Haus der Stadtgeschichte

Neues

Stadtgeschichte im Schaufenstern

Geschichte in Schaufenstern: Olympia 1992-2021

Die Bad Kreuznacher Sportgeschichte ist reich an großen Erfolgen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften. Auch bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Tokio geht mit Ricarda Funk vom KSV Bad Kreuznach im Kanuslalom eine Medaillenkandidatin an den Start. Das Haus der Stadtgeschichte greift das Thema Olympia von 1992 (Barcelona) bis aktuell 2021 (Tokio) auf. In vier Schaufenstern werden Originale gezeigt, die zur Olympiaausstattung der deutschen Athleten und Funktionären in diesen Jahren gehörten bzw. gehören.

 

Zu sehen sind neben Koffern und Reisetaschen Utensilien, die beim Einmarsch ins Olympiastadion der jeweiligen Austragungsländer getragen wurden: Hüte, Krawatten, Schuhe, Akkreditierungs-Ausweise, aber auch diverse Trainingsanzüge, T-Shirts oder Gegenstände des täglichen Lebens wie Handtücher. Zu sehen auch Teilnahmeurkunden- und Teilnahmemedaillen. Schon jetzt historisch eine Besonderheit, ein Handtuch mit der Stickerei Tokyo 2020 - die verschobene Olympiade. Die ausgestellten Objekte wurden von dem dienstältesten Sportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes Heiner Gabelmann aus seinem privaten Fundus zur Verfügung gestellt. 

 

Den lokalen Bezug zu Bad Kreuznach vermitteln Fotos von Anna Dogonadze (MTV Bad Kreuznach), Goldmedaillengewinnern im Trampolinturnen 2004 in Athen, Thomas Schmidt (Kanuslalom, RKV Bad Kreuznach) Goldmedaillengewinner in Sydney 2000 und den Bronzemedaillengewinnern im 2er-Canadier von 1996 in Atlanta, Michael Senft und Andre Ehrenberg. Die Fotoaufnahmen stammen aus den Archiven von Olympia-Fotograf Reinhard Kunz und Walter Senft. Die Entwürfe für die Fensterbestückung stammen größtenteils von Ella Ferri, die sich während eines Schülerpraktikums im Haus der Stadtgeschichte intensiv mit der Schaufenstergestaltung zum Thema Olympia auseinandergesetzt hat.

 

Anlässlich der Restaurierung des Pauschenpferdes, es war Übungsturngerät des Bad Kreuznachers Olympioniken Konrad Frey, ist ab dem 25. Juli 2021 im Museum Schlosspark im Puricelli-Salon eine Ausstellung mit dem Titel: Bad Kreuznacher Olympioniken. Der Turner Konrad Frey in Berlin 1936“ zu sehen, die der Geschäftsführer des Olympiastützpunktes Rheinland-Pfalz/Saarland, Steffen Oberst, initiierte. Sie endet voraussichtlich am 15. August 2021.

 

Zwei Aspekte - zwei Blickwinkel

Adventskalender mit historischen Motiven

Das Haus der Stadtgeschichte/Stadtarchiv hat  für das Jahr 2020 aus seinen Beständen einen Adventskalender mit historischen Motiven zum Thema Advent und Weihnachten zusammengestellt.

24. Dezember

Weihnachten ist das Fest der Geburt Jesu. Das Farbfoto aus dem Jahr 1956 von Maria Elisabeth (Ria) Liegel-Seitz (1903-1993) zeigt eine Weihnachtskrippe. Sie selbst hat die Krippenfiguren 1928 aus Wachs geformt und teilweise mit selbstgenähten Gewändern im orientalischen Stil gekleidet. Zur Ausstattung gehören das Jesuskind, Maria, Joseph, 2 Hirten, Caspar, Melchior und Balthasar, zwei Engel, Ochs und Esel, ein Kamel und 4 Schafe. Arrangiert wurden die Figuren ursprünglich in und vor einem einfach gestalteten offenen Stall, dessen Dach mit Stroh bedeckt war.

1956 nimmt die Krippe den zentralen Platz in einem eigens von Ria Liegel-Seitz komponierten weihnachtlichen Arrangement ein. Der Weihnachtsbaum, üppig geschmückt und mit Bienenwachskerzen versehen, rückt dabei in den Hintergrund. Weihnachtskrippen stellen einen zentralen Bestandteil des Weihnachtsbrauchtums dar. Ihre Verehrung geht auf die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (2.12) zurück („Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“). Sie dienen der Veranschaulichung und Verehrung des weihnachtlichen Geschehens, denn die zentrale Botschaft ist: Gott ist Mensch geworden. Ria Liegel-Seitz durchlief auf der Kunstgewerbeschule in Mainz und der Staatsschule für angewandte Kunst in München, eine Ausbildung, die sie dazu befähigte, aus unterschiedlichen Materialien Kunstobjekte herzustellen. Trotzdem einige Werke von ihr wie Plastiken, illustrierte (Kinder-)Bücher etc., erhalten geblieben sind, machte sie sich in ihrer Heimatstadt einen Namen vor allem durch ihr ehrenamtliches Engagement. Von 1955 bis 1980 leitete sie den von ihr initiierten Werkskindergarten der Firma Seitz. Der heutige Verbleib der Krippe ist unbekannt.

