Stadtarchiv


Bild: Stadtrechtsurkunde

Geschichte

Ein zentrales Stadtarchiv wurde erstmals im Jahr 1937 erwähnt. Die Unterbringung des Archivgutes erfolgte zunächst in einem heute als Geschäftshaus genutzten Gebäude in der Kronenberger Gasse, danach in der Berufsschule Ringstraße sowie später im ehemaligen Schulgebäude in der Planiger Straße. Seit dem Jahr 1995 befindet sich das Archiv nun in dem sogenannten "alten Pförtnerhaus" im Schlosspark an der Dessauerstraße. Organisatorisch ist es dem Hauptamt der Stadtverwaltung angegliedert.


Aufgaben

Das Stadtarchiv nimmt insbesondere folgende Aufgaben für den gesamten Bereich der Stadt Bad Kreuznach einschließlich der Ortsteile Bosenheim, Ippesheim, Planig und Winzenheim wahr:

  • Übernahme, Verwaltung und Pflege archivwürdiger Informationsträger (Schrift-, Karten-, Bild-, Film-, Ton- und Digitalarchivalien) von Privatpersonen, Firmen, Verbänden, Vereinen, politischen Parteien bzw. Gruppierungen und sonstigen Organisationen.
  • Erforschung, Dokumentierung und Vermittlung der Stadtgeschichte (Beratung und Führung von Benutzer/-innen, Unterstützung der Heimat- und Familienforschung, Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen für Bildung und Kultur, Information der Öffentlichkeit durch Ausstellungen, Führungen, Veröffentlichungen und Vorträge).

Bestände

  • Urkunden ab 1241
  • Verwaltungsakten vom 16. bis 19. Jahrhundert
  • Bad Kreuznacher Tageszeitungen ab 1805
  • Foto-/Diaarchiv
  • Karten und Pläne
  • Zeichnungen
  • Ton- und Filmdokumente
  • Nachlässe Bad Kreuznacher Persönlichkeiten
  • diverse Materialsammlungen

Das Archiv verfügt darüber hinaus über eine kleine Fachbibliothek, die zu Forschungszwecken benutzt werden kann.

Zitierweise bei Veröffentlichungen: StA KH


Benutzung

Alle Personen, die ein berechtigtes Interesse darlegen, können das Stadtarchiv nach Maßgabe der Archivordnung benutzen. Für bestimmte Leistungen werden Gebühren erhoben.



Bevor das Stadtarchiv voraussichtlich im Herbst 2019 ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir in loser Folge unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor.
Verfasserin ist die Leiterin des Stadtarchivs, Franziska Blum-Gabelmann.

  • So sah die Stadt 1912 aus: Der Pharus=Plan Radium-Sol-Bad Kreuznach

    Im 43. Teil: Der Pharus-Plan von 1912 als wichtiges Zeugnis aus der Geschichte der Kreuznacher „Badeindustrie“ vor dem Ersten Weltkrieg.

    Der Pharus-Plan von Kreuznach wurde von dem in Berlin ansässigen Pharus-Verlag im Jahr 1912 herausgegeben. Das 1902 gegründete Unternehmen hatte sich von Beginn an auf zweckmäßige, klar strukturierte und übersichtliche Stadtpläne spezialisiert. Das Markenzeichen der Pläne waren perspektivische Zeichnungen, die aus den farbig gedruckten Karten realitätsnah hervortraten und das Augenmerk des Betrachters auf besondere Gebäude lenkten.

    Auf dem Kreuznacher Stadtplan ist schwerpunktmäßig die Infrastruktur des Radium-Sol-Bades betont. Neben Sehenswürdigkeiten (Kirchen, Denkmäler) und öffentlichen Gebäuden (Stadtverwaltung, Bankhäuser, Theater) sind insbesondere die zentralen Kureinrichtungen der Stadt, also das Kur- und Bäderhaus, Krankenhäuser und Kinderheime wie das Kurkrankenhaus St. Marienwörth oder das Viktoriastift perspektivisch hervorgehoben. Hotels, Pensionen und Gasthäuser sind farblich unterlegt und mit Zahlen versehen. Eine Legende auf der linken Seite des Plans entschlüsselt diese und benennt Hotels und Badehotels der Stadt und deren Position auf der Karte. Dem Betrachter erleichtert diese Art der Darstellung eine schnelle Orientierung. Die Karte ist entfaltet 46 x 25 Zentimeter groß. Sie wurde im Maßstab 1:8500 angefertigt.

    Der Pharus-Plan stellt ein wichtiges Zeugnis aus der Geschichte der „Badeindustrie“ vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges dar.

  • „Teig=Waaren Fabrik“, „Aichamt“ und „Pianofortefabrikation“: Verzeichnis der in der Stadt Kreuznach vorhandenen gewerblichen Anlagen

    Im 42. Teil: Eine Akte von 1902, die Gewerbebetriebe in der Stadt auflistet, als wertvolle Quelle zur Wirtschaftsgeschichte von Bad Kreuznach.

    Die Akte 755 enthält ein alphabetisches Verzeichnis von annähernd 300 gewerblichen Anlagen aus Kreuznach. Neben den Namen der Besitzer sind Firmenbezeichnungen und Adressen vermerkt. In der Liste sind Manufakturen und Handwerksbetriebe ebenso erfasst wie Firmen mit mehreren hundert Mitarbeitern. Dazu zählen zum Beispiel eine Flaschenfabrikation, mechanische Werkstätten, Bäckereien, eine Kaffeerösterei, ein Dreschbetrieb, eine Schaumwein- und eine Mineralwasserfabrik, eine „Pianofortefabrikation“, Ziegeleien, eine chemische Fabrik, Buchdruckereien, Schreinereien, eine „Teig=Waaren Fabrik“, eine Lack- u. Firnis-Fabrikation, eine Kisten- und Strohhülsenfabrik, ein Musikwerk (Musikautomatenhändler), ein Holzsägewerk sowie Mühlenbetriebe.

    Unter den aufgelisteten Besitzern der gewerblichen Anlagen befinden sich auch städtische Einrichtungen, wie die Abdeckerei in der Planigerflur, das Aichamt (!) und die Gasanstalt in der Mühlenstraße sowie das Schlachthaus in der Schlachthausstraße 25-31. Letzteres wurde unter der Bezeichnung „Eisfabrikation und Kühlhausbetrieb“ registriert. In den wenigsten Fällen ist das Datum vermerkt, wann eine Firma eingegangen ist. 1902 geschah dies jedoch für Jacob Lang mit seiner Kammfabrik, die er im Krummen Kranz betrieben hatte. Auf dem hier abgebildeten Ausschnitt erscheinen bekannte und weniger bekannte Kreuznacher Firmen und solche, die bis heute − wenn auch unter anderem Namen − weiterhin bestehen. So entwickelte sich aus der 1840 gegründeten Gerberei von Carl Ackva die 1960 gegründete Allit AG Kunststofftechnik.

    Die Akte, die von der Polizeiverwaltung um 1902 angelegt wurde, enthält wertvolle Informationen zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt Bad Kreuznach. Bemerkenswert ist, dass sich 39 Betriebe in der Regie von Frauen befanden, die mit klassischer Frauenarbeit verbunden werden: Näh- und Putzgeschäfte, Mantel- und Damenschneidereien sowie eine Weißstickerei.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 755

  • Demnächst im Haus der Stadtgeschichte – Situationsplan: Am Stadthaus zirka 1830

    Im 41. Teil geht es um den Situationsplan am Stadthaus von zirka 1830.

    Der leider beschädigte und undatierte Situationsplan zeigt einen Ausschnitt des innerhalb der Stadtmauer gelegenen Bereichs in der Nähe des heute abgerissenen Binger Tores (Ecke Stromberger Straße). Um 1830 angefertigt, vermittelt der kolorierte Plan den Straßenverlauf von „hohe Stasse“ (Hochstraße), Brunnengasse (Braunshorn), Marktstraße (obere Poststraße), Fischergasse und der heutigen Magister-Faust-Gasse, Grundrisse der dort stehenden Gebäude und Gartenflächen, die Lage dreier Brunnen und von Teilen der Stadtmauer. In der Mitte, heute Hochstraße 48, das Rathaus der Stadt Kreuznach, damals noch mit existentem Seitenflügel. Vor dem Rathaus, der Stadthausplatz, hinter dem Gebäude der große Stadthausgarten, der an die Karpfengasse stößt.

    Das Stadthaus wurde um 1830 nicht nur zu administrativen Zwecken (z.B. Standesamt, Friedensgericht) genutzt. Es diente als Amts- und Wohnsitz von Landrat von Hout und Oberbürgermeister Buss. Der Bau der Wilhelmsbrücke, die 1906 in Betrieb genommen wurde, führte zum Abriss der unmittelbar neben dem Rathaus stehenden Gebäude. Auch die Häuserzeile gegenüber dem Rathaus, entlang der Hochstraße, wurde im Zuge der Neustadtsanierung in den 1970er Jahren entfernt. Der kolorierte Situationsplan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglicht dem Betrachter von heute zu rekonstruieren, wie sich die städtische Bebauung im Bereich des Stadthauses verändert hat.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Pläne

  • Vier direkt gewählt, eine rückte nach – Die ersten Frauen im Stadtrat 1919

    Im 40. Teil das Protokoll der öffentlichen Stadtratssitzung vom 21. November 1919. In den Rat zogen die ersten fünf Frauen in der Geschichte der Stadt Bad Kreuznach ein.

    Während der Novemberrevolution wurde in Deutschland am 12. November 1918 das Wahlrecht für Frauen ausgerufen. Männer und Frauen nahmen daher am 19. Januar 1919 gemeinsam an der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung teil. Im gleichen Jahr fand nach Einführung des Frauenwahlrechtes in Kreuznach am 2. November die Wahl der Stadtverordneten statt. Erstmals in der Geschichte der Stadt wurden daraufhin vier Frauen in die Stadtverordnetenversammlung gewählt: Maria Blum-Holl für die USP, Elsbeth Krukenberg für die Deutsche Demokratische Partei, Helene Voigtländer für die Deutsch Nationale Volkspartei und Klara Schütze für die Liste der Festbesoldeten und erwerbstätigen Frauen.

    Am 21. November 1919 wurden sie zusammen mit ihren 32 männlichen Kollegen im Sitzungssaal des Stadthauses in ihr Amt eingeführt. Auf einer Estrade saßen Bürgermeister und Beigeordnete und an zwei darauf ausgerichteten langen hellblauen Tischen nach Fraktionen geordnet die Stadtverordneten. Am linken Tisch saßen die Vertreter der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und die USP. Am rechten Tisch saßen Vertreter des Zentrums, die Unpolitischen, die Fraktion Schütze, die Sozialdemokraten und die Demokraten. Auf jeder Seite waren zwei Frauen platziert, links Fräulein Voigtländer und Frau Blum-Holl, rechts Fräulein Schütze und Frau Krukenberg. In einer Rede beschwor Bürgermeister Dr. Fischer dass es die höchste Pflicht der Stadtverordneten sei, „stets mit strengster Unparteilichkeit nur das Wohl der Gesamtheit aller Bürger zur Richtschnur ihres Handelns zu nehmen“, damit die Herausforderungen nach dem Ersten Weltkrieg unter französischer Besatzung und schwieriger wirtschaftlicher Lage gelöst werden könnten.

    Am 9. Dezember folgte in das Stadtverordnetenkollegium Elise Lorenz als Nachrückerin für Christian Thran (Zentrum). Sie wurde im öffentlichen Teil der Sitzung per Handschlag zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung forderte die Stadtverordnete Klara Schütze das Kollegium auf, sie zukünftig nicht als Fräulein sondern als Frau anzusprechen, da sie sich als berufstätige Frau durch diese Bezeichnung diskriminiert fühlte. Nicht zufällig war am gleichen Tag ein Artikel von ihr im Öffentlichen Anzeiger erschienen, der sich mit dem Ansehen der alleinstehenden, unverheirateten Frau beschäftigte. Klara Schütze hatte sich in der Vergangenheit wie die anderen weiblichen Stadtverordneten für bessere Ausbildung und berufliche Entfaltung von Frauen, um Gleichberechtigung und Selbstbestimmung sowie politische Mitbestimmung eingesetzt. Stadtratsprotokolle gehören zu den wichtigsten Informationsquellen für die Geschichte der Stadt. 

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH RP 1916 – 1920

  • Dem Holocaust durch Flucht entgangen: die Polizeiliche Abmeldung des jüdischen Metzgers Isidor Mayer

    Im 39. Teil: Die Polizeiliche Abmeldung von Isidor Mayer stellt ein wichtiges Zeugnis der Kreuznacher Juden dar, die dem NS-Regime durch Auswanderung entkommen konnten.

    Am 13. Mai 1935 stand in der Lokalpresse, dass es „vor der jüdischen Metzgerei Isi Mayer, Kreuzstraße“ zu einer „friedlichen Demonstration“ gekommen war, „als festgestellt wurde, dass arische Einwohner zum Kauf das Geschäft betraten“. Isidor Mayer übte, wie schon sein Vater und Großvater, den Beruf des Metzgers in Bad Kreuznach aus. Unter dem Namen Isi Mayer warb er zum Beispiel an Sylvester für seine Ochsen-, Kalb- und Hammelmetzgerei in der Kreuzstraße 19. Mit koscheren Knoblauchwürstchen belieferte er 1925 das „Restaurationszelt“ von Julius Baruch auf dem Jahrmarkt. Der vorliegende „Große Meldeschein“ bestätigt seine polizeiliche Abmeldung von Bad Kreuznach, ausgestellt am 20. Juli 1937, des örtlichen Einwohnermeldeamtes.

    Der am 20. November 1884 in Kreuznach geborene Isidor Mayer zog anschließend zusammen mit seiner am 26. August 1886 in Winnweiler geborenen Frau Irma Strauß – bis dahin wohnten sie in der Ludendorff Straße 21 (heute Aschoffstraße)−, nach New York. Der Vermerk „Eltern mit der Normandie“ ist als Hinweis zu werten, dass das jüdische Ehepaar mit der Normandie, einem Passagierschiff, das zur Zeit seiner Fertigstellung im Jahr 1935 als größtes Schiff der Welt galt, nach Amerika übersetzte. Isidor und Irma Mayer hatten zwei Kinder: Alfred und Ludwig, beide in Kreuznach geboren und wie ihr Vater gelernte Metzger. Sie waren zu diesem Zeitpunkt volljährig und im April beziehungsweise Juni 1935 nach New York übergesiedelt.

    Der Meldeschein ist Bestandteil einer Schenkung, die dem Stadtarchiv 2018 übergeben wurde. Er stellt ein wichtiges Zeugnis des Teils der jüdischen Kreuznacher Bevölkerung dar, die dem nationalsozialistischen Regime durch Auswanderung entfliehen und dadurch überleben konnte.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Juden

  • Vor Palmenhaus posierend: Foto aus Förster-Nachlass zeigt unbekannte Frau anno 1950

    Im 38. Teil: Ein Foto aus dem Nachlass der Familie Förster zeigt eine unbekannte Frau um 1950 vor dem Puricelli‘schen Palmen- und Gewächshaus.

