Mit Courage gegen den Rassismus


"In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 zerstörten Nationalsozialisten an dieser Stelle die Kreuznacher Synagoge, verfolgten und misshandelten jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Bis dahin war die jüdische Gemeinde in Kreuznach über 200 Jahre prächtig gediehen. Mit den Übergriffen der Reichspogromnacht nahm die öffentlich und amtlich ausgeübte Aggression gegen Juden ihren Anfang. 

Es folgte ihre systematische Verfolgung und Vernichtung in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß: hier in Bad Kreuznach wurden 220 jüdische Männer und Frauen und Kinder ohne Zahl „eingesammelt“ und in einfachsten Waggons in Lager verbracht, wo sie unter Fron und Folter leidvoll ein Leben fristeten, das man als solches kaum bezeichnen mag, wo sie bis zu ihrem Ende litten und auf perfideste Weisen grausam ermordet wurden. Das geflügelte Wort von der „deutsche Gründlichkeit“ hat durch die NS-Zeit einen immerwährenden Beigeschmack, so Kulturdezernentin Andrea Manz in ihrer Rede.

Tragen wir jeden Tag miteinander dafür Sorge, dass Menschen in unserer Mitte nie wieder aufgrund ihrer Herkunft oder Überzeugung diskriminiert, um Rechte, Würde und Leben gebracht werden. Bündeln wir unsere Fähigkeiten, ergänzen wir einander zum Wohle der Gemeinschaft, für Lebenswert für alle in Bad Kreuznach, appellierte sie.

Für eine Schule ohne Rassismus, aber mit Courage treten  Marlene Pick  und Svenja Küchenhoff am Lina-Hilger-Gymnasium ein.  Dort gibt es Projekttage, an denen sich auch  in Musik und Kunst mit dem Thema auseinandergesetzt wird oder bei Fahrten nach Blankenrath an der Mosel mit Experten diskutiert wird.

Valeryan Ryvlin, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde, verwies auf die positive Entwicklung. "Unsere Gemeinde hat wieder ein Gesicht, das ist auch dem freundlichen Klima in dieser Stadt zu verdanken".  Er äußerte aber die große Sorge wegen der zunehmenden Gewalttaten der Rechtsextremisten. "Wir müssen im Kampf  gegen den Rassismus zusammenstehen."  Die Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft dürften nie vergessen werden. "Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung", zitierte er den Talmud.

 

Die Gedenkfeier wurde musikalisch vom Chor der jüdischen Gemeinde unter der Leitung von Tatjana Feigelmann  und von Petra Grumbach musikalisch umrahmt.

 

Das Schlussgebet für Toten El Male Rachanim sprach der Rabbiner Shalom Dovber Rabinovitz.  

  Foto: Courage gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt. Dafür warben Marlene Pick und Svenja Küchenhoff (beide Lina-Hilger-Gymnasium)