Haus der Stadtgeschichte

PROJEKTE
Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft

von Franziska Blum-Gabelmann M.A.

04.12.2007

Das städtische Archiv – Die Vergangenheit

Erste gesicherte Hinweise auf ein städtisches Archiv in Kreuznach stammen aus dem 17. Jahrhundert.

So ist unter dem 9. Mai 1681 im Ratsprotokoll der Stadt Kreuznach zu lesen, dass eines „Amtsbefehls“ wegen und wegen „der Von denen frantzoßen einlaufendter gefährlicher zeitungen, der Statt Archiv undt Documenten dehme allschon deß wegen ergangenem herrschafftlichen befehl gemäß, in sicherheit“ zu bringen seien[1]. Weiterhin steht dort, dass der „Statt Archiv“ „nacher Franckfurt in das von gndstr Herrschaft bestandtene Gewölb gebracht“ werden solle[2].

Mit der Fuhre nach Frankfurt wurde übrigens Michell Brechtbuschen beauftragt, der wie am 19. Mai 1681 im Ratsprotokoll zu lesen ist, „das Rhats-Archiv nacher Franckfurt“ gebracht hatte „in einem Fäßlein mit No 7 und der Statt Creutznach wapen bezeichnet“, und zwar „in das jenige gewölb, worinnen die herrschaftliche documenten befindlich“[3].

Über hundert Jahre später ist erneut im Zusammenhang mit drohenden Kriegsereignissen die Rettung des städtischen Archivs erwähnt. Noch bevor sich die französische Herrschaft auf dem kurpfälzischen Gebiet durchsetzten konnte, erging am 23. Juli 1794 von der Kurpfälzischen Regierung in Mannheim eine Anweisung an die Oberämter, dass die Archive des Oberamtes Kreuznach und der Stadt Kreuznach „über den Rhein in Sicherheit gebracht“ werden sollen[4].

Was im Einzelnen in der bewegten Zeit geschah, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Tatsächlich brachten die Kreuznacher das Archiv in ein Versteck.

In einem Bericht von 1905 heißt es dazu: „Die in französischer Zeit von 1795-1812 von der Stadt geführten Akten sind ziemlich vollständig vorhanden und es ergibt sich die bedeutungsvoll gewordene Tatsache, dass die älteren Akten aus der kurpfälzischen Zeit völlig verschwunden waren. Das städtische Archiv ist beim Heranrücken der Franzosen so sorgfältig versteckt gewesen, dass es erst im Jahr 1850 wieder gefunden wurde“[5].

In der französischen Zeit war das Stadtarchiv dann in der Stadtschreiberei untergebracht. In einem Plan von 1813 sind Rathaus „Maison de la Mairie“ und das „Maison dit. Stadtschreiberey Haus“ als zusammenhängendes Verwaltungsareal dargestellt und benannt, das in bestimmte Zonen aufgeteilt war[6].

Über das städtische Archiv „l`archive de la ville“ ist zu erfahren, dass die Zimmer oder Amtsstuben im zweiten Stock der Stadtschreiberei als städtisches Archiv genutzt wurden und als solche eingerichtet waren[7].

Ab 1819 wanderte das Archiv ins heutige Stadthaus.

Wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem wieder aufgefundenen Archiv des „alten Reiches“ beschloss der Stadtrat am 20. November 1856 „zur völligen Herstellung des Archivs“ Herrn Beyer, Archivrat aus Koblenz, die Kosten der Reise von Koblenz nach Kreuznach sowie Kost und Logis zu bezahlen [8]. Im darauffolgenden Sommer des Jahres 1857 erstellte Bayer tatsächlich ein Verzeichnis des Kreuznacher Urkundenbestandes.

Dieser wurde 1885 von dem Gymnasialdirektor Dr. Kohl überprüft, der dabei das Fehlen einiger Stücke feststellte. Zudem wurden von ihm weitere, bisher noch nicht erfasste Urkunden verzeichnet.

Das Stadtarchiv war, wie erwähnt, im Stadthaus untergebracht, in dem sich seit 1819 auch das Landratsamt befand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Raum für beide Institutionen zu eng. So wurde am  10. November 1870 im Stadtrat über die „Beschaffung eines Lokals zur Unterbringung des Archivs“ gesprochen. Dem Stadtrat wurde mitgeteilt, dass ein Teil der zum städtischen Archiv gehörigen Papiere wegen Mangels an anderem Raum auf dem hiesigen Landratsamte untergebracht sei. Der Rat beschloss daher, zur Unterbringung der Dokumente ein feuerfestes Lokal im Stadthaus zu beschaffen und sämtliche zum städtischen Archiv gehörigen Papiere und Dokumente dort unterzubringen[9].

1892 zog das Landratsamt aus dem Stadthaus aus und in das „Kreisständehaus“ in der Salinenstraße, das am 13. September eingeweiht worden war.

Ab 1913 war auch das Stadtarchiv nicht mehr im Stadthaus untergebracht sondern in der Realschule. Wann das Archiv aus dem Stadthaus verlagert wurde und ob dies komplett erfolgte, ist unbekannt. Unter dem 17. Oktober 1913 ist im Protokollbuch der Baukommission erwähnt: „Trockenlegung der Archivräume im Keller der Realschule“, und weiter: „Die Kommission genehmigt die Kosten zur Isolierung der Räume nach dem Kostenvoranschlag vom 15. Oktober 1913“. Die Ausführung erfolgte mit Kosmosplatten Qualität Herkules[10].

Eine weitere Überlieferung besagt, dass seit 1913 Karl Geib als ehrenamtlicher Leiter des Heimatmuseums und ab dem Ersten Weltkrieg auch als ehrenamtlicher Archivleiter tätig war[11]. In dieser Eigenschaft überprüfte er im Jahre 1915 wiederum die Urkundenbestände der Stadt. Das Ergebnis ist unbekannt.

