Sonderausstellung im Schloßparkmuseum: Christkind, Kaiser und Kanonen – Weihnachten im 1. Weltkrieg


Postkarte Granate © Sammlung Rita Breuer

Baumschmuck in Form von Bomben, Handgranaten, Pickelhauben sowie bunte Kugeln mit dem Porträt des Kaisers und seiner Generäle beschworen den militärischen Patriotismus durch die weihnachtliche Hintertür. Kriegsspielzeug und Kriegsbilderbücher unter dem Weihnachtsbaum sollten bereits den Kindern zeigen, wer der Feind des Reiches war und sie  auf ihre vaterländische Pflicht einstimmen.

Auch ein noch relativ junges Massenmedium fand Einsatz: farbige Bildpostkarten, die im Rahmen der Feldpost portofrei zwischen Front und Heimat verschickt wurden und den heroischen Kampf der Soldaten und die Opferbereitschaft der Bevölkerung zu Hause gleichermaßen glorifizierten.

Postkarte "Frohe Weihnachten" © Sammlung Rita Breuer

Die Bevölkerung an der „Heimatfront“ trug auf vielfältige Weise ihren Teil zum Krieg bei. So wurden Sammlungen für karitative Zwecke aber auch zur allgemeinen Versorgung veranstaltet. Pakete mit „Liebesgaben“ dienten der Unterstützung und der moralischen Aufrüstung der Soldaten an der Front.  

Zur Weihnachtszeit wurden diese mit selbstgestrickten Socken und Pulswärmern, Plätzchen und allerlei Selbstgebasteltem versorgt. Auch das Klapptannenbäumchen durfte nicht fehlen, denn das gemeinsame Erlebnis der Kriegsweihnacht an der Front und zu Hause sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Nation stärken und Hoffnung und Zuversicht verbreiten.

Auch an die Soldaten ohne Familie wurde gedacht – sie erhielten Weihnachtsgrüße und -geschenke von Paten, eine Aufgabe, die oftmals auch von Schulklassen übernommen wurde. 

Nagelfigur Michel Mort ©Schloßparkmuseum Bad Kreuznach

Historische Dokumente und Fotografien „rund um das Weihnachtsfest“ aus dem Feld und aus den Lazaretten lassen erahnen, wie schnell die allgemeine Kriegsbegeisterung des Sommers 1914 einer Ernüchterung wich.

Auch ein Exponat aus den Beständen des Schloßparkmuseums kommt zum Einsatz: Die Nagelfigur des Michel Mort. Nach einem Ausflug in das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, wo er für die Dauer der Ausstellung „Krieg und Propaganda 14/18“ vom 20.06. – 02.11.2014 präsentiert wurde, kehrte der Kreuznacher Held in seine Heimatstadt zurück.

Im 1. Weltkrieg appellierte er nicht nur zur Weihnachtszeit an den Patriotismus der Kreuznacher Bürger, die durch den Erwerb eines Nagels für seine eiserne Rüstung ihren Beitrag fürs Vaterland leisteten.


Eröffnung der Sonderausstellung
Sonntag, 23. November 2014, 11.15 Uhr, Jagdzimmer

Begrüßung
Andrea Manz, Kulturdezernentin

Einführung
Dr. Angela Nestler-Zapp, Museumsdirektorin

Einführung
Rita Breuer und
Dr. Judith Breuer

Musikalische Begleitung
Felix Schuster (kleine Trommel)


Rahmenprogramm zur Ausstellung

Sonntag, 11. Januar 2015, 15.00 Uhr
Jagdzimmer
Michel Mort in Eisen
Zur Bedeutung der Nagelaktionen im 1. Weltkrieg
Vortrag von Dr. Michael Vesper

Sonntag, 18. Januar 2015, 15.00 Uhr
Christkind, Kaiser und Kanonen“ – Weihnachten im 1. Weltkrieg
Führung durch die Ausstellung
Dr. Judith Breuer


Bilder:

  1. Plakat zur Sonderausstellung: Postkarte Kindersoldat © Sammlung Rita Breuer
  2. Postkarte Granate © Sammlung Rita Breuer
  3. Postkarte "Frohe Weihnachten" © Sammlung Rita Breuer
  4. Nagelfigur Michel Mort © Schloßparkmuseum Bad Kreuznach