Klimafreundliches bauen

Gutes Kleinklima – ein Fall für die Wohnungswirtschaft


Mit 1800 Sonnenstunden und einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 500 bis 600 mm/Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr zählt Bad Kreuznach zu den trockensten Gebieten in ganz Deutschland*. Dank der topographischen Abgrenzung zu Taunus und Hunsrück und dem Nordpfälzer Bergland entsteht ein beinahe mediterranes Klima: Generell eher warm und trocken, mild im Winter, nicht zu heiß im Sommer.

Lernen am Beispiel des Forschungsprojekts in Dresden

Die Beschreibung stimmt nicht immer mit der gefühlten Außentemperatur überein. „Rekordtemperaturen“ wie 2018 machten Aufenthalte im Freien für manchen teils unerträglich. Aktuell droht ein neuer Hitzerekord. "Wärmeresiliente Baustoffe und Pflanzungen im Außenbereich werden in der Wohnungswirtschaft künftig eine noch bedeutendere Rolle spielen“, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende der Gewobau, Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer. Kaster-Meurer bezieht sich dabei auf das Forschungsprojekt „HeatResilientCity“ des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung Dresden**. Das Projekt untersucht mit dynamisch-thermischen Gebäudesimulationen, wie das Leben in den Wohnungen eines Plattenbaus in Dresden-Gorbitz auch während langer Hitzeperioden so erträglich wie möglich gemacht werden kann. Die Forschungsergebnisse sollen dann auch auf andere Objekte angewendet werden können.

Gewobau-Geschäftsführer Karl-Heinz Seeger will sich die Ergebnisse der Studie zunutze machen und denkt insbesondere natürlich an die Mieter und Mieterinnen der Bad Kreuznacher Wohnungsbaugesellschaft. Viele Häuserzüge im Bestand der Gewobau, beispielsweise im Musikerviertel, stammen aus den Sechziger Jahren; auch in der Umgebung und in der direkten Nachbarschaft wurde fleißig gebaut. Das Resultat ist eine große Verdichtung der Flächen.

Über 40 Prozent Ausgleichsfläche „In den Weingärten“

Die Gewobau hat das Thema Entsiegelung von Flächen auch in den Weingärten aufgegriffen. Hier erschließt und vermarktet die Gesellschaft auf einem Areal von 144.660 Quadratmeter Nettobaulandfläche über 300 Grundstücke, die Größe der Ausgleichsflächen beträgt über 40 Prozent. Der offene Entwässerungsgraben für Regenwasser ist eine weitere Maßnahme. „Wir haben eine wachsende Nachfrage nach Bauland und Wohnungen. Wir müssen darauf Antworten finden und klimatisch ausgleichen, was auszugleichen geht“, so Dr.Heike Kaster-Meurer, „natürlich immer unter der Betrachtung: Ist dies auch ökonomisch sinnvoll?“

Dachbegrünungen, mediterrane Pflanzen, Fassadenbegrünung – alles möglich, aber nicht immer kompatibel mit der Energieeinsparverordnung. Gerade in älteren Häuserzügen spielten Kälte -und Wärmeschutz nicht nur aus energetischer Sicht eine bedeutende Rolle. „Der wichtigste Schutz ist, Wärme gar nicht mehr in das Gebäude hineinzulassen“, so Seeger. „Wir setzen deshalb Dämmmaterialien wie Steinwolle („Rockwool“) ein“. Steinwolle wurde beispielsweise bei der Modernisierung des Häuserzuges Schubertstraße 6-8 verwendet und wird aktuell in der Schumannstraße 7 und 9 als Wärmeschutz eingebaut. Die Forscher aus Dresden empfehlen eine Kombination von Maßnahmen: Mehr Wärmespeicherung im Dachbereich, Außenjalousien und eine optimierte Lüftung, um zu viel Wärme aus dem Gebäude zu befördern. Das befürworten auch die Mieter in der Dresdner Siedlung, die dazu befragt wurden.

Physikalische Effekte durch geschickte Bepflanzung nutzen

Im Außenbereich spielt vor allem das Kleinklima eine Rolle, das sich durch eine geschickte Bepflanzung vorteilhaft beeinflussen lässt und somit für mehr Verdunstung in Bodennähe sorgt.  Die Anlage erfolgt nach dem physikalischen Prinzip des Ausgleichs. Das Wurzelwerk der Pflanzen lockert den Boden hinterlässt beim Absterben Hohlräume, die Lüftung und Durchfeuchtung begünstigen. Der Boden wird gleichzeitig vor Erosion geschützt. Blätter fangen Regenwasser auf oder wehren Sonnenstrahlung ab. Das alles beeinflusst das bodennahe Kleinklima.

Bereits jetzt pflanzt die Gewobau bei der Neuanlage von Außenbereichen überwiegend mediterrane Gewächse, die sich in der Regel gut dem Klima anpassen und auch Hitzeschübe problemlos überdauern. Ein Beispiel ist die Vorgarten-Bepflanzung im Pfalzsprung 12: Hier fallen die zylindrischen, in der Naheregion eher untypischen Zypressen ins Auge, die das Gebäude mit seiner blau-grauen Querschattierung optisch gliedern, aber eben auch ein wenig beschatten.

Drainage-Pflasterung wird bevorzugt

Zunehmend setzt die Gewobau bei der Ausgestaltung von Garagenhöfen und größeren Flächen auf überwiegend Drainage-Pflasterungen zur Befestigung. Gerade bei Wetterphänomenen wie Starkregen ein wichtiger Aspekt, wenn Niederschlag in großer Menge versickern muss. Durch die Drainage entsteht keine Unterspülung.

Quellenangaben: *GuT Bad Kreuznach, **DW Die Wohnungswirtschaft 6/2019


Foto: Mit mediterranen Gewächsen dem Klimawandel begegnen: Die Zypressen im Pfalzsprung 12 kommen mit Hitze gut klar und beschatten das Gebäude.

Text und Foto: Gewobau Bad Kreuznach

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