Im März 1925 kam es zur Übernahme des Museums und der Bestände des „Vereins für Heimatkunde“ früher „Antiquarisch Historischer Verein“, durch die Stadt. Anlässlich der bevorstehenden Übernahme des Museums hatte sich im Dezember 1924 der Stadtverordnete Traurich während einer Stadtratssitzung zu Wort gemeldet und gesagt: „ Es ist erfreulich, dass die Stadt ihre Pflicht erfüllt, da sollte sie aber auch das städtische Archiv schützen, das im Kellergeschoß der Realschule dem Verderben preisgegeben ist. Die wertvollen Schriften werden nach dem Urteil Sachverständiger kaum noch 30 – 40 Jahre halten. Es wäre aber schade wenn die alten Urkunden zugrunde gingen, deren interessanter Inhalt den meisten Bürgern unbekannt ist. Es fehlt auch an einem Raum, in dem die Forscher die Urkunden lesen können“.

Der Bürgermeister antwortete darauf: „Es ist der Verwaltung bekannt, dass die Archivwerte nicht sachgerecht untergebracht sind und auch der Zerstörung durch Feuchtigkeit preisgegeben sind. Wir haben die Absicht, die Sachen im Brückenturm unterzubringen, dort liegen sie auch feuersicher“[12].

Die Akten wanderten allerdings nicht in den Brückenturm, sie blieben zunächst in der Realschule.

Nach der Übernahme der Vereinssammlungen war das Archiv mit dem Museum verbunden. Dies kam fortan durch eine Personalunion zum Ausdruck, bei der der jeweilige Museumsleiter (später: Museumsdirektor) gleichzeitig die Funktion eines Leiters des Archivs innehatte, auch haushaltstechnisch, denn das Archiv wurde im Verwaltungsbericht unter dem Museum aufgeführt.

Karl Geib blieb bis 1951 Museumsleiter. Ihm folgte bis 1979 Otto Guthmann erst kommissarisch, dann nebenamtlich und ab 1957 hauptamtlich, dann von 1980 bis 1990 Dr. Bullinger. Dessen Nachfolgerin und heutige Museumsdirektorin ist Frau Dr. Angela Nestler-Zapp.

Karl Geib stand ab April 1949 Jacob Kiefer zur Seite, der Archivbetreuer und Archivar genannt wurde und diese Funktion auch für die auf Geib folgenden Museumsleiter ausübte. Kiefer trat 1990 zurück und ihm folgten in der Position des Archivars Julius Reisek, Dr. Andrea Fink und Franziska Blum-Gabelmann.

Nach der endgültigen Zusammenführung von Museum und Archiv 1925 tauchte in den Verwaltungsberichten immer wieder der Hinweis auf, dass die Frage des Archivs gelöst werden müsse, da es an seinem derzeitigen Standort, der Realschule, dem Verderben preisgegeben sei[13]. Dies war 1925 und 1926 zu lesen. Und nochmals 1930 war konkret abgedruckt: „Auch das Stadtarchiv kann zur Zeit keine entsprechende Unterbringung finden. Die Gebäudefrage drängt daher immer mehr zu einer Lösung[14]“.

Walter Zimmermann erwähnt in seinem 1935 erschienenen Buch „Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach“ unter der Rubrik schriftliche Quellen auch das Stadtarchiv „als Standort handschriftlicher Quellen zur Stadtgeschichte“ und zählt die wichtigsten Bestände auf[15]. Es ist davon auszugehen, dass er in die schriftlichen Quellen auch Einsicht genommen hat. Wahrscheinlich befand sich das Archiv zu dieser Zeit in der Kronenbergergasse, in der ein provisorisches Museum errichtet worden war.

Wann und von wo aus das Archiv von der Realschule in die Kronenbergergasse zog, oder ob es davor noch einen weiteren Aufenthalt gab, ist unbekannt.

Nach einer Verfügung des Regierungspräsidenten aus dem Jahr 1935 sollten zur Unterstützung der kommunalen Aufsichtsbehörden und der staatlichen Archivverwaltung Archivpfleger ernannt werden. Vorgesehen waren 1 bis 2 Personen für jeden Kreis. Diese Archivpfleger würden durch die Oberpräsidenten im Einverständnis mit dem Generaldirektor der preußischen Staatsarchive ernannt, hieß es in dem Erlass. Vor diesem Hintergrund sollte Geib offiziell als Pfleger des städtischen Archivs eingesetzt werden. Aus dem Schriftverkehr um die Besetzung dieser Position geht hervor, dass er das städtische Archiv schon seit 22 Jahren verwaltete. Mit Karl Geib wurde auch Dr. Ing. Karl Velten zum Archivpfleger ernannt. Durch Schreiben vom 19. Oktober 1937 wurde Geib offiziell zum Pfleger für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer ernannt[16].

1938 erging an Geib und Dr. Velten zur Bestreitung der staatlichen Archivpflege eine allgemeine Anweisung für die Archivpfleger des Staatsarchivs Koblenz, wo deren Aufgaben umrissen wurden.

Karl Geib wurde ab dem 1. Juni 1938 hauptamtlich für das Museum eingestellt. In seinem Arbeitsvertrag ist allerdings kein Hinweis auf seine Tätigkeit als Leiter des städtischen Archivs vermerkt.

Am 14. September 1939 ging, vor dem Hintergrund des Krieges, von der Archivberatungsstelle der Rheinprovinz an den Bürgermeister der Stadt Bad Kreuznach ein Brief ein, versehen mit dem Vermerk „Geheim“, in dem stand, dass „die Archive und alles alte Schriftgut, insbesondere die Kirchenbücher gesichert werden“ sollten.  Es wurde darum gebeten, „Ihr Archiv oder wenigstens den wertvollsten Teil davon umgehend sorgfältig, möglichst in Kisten zu verpacken, …, und mit der Angabe Archive zu versehen, …, und für den Abtransport bereit zu stellen. Die Sachen werden in den nächsten Tagen mit Fernlastwagen, die von der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt werden, abgeholt“.