 

StAKH NL Schuck

 

Franziska Blum-Gabelmann

23. Dezember

„Weihnachten 1949!“ Auf diesem s/w Foto aus einem Fotoalbum der Familie Reininger sind Luise Hermine Katharina Reininger geb. Hingott und Hans-Jürgen Reininger abgebildet. Gebannt schauen Mutter und Sohn auf den Adventskranz, auf dem alle vier Kerzen leuchten. Das Foto vermittelt auf eindrucksvolle Weise dem Betrachter die Faszination, die das Licht auf Menschen ausübt. Entstanden ist es vier Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und strahlt auf anrührende Weise Frieden und Hoffnung aus. Zu sehen sind wesentliche Elemente des Weihnachtsbrauchtums. Der Adventskranz, dessen erste Kerze am ersten Sonntag im Advent und dessen vierte Kerze am letzten Sonntag im Advent, dem Sonntag vor Weihnachten entzündet wird. Er stellt ein Symbol der Vorweihnachtszeit dar. Der Weihnachtsbaum oder Weihnachtsstrauß, der am Ende der Adventszeit, dem Heiligen Abend entzündet wird. Die gefüllte Plätzchenschale, die darauf verweist, dass die Fastenzeit mit Beginn der Weihnachtszeit beendet ist. Und dann ist da noch der Rauschgoldengel, dessen Existenz an eine anrührende Geschichte aus Nürnberg erinnert – Ursprung des „Nürnberger Christkindels -, ein strahlender Mittelpunkt der Szenerie.

NL Reininger

Franziska Blum-Gabelmann

22. Dezember

„Weihnachten 1958“. Den Menschen geht es nach den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren besser - Deutschland erlebt sein Wirtschaftswunder. Das s/w Foto zeigt Familie Wolff in ihrem modern eingerichteten Wohnzimmer. Festlich und elegant gekleidet die Damen, leger der Herr, nur die Hausschuhe weisen darauf hin, dass man sich in den eigenen vier Wänden aufhält. Der Weihnachtsbaum vor dem die Anwesenden posieren mit Lametta, Weihnachtskugeln und Kerzen geschmückt – auf einem Beistelltischchen ein üppig dekoriertes Lebkuchenhaus – gediegener Wohlstand – glückliche Menschen – Weihnachten eben!

StAKH NL Wolff

Franziska Blum-Gabelmann

21. Dezember

Die Schaufensterdekoration von Johann Wilhelm Enck (1904-1992) stammt aus der französischen Besatzungszeit, die in Bad Kreuznach von 1918 bis 1930 dauerte. Das Foto ist untertitelt mit den Worten: „Stimmungs-Fenster: Weihnachten 1929. Entwurf, Ausführung, Plakate, Stillleben, usw. Enck. Rhein-Main Filiale 17. Filialleitung: Enck. Nachtaufnahme“. Zu sehen sind: ein Geschenkkorb mit unterschiedlichen Leckereien, Tischwein, Schaumwein, Käse, Bohnenkaffee, Erbsen in der Dose und andere zeitgenössische Delikatessen wie Dauerwurst. Umrahmt von Tannengrün und Lametta können die Spezialitäten Weihnachten zum Fest des Genusses machen – so verspricht es Encks Auslage. Willy, wie er sich selbst nannte, führte eine Filiale der Rhein-Main-Lebensmittel GmbH. Von 1926 bis 1930 sind Fotos von Dekorationskonzepten erhalten geblieben, die er unter Bezeichnungen wie: „Selbsthilfe-Fenster“, „Gepag-Tee-Spezial-Fenster“, „Kaffee, Tee, Kakao-Fenster“ präsentierte. Für das Dekorationskonzept seines Selbsthilfe-Fensters erhielt er 1926 bei 258 Bewerbern den 6. Preis. Veranstalter war die Gepag (Großeinkaufs- und Produktions-Aktiengesellschaft deutscher Konsumvereine) in Köln.

StAKH NL Enck

20. Dezember

Wir blicken durch ein geöffnetes Fenster in ein Weihnachtszimmer mit dem Hauptattribut des Festes, dem mit Lametta reich geschmückten und mit Wachslichtern besteckten Tannenbaum. Die während der Bescherung entzündeten Kerzen sind durch unverbrauchte ersetzt worden, und Brüderchen und Schwesterchen zeigen sich mit ihren Geschenken: die eine mit ihrer neuen Puppe, der andere – nein, nicht mit der „Täterätätä“ aus Wilhelm Lindemanns bekanntem Weihnachtslied, sondern, Oskar Matzerath läßt grüßen, mit einer Blechtrommel. Die „Bäcker-Leckereien“, die Knecht Ruprecht auch noch in seinem Sack hatte, sind durch einen großformatigen Lebkuchen vertreten, den das Mädchen mit freundlicher Unterstützung des Jungen soeben in Angriff nimmt. Kleidung und Frisur der Puppe, dazu die Ausstaffierung des Knaben – den im wilhelminischen Bürgertum beliebten Matrosenanzug ergänzt ein Zweispitz aus Zeitungspapier – legen die Vermutung nahe, daß die Ansichtskarte vor 1914 entstanden ist.

