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Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Webel

Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Webel

Am 26. Februar 1904 stellte der Kreuznacher Schokoladen- und Zuckerwarenfabrikant Albert Webel (1848-1905), ausgewiesener Spezialist für Weihnachts- und Osterartikel, eine Rechnung an Karl Besenbruch aus. Der aus Zweibrücken stammende Bäcker hatte am 3. Februar 1904 mit einer Bestellkarte gleich mehrere Artikel im Wert von 70,22 Mark für Ostern angefordert, die ihm aus Kreuznach in zwei Kisten per Frachtgut zugestellt wurden, darunter: „10 Fondant Hasen, 10 Liquer Eier rosa und 50 gem. Körbchen“. Wenig später, am 28. März 1904, zog Albert Webel mit seiner Familie nach Bad Reichenhall, wo er 1905 verstarb. Seine Kreuznacher Schokoladenfabrik hatte er im April 1904 verkauft.

Der Kaufmann, der im bayerischen Großkarlbach geboren worden war, hatte zunächst in der Viktoriastrasse 45 eine Zuckerwarenfabrik in der Firma: „Dr. Wander`s Filialfabrik“ betrieben. 1880 ließ er auf dem Firmengelände ein Kesselhaus für eine Dampfmaschine errichten, die zur Produktions- und Ertragssteigerung vorgesehen war. Webel verlegte seine Schokoladenfabrik wenige Jahre später in die Kreuznacher Neustadt. Bis zum 8. Oktober 1898 führte er dort die „Chocoladen und Zuckerwaaren Fabrik“ in der Mannheimer Straße 60 alleine, danach als Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammen mit Paul Kohn. Kurz nach Webels Weggang 1904 wurde die Schokoladenfabrik dann von Heinrich Enck übernommen. Der Firmenname Webels blieb zunächst als „Kreuznacher Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik August Webel“ erhalten. Zuletzt wurde er von dem jüdischen Fabrikanten Hugo Hesdörffer unter „Webel & Co. Kreuznacher Schokoladen-, Zuckerwaren- u. Honigkuchenfabrik“ geführt, der seit 1913 mit seinen Brüdern Benedikt und Karl Eigentümer der Firma war, zusammen mit dem stillen Teilhaber Georg Webel.

Auf der Rechnung an Besenbruch befindet sich ein Briefkopf, auf dem in idealisierter Weise die Webel`sche Zuckerwarenfabrik an ihrem Standort in der Kreuznacher Neustadt dargestellt ist: die Außenansicht des Verkaufsladens, heute Huthaus Vetter, mit dem dahinter liegenden vierstöckigen Produktionsgebäude der Firma. Bemerkenswert sind die gut erkennbaren rauchenden Schornsteine, die auf die im Gebäude befindlichen Dampfmaschinen verweisen. Ergänzende Informationen sind die abgebildete Fabrik-Marke wie Auszeichnungen von Produkten. Von dem ehemaligen Fabrikkomplex stehen noch heute die oben abgebildeten Gebäude in der Mannheimer Straße und im Zwingel. Die Firma (Abteilung A und Abteilung B) wurde am 30.12. 1938 bzw. am 1.2.1939 eingestellt und am 8.2. bzw. 9.1.1939 abgemeldet. Die ab 1933 begonnene Verdrängung der Juden aus dem Geschäftsleben fand nun im Fall der „Webel & Co. Kreuznacher Schokoladen-, Zuckerwaren- u. Honigkuchenfabrik“ ihr Ende.


StAKH MS Briefköpfe W
©Franziska Blum-Gabelmann 2018

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