    Die Aufnahme zeigt links im Bild das Puricelli‘sche Palmen- und Gewächshaus, das um 1904 von dem Regensburger Architekt Georg Strebel für die Industriellenfamilie geplant und dann auch, nach der Genehmigung am 4. März 1904, errichtet wurde. Ursprünglich bestand die Gewächshausgruppe aus drei Gebäuden; mittig ein hohes Palmenhaus, rechts und links flankiert durch niedrigere Seitenflügel, die im Bild zu sehen sind. Das Glashaus mit Eisenkonstruktionen wurde um 1970 abgerissen. Hinter den vorstehenden Seitenflügeln ist die um 1870 erbaute, bis heute im Wesentlichen unveränderte und unter Denkmalschutz stehende gründerzeitliche Villa in der Dessauerstraße 41 zu erkennen.

    Im Vordergrund hat sich eine unbekannte Frau positioniert, die sich lässig eine Jacke über die Schulter geworfen hat und in die Kamera lächelt. Für die Arbeit trägt sie eine praktische Latzhose, das Haar ist zu einer „Entwarnungsfrisur“ hochgesteckt. Ob es sich um eine Familienangehörige des Gartenbauoberinspektors Johann Gottlieb Förster (1903-1992) handelt, der im 1893 errichteten Pförtnerhaus des Rittergutes Bangert, dem heutigen Stadtarchiv, lebte, oder um eine Angestellte des Max-Planck-Instituts, das dieses Areal 1950 zunächst pachtete und 1970 ankaufte, konnte bisher nicht geklärt werden. Fest steht, dass Förster bis Ende der 1960er-Jahre für Park, Gärten und Gewächshaus verantwortlich war.

    Der Nachlass befindet sich seit 2003 im Besitz des Stadtarchivs

    Hinter der Frau ist eine hohe Sandsteinmauer erkennbar. Diese Einfriedung wurde 1892 vorgenommen. Darin sieht man einen Durchgang, der von mächtigen, quadratischen Sandsteinpfosten flankiert wird, auf denen je eine Mauervase in Form einer Amphore steht. Kleinere Ausführungen davon stehen auf den Mauerkronen der Seitenflügelendmauern des Gewächshauskomplexes. Die im Hintergrund entlang der unbenannten Seitenstraße der Dessauer Straße stehenden Gebäude bilden baulich gesehen die äußere Grenze zum Gerberviertel. Darauf verweist der mittig im Bild stehende Schornstein, der hoch in den Himmel hineinragt. Rechts im Bild ist der tiefer gelegene bepflanzte Gartenbereich erkennbar, der unterhalb des Wirtschaftsweges liegt.

    Das Schwarzweißfoto wurde um 1950 im Spätherbst oder im Frühjahr aufgenommen. Der Fotograf ist unbekannt. 2003 wurde dem Stadtarchiv ein kleiner Nachlass der Familie Förster übergeben, darunter ein Fotoalbum, in dem sich das besprochene Foto befindet. Leider sind die Aufnahmen nicht beschriftet worden, so dass nicht bekannt ist, wer die Frau ist, die im Mittelpunkt des Fotos steht.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH NL Förster.

  • Eine 16-Jährige schildert in ihrem Tagebuch Silvester und Neujahr 1910/1911

    Im 37. Teil: Eine 16-Jährige schildert in ihrem Tagebuch Silvester und Neujahr 1910/1911.

    Kreuznach, den „31. Dez. Habe Neujahrskarte von Fritz Metzger + Käthe Metzger erhalten. Natürlich erwidert. Phillip war heute Abend da. Ich habe Blei gegossen + Papa. Jeder hatte einen Wagen Papa sogar eine Siegestrophäe. Haben Rumpunsch getrunken + Glühwein war sehr fein. Ging erst um dreiviertel 1 Uhr ins Bett. - Das Jahr 1911-  Jetzt ist schon ein ganzes Jahr vorbei, in dem ich alles was ich erlebte hier niederschrieb. Wieviel Trauriges + Fröhliches hat mir dies Jahr gebracht. Und Gott müssen wir für Gutes + Böses dankbar sein, denn er weiß alles am besten zu lenken und zu leid[!]en darum lieber Gott stelle ich Dir auch für das kommende Jahr alles anheim. Du weißt wohl was am besten ist. Doch ein große Bitte hätte ich an Dich: Lass uns alle, alle so gesund wie wir heute sind, das nächste Jahr erleben. Und schenke Du unserer ganzen Familie zu allem was sie tun Deinen Segen, so wird sich alles zum Besten kehren. - Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen - 1. Jan. 1911- War heute Mittag bei Wiedenstritts. Kathie + ich gingen noch zu Hoffs das neue Jahr anwünschen. Habe noch tüchtig Klavier gespielt. Pitthans wollten mich mit in den Liederkranz nehmen. Wollte aber nicht, sonst hätte es am Ende wirklich geheißen ich wollte mit Karl etwas. Dazu habe ich doch viel zu viel Ehrgefühl. Von Schloss + Dietrich kamen heute noch Neujahrskarten an.“

    Der Eintrag stammt aus dem Tagebuch einer Jugendlichen. Sie war 16 Jahre alt, als sie mit den Eintragungen begann, die von Januar 1910 bis April 1915 in unregelmäßigen Abständen erfolgten. In dem Buch schildert sie u.a. familiäre und gesellschaftliche Ereignisse in Kreuznach und ihre Zeit in einem Kasseler Pensionat. Die letzten Seiten wurden mit einer Schere herausgetrennt. Das abschließbare Tagebuch, geheftet, mit Goldschnitt und einem bordeauxroten Umschlag versehen, der Ornamente des Jugendstils trägt, ist Bestandteil eines noch unerschlossenen Konvolutes, das dem Archiv 2014 geschenkt wurde. Tagebücher sind autobiographische, schriftliche Zeugnisse, die für die Erforschung der Alltags- und Mentalitätsgeschichte eine wichtige Quelle darstellen.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH N.N..

  • „Was hat Dir das Christkindchen sonst noch gebracht?“: Weihnachten 1919 aus Sicht eines Dienstmädchens

    Im 36. Teil: Ein Brief des Dienstmädchens Ella G. an ihre Schwester gibt Einblicke in die Lebenswirklichkeit junger Frauen als Hausangestellte vor 100 Jahren.

    „Kreuznach, den 28. Dez. 1919. Liebe Jette! Vielen Dank für D. lb. Brief. Dein Paket hast Du wohl unterdessen erhalten. Hat es Dir gefallen? Was hat Dir das Christkindchen sonst noch gebracht? Bei mir war es recht brav. Von Fr. Prof. habe ich 1 Kalender, 1 Tasse, 1 St. Seif u 1 Jacke von ihren bekommen. Vom H. Prof. 60 M. v. H. Dr. 10 M vom H L. 10 M von unser Doktor 10 M u 1 Stück Seif. Da muß ich wohl sehr brav gewesen sein. Das hätte ich in C. nicht bekommen. Fr. Prof. habe ich ein Alpenveilchen geschenkt. Da sagte heute morgen der H. Dr. so hätte ich mich doch nicht in Unkosten stürzen dürfen, die wären doch so teuer, 1 kl. mit 1 Blume kostet schon 5 M. Ich sagte ihm wenn ich jemand was schenke solls ordentlich oder gar nicht sein.

    Fr. Prof. liegt mal wieder im Bett. Am 1 Feiertagabend fiel sie an ihrer Schlafzimmertüre hin, jedenfalls durch einen Krahmpf, hatte dann furchtbare Schmerzen u konnte den ganzen Tag die Beine nicht strecken. H. Dr. hat sie dann gestern morgen betäubt u wollte die Beine strecken nun ist der linke Unterschenkel gebrochen. Jetzt muß sie wenigstens 14 Tg ruhig liegen bleiben. Ich glaubte nach den Feiertage ein bischen ausruhen zu können, nun habe ich die Lauferei wieder. Vor den Feiertagen gings mir hart her; ich habe fast jeden Abend bis 11 12 Uhr geschafft. Morgens geputzt u mittags b Gas gebacken. Es ist alles schön geworden u dann hat man auch seine Freude dran.

    "Die Zeit hier vergeht furchtbar rasch", schreibt Ella an ihre Schwester.

    Kuchen hab ich auch gebacken. Als ich fragte was soll ich backen, sagte Fr. Prof. ich denke sie überraschen mich u ich hab sie überrascht. Ich habe einen großen Bund gebacken 2. Zuckerkuchen, 1 Zwetschen- 1 Kirschen und 1 Apfelkuchen. Die sind ja wohl nicht so groß u als ich hier fertig hatte, legte ich die 5 auf einen Deckel u trug sie hinein. Sie war ganz begeistert, später mußte ich sie noch 2x bringen für die Herren u f. Dr.

    Wenn man auch viel Arbeit hat aber so selbstständig arbeiten zu dürfen macht einem auch Spaß. Schon so oft hab ich an Carlinchen in C gedacht, wie sie sagte, bei all ihrer Tüchtigkeit muß ich helfen sonst packen sies nicht, u denen ihr Haus u. unser Haus. Jetzt bin ich schon ½ Jahr hier, die Zeit vergeht furchtbar rasch. Nun wünsch ich Dir alles Gute im neuen Jahr u einen ordentlichen Mann. Mit herzlichem Gr. u. K. verbleibe ich D. Ella. Prosit Neujahr! P.S. Ist 1 M für Fr. Groß nicht so wenig gib ihr noch 1. Wir waren so froh mit dem Fleisch.“

    Der Brief stammt aus einem Nachlass, der dem Stadtarchiv 2014 von Sabine Satwat überlassen wurde. Über viele Jahre hinweg schrieben sich die Schwestern Ella und Jette (Henriette) G. Briefe und Postkarten. Darin schildern sie aus der Perspektive junger Frauen ihre Lebenswirklichkeit als Hausangestellte bei verschiedenen Dienstherren im Zeitraum von 1914 bis 1923.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH NL Satwat.

  • Prinzipskizze von 1821 verdeutlicht damalige Wohnsituation im Bereich Holzmarkt

    Im 35. Teil: Eine Prinzipskizze von 1821 beweist, wo Friedrich Christian Laukhard in Kreuznach tatsächlich lebte.

    Am 26. Januar 1821 wurden die Anwohner der Hundsgasse (ab Dez. 1880 Gerbergasse) eingeladen, am 31. Januar nachmittags um 4 Uhr ins Stadthaus zu kommen. Hauptanlass war der öffentliche Verkauf von Teilen des alten verfüllten Stadtgrabens, eines geräumigen Platzes, der teils als Zimmerplatz und teils zur Aufbewahrung von Straßendung genutzt wurde. Im Vorfeld der Versteigerung hatte Renovator Wenzel einzelne Loose vermessen. Die zu veräußernden Stücke lagen hinter den in der Hundsgasse an der alten Stadtmauer stehenden Gebäuden und orientierten sich an der Breite der Häuser. Die stark vereinfachte mit schwarzer und roter Tusche gefertigte Handskizze vermittelt dem Betrachter einen Überblick über die räumlichen Zusammenhänge des Gebietes im Bereich des heutigen Holzmarktes

    Dargestellt sind laut Beschreibung: „A. Rüdesheimer Thor; B. Hauptstraße durch die Stadt nach Bingen; C. Hundsgasse; D. Stadtgraben oder Zimmerplatz: wovon die Rede ist. Die veräußerten Plätzchen sind mit ihren Loos Nummern bezeichnet; E. Freyer Platz auf welchem der Brunnen G steht; F. Wohnhaus des Hafner Fuchs; G. Brunnen; H. Garten der Ww. Macher; I. Andres Privat Eigenthum; K. Weg zum Wasserteiche; L. Eigenthum der Ww. Macher. Das Gebäude Nr. 12 gehört ihr ebenfalls. M. Häuser und Gärten von Privaten; N. Wohnung des Bäcker Drees; O. Wohnung des Brand“. In einer beiliegenden Liste werden die Besitzer der nummerierten Hausplätze aufgeführt. Rechts und links von L, mit den Nummern 19 und 1, liegen Gebäude der Witwe Peter Macher. Es folgen entlang der Hundsgasse bis 17 aufsteigend die Besitzer der dortigen Häuser: Philipp Geyer (2), Johannes Genß, Heinrich Dietz, Philipp Geyer, Franz Eberhard Ww. mit Wilhelm Quadro (6), Johannes Schuck mit Bamberger, Sebastian Diel, Friedrich Wallauer, Heinrich Scheiben (Ww.), Nicolaus Speh, Nicolaus Stauth, Joseph Ulrich (13), Barthel Hangen mit Christoph Wöllstein, Wilhelm Nau und Huther, Adam Saam und Heinrich Kaufmann sowie das Haus von Henrich Brand (17), das an der heutigen Hochstraße liegt. Auch Loos Nr. 18, das nicht bebaut werden durfte, erwarb Brand. „Nach der Stadt hin“, so die Niederschrift des Versteigerungsprotokolls, „bildet die einerseits von der Ecke des Wohnhauses des Bäcker Leonhard Drees nach der Ecke des Hauses von Häfner Fuchs und anderseits von der Front des Brand´schen Wohnhauses, das das Eckhaus am Rüdesheimer Tor bildet, zur Hauptstraße gezogenen geraden Linie, die Grenze“. Diese Beschreibung definiert die Festlegung des künftigen Straßenverlaufs. Die einfache Handzeichnung stellt die räumlichen Zusammenhänge im Gebiet des Rüdesheimer Tores - des heutigen Holzmarktes dar. Zusammen mit der dem Versteigerungsprotokoll beigefügten Liste der Hauseigentümer kann festgestellt werden, wer 1821 in welchem Haus entlang der Hundsgasse vor der alten Stadtmauer wohnte. Im unteren Viertel des Plans ist der Garten des Herrn Hessel eingezeichnet. Dieser ist rechts von dem Weg in den Bangert und links von der Hauptstraße, die von Sobernheim nach Bingen führte, umschlossen. Heute sind das die Dessauer- und die Rüdesheimerstraße. 1821 stand im heutigen Bereich des Holzmarktkreisels zudem ein Schwengelbrunnen. Die Besonderheit des Plans aber liegt darin, dass damit zweifelsfrei der Ort lokalisiert wird, wo Friedrich Christian Laukhard zum Zeitpunkt seines Todes lebte; das Haus des Häfners Fuchs (F). Heute steht dort die „Neue Apotheke am Holzmarkt“ (Dessauerstraße 1).

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 547.

  • Als die Kreuznacher Bäckereien „Bubenschenkel“ an Schüler verteilten – Rezept und Fotos des Gebäcks gesucht

    Im 34. Teil: Eine Liste der Bäcker aus Kreuznach von 1896 bis 1901 zeugt von einem heute fast vergessenen Brauch.

    Die vorliegende Liste ist eine Aufstellung der Bäcker in Kreuznach, die in den Jahren von 1896 bis 1901 von der Stadtverwaltung beauftragt wurden, zum Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar „Bubenschenkel“ zu backen. Die Aufträge wurden unter den Bäckern der Stadt gleichmäßig verteilt. 1897 lieferten die Kreuznacher Bäckereien Ferber, Hüge, Merz, Schultheis, Ries, Streug, Staab, Schilling, Engbarth, Albrecht, Schraut, Ritter, Rockenbach, Bohr, Franzmann und Heuchert sowie Knobloch und Martin insgesamt 3488 Bubenschenkel an die Stadtverwaltung Kreuznach.