Karl Geib antwortete darauf, dass er die wichtigsten Archivalien gegenwärtig in einem Stahlschrank im Luftschutzkeller des Museums, in der Kreuzstraße, sicher aufbewahrt habe. Für den Augenblick, so Geib, sei ein Abtransport nicht geboten[17].

Diese Bemerkung lässt den Schluss zu, dass Teile des städtischen Archivs, wahrscheinlich die Urkunden und Ratsprotokolle, im Zweiten Weltkrieg in die Kellergewölbe des Museums verbracht wurden, oder dass sie sich zwecks Erforschung durch Geib schon seit der Eröffnung des Heimatmuseums in der Kreuzzstraße, getrennt vom Rest des Stadtarchivs, dort befanden.

Dass später Teile der städtischen Museumssammlung ausgelagert wurden, bestätigt allerdings eine Bescheinigung des Oberbürgermeisters vom 1. April 1949, in der steht: dass „die während des Krieges in dem Kloster Marienstadt bei Hachenburg zur Sicherung gegen Bombenschäden untergebrachten wertvollen Fundgegenstände aus dem Heimatmuseum“ abzuholen seien[18].

Das Museum in der Kreuzstraße wurde Anfang 1945 von einer Bombe getroffen. Die Archivalien in den Gewölbekellern wurden verschont und später wieder in die Kronenbergergasse verbracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil des städtischen Archivs 1953 durch den Archivassessor Dr. H. J. Querfurth neu geordnet und erstmals in einem Findbuch geschlossen verzeichnet.

Querfurth erfasste allerdings nicht das lange 19. Jahrhundert bis 1914 und auch nicht den Teil der städtischen Überlieferung, die seit Beendigung des Ersten Weltkrieges angefallen war.

Von der Kronenbergergasse zog das städtische Archiv im September 1970 in einen Kellerraum der Berufsbildenden Schule in der Ringstraße 49[19].

Nach dem Umzug, im Oktober des gleichen Jahres, äußerte sich Museumsdirektor Guthmann in einem Zeitungsartikel: „Um die wichtigsten Ereignisse festzuhalten bräuchten wir einen hauptamtlichen Archivar“[20].

Ein weiteres Jahr später kritisierte Karl Buss in einem Brief an den Bürgermeister, “dass ein Großteil des städtischen Archivs in einem Kellerraum der Berufsschule Ringstraße sehr schlecht untergebracht“ sei[21]. 1974 schrieb der gleiche Bürger erneut an den Bürgermeister: „Unser Stadtarchiv, das kulturgeschichtlich wertvolles, unersetzliches Schrifttum birgt ist unzulänglich im Keller der Kreisberufsschule untergebracht und droht dort zu verderben!“[22].

Aus diesem Grund wurde der damalige Archivdirektor Herr Dr. Heyen aus Koblenz zu einer Besichtigung des Archivs eingeladen. Aus einer Aktennotiz geht hervor, dass Heyen darauf hingewiesen hat, dass er die Lagerung des Archivs zwar nicht als optimal, aber auch nicht als alarmierend empfinde.

Alarmierend empfand er hingegen, wie er es in einem Schreiben an Museumsdirektor Bullinger formulierte, dass das neuere Schriftgut komplett fehle. Er kommentierte: „Archiv wird in Kreuznach offensichtlich zu sehr als museale Institution für altes Schriftgut angesehen und nicht als Dokumentationsstelle des Geschehens der Gegenwart[23]“. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Anschrift des Schreibens; sie lautet nämlich: „An das Stadtarchiv im Karl-Geib-Museum“[24].

Mit der treffenden Analyse Heyens ist ein Paradigmenwechsel in der Betrachtung des Stadtarchivs dokumentiert. Die tatsächlich vorhandene und vorherrschende museale Betrachtung des Archivs von Seiten des Museums und von Seiten der Stadt, die ihre schriftliche Überlieferung an das Museum gleichsam abgetreten hatte, hatte den Blick auf neu formulierte Bedürfnisse der Gesellschaft und den Weg zu einem neuen Verständnis von Geschichtsdokumentation und Geschichtsschreibung versperrt. Ein Zustand, der sich bis heute weitgehend gehalten hat.  

Sowohl die Museums- und Archivleitung als auch die Stadtverwaltung registrierten ab 1900 Platzmangel, die ungenügende bis unsachgemäße Lagerung der Aktenbestände, fehlendes ausgebildetes und vor allem hauptamtlich beschäftigtes Archivpersonal sowie immer wieder mangelnde finanzielle Mittel. Die Notwendigkeit einer Veränderung wurde immer beschworen, sie unterblieb jedoch.

Museum und Stadtverwaltung hatten nicht im Blick, dass dem Archiv 1974 die Überlieferung der letzten 50 Jahre, konkret seit dem Ersten Weltkrieg, komplett fehlte, dass in der Verwaltung zunehmend Sonderarchive entstanden, und dass das Stadtarchiv als Gesamtheit zu verstehen gewesen wäre mit der Konsequenz, die historischen Bestände mit den neuerem Schriftgut zu vereinigen.

Die städtische Verwaltung selbst verstärkte damit nicht nur eine Entfremdung von ihrer eigenen administrativen Überlieferung, bis hin zur völligen Verleugnung dessen, dass es sich bei den Akten um historisch wertvolles Schriftgut handelte. Darüber hinaus konnte die städtische Verwaltung im Verlauf vieler Jahrzehnte kein Verhältnis zu ihrer eigenen Überlieferung aufbauen, da ein nach verwaltungsrechtlichen Vorgaben und Bestimmungen funktionierendes  Archiv (Stichwort Aktenordnung) nicht existierte. Gleichzeitig führte die Zuständigkeit des Museums für das Archiv umgekehrt zu einer Überhöhung des alten Schriftgutes, insbesondere der Urkunden und Ratsprotokolle wie auch des Bestandes des alten Reiches. Statt die genannten Objekte als kulturell bedeutsames Schriftgut zu behandeln, wurden sie wie wertvolle museale Kulturgüter betrachtet und behandelt, was zu einer weiteren Distanzierung führte, die verhinderte, die städtische Überlieferung als ein Träger von Geschichte zu verstehen.