StAKH 4.51-403

Dr. Martin Senner

19. Dezember

„Kreuznach, den 28. Dez. 1919. Liebe Jette!

Vielen Dank für D. lb. Brief. Dein Paket hast Du wohl unterdessen erhalten. Hat es Dir gefallen? Was hat Dir das Christkindchen sonst noch gebracht? Bei mir war es recht brav. Von Fr. Prof. habe ich 1 Kalender, 1 Tasse, 1 St. Seif u 1 Jacke von ihren bekommen. Vom H. Prof. 60 M. v. H. Dr. 10 M vom H Linn 10 M von unser Doktor 10 M u 1 Stück Seif. Da muß ich wohl sehr brav gewesen sein. Das hätte ich in C. nicht bekommen. Fr. Prof. habe ich ein Alpenveilchen geschenkt. Da sagte heute morgen der H. Dr. so hätte ich mich doch nicht in Unkosten stürzen dürfen, die wären doch so teuer, 1 kl. mit 1 Blume kostet schon 5 M. Ich sagte ihm wenn ich jemand was schenke solls ordentlich oder gar nicht sein.

Fr. Prof. liegt mal wieder im Bett. Am 1 Feiertagabend fiel sie an ihrer Schlafzimmertüre hin, jedenfalls durch einen Krahmpf, hatte dann furchtbare Schmerzen u konnte den ganzen Tag die Beine nicht strecken. H. Dr. hat sie dann gestern morgen betäubt u wollte die Beine strecken nun ist der linke Unterschenkel gebrochen. Jetzt muß sie wenigstens 14 Tg ruhig liegen bleiben. Ich glaubte nach den Feiertage ein bischen ausruhen zu können, nun habe ich die Lauferei wieder. Vor den Feiertagen gings mir hart her; ich habe fast jeden Abend bis 11 12 Uhr geschafft. Morgens geputzt u mittags b Gas gebacken. Es ist alles schön geworden u dann hat man auch seine Freude dran. Kuchen hab ich auch gebacken. Als ich fragte was soll ich backen, sagte Fr. Prof. ich denke sie überraschen mich u ich hab sie überrascht. Ich habe einen großen Bund gebacken 2. Zuckerkuchen, 1 Zwetschen- 1 Kirschen und 1 Apfelkuchen. Die sind ja wohl nicht so groß u als ich hier fertig hatte, legte ich die 5 auf einen Deckel u trug sie hinein. Sie war ganz begeistert, später mußte ich sie noch 2x bringen für die Herren u f. Dr. Wenn man auch viel Arbeit hat aber so selbstständig arbeiten zu dürfen macht einem auch Spaß.

Schon so oft hab ich an Carlinchen in C gedacht, wie sie sagte, bei all ihrer Tüchtigkeit muß ich helfen sonst packen sies nicht, u denen ihr Haus u. unser Haus. Jetzt bin ich schon ½ Jahr hier, die Zeit vergeht furchtbar rasch. Nun wünsch ich Dir alles Gute im neuen Jahr u einen ordentlichen Mann. Mit herzlichem Gr. u. K. verbleibe ich D. Ella. Prosit Neujahr! P.S. Ist 1 M für Fr. Groß nicht so wenig gib ihr noch 1. Wir waren so froh mit dem Fleisch.“

StAKH NL Satwat

Franziska Blum-Gabelmann

18. Dezember

Jedes Jahr im Dezember verwandelt sich für ca. 2000 Kindergarten- und Schulkinder das Museum für PuppentheaterKultur in ein kleines Bad Kreuznacher „Stadttheater“ für den traditionellen Weihnachtsmärchen-Besuch. Nach den Aufführungen besuchen die großen und kleinen Kinder die jeweils aktuelle Sonderausstellung des Hauses.  Das Foto gehört zur Pressemitteilung zum Weihnachtsprogramm des PuK im Jahre 2015 und zeigt die Geschichte „Der kleine Weihnachtsmann“ vom Ensemble Chausée-Theater (Billy Bernhard).

17. Dezember

Seit 2011 spendet der Forstbetrieb Zimmermann in der Adventzeit Weihnachtsbäume  für die Kindertagesstätten in Bad Kreuznach, sehr zur Freude der Kinder und der Erzieher/innen.  Spaß bereiten nicht nur das Aufstellen und Schmücken der Bäume. Die Kinder dürfen sich ihre Bäume auf dem Verkaufsgelände des Forstbetriebes, auf der Pfingstwiese, auch selbst abholen. Das Foto von der Aktion im Jahr 2018 schoss  Isabel Gemperlein.

In diesem Jahr gibt es allerdings eine Unterbrechung. Wegen der umfassenden Corona-Schutzbestimmungen fehlt in den Kitas der Platz für einen Baum. Ein Grund mehr für die Hoffnung, dass im kommenden Jahr wieder die Normalität mit all ihren bunten du schönen Seiten in unseren Alltag zurückkehrt.