    Das Hefegebäck wurde unter den Schulkindern verteilt, wobei das Gymnasium nicht in der Liste geführt wird. Die Bubenschenkel erhielten die Schulhäuser Holzmarkt und Poststraße, das Schulhaus Mainzerstraße und die Schulhäuser Planiger- und Kreuzstraße. Bedacht wurden auch das katholische und evangelische Waisenhaus sowie das Elisabethenstift, die Kleinkinderschule in der Poststraße und die katholischen und evangelischen Kleinkinderschulen der Stadt. Die Stadtverwaltung beauftragte 1897 die Stadtverordneten Späth, Stumpf und Kossmann, sich um die Bestellung und Überwachung der korrekten Lieferung zu kümmern.

    Wie die "Buweschenkel" genau aussahen, ist unbekannt

    Im Volksmund „Buweschenkel“ genannt, wurde das etwa 25 Zentimeter lange und zwölf Zentimeter breite Gebäck aus zwei Teilen zusammengesetzt. Nach Buss und Westermann, die sich mit Redewendungen der Kreuznacher Mundart beschäftigt haben, verbreiterte sich das Gebäck an den Seiten und lief in je zwei kugeligen Knöpfen aus. Leider ist bisher weder ein Foto noch ein Rezept überliefert, die über das exakte Aussehen oder die Beschaffenheit des Teiges Auskunft geben könnten. Kurfürst Philipp Wilhelm von der Pfalz soll die Sitte Bubenschenkel zu überreichen 1685 eingeführt haben. Die Tradition ist aus vielen Regionen überliefert. Noch bis 1915 bekamen Jungen und Mädchen das Gebäck überreicht. Auch nach dem Ende der Monarchie lebte der Brauch weiter.

    Heinz-Jürgen Jacobi, ein Archivbenutzer, erzählte jüngst, dass auch er noch nach dem Zweiten Weltkrieg „Buweschenkel“ überreicht bekommen habe. Diese hätten allerdings eine gewisse Ähnlichkeit mit Weckmännern gehabt. Der Anlass war die Eröffnung der Spannbetonbrücke nach der Umgestaltung 1956.

    Vielleicht hat eine Leserin oder ein Leser ein Foto von diesem „Kreiznacher Buweschenkel“ oder das Rezept? Das Stadtarchiv ist gerne bereit, sie beim Lesen der alten Schrift zu unterstützen.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 726.

  • „Bedeutende deutsche Frauen“: 50-Pfennig-Briefmarke der Kreuznacher Künstlerin Dorothea Fischer-Nosbisch

    Im 33. Teil: Eine kürzlich vom Stadtarchiv erworbene 50 Pfennig-Briefmarke von 1976 der Kreuznacher Künstlerin Dorothea Fischer-Nosbisch.

    Die am 16. April 1921 in Kreuznach als Tochter von Franz Ottmar Nosbisch und Paula Frieda Jäger geborene Dorothea Maria Ottilie Nosbisch gestaltete 1976, 1984 und 1991 für die Deutsche Bundespost mehrere Briefmarken. Unter dem Titel „Bedeutende deutsche Frauen“ erschienen 1976 vier 50 Pfennig-Briefmarken, die allesamt Schauspielerinnen darstellen: Friedericke Caroline Neuber, Sophie Schröder, Hermine Körner und Louise Dumont.

    Nach dem Studium in der Städelschule in Frankfurt am Main gründete Dorothea Nosbisch mit Fritz Fischer eine Ateliergemeinschaft, wenig später, am 20. März 1950, heirateten die beiden. 1958 gründete das Ehepaar mit anderen Künstlern die Designgruppe „novum“. Das „Atlas Film“-Unternehmen wurde der wichtigste Arbeitgeber, für den das Atelier Fritz Fischer-Nosbisch auch das Logo entwarf. Bekannt geworden sind von Dorothea Fischer-Nosbisch die Plakate zu den Kinofilmen „Das Schweigen“, „Der blaue Engel“ oder „12 Uhr mittags“. Nach der Trennung von ihrem Mann 1967 gestaltete sie Briefmarken für die deutsche Bundespost, arbeitete als Kunsterzieherin und freischaffende Künstlerin. Am 29. April 2009 starb sie in Darmstadt.

    Die vorliegende Briefmarke, die Luise Dumont in der Rolle der Hedda Gabler aus Henrik Ibsens gleichnamigem Drama darstellt, wurde vom Stadtarchiv Bad Kreuznach als Beleg des Schaffens einer weitgehend unbekannten Bad Kreuznacher Künstlerin 2018 gekauft.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Kreuznacher Persönlichkeiten.

  • "Für jedermann, auch Frauen": Plakat zu einem politischen Vortrag als interessantes Zeugnis aus den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs

    Im 32. Teil: Ein Plakat zu einem politischen Vortrag ist ein interessantes Zeugnis aus den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs in Bad Kreuznach.

    Mit dem Plakat, das in der Druckerei R. Voigtländer Nachf. angefertigt wurde, lud Landrat Erwin von Nasse am 10. Oktober für Sonntag, 20. Oktober 1918, nachmittags um 15 Uhr zu einem Vortrag in das evangelische Gemeindehaus in der Rossstraße ein. Der Reichstagsabgeordnete Gustav Trittel (1865-1929), der für die nationalliberale Partei im Deutschen Reichstag saß, sollte Interessierte über die innere und äußere Lage Deutschlands informieren, worauf ab dem 12. Oktober Anzeigen in der Lokalpresse hinwiesen.

    Nachdem Max von Baden am 3. Oktober Reichskanzler geworden war und die erste parlamentarische Regierung Deutschlands gebildet hatte, wurde dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson am 4. Oktober auf Betreiben der Oberen Heeresleitung ein Waffenstillstandsangebot überreicht. Mitte Oktober 1918 spitzte sich die Kriegssituation zu, angesichts des militärisch-politischen Zusammenbruchs des verbündeten Österreich-Ungarns befand man sich in der Endphase des Krieges. Nur wenige Tage, nachdem erstmals in der lokalen Presse für den Vortrag geworben worden war, wurde der Termin abgesagt – angeblich wegen einer ungünstigen Eisenbahnverbindung.

    Beschwörung "deutscher Tugenden" - obwohl Krieg längst verloren ist

    Auf dem im Stadtarchiv überlieferten Plakat ist handschriftlich verzeichnet, dass der Vortrag mit „Rücksicht auf die politische Lage“ nicht stattgefunden hat. In der Lokalpresse standen täglich Berichte über die aktuelle politische Situation, insbesondere über die Waffenstillstandsverhandlungen und die Möglichkeit eines bevorstehenden Friedens, wie Überschriften beweisen: 11. Oktober: Nach Wilsons vorläufiger Antwort Friedensverhandlungen erwartet; 12. Oktober: Die Antwort an Wilson; 15. Oktober: Die Bemühungen um Waffenstillstand; 16. Oktober: Wilsons zweite Antwort; 17. Oktober: Enttäuschung über Wilsons Antwort; 18. Oktober: Warum weicht Wilson aus?; 19. Oktober: Neue Erklärung an Wilson (…).

    Das Plakat aus der umfangreichen Materialsammlung des Stadtarchivs zum Ersten Weltkrieg ist ein interessantes Zeugnis aus den letzten Tagen des Krieges in Bad Kreuznach. Bemerkenswert an dem Werbeträger ist, dass immerhin wenige Wochen vor der Geburtsstunde des Frauenwahlrechts zu dem Vortrag nicht nur „jedermann“ sondern explizit auch „Frauen“ angesprochen wurden, und auch das Deklamieren von Durchhalteparolen und die Beschwörung „deutscher Tugenden“ wie Tapferkeit, Treue und Pflichtbewusstsein – und dies, obwohl längst klar war, dass der Krieg verloren war.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter MS „Erster Weltkrieg“.

  • Foto zeugt von den Werbestrategien einer Kreuznacher Weinkellerei vor rund 90 Jahren

    Im 31. Teil: Das Foto eines Ausstellungsstands der Kreuznacher Kloster-Kellerei C.F. Eccardt zeugt von den Werbestrategien im Weingewerbe im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

    Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt den Informationsstand der um 1890 gegründeten Bad Kreuznacher Kloster-Kellerei C.F. Eccardt auf einer Ausstellung. Aufgenommen wurde das Foto von „Photo Kronenberg“ in Düsseldorf, Hofgartenstraße 8. Die handschriftlich ergänzte Information „Düsseldorf Gastwirte Ausstellung 1933“ konnte nicht bestätigt werden. Der Weingroßhändler Carl Ferdinand Eccardt (1848-1922) wirbt mit seinem Stand 107 für den deutschen Wein (Rhein, Mosel, Nahe, Pfalz), der Präsentationsschwerpunkt liegt jedoch auf dem Nahewein, seinem Wein aus Bad Kreuznach.

    Wie zufällig lenkt der Aufbau des Standes den Blick in eine Ecke, in der sich die Stadt des Naheweins auch als Kurstadt und Heilbad werbewirksam darstellt − mit modernem Auftritt über einprägsame, grafisch zeitgemäße Poster und Flyer, die um 1927 gestaltet wurden. Über das Produkt Wein verbindet Eccardt Internationales, Nationales, Regionales und Lokales miteinander. Der Stand wirkt wie die Inszenierung eines bürgerlichen Weinlokals vor 1914.

    Goldene Medaillen sollen Qualität der Naheweine bezeugen

    C.F. Eccardt präsentiert in einem eigens zu Schauzwecken angefertigten, transportablen und aufwendig ausgearbeiteten hölzernen „Vitrinenaufsatz“, der an ein Element einer Schankraumausstattung erinnert, eine Auswahl eigener Weine und Schaumweine. Mit den an der Wand drapierten Medaillen belegt er deren Qualität und unterstreicht dies unter anderem mit dem Hinweis auf die auf der Weltausstellung in Paris 1903 verliehene goldene Medaille.

    Besondere Beachtung kommen der Magnumflasche „Blume der Nahe“ zu sowie einer etwas kleineren, von Künstlerhand bemalten Weinflasche in der Mitte des oberen Regalbodens. In der Mitte des unteren Regalbodens prangt der Begriff „Hoflieferant“, was zumindest 1906 für den König von Rumänien und 1907 für den Großfürsten Alexis Alexandrowitsch zutreffend war. Gleichzeitig belegt der Schriftzug „St. Petersburg“, dass der Schrank vor 1914 gefertigt wurde. Ein Tisch mit Gläsern vor gekühltem Wein, davor Stühle, die zum Niederlassen und Probieren einladen, ergänzen das bewusst gestaltete Ambiente.

    Stand weckt Assoziationen von Weinseligkeit und Winzeridylle

    Rechts und links des Schrankes fallen zwei vergrößerte Postkartenmotive auf, die vertiefend eher lokale Aspekte zum Thema Wein aufgreifen. Während die rechte die „Drei Wein-Generationen“ der C.F. Eccardt´schen Kellerei und damit das Geschäft thematisiert, Tradition, Seriosität und Kompetenz, vermittelt die linke auf volkstümlich anmutende Weise den eher emotionalen und sinnlichen Aspekt. Die Darstellung lässt Assoziationen zu Weinseligkeit, Winzeridylle und Heimatverbundenheit zu.

    Das Foto ist ein Zeugnis für das Nebeneinander verschiedener Werbestrategien und deren zeitgenössischen Ausdrucksformen am Beispiel der Klosterkellerei C.F. Eccardt im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH Fotoarchiv 8.70/162-16.

  • Flugblatt informierte 1918 über erste parlamentarische Regierung

    Im 30. Teil: Flugblatt über die erste parlamentarische Regierung gegen Ende des Kaiserreiches im Oktober 1918.

    Am 3. Oktober 1918 wurde Prinz Max von Baden von Kaiser Wilhelm II. zum neuen Reichskanzler ernannt. Am gleichen Tag bildete er eine parlamentarische Regierung, die erste parlamentarische Regierung des Kaiserreiches überhaupt. Anlässlich der Regierungsbildung unter Max von Baden wurde ein Flugblatt mit der Aufschrift „Die neuen Männer“ gedruckt und verteilt. Die abgebildeten Männer, deren Bildnisse von Paul Breckmüller gezeichnet wurden, sind: Reichskanzler Prinz Max von Baden, Staatssekretär Mathias Erzberger, Staatssekretär Philipp Scheidemann, Staatssekretär Gustav Bauer, Staatssekretär Dr. Wilhelm Solf, Reichsschatzsekretär Graf Roedern, Handelsminister Otto Fischbeck, Staatssekretär Ritter von Mann, Kriegsminister Heinrich Schëuch, Staatssekretär Dr. Groeber, Staatssekretär Dr. Trimborn. Mit Philipp Scheidemann und Gustav Bauer waren erstmals Sozialdemokraten in der Regierung. Prinz Max von Baden war nur kurze Zeit Reichskanzler. Es folgte, beginnend mit dem Matrosenaufstand Ende Oktober, die Novemberrevolution, die das Deutsche Reich von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratisch Republik umwandelte.Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Großes Hauptquartier.

  • Wegen "böswilliger Haltung": Die Ausweisung des Bürgermeisters Dr. Koernicke durch die französische Militärbehörde im Jahr 1919

    Im 29. Teil: Ein Schriftstück, das die Absetzung des Kreuznacher Bürgermeisters Dr. Hans Koernicke wegen „böswilliger Haltung“ gegenüber der französischen Militärverwaltung dokumentiert.

    Das vorliegende Schriftstück vom 13. Juli 1919 befindet sich im Teilnachlass des ehemaligen Kreuznacher Bürgermeisters Dr. Hans Koernicke (1875-1956), der im Stadtarchiv Bad Kreuznach aufbewahrt wird. Es bezieht sich auf einen Brief mit der Nr. IO6 69-2/5 des kommandierenden Generals der 10. Armee vom 9. Juli 1919. Darin steht, dass Bürgermeister „Kornike“ mit dem 13. Juli 1919 seiner Funktionen enthoben ist und mit dem 17. Juli das besetzte Gebiet verlassen muss.

    Begründet wurde die Anordnung damit, dass Dr. Koernicke nicht auf das Dienstsiegel der Stadt aufgepasst und es in den Händen von verdächtigen Personen gelassen habe, die damit gefälschte Passierscheine anfertigten; dass er eine grundsätzlich böswillige Haltung gegenüber der französischen Militärverwaltung sowie mangelnde Achtung gegenüber dem höheren Verwalter (L´Administrateur Superieur) habe, weshalb er vor dem Polizeigericht (Tribunal de Simple Police) erscheinen und 6000 Mark als Strafe zu errichten hatte; und schließlich, dass er am 29. Juni nichts unternommen habe, um die Wiederholung von Demonstrationen (aufrührerische Lieder) zu verhindern, die schon am Vorabend stattgefunden hatten − und das trotz der Vorstellung des Administrateurs.

    Über die wahre Haltung des Bürgermeisters kann nur spekuliert werden

    Genaue Hinweise auf die erwähnten Vorfälle konnten in den zurzeit vorliegenden Akten des Stadtarchivs nicht gefunden werden. Auch über die Haltung des Bürgermeisters zur französischen Besatzungsmacht kann nur spekuliert werden. Ein Blick in die Tagezeitungen ist bei der Rekonstruktion der Ereignisse wenig erhellend. Eine mögliche Erklärung zu dem am 28. und 29. Juni erwähnten Singen aufrührerischer Lieder ist die Unterzeichnung des Versailler Vertrags am 28. Juni, der am 10. Januar 1920 in Kraft trat und der der Öffentlichkeit in Kreuznach durch Depeschenaushang zugänglich gemacht wurde.