Banalisierung und Sublimierung: zwei Extreme, die auf einer symbolischen Ebene dazu beitrugen, dass das Archiv so betrachtet, bewertet und  behandelt wurde, wie es seiner Funktion und Bedeutung nicht entspricht.

Das Gesagte möchte ich Ihnen an den mitgebrachten Archivalien demonstrieren.

Aufbau: Ratsprotokoll 1506 (Buch handgeschrieben)/1706 (Buch handgeschrieben)/1806 (Buch)/1936 Buch maschinengeschrieben)/2006 (Mikrofilm)/ 2008 (Digitalisat).

Im März 1980 erreichte Bad Kreuznach ein Sonderrundschreiben hinsichtlich des archivwürdigen Schrift- und Dokumentationsmaterials der Gemeinden, Verbandsgemeinden, Städte und Landkreise, in dem Empfehlungen für die Aufbewahrung von archivwürdigem Schrift- und Dokumentationsgut ausgesprochen wurden. Hintergrund waren Absprachen und Richtlinien zur Aufbewahrung archivwürdigen Schrift- und Dokumentationsgutes der kommunalen Gebietskörperschaften, die zwischen den kommunalen Spitzenverbänden, dem Innenministerium und der Landesarchivverwaltung geführt wurden[25].

Dieses Sonderrundschreiben dokumentierte die veränderte Sachlage auf Bundes- und Landesebene hinsichtlich der Bewertung des neuen Schriftgutes in Archiven.

Im September 1981 bat die Kreisverwaltung darum, das Stadtarchiv anderweitig unterzubringen. Kurz wurde darüber diskutiert, ob das Archiv in das geplante neu zu errichtende Museum im Schlösschen einziehen könnte. Doch dieser Gedanke wurde, wie eine mögliche Unterbringung des Archivs im Pförtnerhaus, verworfen.

Am 7. September 1982 zog das Stadtarchiv weiter und zwar von der Berufsbildenden Schule in die Planigerstraße 4 in den Schulsaal Nr. 2[26].

Direkt nach dem Umzug richtete der SPD-Ratsherr Helmut Schwind eine Anfrage an den Oberbürgermeister: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie reichhaltig unser städtisches Archiv hinsichtlich des 19. Jahrhunderts ausgestattet ist. Gleiches lässt sich leider für die folgende Zeit nicht sagen. Das vorhandene Archivgut war bisher sicherlich nicht so untergebracht dass man hätte zufrieden sein können. Ich habe den Eindruck gewinnen müssen, dass die Akten und Schriftstücke, die für zukünftige Generationen interessant werden könnten, erst gar nicht archiviert werden, weil der Raum zur Aufbewahrung nicht vorhanden ist“[27].

Der Beigeordnete Schindowski antwortete: dass über die zukünftige und endgültige Unterbringung des städt. Archivs keine konkrete Aussage getroffen werden könne, dass in den Klassenraum auch nicht die komplette Menge der Akten übernommen wurde und dass keine Aktenabgabe an das Archiv erfolgen könne, da weder ausreichender Raum  zur Verfügung stünde noch Fachpersonal, und dass ein hauptamtlich geführtes Archiv mit entstehenden Personal- und Sachkosten nur bei größeren Verwaltungen sinnvoll sei[28].

Ab 1985 mehren sich die Anfragen der Ämter, ob Akten an das Archiv abgegeben werden könnten[29]. Hintergrund war die Einführung einer neuen Aktenordnung 1981. Aus Gründen des Platzmangels und fehlender finanzieller Mittel entschloss man sich dazu große Aktenbestände zu verfilmen. Viele Originale wurden anschließend vernichtet.

Am 29. Januar 1986 teilte Herr Schindowski dann mit, dass im Schulgebäude in der Planigerstraße das Archiv untergebracht sei, dort gäbe es aber keine Möglichkeiten einer weiteren Unterbringung von Akten. Es müssten aber nach der Mikroverfilmung die historisch bedeutsamen Bauakten ins Archiv übernommen werden, die Kassenbücher, und eine Menge von Akten, die aus den Akteien der Verwaltung ausgesondert werden müssten[30]. Was war zu tun?

Vor dem Hintergrund des kostenintensiven Um- und Ausbaus der kulturellen Einheit bzw. der Museumslandschaft erscheint der Umgang mit den wertvollen Kulturgütern des Archivs zunächst unverständlich.

Eine Folge des andauernden Drucks aus der Verwaltung und des bestehenden Platzmangels war, dass außerplanmäßige Ausgaben im Haushalt eingestellt wurden, um „Akten in einen Raum im ehemaligen Max Planck Institut unterzubringen, da die Lagerkapazität des städt. Archivs im Gebäude Planiger Straße ausgeschöpft ist und archivwürdiges Material (Amt 21, 10 und 65) eingelagert werden muß“. Dazu „soll ein Kellerraum in dem ehemaligen Max Planck Institut hergerichtet werden“[31].

Im Mai 1986 erstellte Museumsdirektor Dr. Bullinger ein Nutzungskonzept für das Hofgut Bangert, indem auch das Stadtarchiv Erwähnung fand[32]. Immerhin sah man dafür einen Magazinraum vor und einen Arbeitsraum für eine Archivkraft und die Archivbenutzer[33]. Es kam allerdings nicht zur Errichtung eines Archivs.

Ein Antrag auf eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die für die Bearbeitung des städtischen Archivs vorgesehen war, und die Bullinger entlasten sollte, wurde vom Personalamt abgelehnt, da „das Ergebnis der Arbeiten weder mittelbar noch unmittelbar der Allgemeinheit zugute kommt“[34].

