Dem Holocaust durch Flucht entgangen: die Polizeiliche Abmeldung des jüdischen Metzgers Isidor Mayer

Dem Holocaust durch Flucht entgangen: die Polizeiliche Abmeldung des jüdischen Metzgers Isidor Mayer

Bevor das Stadtarchiv ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellen wir in loser Folge unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im 40. Teil: Die Polizeiliche Abmeldung von Isidor Mayer stellt ein wichtiges Zeugnis der Kreuznacher Juden dar, die dem NS-Regime durch Auswanderung entkommen konnten.

Am 13. Mai 1935 stand in der Lokalpresse, dass es „vor der jüdischen Metzgerei Isi Mayer, Kreuzstraße“ zu einer „friedlichen Demonstration“ gekommen war, „als festgestellt wurde, dass arische Einwohner zum Kauf das Geschäft betraten“. Isidor Mayer übte, wie schon sein Vater und Großvater, den Beruf des Metzgers in Bad Kreuznach aus. Unter dem Namen Isi Mayer warb er zum Beispiel an Sylvester für seine Ochsen-, Kalb- und Hammelmetzgerei in der Kreuzstraße 19. Mit koscheren Knoblauchwürstchen belieferte er 1925 das „Restaurationszelt“ von Julius Baruch auf dem Jahrmarkt. Der vorliegende „Große Meldeschein“ bestätigt seine polizeiliche Abmeldung von Bad Kreuznach, ausgestellt am 20. Juli 1937, des örtlichen Einwohnermeldeamtes.

Der am 20. November 1884 in Kreuznach geborene Isidor Mayer zog anschließend zusammen mit seiner am 26. August 1886 in Winnweiler geborenen Frau Irma Strauß – bis dahin wohnten sie in der Ludendorff Straße 21 (heute Aschoffstraße)−, nach New York. Der Vermerk „Eltern mit der Normandie“ ist als Hinweis zu werten, dass das jüdische Ehepaar mit der Normandie, einem Passagierschiff, das zur Zeit seiner Fertigstellung im Jahr 1935 als größtes Schiff der Welt galt, nach Amerika übersetzte. Isidor und Irma Mayer hatten zwei Kinder: Alfred und Ludwig, beide in Kreuznach geboren und wie ihr Vater gelernte Metzger. Sie waren zu diesem Zeitpunkt volljährig und im April beziehungsweise Juni 1935 nach New York übergesiedelt.

Der Meldeschein ist Bestandteil einer Schenkung, die dem Stadtarchiv 2018 übergeben wurde. Er stellt ein wichtiges Zeugnis des Teils der jüdischen Kreuznacher Bevölkerung dar, die dem nationalsozialistischen Regime durch Auswanderung entfliehen und dadurch überleben konnte.

Jetzt noch im Stadtarchiv unter StAKH MS Juden

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