadt Kreuznach.“ Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass er einen Salon führte oder unterhielt. Sein Interesse an der Kunst in all ihren Facetten war ihm näher als der intellektuelle Diskurs darüber.
Von Waldbrühl schrieb im Nachruf auf Johann Philipp Kaufmann über dessen Vater: „Der Vater, Johann Heinrich Kaufmann, stand einem der angesehensten Handlungshäusern der Stadt vor, hatte sich durch manchfache Reisen und innere Rührigkeit zu einer allgemeinen Bildung emporgearbeitet, welche unter Fachgelehrten seiner Zeit nicht häufig vorkam, und wurde als Dichter, nicht nur in seiner Stadt und deren Umgebung geschätzt, sondern als Mitarbeiter in allen rheinischen Zeitschriften und Musenalmanachen gesucht.  […] In dem Hause, wo viel Bildung vorwaltete wo die ganze gebildete Gesellschaft des Städtchens ihren Brennpunkt fand, […].“

Johann Heinrich Kaufmann unterhielt Kontakte, Freund- und Bekanntschaften zu dilettierenden und ausgebildeten Künstlern aber auch zu solchen, die Vereinigungen und Gesellschaften angehörten und die wie er in der Gemeinschaft mit anderen gemeinsamen Interessen nachgingen und niveauvolle Unterhaltung suchten. Neben Jacob Ludwig Foltz schätze Kaufmann Louis Catoir und Friedrich Carl Joseph Simmler, von denen er, wie von Foltz auch, Bilder besaß. Darüber hinaus sind weitere Kontakte zu Malern, Musikern und Komponisten, Architekten, Schauspielern, Schriftstellern und Dichtern wie etwa Isaak Maus, James von Bothwell, Eduard v. Leslie und Adelheid von Stolterfoth über Jahre hinweg belegt.
Lassen Sie mich einige Kurzbiographien von Kaufmanns Freunden und Bekannten vorstellen, die seine und deren Vernetzung miteinander dokumentiert. Sie zeigen außerdem, dass diese Menschen in einer individuellen Auseinandersetzung mit der Kunst standen, die sie in dem erwähnten Netzwerk und in Publikationen zum öffentlichen Diskurs brachten.

Zum Beispiel Jacob Ludwig Foltz. Er wurde 1778 in Zweibrücken geboren und verstarb 1848 in Bingen. Beinbrech erwähnt ihn mehrmals in seinem Tagebuch. Foltz hielt sich um 1819/20 in Kreuznach auf und wohnte offenbar in Kaufmanns Haus. Es ist überliefert, dass er in der Zeit um 1820 zwei Portraits von Kreuznacher Bürgern anfertigte, eines von Andreas von Recum und eines von seiner zweiten Frau Jeanette von Gemmingen – Hornberg. Kaufmann widmete Louis Foltz mindestens ein Gedicht und bedachte auch dessen Sohn Philipp Foltz „Dem hoffnungsvollen Knaben“, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom baierischen König geadelt, und für die in München gegründete „Alte Pinakothek“ verantwortlich und deren erster Leiter war. Foltz wird in beiden Gedichtbänden Kaufmanns in der Subskribentenliste geführt, ein Hinweis auf einen nachhaltigen Kontakt, der über ca. 15 - 20 Jahren andauerte.

Louis Catoir wurde 1792 in Offenheim bei Alzey geboren und verstarb 1841 in Mainz. Der Maler fertigte überwiegend Landschaftsmalerei an. Matthias Lehmann, der sich mit den Künstlern Catoir und Simmler intensiv beschäftigt hat, sieht Catoir in der Tradition von Caspar Schneider und als künstlerischen Entdecker des Nahetals. Catoir malte in den 1820er Jahren mehrere Landschaften aus dem Nahetal, darunter drei Ansichten, die den Rheingrafenstein darstellen. Er taucht in Kaufmanns Subskribentenliste aus dem Jahr 1834 auf. Eine weitergehende Bekanntschaft zwischen Catoir und Kaufmann dürfte sich über den Verein für Kunst und Literatur in Mainz ergeben haben. Der Verein, dem Catoir von 1825 bis 1835 angehörte, bot Catoirs Bilder zum Verkauf an. Vielleicht erwarb Kaufmann auf diesem Weg das Bild, dass sich in seinem Nachlass befand. Catoir unterrichtete Simmler, der nach seiner Lehre in Mainz seine künstlerische Ausbildung in München, Wien, Rom und Düsseldorf ergänzte.

Friedrich Carl Joseph Simmler, 1801 in Hanau geboren und 1872 in Geisenheim am Rhein verstorben, lebte wahrscheinlich ab Mitte der 1820er Jahre in Geisenheim. Er arbeitete für den Baron von Zwierlein als Verwalter und unterrichtete Adelheid von Stolterfoth und ihre Schwestern, Nichten des Barons, und dessen Tochter Louise im Malen. Simmler konzentrierte sich auf Portraits, Tier- und Landschaftsstudien. Auch Kaufmann kannte Simmler, er besaß mindestes ein Bild von ihm. Ein Vetter des Baron von Zwierlein, Freiherr von Wallbrunn, soll Simmler in den 1820er Jahren nach Kreuznach gebracht haben, um dort ein Portrait von Kaufmann anzufertigen zu lassen, dass er Adelheid von Stolterfoth überreichen wollte, die diesen sehr verehrte.