1988 wurde daraufhin von Amtsleiter Gerd Gänßmantel und Direktor Bullinger an den Beigeordneten Schindowski ein Schreiben verfasst, das auf die Ablehnung einer ABM-Maßnahme einging. Sie wiesen darin auf die „unhaltbare Situation im Archiv hin“[35]. Für die Zukunft galt, einen Antrag auf Förderung zur Sichtung des städt. Archivs nach kulturellen und historischen Gesichtspunkten zu formulieren. Der dafür vorgesehene Personenkreis, der für eine ABM in Frage käme, würde Historiker, Pädagogen, Bibliothekare oder sonstig geeignete Personen umfassen[36].

1990 wurde das Landesarchivgesetz verabschiedet. Oberbürgermeister Helmut Schwindt war der Meinung, dass die „Stadt nunmehr die Frage klären müsse, wie das Archiv fortan unterzubringen sei“[37]. Dazu wurde von der Museums- und Archivleitung Frau Dr. Nestler ein Arbeitsplan für Archivmitarbeiter aufgestellt[38]. 1992 wurde dann eine Teilzeitstelle mit 4 Wochenstunden ausgewiesen[39].

1993 begannen die Umbauten im Pförtnerhaus. Das Archiv wurde am 10. Juni 1994 von der Planigerstrasse in die Dessauerstraße 49, an den heutigen Standort, verlagert.

Die städtische Überlieferung ab 1920 verblieb weitgehend, mit Ausnahme der Ortsarchive der eingemeindeten Ortschaften Bosenheim, Ippesheim, Planig und Winzenheim, auf den Dachböden und in den Kellern.

Im Oktober 2004 wurde das Archiv vom Amt 40 getrennt. Die Personalunion bezüglich der Leitung für das Museum und das Archiv wurde gelöst. Seither ist das Archiv dem Hauptamt zugeordnet und dem Hauptamtsleiter direkt unterstellt. Der zuständige Dezernent ist der Oberbürgermeister der Stadt.

Das städtische Archiv – Die Gegenwart

Im Folgenden möchte ich kurz sowohl auf die rechtlichen als auch auf die kultur- und gesellschaftspolitischen Aufgaben der Archive allgemein und des städtischen Archivs Bad Kreuznach im Besonderen eingehen.

Als rechtliche Grundlage greifen für das kommunale Archiv:

das Landesarchivgesetz LArchG, die Satzung der Stadt Bad Kreuznach über die Benutzung des Stadtarchivs (die sogenannte Archivordnung) und die Aktenordnung vom 03. August 1981.

Das Landesarchivgesetz besagt, dass Unterlagen der kommunalen Gebietskörperschaften in öffentlichen Archiven auf Dauer als Archivgut aufzubewahren, zu sichern, zu erschließen, nutzbar zu machen und zu erhalten sind, wenn sie bleibenden Wert haben.

Bleibenden Wert haben Unterlagen, denen für Gesetzgebung, Verwaltung oder Rechtsprechung, für die Erforschung oder das Verständnis der Geschichte oder für die Sicherung berechtigter Belange der Bürger Bedeutung zukommt. Soweit sie darüber hinaus einen besonderen kulturellen Wert haben, für die Wissenschaft von erheblicher Bedeutung sind oder wenn Rechts- oder Verwaltungsvorschriften dies bestimmen, sind Unterlagen unverändert aufzubewahren.

Unterlagen sind insbesondere Schriftstücke, Akten, Karten, Pläne, Siegel, Bild-, Film- und Tonmaterialien sowie sonstige Informationsträger mit darauf gespeicherten Informationen und Programmen.

Archivgut ist unveräußerlich.

Des Weiteren gilt: die kommunalen Gebietskörperschaften regeln die Archivierung der bei ihnen anfallenden Unterlagen in eigener Zuständigkeit als Pflichtaufgabe der Selbstverwaltung nach den in diesem Gesetz vorgegebenen Grundsätzen.

Die kommunalen Gebietskörperschaften unterhalten für ihr Archivgut eigene oder gemeinsame Archive und gewährleisten, dass diese den archivfachlichen Anforderungen an Personal, Räume und Einrichtungen genügen, und dass in ihnen hinsichtlich der Sicherung, Erhaltung und

Nutzung des Archivgutes die für die staatlichen Archive geltenden Grundsätze beachtet werden.

Soweit das Landesarchivgesetz in Auszügen.

In der Satzung der Stadt Bad Kreuznach (der Archivordnung) über die Benutzung des Stadtarchivs Bad Kreuznach vom 16. Februar 1996 steht:

Dass die Stadt Bad Kreuznach ein Stadtarchiv unterhält. Dieses sammelt neben den ihm aufgrund Gesetzes obliegenden Aufgaben auch die für die Geschichte und Gegenwart bedeutsamen Dokumentationsunterlagen. Es kann fremdes Archivgut aufnehmen. Hierzu gehört die Übernahme von Schriftgut von Personen, Firmen, Verbänden, Vereinen, Organisationen und politischen Parteien oder Gruppierungen.

Das Stadtarchiv soll die Erforschung und Darstellung der Stadtgeschichte fördern. Die Förderung kann insbesondere in der Herausgabe von Publikationen und der Gestaltung von Ausstellungen im Rahmen der kommunalen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit liegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Die Aktenordnung für die Stadt Bad Kreuznach. Darin steht, dass die Stadtverwaltung Bad Kreuznach ein Archiv unterhält und dass in diesem Archiv alle wichtigen städtischen Akten, Pläne, Urkunden, die örtlichen Tageszeitungen und sonstige Dokumente, die sich auf die Stadt, ihr Leben und ihre Geschichte beziehen, aufbewahrt werden. Jeder Sachbearbeiter übersendet dem Archiv in einem regelmäßigen Turnus, der höchstens 3 Jahre umfassen soll, ein Verzeichnis des für den laufenden Dienstbetrieb nicht mehr benötigten Schriftgutes in doppelter Ausfertigung.