    Obwohl die Besatzungsbehörde in Kreuznach von einer Feier Abstand genommen hatte, um die Gefühle der Bevölkerung zu schonen, brachten einige Bürger der Stadt ihr Missfallen durch Singen aufrührerischer Liedern zum Ausdruck. In der Kreuznacher Zeitung wird am 18. Juli 1919 erwähnt, dass Koernicke „nach dreijähriger Tätigkeit im Amt die Stadt und das besetzte Gebiet nach Heidelberg verlässt“. Einen Tag später erfolgt die Bekanntmachung, dass Dr. Robert Fischer (1887-1966) „die Leitung der Dienstgeschäfte als“ kommissarischer „Bürgermeister übernommen hat“. Im Generalanzeiger ist die Ausweisung des Stadtoberhauptes nicht erwähnt. Stattdessen erfährt der Leser am 15. Juli, wie in der Stadt die Feiern zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli abgehalten wurden, nämlich „mit Fackelzug und Parade“, die „im langen Zuge der Kurhausstraße das gesamte beteiligte Militär zur Aufstellung brachte“.

    Aufgrund der extrem dünnen Aktenlage zur französischen Besatzungszeit in Bad Kreuznach ist dieses Schriftstück ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument, das die Absetzung des gewählten städtischen Bürgermeisters zeigt, der ein widerständiges Verhalten gegenüber den neuen Machthabern an den Tag legte.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter: StAKH NL Koernicke, Hans Dr.

  • Wertschätzung eines Handwerks: Die Ehrenuhrkunde zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum von Friseurmeister Wilhelm Müller von 1944

    Im 28. Teil: Eine Ehrenuhrkunde zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum von Friseurmeister Wilhelm Jacob Müller.

    Im Namen der Friseurinnung des Kreises Kreuznach verlieh der Obermeister der Innung, Philipp Leonhard, dem Friseurmeister Wilhelm Jacob Müller (1892-1961) am 6. September 1944 eine Ehrenurkunde zu dessen 25-jährigem Geschäftsjubiläum.

    Ein knappes Jahr nachdem er im August 1919 die Friseurin Magdalene Catharina Auguste Stock (1894-1968) geheiratet hatte, legte Müller am 31. Mai 1920 in Koblenz seine Meisterprüfung ab, die er laut den Aufzeichnungen der Handwerkskammer in Koblenz mit „gut“ bestand. Müller ging an verschiedenen Orten innerhalb der Stadt seiner Tätigkeit als Friseur nach: in der Mannheimer Straße 58 und 24 sowie in der Roßstraße 7. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er eingezogen. 1943 führte seine Frau das Geschäft ihres Mannes, der mittlerweile als vermisst galt, unter der Bezeichnung „Müller-Stock, Wilhelm Friseurgeschäft“, Kornmarkt 4, weiter. Ermöglicht wurde dies durch das „Witwenprivileg“. Es erlaubte Witwen, das Geschäft ihres Mannes, weiterzuführen ohne selbst den Nachweis einer Meisterprüfung erbracht zu haben.

    Malermeister Rudolf Heil gestaltete die Urkunde

    Die eigens zum Jubiläum des Friseurmeisters gestaltete Ehrenurkunde ist mit einem Zitat aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ überschrieben: „Ehret Eure deutschen Meister“. Die künstlerische Ge- und Ausgestaltung der Urkunde  hatte der 1882 in Kreuznach geborene Malermeister Rudolf Heil übernommen, dessen Signatur in der linken Ecke des Bildes als R. Heil 44 erkennbar ist. Nach seiner Ausbildung als Anstreicher bei dem Kreuznacher Maler, Anstreicher und Stuckateur Andreas Kuhnen und dem Militärdienst in Koblenz verließ er die Stadt und zog zu Frau und Sohn nach Roxheim. Dort baute er sich ein Geschäft auf.

    Heil hat auf das 0,42 Meter x 0,57 Meter große eierschalenfarbene Blatt, das mit der Zeit stark nachgedunkelt hat, Bild und Schrift mit Bleistift vorgezeichnet und anschließend mit Aquarellfarben koloriert. Als Bildmotiv hat er eine klassische Postkartenansicht Kreuznachs ausgewählt: die alte Nahebrücke mit Blick auf Pauluskirche, Pfeffermühle und Kauzenburg. Entgegen vieler anderer Ehrenzeugnisse, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen, sind hier keinerlei NS-Zeichen zur Anwendung gekommen.

    Die Urkunde ist, insbesondere durch die handwerkliche Ausführung des Handwerkskollegen Heil, ein schönes Beispiel der berufsständigen Wertschätzung.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Meisterbriefe/Handwerker-Ehrenurkunden.

  • Wanderungen nach dem 2. Weltkrieg: Das Ippesheimer Anmelderegister als regionalhistorische Quelle

    Im 27. Teil: Das Ippesheimer Anmelderegister ist eine wertvolle Quelle für Familienforscher und für die Wanderungsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

    „Das Anmelderegister über die in die Gemeinde Ippesheim Eingezogenen“ wurde vom 3. Juni 1919 bis 30. Mai 1969 von der Ortsgemeinde Ippesheim geführt. Der erste Eintrag vom 3. Juni 1919 in das schwarz umschlagene und geheftete Buch bezieht sich auf den Zuzug der aus Gutenberg stammenden Maria Colling, der letzte vom 30. Mai 1969 auf Jutta L. aus Bingen.

    Vermerkt sind in den dafür vorgesehenen Spalten: Datum des Zuzugs, Vor- und Familienname, Geburtsdatum und Geburtsort, Religionszugehörigkeit, Familienstand, der bisherige Wohn- beziehungsweise Aufenthaltsort, Beruf, Gewerbe, Stand oder Beschäftigung sowie der Name des Arbeitgebers. Eine Besonderheit der Archivale sind die weitgehend kontinuierlich vorgenommenen Einträge über einen Zeitraum von 50 Jahren, der die bewegten Jahrzehnte nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg einschließt, obwohl in der Zeit vom 17. Juni 1941 bis 15. März 1945 keine Eintragungen erfolgten. Die Einträge ab März 1945 verweisen auf Kriegs- und Nachkriegsthemen wie Fremd- und Zwangsarbeit, Internierung, Kriegsgefangenschaft, die Ankunft der aus dem Krieg zurückkehrenden Soldaten sowie die großen Wanderungsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund von Flucht und Vertreibung und des Zuzugs von sogenannten „Gastarbeitern“ in unsere Gesellschaft.

    Ehemalige Inhaftierte der Rheinwiesenlager stehen im Register

    Der Arbeiter Stephan Sawarani, der am 15. September 1910 in der Ukraine geborene wurde, meldete sich am 9. Mai 1945 in Ippesheim an und lebte in der Hauptstraße 24 ebenso wie der am 21. Februar 1922 in der Ukraine geborene Landarbeiter Aloys Moscink. Gerhard Swierzy und Zeslaus Karbowki, beide 1928 geboren, verließen am 17. Mai 1945 den Ort nach Laurahütte und Schlesiengrube, den Orten, in denen sie geboren waren. Immer wieder tauchen in den darauffolgenden Monaten Einträge zu Personen auf, die nicht in Ippesheim geboren, aber in einem der Rheinwiesenlager wie Bretzenheim oder Dietersheim inhaftiert gewesen waren wie etwa Paul Wagner, Horst Trajanowski, Gustav Priesel, Istvan Somoggi, Suto Layos, Julius Tunner, Adam Ludwig oder Jean Nod. Alfred Barnett, ein ehemaliger Insasse des Gefangenlagers Bretzenheim, verließ am 30. Juli 1945 Ippesheim, um in seine Heimatstadt Berlin zurückzukehren.

    Am 22. November 1946 erscheint in der Liste der erste Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft. Es handelte sich um den 1906 in Michelsdorf geborenen Franz Janas. Das Gros der Rückkehrer aus englischer, russischer und jugoslawischer Kriegsgefangenschaft sowie aus dänischer Internierung kommt in den Jahren 1947 und 1948. Darunter befindet sich auch der Ippesheimer Hans W. Die letzte in dem Buch vermerkte Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft erfolgte am 1. Mai 1950 und betraf Friedrich Lang. Bei den Personen, die nach dem Krieg aus der Wehrmacht entlassen nach Ippesheim kamen, handelte es sich in der Regel um Männer, die in Ippesheim oder in Planig geboren waren wie zum Beispiel Wilhem Auler oder Franz Woog.

    Ab 1965 kamen die Gastarbeiter nach Ippesheim

    Während der Zuzug von Menschen vor dem Zweiten Weltkrieg eher aus der näheren und weiteren Umgebung erfolgte, ist es auffällig, dass nach 1945 etwa bis Mitte der 1950er-Jahre zunehmend Menschen zuziehen, die in Posen, dem Sudetenland und Schlesien, aber auch in Lettland oder Jugoslawien geboren waren. Ab 1965 findet man auf einem separierten Blatt Einträge, die sich auf den Zuzug sogenannter „Gastarbeiter“ beziehen. Die Geburtsorte der Ippesheimer Neubürger verdeutlichen das: Istanbul, Belikisir oder Dragovanja.

    Das Ippesheimer Anmelderegister ist eine informative Quelle für Familienforscher und solche, die sich mit der Wanderungsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Dabei stellt es wichtige Informationen zur Gedenk- und Erinnerungsarbeit aus dem Raum Bad Kreuznach bereit.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter: StAKH IP 78

  • Ein fast vergessenes Unglück: Wie ein verheerendes Feuer 1916 das Haupthaus des Schlosses Rheingrafenstein zerstörte

    Im 26. Teil: Wie ein verheerendes Feuer 1916 das Haupthaus des Schlosses Rheingrafenstein zerstörte.

    Während des Ersten Weltkrieges brach in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1916 im Schloss Rheingrafenstein ein Brand aus, der zur Vernichtung des Haupthauses führte. Die Ursache war ein defektes Ofenrohr. Im November 1912 hatte Hugo Richter das Schloss von der Stadt Kreuznach gepachtet, um darin das „Luftkurhaus Hotel-Pension Schloss Rheingrafenstein“ zu betreiben. Nachdem er am 18. Februar 1913 eine Konzession „für die Führung der Gast- und Logierwirtschaft“ gestellt hatte, war ihm diese am 14. März 1913 genehmigt worden und zwar für alle Räume des Schlosses und seiner Nebengebäude sowie für Hof und Park.

    In einer aufwendig angefertigten Werbebroschüre warb Richter mit der Geschichte des Schlosses und seiner Vorbesitzer, deren Mobiliar weitgehend im Schloss verblieben war. Dier trug wesentlich zum Charme des Anwesens bei. Er setzte auf die Lage des Anwesens, mit den herrlichen Park- und Waldwegen, dem Lawn-Tennis-Spielplatz und die vorhandenen Auto-Garagen. Auch im Krieg wurde das Schloss von Gästen zu Erholungszwecken aufgesucht, sodass möglicherweise in der Brandnacht nicht nur die Bewohner des Hauses anwesend waren.

    Die Bewohner retteten sich über die Dächer in Sicherheit

    Stadtbaurat Hugo Völker (1878-1957) besichtigte nach dem Feuer den Brandort und fertigte einen Sachstandbericht über die Vorkommnisse an. Er vermerkte, dass der „Landsturmmann“ Hugo Richter Brandgeruch bemerkt habe, als er von seinem militärischen Dienst gegen Mitternacht nach Hause gekommen sei. Aus der Schornsteinecke seines Privatbüros seien ihm Flammen und Rauch entgegengeschlagen. Da es ihm nicht gelang, das Feuer zu löschen, informierte er zunächst die Bewohner des Schlosses und ließ dann vom nahe gelegenen Hofgut Rheingrafenstein Hilfe herbeiholen, die ihn bei der Brandbekämpfung unterstützte.

    Die Bewohner des brennenden Hauptgebäudes retteten sich über die Dächer in Sicherheit. Das Feuer konnte zunächst gelöscht werden, loderte jedoch gegen 1 Uhr erneut auf. Wiederum halfen die herbeigeeilten Menschen des Hofguts, die von der aus der Stadt angerückten Feuerwehr unterstützt wurde.

    Das Haupthaus brannte gänzlich aus

    Nachdem der Brand gelöscht war, zeigte sich das Ausmaß des Schadens: Das Haupthaus war gänzlich ausgebrannt und nur noch die bis zwölf Meter in die Höhe ragenden Umfassungsmauern standen instabil und beschädigt. Ein Teil des Schlossmobiliars konnte gerettet werden. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen den Zustand des Haupthauses vor und unmittelbar nach dem Brand. Im Januar 1917 folgte den umfangreichen Aufräumarbeiten das Abbrechen der Mauern. Der Bereich des Haupthauses wurde zu einer Terrasse gestaltet. Hugo Völker fertigte zwar eine „Skizze zum Wiederaufbau des abgebrannten Schlösschens“ an, das Hauptgebäude des Schlösschens wurde jedoch nie mehr aufgebaut.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH  1165.

  • Kaffee-, Wirts- und Schaubuden: So sah der Jahrmarkt vor 170 Jahren aus

    Im 25. Teil: Wie der Kreuznacher Jahrmarkt vor knapp 170 Jahren aussah, verrät eine Planskizze von 1851.

    Seit 1810 findet auf der Pfingstwiese an drei Tagen der „moderne Jahrmarkt“ statt, der von dem Kreuznacher Maire Carl Joseph Burret (1761-1828) aus vornehmlich wirtschaftlichem Interesse ins Leben gerufen wurde. Der Aufbau auf der Pfingstwiese orientierte sich zunächst an der Kreuzform, die als Grundriss für die Anordnung der Buden diente. Indem sich zwei Straßen kreuzten, entstanden eine Hauptstraße und zwei Nebenstraßen. Begrenzt wurde der Markt- und Messeplatz zur Nahe hin durch den Wiesenweg. Der Viehmarkt wurde hinter dem Wiesenweg Richtung Nahe abgehalten. 1851 ist diese Struktur auf dem mit Tusche gezeichneten Jahrmarktsplan noch gut erkennbar.

    Die erste überlieferte Skizze eines Jahrmarktplans stammt aus dem Jahr 1834. Er benennt die Breite der Haupt- und Nebenstraßen. Auf den Plänen der darauffolgenden Jahre sind Hinweise auf den Standort von Kaufbuden, Zelten oder Schaubuden angedeutet. Ab Ende der 1840er-Jahre werden die Pläne genauer sowie detail- und informationsreicher; ab den 1850er-Jahren sind markante Merkmale aus dem Umfeld der Pfingstwiese eingezeichnet, wie das Wiesenzelt, die Wiesenstraße oder das Wachtlokal. Letzteres ist dann über Jahre hinweg an der gleichen Stelle zu finden.

    Der Plan ist ein bedeutendes Zeugnis des frühen Jahrmarkts

    1851 stand am oberen Ende des Kreuzes das Bioplastische Theater von Johannowitsch. Am rechten Arm des Kreuzes gastierten die akrobatischen Künstler von Rudolph Knie und am linken Arm des Kreuzes stand das Wiesenzelt, in dessen Nähe die Kunstreiter von Blumenfeld anzutreffen sind. Gegenüber von Johannowitsch, etwa auf der Höhe von Brenners Mühle, waren linker Hand die „Pirmasenser“ anzutreffen, die dort, noch ohne Buden, ihre Schuhe verkauften. Dieser Bereich diente als Ein- und Ausgang der Budenstadt. 1851 setzte sich der Markt aus „Tanzbuden“ (etwa Lambert, Tesch), „Wirtsbuden“ (zum Beispiel Wallauer, Golling, Eckenroth), „Kaffeebuden“ (etwa Steinbrecher, Schmidt), „Krämerbuden“ (zum Beispiel Partenheimer, Trierweiler), „Schaubuden“ und „Kegelbahnen“ (zum Beispiel Engelsmann, Rösner), sowie „Karussells“ und dem „Viehmarkt“ zusammen. Entlang der inneren Kreuzform sind die Stellplätze der Buden eingezeichnet und nummeriert. Hinter jeder Zahl steht der Name des Betreibers. Alle größeren Vergnügungsgeschäfte wie Zirkusse, Karussells, Kegelbahnen und Tanzbuden sind auf dem Plan optisch hervorgehoben. Auch dort sind, mit Ausnahme eines Karussells, die Namen der Betreiber vermerkt.