Hansjörg Rehbein

16. Dezember

„Fröhliche Weihnacht“ und die „herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahr wünscht Ihnen Herr Hans Reininger und Ihrer werten Familie“ am 23.12.1933 „Familie E. Knecht aus Balingen“. Die versandte Weihnachtspostkarte stammt von der Künstlerin Sulamith Wülfing (1901-1989). Der Titel lautet: „Der Lichtträger“. Die Karte stellt das „Licht der Welt“, das Christuskind dar, getragen von einem „Lichtträger“, der große Ähnlichkeit mit dem Heiligen Christophorus hat. Ob die Karte Hans Reininger dem Prokuristen der Seitz-Werke in Bad Kreuznach gefallen hat ist nicht überliefert. Ihr Entwurf stammt aus dem Jahr 1933, dem Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Sie werden Wülfings Kunst als entartet bewerten. Gedruckt wurde die Postkarte im Selbstverlag der Künstlerin, die aus Wuppertal stammt, wo sie auch die Handwerker- und Kunstgewerbeschule besucht hatte.

StAKH NL Reininger

Franziska Blum-Gabelmann

15. Dezember

Zeitgenössische Schaufensterdekoration in der Adventszeit von „Optiker Wagner“ in der Mannheimer Straße 174-176. Fotografiert wurde die Auslage von dem ehrenamtlichen Stadtfotografen Stefan Kühlen 2008, der ein Jahr lag für das Stadtarchiv das Stadtgeschehen dokumentierte. Darunter befinden sich viele Aufnahmen von Schaufensterdekorationen unterschiedlicher Kreuznacher Geschäfte die im Jahresrhythmus abgelichtet wurden, und daher eine interessante Quelle zum Warenangebot darstellen.

StAKH Bestand 26 Stadtfotografen/Stefan Kühlen

14. Dezember

Weihnachten in Bad Kreuznach. Das s/w Foto ist um 1930 entstanden. Es zeigt ein Gruppenbild der Familie Alfred Löser aus Bad Kreuznach. Die Aufnahme ist für das private Album gedacht. Es wurde in der Weihnachtszeit, vielleicht an einem Weihnachtsmorgen, in der sogenannten „guten Stube“ aufgenommen. Drei Generationen sind vor dem mit Lametta und Glasobjekten (Reflexkugeln, Zierspitzen, Glöckchen oder Tannenzapfen) geschmückten Weihnachtsbaum versammelt. Die Großfamilie präsentiert sich daher in ihrem geschützten ganz privaten Bereich in bequemer Kleidung. Die weiblichen Mitglieder der Familie, Großmutter, Mutter Ella und Kind Christa tragen Schürze, die Männer Wollstrickjacken - die Rollen scheinen klar verteilt. Die Ehepaare stehen bzw. sitzen beieinander, die Enkelin hat es sich auf dem Schoß der Großmutter bequem gemacht. Die Aufnahme vermittelt das Bild einer harmonisch wirkenden kleinbürgerlichen Familie. Aufgrund des vorliegenden Fotobestandes, der dem Stadtarchiv 2011 geschenkt wurde, kann davon ausgegangen werden, dass die abgelichteten Personen zusammenlebten.

StAKH NL Weinzettel

13. Dezember

„Festliche Weihnachtsdekoration um 1968“, so könnte man das s/w Foto von dem Bad Kreuznacher Fotografen Matthias Luhn betiteln. Es zeigt die Situation Mannheimer Straße 152-156 (Höhe Kaufhof). Noch gibt es die Fußgängerzone nicht. Der Feierabendverkehr schiebt sich durch die belebte Haupteinkaufsstraße der Stadt Bad Kreuznach - es defilieren die Automodelle der 1960er Jahre. Die großzügige und aufwendig gestaltete, hell erleuchtete Weihnachtsdekoration mit Tannenbäumchen und Lichterketten wirkt im Zusammenspiel mit den Leuchtreklamen der umliegenden Geschäfte, insbesondere mit dem großartig dekorierten und illuminierten „Kaufhof“, fast schon großstädtisch. Das Warenhaus war viele Jahre lang aufgrund seiner außergewöhnlichen Weihnachtsdekoration ein Besuchermagnet. Insbesondere Kinder drückten sich die Nase an dem mit allerlei Steiff-Tieren liebevoll gestalteten Weihnachtsfenster platt. Aufwändige Weihnachtsbeleuchtungen und üppige, oft thematisch gestaltete Schaufensterdekorationen sollten gerade zur Adventszeit potentielle Käufer in die Stadt und in die Läden locken und durch die stimmungsvolle Atmosphäre zum Einkauf animieren.

Litt.: Steffen Kaul, Puppenfee-Kaufhaus Krämer-Kaufhof in: Geschichtshäppchen um Viertel vor Sechs. Mannheimer Straße. Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte in Erinnerungen, Stickelcher, Vorträgen und Szenen. Bad Kreuznach 2019, S. 216-223.