Nach den knapp skizzierten rechtlichen Grundlagen möchte ich im Folgenden auf die kultur- und gesellschaftspolitischen Aufgaben eingehen, die ein Archiv hat.

Unter einem Archiv versteht man eine Dokumentationsinstitution oder eine Dokumentationsorganisation, in der Unterlagen, meist aus Verwaltungshandeln, die als archivwürdig bewertet und somit zu Archivgut umgewidmet wurden, erfasst, erschlossen, erhalten, ausgewertet und zugänglich gemacht werden.

Archivgut besteht vor allem aus Schriftstücken, Akten, Karten, Plänen, Urkunden, Siegeln, Bild-, Film- und Tonmaterialien und seit neuestem aus Digitalisaten. In der Regel handelt es sich dabei um Unikate.

Archive dienen der Rechtssicherheit, der wissenschaftlichen insbesondere historischen Forschung und der politischen Orientierung der Bürger[40].

Die Bewahrung und die Vermittlung des historischen Erbes der Kommunen sind öffentliche Pflichtaufgaben. Diese Aufgaben werden von den Archiven gewährleistet, indem sie Informationsträger bewerten, die bewerteten Informationsträger als Archivgut dauerhaft bewahren und erhalten, das Archivgut öffentlich zugänglich machen, dieses wissenschaftlich auswerten und die daraus getroffenen Ergebnisse vermitteln.

Archive stellen ein grundlegendes und unersetzliches Kulturelement dar, und sie bilden durch ihre Bestände das dauerhafte Gedächtnis einer Gesellschaft[41]. Archive sind institutionalisierte Zeugen der Vergangenheit und Teilhaber an der Konstruktion von Gegenwart. Sie stellen Wissensspeicher dar, und bilden damit ein Element des nationalen Bildungssystems.

Die Erinnerung an die eigenen Wurzeln trägt außerdem zu einer lebendigen Gesellschaft bei, sie fördert Identität. Der Sicherung des geistigen Erbes, wohnt daher eine identitätsstiftende Funktion inne, die für eine Gemeinde, eine Stadt, Kreis, Land oder Nation gleichermaßen wichtig ist[42]. Die kontinuierliche Sicherung von Information ermöglicht die Betrachtung von Strukturen über Jahrhunderte hinweg und erleichtert das Verstehen der Gegenwart.

Archive arbeiten nach objektiv nachprüfbaren wissenschaftlichen Kriterien und müssen von parteipolitischen und kommerziellen Zwecken unabhängige Einrichtungen sein. Das Landesarchivgesetz, datenschutz- und personenrechtliche Belange müssen dabei berücksichtigt werden.

Das städtische Archiv hier in Bad Kreuznach ist ein kommunales Archiv. Es ist zuständig für die Stadt Bad Kreuznach und die eingemeindeten Ortschaften Bosenheim, Ippesheim, Planig und Winzenheim.

Das Stadtarchiv bewahrt authentische Zeugnisse der Stadtgeschichte Kreuznachs und sichert Informationen und unveräußerliche Kulturgüter, d.h. Dokumentationsunterlagen, die für die Geschichte und Gegenwart bedeutsam sind.

Aus diesem Grund ist das Archiv als Dokumentationsinstitution zu verstehen. Es beantwortet amtliche, wissenschaftliche, heimatkundliche, geschäftliche und genealogische Anfragen, stellt Archivalien zur Nutzung bereit und arbeitet mit Einrichtungen und Gruppen des kulturellen, wissenschaftlichen, sozialen und schulischen Lebens zusammen.

In der Sammlungskonzeption unterscheidet das Stadtarchiv Bad Kreuznach zwischen dem Gedächtnis der Verwaltung und dem Gedächtnis der Stadt. Zusammen bilden sie das Gedächtnis der Kommune und ergänzen sich. Zur Komplettierung des geistigen Erbes gehört auch das kollektive Gedächtnis: das mündlich überlieferte Wissen.

Unter dem Gedächtnis der Verwaltung versteht man die Überlieferung des Schriftgutes der Verwaltung und unter das Gedächtnis der Stadt fallen Nachlässe von Persönlichkeiten, Vereinen, Firmen etc. Tonträger speichern mündliches Wissen.

Das Stadtarchiv verwaltet Identitätskapital. Es handelt sich dabei um ideelles Kapital, auch Imagekapital genannt. Und es verwaltet Wissenschafts- und Forschungskapital.

Das Stadtarchiv bietet ein Forum für bürgerschaftliches Engagement,

wobei es dazu beiträgt, den bürgerschaftlichen Aspekt zu stärken und Heimat vielfältig begreifbar zu machen.

Durch den Erhalt dieses Gedächtnisses soll:
die Sicherung der Kontinuität und Transparenz des Verwaltungshandelns, die Erforschung der die Stadt prägenden Phasen ihrer Entwicklung gewährleistet werden, wie das Recht auf Information und die Gewährleistung der RechtssicherheitHeimatliebe gefördert und die Identität der Bürger mit ihrer Stadt unterstützt werden.

Das städtische Archiv – Die Zukunft

Ich möchte für die Zukunft eine Vision zeichnen, und Vision so verstanden wissen, das Unsichtbare zu sehen. Die Vision ist ein Bild, ein Traum, eine Idealvorstellung von der Zukunft.

Die Vision:

Die Stadt Bad Kreuznach braucht ein funktionstüchtiges, und leistungsfähiges „Haus der Stadtgeschichte“, um das materielle und immaterielle Erbe der Stadt zu sichern, zu erhalten, nutzbar zu machen, zu erschließen und zu vermitteln.