    Der Plan von 1851 ist insofern interessant, als sich nach den am Eingang postierten Pirmasenser auf der linken Seite bis zur Querstraße Richtung Johannowitsch die Tanz-, Wirts- und Kaffeebuden befinden, die geradewegs zum Wiesenzelt führen. Die Krämerbuden belegen im Wesentlichen den Rest des Marktes. Der Jahrmarktsplan von 1851 stellt zusammen mit der Teilnehmerliste ein bedeutendes Zeugnis des frühen Kreuznacher Jahrmarkts dar.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 1837

  • Als die Welt auf Kreuznach blickte: Ein Notgeldschein aus der Zeit des Großen Hauptquartiers zeigt Kaiser Wilhelm II, Ludendorff und Hindenburg

    Im 24. Teil: Ein Entwurf eines Notgeldscheins aus der Zeit des Großen Hauptquartiers weist auf die bedeutende Rolle hin, die Kreuznach im Ersten Weltkrieg spielte.

    In der Notgeldsammlung des Stadtarchivs Bad Kreuznach befindet sich ein 50 Pfennige Notgeldschein mit einer interessanten Geschichte. Der Entwurf des Scheins stammt von dem Berliner Kunst- und Kriegsmaler Erich Hartwig. Hartwig hielt sich 1917/1918 in Kreuznach auf und arbeitete im Umfeld des Großen Hauptquartiers (GHQ). Eines seiner bekannten Gemälde trägt den Titel: „Vorposten in der Walachei“. Die Stadt erwarb von ihm 28 Federzeichnungen sowie weitere Zeichnungen, die für die Gestaltung der Jubiläumsschrift „100 Jahre Bad Kreuznach 1817-1917“ verwendet wurden, wie „Der Adlerhof, Neues Kurhaus, Kreuznacher Gradier-Werke im Nahetal“ oder „Die Brückenhäuser“. Des Weiteren entwarf der Künstler die Ehrenbürgerbriefe für Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, die ihnen bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Februar 1918 von Vertretern der Stadt überreicht wurde.

    Dem Stadtarchiv wurde 2010 ein Teilnachlass von Dr. Hans Koernicke (1875-1956) geschenkt. Dr. Koernicke war während des Ersten Weltkrieges in Kreuznach als Bürgermeister tätig. In diesen Unterlagen befindet sich eine 0,35 Meter x 0,23 Meter große Tuschezeichnung von Erich Hartwig, die der Ausführung auf dem Notgeld verblüffend ähnlich sieht. Bei dem bekannten und in Umlauf gewesenen Notgeldschein ist auf der einen Seite, umrahmt von Weinreben und Rosen, der Blick auf die alte Nahebrücke und die Kauzenburg abgebildet. Auf der anderen Seite befindet sich „das Triumvirat des Großen Hauptquartiers“, Kaiser Wilhelm II., Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, gruppiert um das Kreuznacher Stadtwappen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die im Bestand vorgefundene Zeichnung der Gestaltung des Notgeldscheins sehr nahe kommt, aber nicht mit dieser identisch ist.

    Die Existenz des Notgeldscheinentwurfes des Künstlers Hartwig und dessen Aufbewahrung in den privaten Unterlagen des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt unterstreicht die Bedeutung, die Dr. Koernicke in der Anwesenheit des GHQ in Kreuznach sah, zumal er bewusst eine Sammlung von Objekten für die Stadt anlegte, die auf die weltgeschichtlich bedeutsame Zeit hinweisen sollten, deren Zeuge er war.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH  NL Dr. Hans Koernicke; MS Notgeld

  • Ein 200 Jahre alter Vermessungsplan ist eine seltene Quelle über das verschwundene städtische Waldstück Firnsel

    Im 23. Teil: Die Versteigerung der städtischen Waldparzelle Firnsel 1821-1824.

    1821 war der Firnsel ein Eichenschälwald und der kleinste Teil des Kreuznacher Gemeindewaldes. Er lag auf der Hochfläche des Mönchberges und reichte bis zum Kronenberg. Zusammen mit dem Hargesheimer Wäldchen bildete er eine zusammenhängende Waldfläche am Rand der Kreuznacher Gemarkung. Dem Kreuznacher Peter Engelmann (1808-1878) erscheint der Firnsel um 1820 gar als „eine unfruchtbare Heidefläche mit spärlichem Gebüsch“. Da die Stadt Kreuznach in Folge der Kriegskosten aus französischer Zeit hochverschuldet in das 19. Jahrhundert ging, erstellte ein Schuldenausschuss einen Plan, wie der städtische Haushalt saniert werden könnte. Eine Maßnahme war der Verkauf städtischen Eigentums.

    Im März 1821 fand wegen einer möglichen Veräußerung von Waldparzellen, darunter der Firnsel, eine Stadtratssitzung statt. Die Bewirtschaftung der Waldparzelle wurde als nicht ökonomisch erachtet, daher sollte der Verkauf angestrebt werden, denn der Holzbestand sei in fünf Abteilungen untergebracht. Diese bestünden aus 18 Morgen zwölfjährigem, sehr verfreveltem Schälwald, 37 Morgen elfjährigem Schälwald, drei Morgen Blöße, acht Morgen 15-jährigen, von Schafen verbissenen „Verwuchs- Eichen“, 14 Morgen einjähriger Fichtenkultur mit einigen schlecht gewachsenen 20-jährige Kiefern und acht Morgen Heide.

    Der Firnsel lag einst auf dem Mönchberg

    Am 5. Juli 1821 erteilte Oberbürgermeister Franz Xaver Buss (1790-1883) dem Geometer Wenzel den Auftrag, den Firnsel zu vermessen und ihn in Parzellen von jeweils ein Morgen einzuteilen. Dazu wurde neben dem Vermessungsplan über das „Schähl-, Wald-, und Heidefeld“ Firnsel ein Vermessungsprotokoll angefertigt. Auf dem Vermessungsplan sind elf Gewanne eingerichtet, die in Parzellen untergliedert wurden.

    Am 19. September 1821 erfolgte die Versteigerung des Firnsel, die aufgrund des niedrigen Erlöses nicht genehmigt wurde. Eine weitere Versteigerung wurde daher am 12. Juli 1824 vorgenommen. Der Erlös der Versteigerung vom 12. Juli 1824 belief sich nun auf 2136 Taler und wurde sowohl vom Landrat als auch von der Regierung genehmigt. Nach der Versteigerung war die Veräußerung der städtischen Waldparzelle Firnsel abgeschlossen. Der Wald wurde von den neuen Eigentümern gerodet und in Weinberge umgewandelt.

    Der Vermessungsplan ist eine der wenigen Quellen, welche die Ausdehnung und exakte Verortung des verschwundenen Waldteils Firnsel innerhalb der Kreuznacher Gemarkung wiedergeben und ist daher aus forst- und stadtgeschichtlicher Sicht besonders interessant.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 162.

  • Menükarte zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät Wilhelm II. (1859-1941) am 27. Januar 189

    Im 22. Teil: Eine Menükarte zum Geburtstag Kaiser Wilhelms II. zeugt von der bürgerlichen Fest- und Feierkultur zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs.

    Am 17. Januar 1898 beschloss ein Festkomitee (Oberbürgermeister Rudolf Kirschstein, Beigeordneter August Anheuser, Stadtverordneter Karl Spaeth) den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. mit einem offiziellen Festessen zu begehen. Für das Essen, das nachmittags um 17 Uhr im Hotel Adler beginnen sollte, konnten sich die Vertreter der „hiesigen Behörden“ in eine Liste eintragen, womit ihnen einen Platz an der Festtafel reserviert wurde. Der Grundpreis des Essens betrug, inklusive einer ½ Flasche Wein, 4 Mark. Wurde zusätzlich Wein oder Schaumwein konsumiert, bewegte sich der Preis zwischen 1,50 Mark und 10 Mark pro Flasche.

    Das Komitee suchte sich aus einer von Karl Voigtländer zusammengestellten Auswahl an „Menü-Blanketts“ ein Motiv aus. Für die Dekoration des Festsaals sollte der „Gärtner Maurer“ angefragt und mit dem Musiker Wilhelm Pflug wegen des Musikprogramms verhandelt werden. Den 59 schriftlich angemeldeten Teilnehmern des Festessens, darunter Landrat Agricola, Dr. Karl Aschoff, Max Wenzel, Dr. Abraham Tawrogi, Heinrich Puricelli, Pfarrer Karl Lind und Rektor Friedrich Müller, denen sich über zwanzig weitere Teilnehmer anschlossen, wurde ein 7-Gänge-Menü offeriert, das keine Wünsche offen ließ.

    Die vorliegende, aufwendig gestaltete farbige Menükarte, in die das Konterfei Wilhelm II. eingestanzt ist, wurde in der Kunst- und Buchdruckerei und Lithographischen Anstalt von Robert Voigtländer in Kreuznach bedruckt. Auf vier Seiten sind Anlass, Speisenfolge, Wein und Schaumweinauswahl sowie das abwechslungsreiche Musikprogramm abgedruckt. Eine „Echte Schildkröten-Suppe“, wozu das „ächte Schildkrötenfleisch“ eigens von dem Gastwirt Franz Hessel aus Hamburg bezogen wurde, eröffnete das Menü aus Steinbutt, Ochsenlenden, frischem Hummer und Truthahn. Es folgten Vanilleeis, Käse und Dessert. Unter den Weinen und Schaumweinen befinden sich lokale und regionale Gewächse, wie der Kauzenberger oder Rüdesheimer, und die Namen bekannter Schaumweinproduzenten wie Joseph Stöck & Söhne oder Moët & Chandon.

    Bei der Auflistung der Musikstücke fällt der Kaiser-Wilhelm-Marsch auf – eine Komposition des Kreuznacher Wilhelm Pflug. Ob die anderen drei Festessen, die im Berliner Hof, dem Pfälzer Hof und dem Augustiner stattfanden, ähnlich opulent ausgerichtet waren, ist nicht bekannt. Das Festessen im Hotel zum Adler verlief in „gehobener und angeregter Stimmung“. Das Kaiserhoch wurde von dem Bezirkskommandeur Oberst von Wolffersdorff ausgesprochen und zum Ausklang des Abends, wie auf der Menükarte vermerkt, Vers 1, 3 und 5 der Nationalhymne gesungen.

    Die Menükarte ist ein Zeugnis der bürgerlichen Fest- und Feierkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Aufgrund des offiziellen Charakters der Kaisergeburtstagsfeier ist sie in der Akte über „Oeffentliche Feste, Feierlichkeiten, Jubiläen, Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs“ im Stadtarchiv erhalten geblieben, ein Beleg auch für die von Verwaltungsseite gepflegte Loyalität zum Herrscherhaus.

     Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 726.

  • Begräbnis-Register gewährt Einblicke in Bestattungskultur

    Im 21. Teil: Das Begräbnis-Register der Stadt gewährt Einblicke in Sterben, Todesursachen und Bestattungskultur in Kreuznach im 19. Jahrhundert.

    Am 25. Juni 1828 wurde das „Begräbnis=Register für die größeren Leichen auf den[!] allen christlichen Confessionen der Stadt Kreuznach gemeinschaftlichen Begräbnisplatz“ eröffnet und am 31. Dezember 1878 geschlossen. Der erste Eintrag wurde für Cornelius Carl Rudolph Prieger vorgenommen, der „9 Jahre und 9 Monate alt“ am 24. Juni 1828 verstarb und am 26. Juni 1828 beerdigt wurde. Die im Register eingetragene Nummer unter der Rubrik „Bemerkungen“ verweist auf den Sterbeeintrag im Civilstands=Register, das im Standesamt geführt wurde, sodass die Eltern des verstorbenen Kindes, der Kreisphysikus Dr. Johann Erhard Peter Prieger und seine Frau Maria Philippina Ackva, dadurch ermittelt werden konnten.

    Über das Sterbe- und Beerdigungsdatum hinaus hält das Begräbnisregister der Stadt weitere Informationen bereit, wie die, ob das „Grab angekauft“ wurde (Familiengrab), ob der Tote aufgrund eines Verbrechens starb, Selbsttötung vorlag −„schnitt sich in seinigem Hause des Hals ab“, „hat sich in seiner Wohnung erschossen“−, oder ob er bei einem Unfall zu Tode kam, zum Beispiel indem er „in der Nahe ertrunken“, „von einem Felsen gefallen“ oder „in einer Sandgrube verunglückt“ war. Erwähnung findet ein auswärtiger Sterbeort, von dem aus die Leiche mit einem Leichenpass nach Kreuznach überführt wurde, von „Frankfurt“, „Wiesbaden“ oder „Idar“. Bei verheirateten oder geschiedenen Frauen wurde neben dem Familiennamen teilweise der Geburtsname vermerkt.

    Das Register birgt unvermutet militärhistorische Hinweise. Dies bezieht sich zunächst auf die in Kreuznach verstorbenen Soldaten der von Juli 1831 bis September 1832 in Kreuznach einquartierten Regimenter. Das „6. Ulanen Regiment“ und das „19. Infanterie Regiment“. 1832 verstarben 15 Soldaten aufgrund einer nicht näher benannten Krankheit, die meisten davon aus Posen. Ein Bezug zu der in Deutschland grassierenden Cholera-Epidemie, auf deren mögliche Bewältigung sich die Stadt vorbereitet hatte, ist nicht auszuschließen. 1849 und 1850 sind weitere Soldatenbegräbnisse verzeichnet, wobei der am 3. Juli 1866 im Deutschen Krieg in der Schlacht bei Königgrätz gefallene Offizier Ernst Potthoff besonders hervorgehoben ist. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 forderte viele Tote, wovon 89 Eintragungen beerdigter Soldaten zeugen.

    Dem traurigen Anlass entsprechend wurde auf das Deckblatt des Registers ein Etikett in Form einer klassizistischen Urne geklebt. Das restaurierte Begräbnisregister ist eine interessante Fundstelle für familiengeschichtliche Forschungen.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter: StAKH 2782.

  • Das „Belaag- oder Schatzungsbuch“ 1715 (–1739) lässt sich nicht so einfach öffnen

    Im 20. Teil: Bei dem aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammenden Schatzungsbuch der Stadt ist der Ursprung der Redewendung „ein Buch aufschlagen“ im wahrsten Sinne des Wortes nachvollziehbar.