Von 1820 – 1850 war Geisenheim und insbesondere das offene Haus des Barons von Zwierlein kultureller Schwerpunkt der Dichtkunst im Rheingau, zu dem sich offenbar auch Kaufmann ab und an gesellte, zumal auf den illustren Kreis im Hause des Barons von Zwierleins Gedichte hinweisen, die eine Verbindung vermuten lassen. Der Biograf Adelheids von Stoltherfoth Herr von Schindel, erwähnt die Bekanntschaft zu Kaufmann und auch, dass Kaufmann diese bestärkt haben soll, sich schriftstellerisch zu bestätigen. Simmler, Adelheid von Stolterfoth und Baron von Zwierlein werden in Kaufmanns Subskribentenliste 1834 erwähnt.

Adelheid von Stroterfoth gilt heute als eine bedeutende Vertreterin der Rheinromantik. Zu ihren Lebzeiten und vor ihrer Verheiratung mit ihrem Onkel Baron von Zwierlein 1844, den sie nach dem Ableben der Tante heiratete, nannte man sie die „rheinische Nachtigall“ oder „Rheinphilomele“, ein Begriff, den auch Kaufmann 1834 in einem Gedicht, das ihr gewidmet war, verwendete.
Adelheid von Stolterfoth, 1800 in Eisenach geboren und 1875 in Wiesbaden verstorben unterhielt ihrerseits Bekanntschaft zu der Frau des Prinzen Friedrich von Preußen, Wilhelmine Louise. Wilhelmine zeichnete und war wie Adelheid in der Gedanken- und Gefühlswelt der Rheinromantik verwurzelt. Sie fertigte Ansichten von Schloss Rheinstein und dessen unmittelbarer Umgebung an, die um 1837 auf dem Buchmarkt erschienen nachdem sie von den Lithografen Brandmeyer und Gerhard gestochen, und als Ansichtenwerk „zum Besten der Armen“ im Lithographischen Institut der Gebr. Kehr und Niessen in Köln gedruckt war.
Die Gebrüder Kehr wiederum waren Neffen von Johann Heinrich Kaufmann. Auch Friedrich Simmler ließ ein Teil seiner lithographierten Werke bei diesem Verlag drucken, einige dieser Blätter besitzt das Stadtarchiv.
Die vorweg erwähnte Vernetzung von miteinander in Verbindung stehenden bildungsbürgerlichen Kunstinteressierten verdeutlicht einen Prozeß der Auseinadersetzung von Individuum und Welt, worin der Kreuznacher Dilettant Kaufmann einen Platz hatte.

Kaufmann und Müller

Eine besondere Rolle in Johann Heinrich Kaufmanns Leben, die nicht auf engem persönlichen Kontakt gründete, sollte sein Cousin Johann Friedrich Müller einnehmen, der Maler Müller, Malerdichter oder Dichtermaler genannt wird. Kaufmann traf ihn Zeit seines Lebens nie, aber es bestand offenbar eine Art Seelenverwandtschaft und geistige Verbundenheit an die Welt der Literatur und Kunst.

Kaufmann war fast 30 Jahre jünger als Johann Friedrich. Johann Heinrich bewunderte seinen Vetter und verehrte ihn. Sicherlich hatte Müller eine Art Vorbildfunktion für Kaufmann inne, auf die ein Satz hindeutet, den Kaufmann 1821 in einem Brief an seinen Vetter schrieb: „da ihr gefeierter Namen von der frommen Mutter ausgesprochen, das erste war, was mich antrieb nach Bildung zu ringen.“

Kaufmann setzte Müller mit bedeutenden Geistesgrößen seiner Zeit gleich. 1810 „decredierte“ die Freimaurerloge, der Kaufmann, sein Schwager Johann Ludwig Christian Kehr, Andreas van Recum und andere Kreuznacher Persönlichkeiten angehörten, den berühmtesten drei Männern der Stadt „Michel Mort, Friedrich Müller und dem Gesetzgeber Kanzler von Karmer, Gedenksteine über den Hausthüren, wo sie geboren sind, setzen zu lassen“. Dieses Vorhaben wurde nicht umgesetzt, „der Krieg hat es verhindert, aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ wie Kaufmann bemerkte.

Bis zu seinem Tod wird Kaufmann die Errichtung eines Denkmals für Müller als richtig erachten. 1815 schrieb er bewundernd an diesen „ … Und so gehen denn auch sie vorwärts lieber Theurer Vetter bis in die offenen Hallen der Unsterblichkeit, verehrt von Ihres LandesLeuten, und innig geliebt von allen die Sie in Ihren Werken erkennen.“

Mit seinen Publikationen sorgte Kaufmann dafür, dass die Bedeutung  Müllers insbesondere mit seinem Werk „Creuznach“ überregional bekannt gemacht wurde. Kaufmann verknüpfte Müller, Michel Mort und Kreuznach auf das Engste, was dankbar aufgenommen und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert immer wieder rezipiert wurde, was darauf hindeutet, dass Kaufmann tatsächlich auch gelesen wurde.

In vielen seiner Publikationen und Gedichte, äußerte er seinen Wunsch, dass Müller, Michel Mort, Großkanzler Karmer, den Stadtgründern Kreuznachs und Gerhard Heinrich Schmerz Denkmäler gesetzt werden sollten.
Die Ausführung seines Wunsches erlebte Kaufmann nicht mehr. Allerdings war er in dieser Hinsicht wiederum ein geistiger Vorreiter, denn die Mode, Denkmäler für verdiente bürgerliche Persönlichkeiten aufzustellen, begann gerade erst im vollem Umfang, als Kaufmann starb.

gehalten von
Franziska Blum-Gabelmann M.A.
06.09.2007

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