OB: Ein Bürgerarchiv mitten in der Stadt


Das ehemalige Bettenhaus Golling, unweit des Löwensteges zentral gelegen und seit 2010 im Besitz der Stadt, wäre ein idealer Standort für ein Stadtarchiv kombiniert mit einem Haus der Stadtgeschichte. Darin sind sich viele einig. „Doch es muss auch finanzierbar sein. Nicht nur Umbau und Sanierung, sondern auch der laufende Betrieb“, wies Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer darauf hin, dass vor einer Entscheidung noch einiges zu klären ist. Für Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann ist die Veranstaltungsreihe „Stadtgeschichtliches“, die noch bis zum Samstag geht, eine Vorschau darauf, wie ein Stadtarchiv/Haus der Stadtgeschichte sein könnte.

An der wichtigen Bedeutung eines Archives für eine Stadt und für ihre Bürgerschaft gab es nach einem sehr kurzweiligen Vortrag des Leiters des Landesarchives Speyer, Dr. Walter Rummel, keine Zweifel mehr. Rummel war kurzfristig für den erkrankten Referenten Dr. Michael Martin zum Thema „Das Archiv. Gedächtnis der Verwaltung, Gedächtnis der Stadt. Eine unterschätzte Pflichtaufgabe der Kommunen“ eingesprungen. In Archiven schlummerten „häufig übersehene Schätze“. Er bewies, dass Archivare keine „blasse und vergeistigte“ Menschen sind und schwärmte von „Sternstunden der Entdeckerfreude“, berichtete von Hexenprozessprotokollen aus dem Hunsrück und von der Bad Kreuznacher Revolution anno 1999, als  Stadt und Stadtrat die altgedienten heimischen Nachtwächter gegen neue von auswärts austauschten und damit einen Volksaufstand provozierten.

Die Stiftung Haus der Stadtgeschichte Bad Kreuznach hilft dem Stadtarchiv dabei, die Lücken in der Geschichte zu schließen, warb Stiftungsratsmitglied Bernd Peter Räpple um Unterstützung. Die Stiftung veranstaltet Vortragsreihen, fördert finanziell Dokumentationen und Ausstellungen oder Projekte wie die Digitalisierung des Eisernen Buches der Stadt Bad Kreuznach. Räpple bat nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um Nachlässe von historischen Unterlagen (Fotos und Dokumente) aus privatem Besitz bzw. von Vereinen und Institutionen.

Stadtgeschichtliches dokumentiert im Bettenhaus Golling eine Wand zur Entwicklung des Kornmarktes und die Schaufenster zu „165 Jahre VfL, ein Vergleich zum mittelrheinischen Turnfest von 1887 und den Deutschen Hip-Hop-Meisterschaften 2011.“  Im Obergeschoss sind eine Auswahl der Fotos der ehrenamtlichen Stadtfotografinnen und des Stadtfotografen 2012 (Celine Espenschied sowie Schülerinnen und ein Schüler des Leistungskurses 12 des Gymnasiums am Römerkastell) zu sehen.  Die Auftaktveranstaltung wurde von Anna Domann-Schmitt und den „Röka-Sounds“ musikalisch umrahmt.   

Foto oben: Mit den Stadtfotografinnen Viktoria Daum, Maria Budde und dem Stadtfotografen Frederic Zander stellten sich Dr. Walter Rummel, Franziska Blum-Gabelmann, Dr. Heike Kaster-Meurer und Bernd Peter Räpple zum Erinnerungsfoto.

Großes Interesse an Stadtgeschichte: Im Bettenhaus gab es keinen Sitzplatz mehr.