    Das liegt an seiner besonderen Gestaltung und Verarbeitung − denn das 44 Zentimeter hohe, 33 Zentimeter breite, 15 Zentimeter dicke und zirka fünf Kilo schwere Buch ist mit kupfernen, verzierten Metallschnallen versehen, die in Haken enden, die eingehängt die Buchdeckel zusammenpressen und damit den Buchblock fixieren. Die Metallspangen sollten unter anderem verhindern, dass Feuchtigkeit die Blätter aufquellen ließ. Der Einband, Ober- und Unterseite wurden aus etwa 0,5 Zentimeter dicken Holzbrettchen gefertigt, ist mit gegerbtem, leicht gelblichem Leder bespannt sind, in welches dekorative, unterschiedlich miteinander kombinierte geometrische Muster gestanzt wurden.
    Das weiche Leder umhüllt das komplette Buch – inklusive Buchrücken. Zur Fixierung der Lederbespannung wurden mehrere Kupfernägel in den Holzdeckel geschlagen, wovon einige eine grünliche Patina tragen. Auf den Buchinnenseiten sorgen Fäden, die in regelmäßigem Abstand in das Leder eingenäht wurden, für eine gleichmäßige Verteilung der Spannung. Will man das Buch öffnen, muss man mit der Hand fest zwischen zwei Metallspangen schlagen, damit sich diese aus ihren Haken lösen um die bestehende Spannung aufzuheben – womit man das Buch aufschlägt.

    Das Schatzungsbuch von 1715 (-1736) bezieht sich auf die Besteuerung der Grundstücke des Oberamtsstabes, der Stadträte und Mitglieder der Hammer-, Ringer-, Krämer-, Schneider-, Rebstöckler-, Metzger-, Küfer-, Schuhmacher-, Bäcker-, Gerber- und Leineweberzunft, der Unzünftigen, der Juden, der Tagelöhner alt- und neustädterseits in Kreuznach und auf den Besitz Auswärtiger etwa aus Bingen, Neunkirchen, Bosenheim, Hackenheim, Zotzenheim, Rüdesheim, Hargesheim, Roxheim, Winzenheim, Bretzenheim und Planig. Zusammen mit dem Morgenbuch ist das Schatzungsbuch eine wertvolle stadtgeschichtliche Quelle, da darin die Besitzer der landwirtschaftlichen Flächen in der Kreuznacher Gemarkung genannt sind, auf deren Grundlage die Besteuerung (Schatzung) der Grundstücke festgelegt wurde.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 125 Nr. 3.

  • 200 Jahre alter Theaterzettel wirbt für ein Stück über Michel Mort, den Kreuznacher Sagenhelden

    Im 19. Teil: ein 200 Jahre alter Theaterzettel wirbt für ein Stück über den sagenhaften Helden Michel Mort.

    Der vorliegende Theaterzettel wirbt für das Stück „Michel Mort der Kreuznacher“, das als vaterländisches Trauerspiel angekündigt wird. Aufgeführt wurde es im Kreuznacher Theater am Sonntag, 15. März 1819 von einer „Schauspieler=Gesellschaft“, die unter der Leitung von J. Wittmund und D. Helfert stand. Der Verfasser des Theaterstücks, Friedrich Christian Henrich Laukhard (1757-1822), auch Magister Laukhard genannt, lebte zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange in Kreuznach. Neben seiner Tätigkeit als Privatgelehrter fand der „ehemalige Professor der schönen Künste in Halle“ in der Stadt bis zu seinem Tod 1822 auch mit dem Schreiben von Schauspiel- und Theaterstücken sein Auskommen.

    Aufgeführt wurden neben dem erwähnten Stück über den sagenhaften Helden Michel Mort unter anderem das „Lustspiel in 5 Akten“: „So prellt man Großsprecher u. Schulfüchse“ und die Komödie „Franz von Sickingen“. Laukhard griff auf Figuren zurück, die in der Region einen hohen Bekanntheitsgrad hatten, von historischer Bedeutung gewesen waren und deren Andenken in der Bevölkerung aus ganz unterschiedlichen Gründen lebendig geblieben war.
    In seinem Stück Michel Mort der Kreuznacher, das aus 5 Akten bestand, verarbeitete er einen Stoff mit lokalem und regionalem Bezug. Obwohl auf dem Theaterzettel darauf beharrt wird „Dieses ist Thatsache nach der Geschichte“ ist die szenische Verarbeitung Laukhards seiner Phantasie und individuellen Interpretation der historischen Ereignisse, der Schlacht bei Sprendlingen 1279, entsprungen, die in der Folge für die Rezeptionsgeschichte der Figur Michel Mort nicht unwichtig werden sollte.

    Der Theaterzettel ist neben dem Tagebuch des Johann Jacob Beinbrech (1799-1834) ein Zeugnis dafür, dass Laukhard, der als ein bedeutender „politischer Schriftsteller der Spätaufklärung“ charakterisiert wird und dessen Autobiographie „Leben und Schicksale von ihm selbst beschrieben“ längst Eingang in den Geschichtsunterricht gefunden haben, bis zu seinem Tod schriftstellerisch tätig war. Des Weiteren ist er ein Hinweis auf das Entstehen einer modernen bürgerlichen Gesellschaft mit ihren kulturellen Bedürfnissen in Kreuznach und daher von kulturgeschichtlichem Interesse. Diese nun fast 200 Jahre alte Quelle wurde dem Stadtarchiv 2009 von Herrn Herbert Limberger geschenkt.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter: StAKH Schenkung Limberger

  • Bei dem Bepflanzungsplan für den „Oranienhofpark“ von 1933 gilt es noch so manches Rätsel zu lösen.

    Im 18. Teil: ein Bepflanzungsplan für den „Oranienhofpark“ in Bad Kreuznach von 1933.

    Der vorliegende handsignierte „Bepflanzungsplan“ für einen „Platz in Bad Kreuznach“ wurde im November 1933 von dem aus Herford stammenden Gartendirektor der Stadt Essen, Rudolf Korte (1878-1950), angefertigt. Die Stadt plante nach Abbruch des Hotels Oranienhof eine gärtnerische Ausgestaltung des Terrains, woraufhin (Ober-)Bürgermeister Dr. Robert Fischer (1887-1966) nach Aussage von Korte Kontakt mit ihm aufnahm. Dieser hatte sich spätestens mit der „Gruga“, der „Großen Ruhrländischen Gartenbauausstellung“ von 1929, überregional Verdienste erworben.

    In einem Schreiben vom 10. März 1933 bat Korte seine Vorgesetzten, für eine „geplante Projektierung von Bade- und städtischen Anlagen in Bad Kreuznach“ in Anrechnung auf seinen Urlaub freigestellt zu werden, um vor Ort Entwürfe anzufertigen und bei der Realisierung der Anlagen beratend zur Seite stehen zu können. Die Ausführung selbst sollte der Stadt und dem ansässigen Gewerbe überlassen sein. Der Gartendirektor legte mindestens zwei Entwürfe für den geplanten „Oranienhofpark“ vor. Nach deren Prüfung gab die Baukommission unter Vorsitz von Bürgermeister Dr. Fischer am 24. August 1933 ihre Zustimmung zu Kortes Idee, die auf Wunsch der Stadtverwaltung leicht abgewandelt wurde.

    Aufgrund des bestehenden Höhenunterschiedes des Geländes war die Anlage zweier Terrassen vorgesehen. Während der untere Teil des Parks nur in der Verbreiterung des Hauptzuganges eine Änderung in Kortes Plan erfuhr, wurden im oberen, horizontal gelegenen Teil Motive aus seinen Entwürfen miteinander kombiniert. Vereinfacht bildeten „um ein mittleres Seerosenbecken, Rosenbeete, Hecken und Pergolen, geometrische und konzentrische Figuren“ eine moderne Interpretation des „Französischen Barockgartens“. Der zur Weinkauffstraße abfallende untere Teil des Geländes war, so Kortes Entwurf, als Alpinum oder Steingarten vorgesehen. Für die Anlage des Parks und die Umsetzung des Planes wurden Notstandsarbeiter eingesetzt.

    Ob es sich bei dem vorliegenden Bepflanzungsplan um einen Entwurf handelte, der für den „Oranienhofpark“ vorgesehen war, konnte nicht ermittelt werden. Bei der mit Bleistift veränderten Tuschezeichnung von Rudolf Korte im Maßstab 1:200 handelt es sich um das Werk eines bedeutenden Gartendirektors, dessen Name eng mit der Gestaltung des Oranienparks verbunden ist und daher von kultur- und stadtgeschichtlichem Interesse ist.

    Vielleicht kann uns ein Leser beim Auffinden des Ortes helfen, für den der Plan ursprünglich angefertigt wurde?

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH Graphiksammlung

  • 1000 Jahre alt: das älteste Fragment einer Handschrift im Bestand des Stadtarchivs

    Im 17. Teil: ein Fragment eines Sakramentars aus dem 11. Jahrhundert.

    Im Bestand des Bad Kreuznacher Stadtarchivs befindet sich ein schmaler Streifen eines Pergaments – das Fragment eines Sakramentars aus dem zweiten Drittel des 11. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um ein Bruchstück eines handgeschriebenen Buches, das „Gebete enthielt, die der Zelebrant bei gottesdienstlichen Feiern sprach“. Auf dem unscheinbaren Streifen, der auf der Vorder- und Rückseite beschriftet ist, befinden sich eine Lesung aus der Apostelgeschichte und verschiedene Gebete in lateinischer Sprache. Darunter das Gebet zum Fest der „Conversio Pauli“ (25. Januar) oder Gebete zur Kerzenweihe an „Lichtmess“ (2. Februar).

    Das Fragment, es ist das älteste Fragment einer Handschrift im Bestand des Stadtarchives, wurde von Dr. Brigitte Pfeil zweifelsfrei dem zweiten Drittel des 11. Jahrhundert zugeordnet. Sie begründet dies mit den Buchstabenformen, die noch „sehr reguliert erlernt und reproduziert wurden“. Als Entstehungsort der Handschrift vermutet sie ein deutsches Skriptorium: eine mittelalterliche Klosterschreibstube.

    2007 war Pfeil im Rahmen ihrer Recherchen für das Projekt „Handschriftencensus Rheinland-Pfalz“ an das Stadtarchiv herangetreten, was dazu führte, dass der Bestand auf bisher unbekannte Pergamentfragmente hin untersucht wurde. Dabei wurden diverse Handschriftenfragmente aufgefunden, auch solche, die in Zweitnutzung als Buch- und Aktenumschläge Verwendung gefunden hatten.

    Pergamente, gegerbte und speziell behandelte Tierhäute, wurden vor dem Aufkommen des Papiers ab Mitte des 13. Jahrhunderts als Beschreibstoffe verwendet und waren aufgrund ihrer Haltbarkeit und ihres Wertes beliebt. Mit Hilfe der Hans und Harry Staab Stiftung konnte ein Großteil der im Stadtarchiv Bad Kreuznach vorgefundenen Fragmente restauriert und dann der Forschung zur Verfügung gestellt werden.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH HsF 10.

  • Hochzeit von Karl Marx und Jenny von Westphalen im Personenstandsregister der Stadt dokumentiert

    Im 16. Teil: Die standesamtliche Trauung von Karl Marx und Jenny von Westphalen 1843 in Bad Kreuznach dokumentiert ein Eintrag im Personenstandsregister der Stadt.

    Im Personenstandsregister der Stadt Kreuznach von 1843 wurde am 19. Juni 1843 unter der Nr. 51 die Eheschließung von Dr. Karl Marx (1818-1883) mit Jenny von Westphalen (1814-1881) eingetragen, nachdem Oberbürgermeister Franz Buss (1790-1883) der Aufforderung des Paares gefolgt war, die zwischen dem Brautpaar „verabredete Heirath gesetzlich“ vorzunehmen. Dem vorausgegangen war die vorgeschriebene öffentliche Ankündigung am 21. und 28. Mai. Diese war vor der Haupttür des Gemeindehauses in Kreuznach erfolgt und hatte keinerlei Widerspruch nach sich gezogen, der gegen eine Vermählung gesprochen hätte.

    Der Text des Heiratseintrages, der hier nur auszugsweise wiedergegeben wird, lautet: „Im Jahre tausend acht hundert vierzig und drey den neunzehnten des Monats Juny, Vormittags zehn Uhr, erschienen vor mir, Franz Buss, Oberbürgermeister von Creuznach, Beamten des Personenstandes, der Carl Marx, fünf und zwanzig Jahre alt, geboren zu Trier (…) Standes Doctor der Philosophie wohnhaft zu Cölln, (…), großjähriger Sohn des Heinrich Marx, bei seinen Lebzeiten Standes Justizrath wohnhaft zu Trier, gestorben, (…) und der Henriette Presburg Standes ohne wohnhaft zu Trier (…). Und die Johanna Bertha Julie Jenny v. Westphalen, neun und zwanzig Jahre alt, geboren zu Salzwedel (…), Standes ohne besonderes Geschäft, wohnhaft zu Creuznach (…), großjährige Tochter des Johann Ludwig von Westphalen, bei Lebzeiten Standes Regierungs= Rath, wohnhaft zu Trier, gestorben (…) und  der Carolina Heubel, Standes ohne wohnhaft zu Creuznach (…).“ Als Trauzeugen unterzeichnen: der praktische Arzt Dr. Carl Engelmann, der Notariatskandidat Heinrich Balthasar Christian Clemens (im Text irrig Clevens), der Rentner Elias Mayer und der Gastwirt Valentin Keller – allesamt in Kreuznach wohnend.

    Wie aus der Quelle hervorgeht, ist das Stadthaus (heute Hochstraße 48) der historisch belegbare Ort, wo die standesamtliche Trauung von Dr. Karl Marx und Jenny von Westphalen stattfand. Dem trugen Anfang Dezember 2017 aufwendige Aufnahmen eines chinesischen Filmteams Rechnung, das dort den Heiratseintrag im Personenstandsregister von 1843 filmte, das ihnen eigens zu diesem Zweck vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt worden war.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Marx (Faksimile); StAKH PSH 1843 (Original)

  • „Liebes Schnappi ...“: Eine Postkarte an Künstlerin Nelli Schmithals zeigt den "Ganstempel"

    Im 15. Teil: eine selbst gestaltete Postkarte an Künstlerin Nelli Schmithals mit einer Zeichnung des 1878 errichteten Pavillons „Ganstempel“.

    Hans Wilhelm Reinhard Schmithals (1876-1955) schickte seiner Schwester Amalie Johanna Cornelia genannt Nelli (1880-1975) in Ermangelung einer Ansichtskarte aus Bad Münster am Stein am 17. August 1897 eine selbst gestaltete Postkarte, auf der er den „Ganstempel“ mit Bleistift skizzierte. Der Text darauf lautet: „Liebes Schnappi. Besten Dank für das Scherchen. Hat mir viel Spaß gemacht. Da keine Ansichtskarte weil Sonntag bekommen konnte, Sende dir diesen leider schlecht getroffenen Ganstempel. Nächstens mehr. Herzlichen Gruß Dein Bruder WR Ganstempel Ist so schmutzig, da ich Kaffee draufgegossen habe.“

    Während Hans Wilhelm Reinhard in der Kurhausstraße ein Teppich- und Tapetengeschäft betrieb und sein Bruder Hans Felix Ernst (1878-1964) als Künstler arbeitete, fand Nelli als Fotografin Beschäftigung. Die liebevoll gemeinte Anrede an die junge Nelli „Liebes Schnappi“ mag darauf Bezug nehmen. Der „Ganstempel“, den Wilhelm Reinhard (WR) auf der Karte etwas ungelenk skizzierte hat, war im Jahr 1878 „aus rohen Baumstämmen“ auf der Gans errichtet worden. „Ein stattlicher Pavillon auf der mittleren Felsenkuppe der Gans“, so ein Berichterstatter des Kreuznacher Tageblattes, der „mit dem Einverständnis der Besitzerin dieses Terrains, der Herzogin von Osuna, entstanden“ ist. Der Pavillon, es handelte sich dabei um eine hölzerne Konstruktion, die von einem Geländer umgeben auf einem befestigten, ebenen und felsigen Patz stand, wurde am 24. Juli 1878 in Anwesenheit von Mitgliedern des Verschönerungs-Vereins für das Nahethal zusammen mit einer Orientierungstafel und einer Bank offiziell eingeweiht.