12. Dezember

1904 erschien im General Anzeiger eine ganzseitige Werbeanzeige der Filiale des süddeutschen Warenhauses Schmoller & Co., die von Siegmund Franken am Bismarkplatz 5 geführt wurde. Die Anzeige erinnert im Aufbau, passend zum Thema Weihnachten, an eine Häuserfront, die mit Ankerbausteinen des beliebten Anker-Steinbaukastens errichtet wurde. Das Sortiment der Schmoller-Filiale wurde in den Schaufenstern des Gebäudes am Bismarckplatz präsentiert und auf zwei Ebenen ausgestellt, wo Interessierte es vor dem Kauf begutachten konnten. Neben „Kurz-, Weiß-, Woll-, Putz- und Modewaren“, dem üblichen Warenangebot, wurde in der Zeitungsanzeige vor allem Spielzeug für Jungen und Mädchen in allen Preislagen beworben, sowie vielfältige Accessoires um „das Fest der Liebe“ zu einem gelungenen Familienfest unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum auszustatten.

StAKH Zeitungsbestand

Franziska Blum-Gabelmann

11. Dezember

Beim Anblick der ausgestellten und zum Teil liebevoll verpackten Köstlichkeiten fühlt man sich in die Kindheit zurückversetzt. Schokoladennikoläuse stehen in allen Größen neben wunderschön und aufwendig verzierten Lebkuchenhäusern, Kleingebäck und Petit fours in allen Farben. Das Foto zeigt ein Schaufenster der Bäckerei & Konditorei Café Wahl in der Kurhausstraße 19. Es wurde am 30. November 2008 von dem damaligen ehrenamtlichen Stadtfotografen Stefan Kühlen bei einem Abendspaziergang im Kurgebiet aufgenommen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts befand sich an gleichem Ort eine Feinbäckerei, die von dem aus Kreuznach stammenden Konditor Theodor Dressing (1839-1905) betrieben wurde. 1936 erwarben die Namensgeber des Cafés das Gebäude, nämlich Konditormeister Gottlieb Wahl und seine Frau. Sie bauten es im Stil der Zeit um. Wesentliche Anklänge davon sind noch heute im Innenbereich erkennbar. 1966 folgten ihnen der Konditormeister Dietrich Baur und seine Frau. Heute wird das Bad Kreuznacher Traditionscafé von dem Konditormeister Frank Kaiser und seiner Frau betrieben.

StAKH Bestand 26  Stefan Kühlen 2008/2009

10. Dezember

„Naturgemäß“ so sinniert ein Redakteur des General Anzeigers 1904 im Rückblick auf die vergangenen Weihnachtstage „ist der Zweite Feiertag, den man wohl mit Rücksicht auf die bekannte Ausdauer des Deutschen in unserem Vaterlande eingesetzt hat, der Tag für Spiel und Tanz. Da machen sich Vater und Muttern und Töchter im festlichen Staat auf, um jenem Teil der Weihnachtsfeier, der sich im großen Kreise abspielt nicht zu kurz kommen zu lassen“. Wie recht er hatte. Blättert man in den Kreuznacher Zeitungen fallen diverse Anzeigen von Vereinen auf, die ab Mitte Dezember zu Weihnachtsbällen einladen. Am 26. Dezember 1904 tanzten Mitglieder des Männergesangvereins Lyra, des Fastnachtsvereins Thalia Rappelköpp, des Bäckergehilfen Vereins „Frühauf“ und des Turn-Vereins Kreuznach in geeigneten Sälen wie z.B. Heyms Saalbau oder im Hotel Adler. Von einer Veranstaltung, die der Turn-Verein ausrichtete, ist eine Eintrittskarte im Haus der Stadtgeschichte aus dem Jahr 1904 erhalten geblieben – ausgestellt auf den Turner Ignatz Fischer, zu dieser Zeit Teilhaber der Firma J. M. Kolonialwaren-, Delikatessen- und Südfruchthandlung in der Poststraße 23-25. Der „Turnerball“ in festlich geschmücktem Saal mit hell erleuchtetem Weihnachtsbaum, unter wohlwollendem Blick von Turnvater Jahn, so suggeriert zumindest die Einladungskarte, fand in den Sälen des alten Kurhauses statt. Mitglieder des Vereins durften alleinstehende Damen einführen, allerdings mussten sie sich dann bei dem Vorstandsmitglied Konrad Wohlleben, Inhaber der Seilerei und Rosshaarspinnerei Georg Wohlleben in der Mannheimer Straße 94 anmelden, denn ohne Karte war der Eintritt zu der exklusiven Veranstaltung nicht gestattet.

StAKH MS Sport

Franziska Blum-Gabelmann

9. Dezember

Die glorreiche Ära der SG Eintracht nahm ihren Anfang mit dem Aufstieg in die Fußball-Oberliga Südwest im Jahr 1950. Zum Entscheidungsspiel im Stadion Oberwerth waren die Fans mit zwei Sonderzügen nach Koblenz gefahren, wo die SGE gegen die Sportfreunde Herdorf mit 5:1 gewann. Rund 7000 Eintracht-Anhänger waren vor Begeisterung aus dem Häuschen Die siegreiche Elf wurde mit einem Triumphzug durch die Bad Kreuznacher Innenstadt gefeiert.

Den Grundstein für den großen Erfolg legte die Mannschaft mit der Meisterschaft in der Saison 1949/50 in der Landesliga, Bezirk Rheinhessen. Demnach dürfte mit Blick auf das große Ziel und mit der Rückschau auf einen guten Spielrundenverlauf die Stimmung bei der Nikolausfeier im Dezember 1949 prächtig gewesen sein.