Das materielle Erbe der Stadt sind die durch Überlieferung an die Stadt gekommenen Bestände der Verwaltung und die ihr anvertrauten Nachlässe und Sammlungen, sowie Schenkungen und Erbschaften aus der Bürgerschaft; unveräußerliche einzigartige Kulturgüter. Es sind Zeugnisse einer fast 800jährigen Geschichte. Unter das materielle Erbe fallen die unter „Gedächtnis der Verwaltung“, „Gedächtnis der Stadt“ und unter „kollektives Gedächtnis“ beschriebenen Archivgüter.

Das immaterielle Erbe ist das den Beständen innewohnende Potential: die Information. Diese ist fast unbegrenzt einsetzbar. Das Archiv bietet die Möglichkeit, Vergangenheit und Gegenwart kritisch zu reflektieren und spiegelt das „So-Geworden-Sein“ der Stadt und der Gesellschaft wider.

Aus der Vergangenheit kann die Gegenwart Potentiale für die Zukunft entwickeln und dies sollte als ein Leitmotiv für die Stadt begriffen werden, Stadtgeschichte stärker als bisher in Handlungskonzepte zu integrieren.

Ziel sollte es sein, das materielle und immaterielle Erbe der Stadt aus der „Verwaltung des Verfalls“ in einen zukunftorientierten institutionellen Rahmen zu überführen; in ein „Haus der Stadtgeschichte“.

Ziel sollte die strategische Steuerung des immateriellen Erbes sein, für Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit, und zur Entwicklung von Potentialen für die Stadtentwicklung.

Bad Kreuznach braucht ein abgestimmtes, von gegenseitigem Respekt getragenes Miteinander von öffentlicher Kultur, freier Kultur und Vereinen, es braucht eine Vernetzung, in der die Stadtgeschichte einen Platz hat.

Stadtgeschichte ist als Teil des Stadtmarketings zu sehen, weshalb der Kontakt mit überregionalen, regionalen und lokalen Institutionen gesucht werden sollte.

Stadtgeschichte muss als integraler Bestandteil von Stadtplanung, Stadtentwicklung und Tourismusförderung begriffen werden.

Das Stadtarchiv muss als Informations- und Wissensschatz begriffen werden, an dem jeder teilhaben kann und muss und sozial verträglich.

Die Bedeutung des Archivguts als einzigartiges und einmaliges Kulturgut muss durch Publikationen, Ausstellungen, Vorträge und archivpädagogische Handreichungen vermittelt werden.

Kulturelle Aktivitäten von Unternehmen, Verbänden, Vereinen und Privatpersonen sollen soweit möglich mit den sonstigen kulturellen Aktivitäten im Sinn eines komplementären Angebotes koordiniert werden.

Kulturförderung = nachhaltige Wirtschafts- und Standortförderung

Das Stadtarchiv muss Modernität mit Tradition im Hinblick auf die Zuwanderung neuer gesellschaftliche Gruppen verbinden und integrativ wirken, indem Raum zur Darstellung der eigenen Geschichte geboten wird.

Die Verwaltung des Verfalls muß beendet und das materielle und ideelle Erbe der Stadt in einen angemessenen institutionellen Rahmen überführt werden.

Meine zukunftsträchtige Vision sieht vor, dass das Stadtarchiv Bad Kreuznach in Zukunft als „Haus der Stadtgeschichte“ geführt wird. Dazu sollte ein Gebäude bereitgestellt werden, das auch in den nächsten Jahrzehnten Archivgut aufnehmen kann, denn Archive sind Dokumentationsinstitutionen, die auf Erweiterung angelegt sind.

Ziel ist es, zum einen, die Überlieferung der Verwaltung, das „Gedächnis der Verwaltung“ zu ergänzen, zu erweitern, neu zu ordnen, um sie der Verwaltung selbst und der Öffentlichkeit, unter Beachtung rechtlicher Vorgaben, zur Nutzung zugänglich zu machen, und sie auf Dauer unter fachlicher Aufsicht zu erhalten. Zum anderen soll die Überlieferung der Bevölkerung der Stadt (Personen, Institutionen, Vereine, Handel, Gewerbe, Kur usw.), das „Gedächtnis der Stadt“, stärker und gezielt gesammelt werden.

Zum „Gedächtnis der Verwaltung“

Durch die Aktenabgabe der Verwaltung an das Haus der Stadtgeschichte soll das „Archiv des 20. Jahrhundert“ entstehen.

Es soll eine zeitgenössische Sammlung in Vorbereitung auf den Aufbau des „Archivs des 21. Jahrhunderts“ aufgebaut werden.

Alle Druckschriften, Plakate, Einladungen etc., welche aus der städtischen Verwaltung heraus entstehen, sollen an das Archiv weitergereicht werden.

Die Reden der Bürgermeister sollten in Zukunft gesammelt und an das Archiv weitergeleitet werden.

Gezielte Ankäufe sollen Lücken schließen.

Es sollten mittel- und langfristige Pläne für Restaurierungsarbeiten entwickelt werden.

Das Fotoarchiv soll digitalisiert werden.

Es wurde angeregt – und inzwischen verwirklicht -, einen ehrenamtlichen „Fotografen des Archivs“ zu gewinnen, der Veränderungen in der Stadt festhält. Diese Aufgabe hat für den Turnus 2008/2009 Herr Stefan Kühlen übernommen.

Zum „Gedächtnis der Stadt“

Stärker als bisher soll auf die Bürgerschaft zugegangen werden, um den Bestand „Nachlässe Kreuznacher Persönlichkeiten“ ausbauen zu können.

Es soll ein „Archiv - Wirtschaftsleben der Stadt“ entstehen, das Nachlässe von Industrie, Handel, Handwerk, Kur, Restaurants, Landwirtschaft usw. annimmt.

Der Jahrmarkt könnte dabei ein eigenes Sonderarchiv bilden.

Es soll das „Archiv der Vereine“ aufgebaut werden, wobei das Archiv die Hinterlassenschaften erloschener Vereine und aktiver Vereine aufnimmt. Letztere gegen Entgelt. Der Vorteil liegt darin, dass alle Unterlagen der Forschung nutzbar gemacht werden könnten.