    Die Postkarte ist Bestandteil einer Schenkung, die den größten Teil des Lebenswerkes der Kreuznacher Fotopionierin Nelly Schmithals umfasst. Nina Gampper gab sie 2007 an das Stadtarchiv Bad Kreuznach.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH  NL Gampp

  • Seltene Fotoserie aus den 30ern: Ein Gerbermeister gewährt Einblicke in die Bad Kreuznacher Lederherstellung

    Im 14. Teil: ein Gerbermeister und Hobbyfotograf gewährt durch seine Fotoserie seltene Einblicke in die Lederherstellung in den 1930er-Jahren in Bad Kreuznach.

    Alfred Löser (1903-1994), von Beruf Gerbermeister, arbeitete zeitweise in der Lederfabrik Eckenroth & Emmerich. Der spätere Werkmeister, der gerne fotografierte, hinterließ neben Fotografien von seiner Familie, Stillleben mit Blumen, Naturaufnahmen und Ansichten von der Stadt Bad Kreuznach auch eine aussagekräftige Serie von Innenaufnahmen, die in den Produktionsanlagen seiner Arbeitsstätte, die in der Mainzer Straße 45-53 in Bad Kreuznach lag, entstanden ist. Damit dokumentierte er verschiedene Arbeitsschritte der Herstellung und Verarbeitung von Leder. Seine Aufnahmen vermitteln dem Betrachter einen Blick auf ein traditionsreiches Handwerk, das sich in der Zeit der 1930er-Jahre zu einer mechanisierten Industriearbeit weiterentwickelt hatte.
    Ernst Eckenroth und Max Emmrich hatten die Firma 1918 von Gustav Wagner (1852-1934) erworben, die dieser 1880 als Bocklederfabrik in Kreuznach zusammen mit seinem Bruder Julius gegründet hatte.

    Generell sind Aufnahmen der Arbeitswelt von Handwerkern und Industriearbeitern aus Bad Kreuznach rar und daher von hohem historischem Wert. Bei dem abgebildeten Schwarz-Weiß-Foto handelt es sich um den Abzug eines Glasplattennegativs. Diese Glasplatte, Teile eines größeren Konvoluts, wurde dem Stadtarchiv Bad Kreuznach 2011 von dem Diplom-Designer Hartmut Weinzettel geschenkt.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter: StAKH NL Weinzettel

  • Alte Rechnung erinnert an Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Webel in der Neustadt

    Im 13. Teil: Eine kunstvoll gestaltete Rechnung von 1904 erinnert an eine traditionsreiche Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik in der Kreuznacher Neustadt.

    Am 26. Februar 1904 stellte der Kreuznacher Schokoladen- und Zuckerwarenfabrikant Albert Webel (1848-1905), ausgewiesener Spezialist für Weihnachts- und Osterartikel, eine Rechnung an Karl Besenbruch aus. Der aus Zweibrücken stammende Bäcker hatte am 3. Februar 1904 mit einer Bestellkarte gleich mehrere Artikel im Wert von 70,22 Mark für Ostern angefordert, die ihm aus Kreuznach in zwei Kisten per Frachtgut zugestellt wurden, darunter: „10 Fondant Hasen, 10 Liquer Eier rosa und 50 gem. Körbchen“. Wenig später, am 28. März 1904, zog Albert Webel mit seiner Familie nach Bad Reichenhall, wo er 1905 verstarb. Seine Kreuznacher Schokoladenfabrik hatte er im April 1904 verkauft.

    Der Kaufmann, der im bayerischen Großkarlbach geboren worden war, hatte zunächst in der Viktoriastrasse 45 eine Zuckerwarenfabrik in der Firma: „Dr. Wander`s Filialfabrik“ betrieben. 1880 ließ er auf dem Firmengelände ein Kesselhaus für eine Dampfmaschine errichten, die zur Produktions- und Ertragssteigerung vorgesehen war. Webel verlegte seine Schokoladenfabrik wenige Jahre später in die Kreuznacher Neustadt. Bis zum 8. Oktober 1898 führte er dort die „Chocoladen und Zuckerwaaren Fabrik“ in der Mannheimer Straße 60 alleine, danach als Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammen mit Paul Kohn. Kurz nach Webels Weggang 1904 wurde die Schokoladenfabrik dann von Heinrich Enck übernommen. Der Firmenname Webels blieb zunächst als „Kreuznacher Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik August Webel“ erhalten. Zuletzt wurde er von dem jüdischen Fabrikanten Hugo Hesdörffer unter „Webel & Co. Kreuznacher Schokoladen-, Zuckerwaren- u. Honigkuchenfabrik“ geführt, der seit 1913 mit seinen Brüdern Benedikt und Karl Eigentümer der Firma war, zusammen mit dem stillen Teilhaber Georg Webel.

    Auf der Rechnung an Besenbruch befindet sich ein Briefkopf, auf dem in idealisierter Weise die Webel`sche Zuckerwarenfabrik an ihrem Standort in der Kreuznacher Neustadt dargestellt ist: die Außenansicht des Verkaufsladens, heute Huthaus Vetter, mit dem dahinter liegenden vierstöckigen Produktionsgebäude der Firma. Bemerkenswert sind die gut erkennbaren rauchenden Schornsteine, die auf die im Gebäude befindlichen Dampfmaschinen verweisen. Ergänzende Informationen sind die abgebildete Fabrik-Marke wie Auszeichnungen von Produkten. Von dem ehemaligen Fabrikkomplex stehen noch heute die oben abgebildeten Gebäude in der Mannheimer Straße und im Zwingel. Die Firma (Abteilung A und Abteilung B) wurde am 30.12. 1938 bzw. am 1.2.1939 eingestellt und am 8.2. bzw. 9.1.1939 abgemeldet. Die ab 1933 begonnene Verdrängung der Juden aus dem Geschäftsleben fand nun im Fall der „Webel & Co. Kreuznacher Schokoladen-, Zuckerwaren- u. Honigkuchenfabrik“ ihr Ende.

    StAKH MS Briefköpfe W

  • Jahrmarkt anno 1823: Seltenes Dokument gibt Einblicke in die damaligen Marktbeschicker

    Im zwölften Teil: eines der wenigen Zeugnisse aus der Frühzeit des Kreuznacher Jahrmarkts vermittelt einen detaillierten Eindruck über die damaligen Marktbeschicker.

    1823 fand vom 17. bis 19. August auf der Pfingstwiese der Kreuznacher Jahrmarkt statt. Auf 42 von insgesamt 72 Blättern der „Erhebungs=Liste der Standgelder auf dem Jahrmarkte zu Kreuznach pro 1823“, die von Oberbürgermeister Johann Franz Xaver Buss (1790-1883) paraphiert wurde, sind alle Beschicker des Marktes verzeichnet: insgesamt 168 Personen. Dieses Register ist eines der wenigen Zeugnisse aus der Frühzeit des Kreuznacher Jahrmarktes. Es vermittelt präzise Informationen über die Beschicker (Vor- und Zuname), deren Herkunftsort und ihr Angebot.

    Der größte Anteil der Marktbeschicker kam aus Kreuznach und der unmittelbaren Umgebung. Aus dem Rahmen fallen Anbieter aus entlegeneren Regionen: Schuhverkäufer aus Pirmasens, ein Bäcker aus Dresden oder ein Garnverkäufer aus Stresow. Die Buden wurden überwiegend von ortsansässigen Handwerkern wie Messer- und Blechschmieden, Korb-, Hut-, Kappen- und Schuhmachern, Metzgern, Bäckern, Strumpfwebern und Seilern genutzt, gefolgt von Händlern, die Garne, Tuche, Bilder, Silberwaren, Achate oder Zinn anboten. Erstmals war zur Unterhaltung der Marktbesucher ein Marionettenspieler, Georg Kram aus Koblenz, auf der Pfingstwiese anwesend. Mehrere Stände, an denen „Spiel mit Waare“ anboten wurden (Losbuden), drei Karussells und mehrere Kegelbahnen rundeten das Angebot ab.

    Für das leibliche Wohl und Festtagsstimmung sorgten mehrere „Caffe-“ und „Weinwirthe“ sowie einige „Wirtschaft(en) mit Tanzboden“, die auch abends großen Zulauf fanden.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH H 62.

  • Originalskizze für Maler- und Anstreicherarbeiten in der Engl. Kirche

    Im elften Teil: Am 6. September 1894 erstellt der Maler, Anstreicher und Stuckateur Andreas Kuhnen einen Kostenvoranschlag über Maler- und Anstreicherarbeiten für die englische Kirche (Chor der Pauluskirche) in Kreuznach.

    Für 375 Mark waren an geplanten Innenarbeiten vorgesehen: abkratzen des alten „Leimfarben Anstrich“,  ausbessern schlechter Verputzstellen und Risse mit Gips und Mörtel, 2-mal streichen von Decke und Wänden mit „Dr. Richard-scher Caseinfarbe für Kirchen“, ausmalen nach (vorliegender) Skizze, 2-maliges streichen des Sockels mit Ölfarbe und schablonieren mit Monogrammen. Kuhnen, der sein Geschäft in dem Wohn- und Geschäftshaus Poststraße 17 betrieb, erhielt den Auftrag und führte die Arbeiten aus. Nach deren Abschluss legte er 1895 zunächst Stadtbaumeister Gustav Friedrich Hartmann (1844-1914) Kostenvoranschlag, Skizze und Rechnung zur Durchsicht vor. Dann richtete er ein Schreiben an Sanitätsrat Dr. Friedrich Engelmann, Mitglied der Badekommission. Die deutliche Überschreitung des Angebotes sei, so Kuhnen, den Stadtverordneten Cahn-Scheyer und Dr. Engelmann geschuldet, da der Auftrag um die Reinigung aller Kirchenfenster und um eine Ergänzung von Malereien erweitert worden war. Die „reichern Malereien“ seien daher ebenso ausgeführt worden, wie die „Quadrierung der Gräte & Pfeiler“. Hinzu kam noch das Streichen und Sandeln der Grabsteine, was wiederum der Geistliche der Kirche in Auftrag gegeben habe. Die Gesamtsumme von 505,75 Mark wurde aus dem Badefonds bezahlt. Bei der farbig ausgeführten Skizze von Andreas Kuhnen handelt es sich um eines der wenigen im Stadtarchiv überlieferten Zeugnisse von Handwerksbetrieben aus Kreuznach. 

  • Ehrenbürgerbrief für Reichskanzler Bismarck: Von Entwürfen fehlt heute jede Spur

    Im zehnten Teil: von Entwürfen eines Ehrenbürgerbriefs der Stadt Bad Kreuznach für Reichskanzler Bismarck ist nur der Schriftverkehr erhalten.

    Am 21. Februar 1895 beschloss die Stadtverordneten-Versammlung Kreuznachs einstimmig, dem „Altreichskanzler Fürsten Bismarck“ eingedenk „seiner großen und unvergeßlichen Verdienste um das deutsche Vaterland und anläßlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht“ der Stadt zu verleihen. Daraufhin setzte man sich wegen der künstlerischen Gestaltung des Ehrenbürgerbriefes mit den ortsansässigen Künstlern Cauer und Danz, T. Avenarius aus Köln und dem Direktor der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, Prof. Hermann Stiller, in Verbindung. Stiller schlug statt seiner Herrn Geyer vor, der an der Kunstgewerbeschule unterrichtete.

    Da sich Kreuznach dafür entschied, sich dem Projekt eines Kollektiv-Ehrenbürgerbriefes anzuschließen, dem 60 Städte im Rheinland folgten, unterblieb die Ausführung eines eigenen Ehrenbürgerbriefes mit künstlerischem Anspruch. Stattdessen wurde am 19. Mai 1895 in Friedrichsruh ein eigenes Blatt ausgestellt, das von einer Fotografie der Stadt dominiert wurde und mit den Unterschriften von Bürgermeister, Beigeordneten und Stadtverordneten versehen war. Wie in der Akte vermerkt, wurden mindestens zwei Künstler, Tony Avenarius (31,90 Mark) und Danz (25 Mark), für ihre eingesandten Entwürfe bezahlt. Sämtliche Skizzen wurden zum „Bibl. Schrank“ gebracht und dort, „Rolle in br. Packpapier“, gelagert. Noch auf dem Deckblatt der Akte 1064 ist notiert, dass die „Entwürfe zum Ehrenbürgerbrief im Bibl. Schrank“ seien.

    Doch wo die Originale heute sind ist ungeklärt. Zwischen zwei unspektakulären Aktendeckeln ist zumindest der Schriftverkehr zwischen dem städtischen Beigeordneten und Königl. Amtsanwalt Rudolf Stosberg und dem Künstler Karl Anton Josef (Tony) Avenarius erhalten geblieben, indem sich die Wünsche der Stadt bei der „Composition des Ehrenbürgerbriefes“ ebenso wiederfinden (Stadtwappen, Hinweis auf Weinbau, Weinhandel, Weinlese und Kurbad, insbesondere die Elisabethenquelle) wie die ausführlichen Kommentare des Künstlers zu seiner Ausführung.

    Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH 1064

  • "20 Jahre, 4 Fuß 10 Zoll, preußisch, Haare braun": Das Gesinde-Register von Bosenheim gibt Einblicke in eine längst vergangene Zeit

    Im neunten Teil der Serie "Demnächst im Haus der Stadtgeschichte": das Gesinde-Register der Gemeinde Bosenheim als interessante Quelle zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

    In dem Gesinderegister der Gemeinde Bosenheim sind die Namen der „Dienstboten“ verzeichnet, die im Zeitraum von 1841 bis 1877 in Bosenheim hauptsächlich in der Landwirtschaft als sogenanntes „landwirtschaftliches Gesinde“ gearbeitet haben. Darin vermerkt sind: Name des Gesindes und des Dienstherrn, Tätigkeit (zum Beispiel Magd, Knecht), Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses, Herkunftsort und Legitimation (Heimatschein, Wander- oder Dienstbuch). Die Beschreibungen der Frauen und Männer aus den 1840er-Jahren, die den Ausweispapieren entnommen und in das Register übertragen wurden, sind ein Zeugnis systematisierter Personenbeschreibung anhand vorgegebener Kennzeichen. Beispielhaft ist der Eintrag von „Angnes Dieter“, die am 27. Xbris 1842 (Xbris = Dezember) bei Christoph Boller ihre Tätigkeit als Magd in Bosenheim aufgenommen hat. Er lautet wie folgt: „von Braunweiler, 20 Jahre, 4 Fuß 10 Zoll, preußisch, Haare braun, Stiern nieder, Augenbrauen braun, Augen schwarz, Nase gebogen, Mund klein, Zähne vollständig, Gesicht und. Kinn rund, gesund Gesichtsfarbe“.

    Valentin Stern, der bei Adam Petzing am 27. Xbris 1842 als Knecht in den Dienst eintrat, war laut Register: „von Langenlonsheim, König. Preußen, 21 Jahre alt, gesetzter Statur“, hatte „blonde Haare, graue Augen“ und ein „frisch Gesicht“. Neben den Mägden und Knechten sind sehr vereinzelt auch Lehrlinge und Gesellen aufgelistet.