Bei der Identifizierung eines Großteils der Festgemeinde war Heinz, „Heinerich“, Werkheiser, behilflich. Er machte 1950 im Alter 17 Jahren in der Oberliga-Saison bei Wormatia Worms sein erstens von insgesamt 187 Oberliga-Spielen. Mit Achim Melcher und Günter Rehbein bildete Werkheiser eine der besten Läuferreihen im Fußballsüdwesten.  An die Weihnachtsfeiern erinnert er sich gerne zurück. „Der Vorstand hat sich da immer sehr viel Mühe gegeben“. Auf dem Foto steht rechts neben „Bischof Nikolaus“, Heinrich Hingott, zu jener Zeit der Vorsitzende der SG Eintracht 1902 Bad Kreuznach.  In der vorderen Reihe sitzend von links die Spieler Heini Rockenbach, ?,  Adam Schmitt und Bruno Toffel.   Hinter Rockenbach stehen H. Fuchs (links) und Heinz Bauer. Links neben dem Nikolaus Valentin Mazza. Rechts hinter Hingott Roger Louvet, rechts daneben H. Gräff. In der zweiten Reihe stehen ganz links Alfred Heil, dann H. Kunz. Ganz hinten links Franz Josef Fischer. Der legendäre Trainer Jupp Rasselnberg ist mit Kopf in Höhe der Schulter des Nikolaus zu sehen.

Gefeiert wurde in den Lokalen von Adam Schmitt erst „Sportklause“ dann „Mühlentor“ und später in der Germania.

Das Foto überließ uns Claudia Reininger, Urenkelin von Heinrich Hingott.

StAKH NL Reininger

Hansjörg Rehbein

 

8. Dezember

Am 6. Dezember 1944 hat sich Fritz Senner (1921-2015) in einem Feldpostbrief einen Gang durch das vorweihnachtliche Kreuznach der Friedenszeit vergegenwärtigt. Der hatte ihn schließlich auch in die Kreuzstraße 44a geführt „zu Brenner, Hauptlieferant von Märklin-Eisenbahnen, wo man sich einen Katalog einkaufte“, und in die Mannheimer Straße 118 „zur Elektra, wo eine ganze elektrische Eisenbahnanlage im Fenster aufgebaut war, und alle Welt drückte sich an den Scheiben die Nase platt und wartete darauf, daß sie losfuhr!“

Das alle Jahre wiederkehrende Schauspiel gab dem kleinen Fritz einen Vorgeschmack auf einen der Höhepunkte der bevorstehenden Festtage. Dann wurde seine eigene „Märklin Spur 0“ – die preiswertere, mit Uhrwerk betriebene Ausführung – aus der „großen gelben Kiste“, in der sie übers Jahr geruht hatte, ausgepackt und in der guten Stube Raum für Schienen und rollendes Material geschaffen. Schon aus Platzgründen war die Bahn kein Spielzeug für den Alltag. Der Gedanke, die teure Anschaffung zu schonen, hat aber sicher auch eine Rolle gespielt. Immerhin kostete ein Personenzug, bestehend aus Dampflokomotive mit Tender, zwei Personen- und einem Gepäckwagen, 21 Reichsmark – was ziemlich genau dem monatlichen Schulgeld fürs Kreuznacher Gymnasium entsprach. Zubehör gab es damals nur wenig. Auf dem Bild sieht man einen Tunnel, ein Läutwerk, ein „Hauptsignal“ und natürlich einen Bahnhof. Alles weitere mußte die Phantasie besorgen. Auf dem äußeren Schienenkreis hält ein Personen-, auf dem inneren ein Güterzug; zu erkennen sind ein Bier- und ein „Planewagen“. Ein augenfälliger Hinweis auf Weihnachten fehlt auf dem Foto. Allerdings ist Fritz festtäglich gekleidet. Man hat ihn nämlich in den seit Kaisers Zeiten beliebten Matrosenanzug gesteckt.

Foto Privatbesitz

Dr. Martin Senner

7. Dezember

„Gute und billige Pfefferkuchen“ sowie „Schokoladen-Makronen“: Ausgewählte Plätzchenteige zur Adventszeit aus der handgeschriebenen Rezeptsammlung der Bad Kreuznacher Journalistin Margot Pottlitzer Strauß (1909-1988).

gute und billige Pfefferkuchen

3 Pfd. Honig od. Syrup, 4 Pfd. Weizenmehl, 150 g ausgewaschene Butter, 120 g gereinigte Pottasche in einer Tasse französischen Branntwein aufgelöst  ein Pfund geschälte und geschnittene Mandeln, 400 g Zucker, 70 g Nelken, 20 g Zimt, 125 g Zitronat, 100 g Pomeranzen. Der Honig wird gekocht, kochend in eine Schüssel gegossen, dann die Butter u. die Gewürze hinzugeben, zuletzt das Mehl, dann wird der Teig auf einem Brett festgeknetet, dann läßt man den Teig warm zugedeckt im warmen Zimmer 8-10 Tage stehen, rollt und sticht ihn aus.