Es ist weiterhin zu überlegen, ob ein Sonderarchiv Sport angestrebt werden soll, insbesondere im Hinblick auf die Marketingstrategie „Kreuznach-Stadt des Sports“.

Es soll ein „Film- und Hörarchiv“ aufgebaut werden. Thematisch ausgerichtete Erzählabende sollen dazu dienen, mündliche Informationen nach der Methode der „oral-history“ zu sammeln.

Das Stadtarchiv hat auch die Aufgabe, im Heute für die Zukunft zu sammeln. Dabei sollte die Geschichte neu zugewanderter Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden. Mit der Bildung eines „Archivs zugewanderter Mitbürger“ würde die Stadt einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten und identitätsstiftend wirken.

Es sollte weiterhin ein „Archiv der jüdischen Bevölkerung“ aufgebaut werden, das an die Überlieferung bis ca. 1920 anknüpfen würde. Es bestünde die Möglichkeit, nach der durch den Nationalsozialismus erfolgte systematische Vernichtung jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur in Kreuznach den Bruch in der Überlieferung wenigstens ansatzweise aufzuheben.

Es sollte weiterhin überlegt werden, ein „Frauenarchiv“ aufzubauen, in dem auch graue Literatur (Flyer etc.) gesammelt werden kann.

Es sollte zusammen mit Volkshochschule und Schulen überlegt werden, workshops anzubieten, in denen Schüler die deutsche Schrift erlernen können, denn ohne diese Fähigkeit, bliebt den nachkommenden Generationen die Information vor ca. 1945 verschlossen.

Ein „Haus für Stadtgeschichte“ braucht Partner. Menschen, die bereit sind das Haus materiell und ideell zu unterstützen.

Das Stadtarchiv setzt bei der Gewinnung von unterstützenden Partnern außerhalb der Stadtverwaltung durchaus auf Heimatbewusstsein, Quartierszugehörigkeit, Identifikation usw., auf das Interesse an der Geschichte der Stadt und auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger Kreuznachs gegenüber ihrer Stadt. Das Stadtarchiv will Gönner und Förderer für das „Haus der Stadtgeschichte“ gewinnen, wozu eine Stiftung „Haus der Stadtgeschichte Bad Kreuznach“ ins Leben gerufen wurde.

Das Stadtarchiv strebt außerdem Verantwortungspatenschaften mit Industrie, Handel, Gewerbe, Verbänden, Vereinen und Privatpersonen an. Diese Verantwortungspatenschaften sollen projektbezogen sein.

So könnte eine Privatperson die Kosten für die Restaurierung einer Akte übernehmen, die Auskunft über die eigene Familie gibt. Eine Firma könnte einen Raum renovieren und einrichten, in welchem die Unterlagen der eigenen Firmengeschichte untergebracht sind.

Das Projekt „Ehrenamtlicher Fotograf des Archivs“ ist in diesen Kontext zu setzten.

Meine Damen und Herren, haben Sie Fragen.

[1] StAKH Gr. 101 Nr. 20.

[2] StAKH Gr. 101 Nr. 20; vgl. Helmut Otte, Streiflichter aus Kreuznach in den Kriegszeiten von 1672 bis 1703 in: Bad Kreuznacher Heimatblätter, Nr. 10/1977 S. 40.

[3] Ebenda.

[4] StAKH Gr. 132 Nr. 19.

[5] StAKH Die neue Nahebrücke Gutachten von 1905 S. 86.

[6] StAKH 2404; Unter E :  les Chambres oú locales, au 2 eme Etages, oú est Etabli toújours l`archives de la Ville, rese  reservé pour Cette Usage.  

[7] StAKH 2404.

[8] RP 1856; 20.11.1856.

[9] RP 1870; 10. November 1870.

[10] StAKH 2562; 21.2.1913-23.6.1914, pag. 135.

[11] StAKH G I; 2. Januar 1936.

[12] OeA 17.12.1924.

[13] Verwaltungsbericht 1926, S. 11.

[14] Verwaltungsbericht 1930, S. 37.

[15] Walter Zimmermann, Die Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach. Düsseldorf 1935, S. 62.

[16] StAKH G I; 19.10.1937.

[17] 41-20-50; Düsseldorf der 14. September 1939 und 16. Sept. 1939.

[18] StAKH G II.; 1.April 1949.

[19] 41-20-50; 17.09.1982; 41-20-50; 22.09.1982

[20] OeA 29.10.1970.

[21] 41-20-50; 22.09.1971.

[22] 41-20-50; 21.01.1974.

[23] 41-20-50; 15.05.1974.

[24] 41-20-50; 15.05.1974.

[25] 41-20-50; 31.03.1980.

[26] OeA 17./18.09.1983.

[27] OeA 23.08.1982.

[28] 41-20-50; 17.09.1982.

[29] 41-20-50; 10.07.1985.

[30] 41-20-50; 29.01.1986.

[31] 41-20-50; 13.02.1986.

[32] 41-20-50; 05.05.1986.

[33] 41-20-50; 05.05.1986.

[34] 41-20-50; 17.03.1987.

[35] 41-20-50; 03.02.1988.

[36] 41-20-50; 07.10.1988.

[37] 41-20-50; 19.09.1990.

[38] 41-20-50; 15.08.1991.

[39] 41-20-50; 02.04.1992.

[40] Kommunales Archiv S. 9.

[41] Nicole Bickhoff, Zugang und Zugangsformen zu Archivgut. Fachkonzepte für die Erschließung, Präsentation und Nutzbarmachung von Archivgut, in: Archivisches Arbeiten im Umbruch, Stuttgart 2004, S. 73.

[42] Sabine Brenner-Wilczek/Gertrude Cepl-Kaufmann/Max Plassmann, Einführung in die moderne Archivarbeit. Darmstadt 2006, S. 7.