    Das Gesinderegister stellt eine interessante Quelle zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Region dar.

  • Zeichnung des ehemaligen Stadtwaldes "Gauchsberg" erinnert an einem Gemeinde-Konflikt anno 1874

    Im achten Teil: eine Zeichnung des ehemaligen städtischen Waldes „Gauchsberg“, die an einen Konflikt um die Anlage eines Weges anno 1874 erinnert.

    Der Gauchsberg war Teil des Kreuznacher Stadtwaldes, bis ihn die Stadt 1913 an den Preußischen Staat verkaufte. 1900 belief sich seine Größe auf 238 Hektar. Er lag in der Gemeinde Sponheim und berührte die Ortsgemeinden Allenfeld, Argenschwang und Braunweiler. Vorliegende Zeichnung entstand 1874 wegen eines Konflikts um die Anlage eines Weges im Gauchsberg direkt an der Grenze zwischen dem Gemeindewald Sponheims und dem Gemeindewald Kreuznachs.

    Der Kreuznacher Bürgermeister Heinrich Küppers warf Gemeinde-Oberförster Alois von Metzen vor, die Anlage eines Holzabfuhrweges in Angriff genommen zu haben, ohne vorher die Zustimmung der Kreuznacher Stadtverordneten eingeholt zu haben. Aus diesem Grund werde die Stadt die bisher angefallenen Kosten für die Vermessung auch nicht bezahlen. Da die Gemeinde Sponheim, so Küppers, zudem den alleinigen Vorteil von dieser Anlage habe, erwarteten die Stadtväter zudem eine Entschädigung zu erhalten. Von Metzen verwies auf den von der Regierung genehmigten Kulturplan und nutzte die vorliegende Situationszeichnung dazu, die exakte Wegführung zu erläutern und die Zweckmäßigkeit und Sinnhaftigkeit des Weges damit zu untermauern.

    Die Karte wurde im Maßstab 1:10.000 aufgenommen. Neben der rot markierten Wege- und Grenzführung und den Grenzsteinen, sind unter anderem die Namen der Schläge des ehemaligen Kreuznacher Stadtwaldes Gauchsberg verzeichnet.

  • Gast- und Schankwirtschaften in der Neustadt anno 1911: Eine Handskizze zum Konzessionsgesuch von Peter W.

    Im siebten Teil: eine gut hundert Jahre alte Handskizze, auf der Gast- und Schankwirtschaften in der Neustadt verzeichnet sind.

    Am 27. September 1911 bittet der Küfer Peter W. den „kollegialischen Gemeindevorstand“ der Stadt Kreuznach, ihm eine Konzession für eine Schankwirtschaft im Haus Hochstraße 15 zu erteilen. W. sah sich aufgrund mehrerer Unfälle nicht mehr in der Lage, sein Handwerk auszuüben. Den Lebensunterhalt verdiente er sich daher mit Kartoffel-, Holz- und Bierhandel. Die Erträge aus dem Gewerbe reichten der Familie jedoch nicht zum Unterhalt. Das Betreiben einer Schankwirtschaft mit Küche, Wirts-, und Billardzimmer sollte dem abhelfen. Der Antrag von Peter W. wurde nach der nichtöffentlichen Entscheidung vom 27. Oktober am 28. Oktober 1911 in öffentlicher Sitzung mit der Begründung zurückgewiesen, dass die Schankwirtschaft zur „Förderung der Unsittlichkeit missbraucht“ werden könnte, denn W. war bereits 1908 wegen Kuppelei und Nötigung verurteilt worden.

    Dem Konzessionsantrag ist eine Handskizze beigefügt. Diese soll die „bis zu 400 Schritt entfernten Gast- oder Schankwirtschaften“ kennzeichnen und damit helfen, die „Bedürfnisfrage“ zu klären. So sind in dem direkten Umfeld der vormals von Metzgermeister Eugen Kossmann betriebenen Schankwirtschaft über 20 weitere Wirtschaften verzeichnet. Unmittelbar daneben: die Bäckerei und Schankwirtschaft von Jakob Zimmer. 

  • Das Stadtarchiv im „Maison dit Stadt Schreibereyhaus“

    Im sechsten Teil: ein 200 Jahre alter Plan, der die Lage des Stadtarchivs erstmals dokumentiert.

    In einer Akte aus der Zeit des „Empire Français“ über Veräußerungen von Gemeindeimmobilien der Stadt Kreuznach infolge des „Gesetzes vom 20. März 1813“ und deren Rückgabe im Jahr 1814 befindet sich ein einfach kolorierter Plan, der die Situation der städtischen Gebäude „Maison de la Mairie“ und „Maison dit Stadtschreiberey Haus“ zwischen Eiermarkt und „Rue dit Hinter dem Rathhaus“ darstellt. Darauf sind nicht nur das Rathaus und die Stadtschreiberei, sondern auch das große Tor (A), diverse Höfe (B u. D) sowie ein Holzschuppen gekennzeichnet (D). Eine interessante Information geht in dem Plan fast unter, nämlich dass unter E in der zweiten Etage des „Stadtschreiberreihauses“ das städtische Archiv untergebracht ist. Offenbar befand es sich in dem später abgerissenen Anbau des Hauses Poststraße 7.

    Das Stadtarchiv wurde 1681 zum ersten Mal in einem Ratsprotokoll erwähnt. Mit diesem vorliegenden Plan ist erstmals seine Lage zu bestimmen. Allerdings war das Archiv 1813 dort nicht vollständig untergebracht, denn der größte Teil der städtischen Überlieferung war vor den herannahenden französischen Truppen um 1792 in Sicherheit gebracht worden. Das Versteck, in das die Akten gebracht worden waren, war so gut gewählt, dass man die alten Unterlagen erst um 1856 wiederfand. Der vorliegende Plan wurde von Geometer Wilhelm Wenzel gezeichnet, der schon in kurpfälzischer Zeit Situationspläne für die Stadtverwaltung angefertigt hatte. Der Maßstab beträgt zirka 1:166.

  • Ortsbürger-Register der Gemeinde Bosenheim

    Im fünften Teil: zwei Register, in der die Ortsbürger aus Bosenheim über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren aufgeführt sind.

    Im Stadtarchiv Bad Kreuznach liegen zwei Ortsbürger-Register der Gemeinde Bosenheim aus dem 19. Jahrhundert vor. Die zwei gefädelten Hefte werden von Umschlägen aus unterschiedlich gefärbtem Marmorpapier geschützt. In beiden Bänden sind die Ordnungsnummern und Namen der seit 1776 aufgenommenen männlichen Ortsbürger und Witwen von Bosenheim (Haushaltsvorstände) mit Vor- und Zuname, Geburtsjahr und Aufnahmedatum vermerkt: die „Orts=Eingebornen“, die zugezogenen „Inländer“ und die zugezogenen „Ausländer“. Teilweise angegeben sind: Sterbedatum, Auswanderung ins nahe Ausland (z.B. „Ridesheim Königreich Preußen“) und ins ferne Ausland (z.B. „Nord Amerika“ oder „Brasilien“), Einwanderungen aus dem Ausland („ausgewandert aus der Gemeinde Becherbach Königreich Baiern, nach Bosenheim“) und Heiratsdaten (selten). Wohl gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit Bleistift notiert, ob die entsprechende Person Feuereimergeld entrichtet oder einen Feuereimer abgeliefert hatte.

    Das erste Ortsbürger-Register wurde 1816 angelegt. Zu diesem Zeitpunkt war die Bürgermeisterei Bosenheim, entsprechend der ehemaligen französischen Verwaltungsstruktur des Arrondissement de Mayence, dem Kanton Wöllstein, Provinz Rheinhessen im Großherzogtum Hessen zugeordnet. 1839 wurde nach einer Verwaltungsreform, in deren Folge 1835 erstmals der Kreis Bingen entstand, das zweite Ortsbürger-Register angelegt. Es wurde bis 1896 fortgeführt. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts übernahm es die Funktion eines Melderegisters.

  • Regieweinetikett der GKG: Kreuznacher Erwachungstropfen 1929er

    Im vierten Teil: ein Regieweinetikett, die den Überflug des Graf Zeppelin im Jahr 1929 über Bad Kreuznach zeigt.

    Das Regieweinetikett wurde von dem Berufschullehrer Hubert Paul Nobis (1887-1966) für die Bad Kreuznacher „Große Karneval Gesellschaft“ gestaltet. Der Kreuznacher Erwachungstropfen verweist auf den Überflug des Zeppelins „Graf Zeppelin LZ 127“. Nach einer zeitgenössischen Zeitungsnotiz geschah dies am 17. Septmeber 1929 morgens um 7.10 Uhr, weshalb das Ereignis ohne große Anteilnahme der Bevölkerung stattfand. Den Umstand, dass die Bevölkerung den Überflug schlicht „verpennt“ hat, greift Nobis auf. Bei seiner Bildgestaltung verweist er nicht nur mit den Sternen und dem schlafenden Mond darauf, sondern auch mit seinen ironischen Kommentierungen wie: „Angenehme Ruh“ oder „Vor allen Frühereignissen einige Tropfen zu nehmen“ beziehungsweise „? Abgefüllt unter Glockengeläute u. Böllerschüsse?“.

    Dieses Regieweinetikett stellt ein schönes Beispiel für den quellenhistorischen Wert von Weinetiketten dar, zumal Nobis mit seiner Darstellung nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch ein beliebtes Postkartenmotiv aufgreift, das die Kauzenburg, die alte dreibogige Nahebrücke mit der Skulptur des Heiligen Nepomuk, sowie das markante Häuserensemble rechts und links der Mannheimer Straße zeigt. Links im Bild, am Ende des sogenannten Badewörths, werden die Gebäude der ehemaligem Seilerei Georg Wohlleben angedeutet. Eine kleine Sammlung von Regieweinetiketten konnte vor einigen Jahren für das Stadtarchiv angekauft werden. Eine Auswahl davon wurde im vergangenen Jahr im „Deutschen Weinbaumuseum“ in Oppenheim gezeigt.

  • Das Hochwasser von 1918: Kurhausstraße 17

    Im dritten Teil: ein Foto, das die verheerenden Schäden des Hochwassers vor genau hundert Jahren in der Kurhausstraße zeigt.

    Das Januar-Hochwasser von 1918 richtete in Kreuznach verheerende Schäden an. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto von Johanna Amalie Cornelia Emilie Schmithals gen. Nelli (1880-1975) ist der Blick in das Erdgeschoss des Wohnhauses Kurhausstraße 17 zu sehen, das der Familie Schmithals gehörte und ebenfalls von der Überflutung betroffen war. Eine ungefähre Orientierung, wie hoch der Wasserstand zum Zeitpunkt der Aufnahme war, bietet der Tisch im hinteren Zimmer, unter dem das Wasser etwa in Sitzhöhe eines Stuhles (zirka 45 Zentimeter) steht. Das Foto vermittelt mit den hochgestellten Möbeln und den geöffneten Türen Schutzmaßnahmen, die gegen die eindringenden Wassermassen ergriffen worden sind, wobei sich der Eindruck aufdrängt, dass die Bewohner vom Hochwasser überrascht wurden, da viele Möbel im Wasser stehen. Daneben bietet es einen Blick in die Privaträume eines bürgerlichen Haushaltes, der sich u.a. in schweren, gediegenen Massivholzmöbeln, porzellanenen und gläsernen Gebrauchsgegenständen, wie an den Wänden befindlichen Kunstgegenständen darstellt. Die Räume sind elektrifiziert, mit Tapeten versehen und Vorhänge verhindern den ungestörten Blick ins Innere des Hauses. Ein Sinnspruch, der über einer hölzernen Türzarge angebracht ist: „Such in der Arbeit Deine Ruh − den Segen gibt schon Gott dazu“ verweist möglicherweise auf die Geisteshaltung Hausbewohner. 2007 wurde dem Stadtarchiv durch Nina Gampper eine bedeutende und umfangreiche Sammlung überreicht (überwiegend Glasnegative und Fotoabzüge), die den größten Teil des Lebenswerkes der Kreuznacher Fotopionierin Nelly Schmithals umfasst. Das Foto ist Bestandteil dieser Schenkung.

  • Die Ehrenchronik der Gemeinde Planig

    Im zweiten Teil: eine Chronik aus den 1930er-Jahren, in der Kriegsteilnehmer aus Planig aufgelistet sind.

    Die Aufnahme zeigt das Deckblatt der „Ehrenchronik“ der Ortsgemeinde Planig, die Ende der 1930er Jahre, wahrscheinlich um 1937, angelegt wurde. Darin sind in alphabetischer Reihenfolge 194 Kriegsteilnehmer aufgelistet. Auf Gedenk- und Ehrenblättern, die Gedenkblätter sind den Gefallenen vorbehalten, wurden die biographischen Daten der Soldaten, häufig ihre Fotos, Dienstzeit, letzter Dienstgrad, Auszeichnungen, Verwundungen, Schlachten und Gefechte, Gefangenschaft, Begräbnisort etc. niedergeschrieben. Die Chronik, ein Vordruck, gestaltet von Adolf Hafner, liegt als gebundenes Buch vor, mit blauem Leinen eingeschlagen und mit einer Goldprägung versehen. Die beigefügten Informationen zu Entstehung und Verlauf des Krieges, insbesondere des „Friedensvertrages von Versailles“ sind zeitbedingt polemisch zugespitzt. Das Ausfüllen der Vordrucke in Hand- bzw. Schönschrift wurde von dem Verlag Ludwig Cronauer aus Primasens besorgt. Die Ehrenchronik ist von hohem historischem Wert. Sie dokumentiert Einzel- und Familienschicksale und stellt gleichzeitig ein Zeugnis der Erinnerungskultur eines Dorfes zum ersten Weltkrieg dar.

  • Foto und Infos über das Hutten-Sickingen-Denkmal

    Was hat es eigentlich mit dem Hutten-Sickingen-Denkmal auf sich? Und was kann man in der Ehrenchronik der Gemeinde Planig nachlesen? Diese und weitere spannende Entdeckungen aus der Stadtgeschichte kann man bei einem Besuch im Stadtarchiv machen. Bevor das Stadtarchiv voraussichtlich im Herbst 2019 ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir wöchentlich unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im ersten Teil: ein Foto, das im Rahmen der Feierlichkeiten zur Eröffnung des Hutten-Sickingen-Denkmals entstand.

    Franz von Sickingen ist eng mit der Ebernburg und diese durch Ulrich von Hutten mit dem Begriff „Herberge der Gerechtigkeit“ verbunden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden nationalromantische Gefühlsregungen begeisterter protestantischer Patrioten in Kreuznach und Umgebung. In den 1830er-Jahren äußerte sich dies etwa in der Umbenennung des Kehrenbachtals in Huttental. Die Verehrung für Sickingen und Hutten gipfelte in dem 1888/89 am Fuß der Ebernburg errichteten monumentalen Hutten-Sickingen-Denkmal, nach einem Entwurf Carl Cauers, mit dem sie als „Vorkämpfer Deutscher Einheit und Größe“ geehrt wurden. Das Denkmal wurde 1889 enthüllt. Anlässlich dieses Ereignisses wurde „Hutten und Sickingen“ als „dramatisches Festspiel“ von August Bungert aufgeführt. Das Foto zeigt zwei Schauspieler in Pose, die dem Denkmal nachempfunden ist.

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