Schokoladen-Makronen

¼ Pfd. Mandeln, ¾ Pfd. Zucker, 150 gr. Schokolade, 1 Teelöffel Cacao, 2 Eiweiß. Das Eiweiß zu steifem Schnee geschlagen, dann Mandeln, Zucker u. Chacau (Cacao) lade hinzu, in kleinen Häufchen auf Blech gelegt!

Die Jüdin Margot Strauß trat 1928 in die Redaktion des Öffentlichen Anzeigers ein und arbeitete dort bis 1933. Ihr Wunsch als Journalistin zu arbeiten wurde durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten verhindert, die ihre Entlassung forderten. Trotz Protest des Verlegers Harrach und des Redaktionsleiters Clar folgte die Entlassung. Sie wanderte nach Großbritannien aus, wo sie im Zweiten Weltkrieg interniert wurde. Margot Strauß arbeitete als Haus- und Büroangestellte. 1947 heiratete sie Max Pottlitzer. Ihr Nachlass wird im Haus der Stadtgeschichte aufbewahrt.

StAKH NL Pottlitzer-Strauß

Franziska Blum-Gabelmann

 

6. Dezember

Die Bleistiftskizze von dem bekannten Volkszeichner Jakob Thon (1884-1936) stammt aus seinem Nachlass. Sie zeigt den Gabenbringer „Knecht Ruprecht“, gekleidet in sein mit Pelz verbrämtes Gewand, versehen mit einer Rute, ausgestattet mit Spielsachen und einem Sack, der noch mehr Spielsachen oder aber Äpfel und Nüsse erwarten lässt. Wahrscheinlich handelt es um einen Entwurf für eine Werbeanzeige, möglicherweise für ein Geschäft das Spielwaren verkaufte. Das Motiv passt in die vorweihnachtliche Zeit. Leider konnte weder ermittelt werden ob der Entwurf umgesetzt wurde noch ob es einen Auftraggeber gab. 

 Die Ausführung von Thon, wahrscheinlich Mitte der 1920er Jahre, interpretiert das seit dem 19. Jahrhundert sehr beliebte Motiv des Knecht Ruprecht auf erfrischende Weise – der Gabenbringer erscheint fröhlich, blickt freundlich, ja gütig väterlich und die Rute, die am Gürtel steckt, scheint eher ein Relikt aus vergangenen Zeiten zu sein. In Thons Nachlass ist eine weitere Bleistiftzeichnung erhalten. Es handelt sich dabei um den Entwurf eines Wunschzettels um 1934, der „An das liebe Christkind im Spielwarenhaus Gustav Brenner Kreuzstraße 44 a“ gerichtet ist. Einseitig  eingerahmt mit Zeichnungen von allerlei Spielsachen, Dinge wovon Jungen und Mädchen sicher träumten, ist der Wunschzettel aufwendig und detailreich gestaltet. Vorne weg marschiert, nur unwesentlich größer ausgeführt Knecht Ruprecht. Er wirkt, ausgestattet mit Sack, Reisetasche und Laterne schon fast profan – wie eine sinnentleerte Werbeikone und nicht wie ein Gabenbringer, der im Weihnachtsbrauchtum seinen festen Platz hat. Geschickter Weise konnte das Kind seinen Namen, seine Adresse und jede Menge Wünsche auf den Zettel eintragen – letztlich ein geschickter Werbeeinfall.

 Jacob Thon gründete nach dem Konkurs seiner Firma im Jahr 1923, er handelte mit Getreide, das Reklame-Atelier Thon, das zu seinem Haupterwerb avancierte. Der künstlerisch begabte Sohn eines Gastwirts und Küfers machte sich schnell einen Namen mit Werbezeichnungen, Grafiken, Kinoreklamen, Dekorationsentwürfen, Karikaturen, illustrierten Geschichtchen, Gemälden und Postkarten, insbesondere mit seinen Jahrmarktspostkarten, die sich bis heute aufgrund ihrer volkstümlichen Darstellungen mit erkennbar lokalen Anklängen großer Beliebtheit erfreuen.

StAKH NL Thon

Franziska Blum-Gabelmann

 

5. Dezember

Ein mit typischen „Liebesgaben“ wie Schals, Socken, Zigarren und Zigaretten bestückter Weihnachtstisch; Aufmerksamkeiten an die Soldaten, die das Weihnachtsfest im Feld verbringen mussten. Darauf stehend ein geschmückter und mit Kerzenlicht hell erleuchteter Weihnachtsbaum. Die Feldpostkarte, die aus dem ersten Weltkrieg stammt, versehen mit dem Aufdruck „Herzliche Weihnachtsgrüße“ vermittelt dem Betrachter eine wehmütige und durchaus nachdenkliche Stimmung. Die Karte zeigt Soldaten die offensichtlich lieber zuhause wären – ihr Sehnsuchtsort am Heiligen Abend. Ein leerer Stuhl, eine stumme Mandoline – wer singt „Stille Nacht – Heilige Nacht? Abgeschickt wurde die Feldpostkarte von Pionier Peter Dämling am 21.12.1915 an Jettchen (Henriette) Grill (1888-1950) nach Hundheim. Er schreibt: „Die besten Grüße zu Weihnachten sendet euch Peter. Bei mir geht es noch gut was ich auch von Euch hoffe. Es grüßt euch alle Herzlich Peter.“  Liebesgaben waren Hilfsgütersendungen. Päckchen in unterschiedlicher Größe, die von der Bevölkerung an die Front oder in Lazarette geschickt wurden. Die Paketsendungen enthielten Kleidung wie selbstgestrickte Schals, Ohr- und Pulswärmer oder Strümpfe, Lebens- und Genussmittel und Hygieneartikel wie Seife oder Bücher. In der Kreuznacher Presse wurde die Bevölkerung mit Beginn des Krieges häufig dazu aufgefordert Liebesgaben an den entsprechenden Sammelstellen des Roten Kreuzes in der Stadt abzugeben.

