Wolfgang Schömel, ein Literaturpreisträger voller (Heimat-) Liebe


"Empathisch, genussvoll und voller (Heimat-) Liebe schickt er die Helden seiner Werke in die Region seiner Kindheit und beschreibt sie in ironischer Distanz und dennoch ungebrochener Nähe. Nuancenreich und tiefgängig und von hohem literarischen Niveau sind seine ausgezeichnet besprochenen Bücher.“ urteilt die Jury. Doch nicht nur mit Erzählungen aus seiner Heimat glänzt Schömel. Seinen neuesten Roman „Die große Verschwendung“ würdigt die „Zeit online“ als eine „gelungene bitterböse Gesellschaftssatire erster Güte“.

Wolfgang Schömel, „der Bub aus der Bäckerei vorn in der Salinenstraße“, besuchte das Gymnasium an der Stadtmauer und trug in seiner Studentenzeit in Bad Kreuznach die Post aus. Wie wild diese Zeiten waren, erfuhren die Gäste der Preisverleihung bei der Lesung des Preisträgers, in einer Sprachgewalt, die direkter und deutlicher kaum sein kann. „In „Killing me softly“ flossen die Erlebnisse eines „neurotischen Briefträgers“ und dessen Abenteuer aller Art ein. Bei den „Frikadellen“ setzt er den Kochkünsten seiner Mutter Klärchen ein literarisches Denkmal. Ebenfalls aus der Region ist die Erzählung „Rotenfels“, eine harte Kost mit einem wahren Kern, die Schömel servierte: die Geschichte einer gescheiterten Persönlichkeit, eines Sohnes, der seine Mutter aufopferungsvoll pflegt und nach deren Tod Selbstmord begeht.  

„Ihre Bad Kreuznacher Jahre waren sicherlich eine gute Schule des Lebens, um ein guter, erfolgreicher und gesellschaftskritischer Schriftsteller zu werden“, so die Oberbürgermeisterin in ihrer Laudatio.

Schon im Alter von 13 Jahren gewann er bei einem Jugendwettbewerb der Stadtbücherei zum Thema „Kasperl“ einen Preis. Der Wettbewerb 1964  war  Werbung für gute Jugendbücher und Kampf gegen die „Schundliteratur“.

Die Stadtbibliothek, Ort der Preisvergabe und der Lesung, lobte Schömel als „schönes Haus“. Damals noch in der Kaiser-Wilhelm-Straße, war die Stadtbücherei in der Kindheit sein „zweites Zuhause“. „Ihr habe ich viel zu verdanken. Dort habe ich alles ausgelesen.“

Nach dem Abitur folgte das Studium Germanistik, Philosophie und Politologie in Mainz und Bremen, 1977 das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien  und 1982 der Doktor der Philosophie.

1982 bis 1986 arbeitete er als freischaffender Autor, dann von 1986 bis 1988  beim Bremer Senat für Bildung, Wissenschaft und Kunst. Hier plante er unter anderem die Konzeption und Durchführung der literarischen Wochen. Seit 1989 ist er Literaturreferent der Freien Hansestadt Hamburg.

Seine Auszeichnungen:

2003 erhielt er für die Erzählung „Die Reinheit des Augenblicks“ den mit 10.000 Euro dotierten Georg-K-Glaser-Preis des Landes Rheinland-Pfalz  und des SWR in Mainz.

2004 folgte der Preis „Buch des Jahres 2004“ des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz.

Werke: Erzählband „Die Schnecke“, „Die Reinheit des Augenblicks“, die Romane „ohne Maria“ und die „Große Verschwendung“.

In ihrer Begrüßung würdigte Kulturdezernentin Andrea Manz auch die anderen sechs Kandidatinnen bzw. Kandidaten. Diese Arbeiten sind in deren Unterschiedlichkeit „lebendige Geschichtsschreibung" und ein "absoluter Gewinn und Glücksfall für das Erinnerungsvermögen unserer Stadt.“

Der Kunstbeirat hat in folgender Zusammensetzung beraten: Die Preisträgerinnen der vorangehenden Jahre, Sabine Wassermann, Dr. Gabriele Harter und Gabriele Brassard, die Kulturausschussmitglieder Marie-Luise Anheuser (CDU) und Barbara Kutsch (Bündnis 90/Die Grünen) sowie der aus Bad Kreuznach stammende Sachverständige Alexander Wasner, Literaturexperte der Landesschau Rheinland-Pfalz, zusammen mit der Kulturdezernentin. Vorgeschlagen und eingereicht waren Werke von Rudolf Hornberger, Wilhelm Anton Kullmann, Marita Peil, Ulrike Piechota, Thomas Scheffler, Wolfgang Schömel und Werner Wiesner

 

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