StAKH NL Satwat

Franziska Blum-Gabelmann

4. Dezember

Mitten in Kreuznach um 1914. Kinder und Jugendliche sind beim Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Mühlenteich zu sehen, umrahmt von Sträuchern und Bäumen, die dick mit Raureif bedeckt sind. Im Vordergrund das Kreuznacher Wahrzeichen, die alte Nahebrücke mit Brückenhäusern. In leichten Nebel getaucht, verströmt das s/w-Foto von Nelli Schmithals eine weihnachtlich anmutende Atmosphäre – geradezu ein Postkartenmotiv! Johanna Amalie Cornelia Emilie Schmithals (1880-1975), die kurz Nelli genannt wurde, machte als Autodidaktin und erste Frau in Kreuznach die Fotografie zu ihrem Beruf, ohne je ein eigenes Fotoatelier zu unterhalten. Sie fotografierte ihre Heimatstadt und deren unmittelbare Umgebung. Landschaften, Waldinnenansichten, Felsformationen, Gebäude und Gebäudeteile erregten ihre Aufmerksamkeit. Menschen waren nicht das bevorzugte Motiv der alleinstehenden Frau, trotzdem sich einige Portraitaufnahmen in ihrem Nachlass erhalten haben. In ihrer Tätigkeit als freie Fotografin übernahm sie Auftragsarbeiten für diverse Bildungsinstitutionen wie z.B. die Universität Frankfurt, das Heimatmuseum in Kreuznach oder Einrichtungen wie die Diakonie in Kreuznach. In sieben Mappen veröffentlichte sie u.a. „Bilder von Alt-Kreuznach“. Für die Stadtgeschichte stellen ihre Fotos eine bedeutende historische Quelle dar. Sie zeigen u.a., wie deutsche Truppen auf ihrem Rückzug von der Westfront 1918 Kreuznach passieren.

StAKH NL Gamp 2008-0212

Franziska Blum-Gabelmann

 

3. Dezember

„Liebe Liesel aus Polen wünscht Dir ein glückliches Frohes-Weihnachtsfest L. Erwin Geist“. Abgeschickt wurde die Karte nach Beginn des Zweiten Weltkrieges am 18.12.1939 in Rzeszów, eine Stadt, die im Südosten Polens gelegen ist. Kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 wurde Rzeszów am 10. September von der Wehrmacht eingenommen. Unter deutscher Besatzung trug sie den Namen Reichshof. Empfängerin der farbenfrohen Postkarte die zudem in Polen gedruckt worden war, war Liesel (Elisabeth) Schappert aus Meisenheim. Die Motivwahl des Absenders steht im krassen Gegensatz zu dem Kriegsgeschehen und spiegelt vielleicht die geheimen Wünsche des Absenders nach Frieden und Freiheit, unbekümmerte Freizeitgestaltung mit Freunden beim Skifahren an einem sonnigen Tag in den Bergen bei optimalen Schneeverhältnissen.

StAKH NL Satwat

Franziska Blum-Gabelmann

2. Dezember

Die Kreuznacher Kinderheilanstalt Victoriastift beherbergte im November 1920 fast 300 Kinder, die dort aufgrund von Mangel- oder Unterernährung wegen „Skrofulose und Bleichsucht“ behandelt wurden. Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges und der alliierten Rheinlandbesetzung waren auch in Kreuznach zu spüren. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln war sehr angespannt, insbesondere für die vom städtischen Wohlfahrtsamt unterstützten Familien. Ab dem 1.1.1920, die Kurstadt lag in der von den Franzosen besetzen Zone, unterstützte die französische Besatzungsbehörde und stellte Überschüsse aus den Militärküchen zur Verfügung, die von der Volksküche abgeholt und an Arme verteilt wurden. Im Juni 1920 war es in der Stadt sogar zu Lebensmittelunruhen gekommen, die sich an überhöhten Preisen auf dem Wochenmarkt entzündet hatten. Nun im November, den Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest gerichtet und unter weiterhin angespannter Lebensmittelversorgungslage, wandten sich die Vertreter des Victoriastiftes mit diesem Anschreiben an Freunde und Unterstützer der Heilanstalt und baten um Spenden, damit die unter ihrer Obhut stehenden Kinder kleine Geschenke zu Weihnachten erhalten konnten. Auf diesem Weg kam es in den Besitz des ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt Rudolf Kirschstein (1862-1932), in dessen Nachlass das Schreiben erhalten blieb. Um Spenden baten 1920 auch andere Institutionen wie z.B. die Brüder von St. Marienwörth, die für die „zahlreich in ihrem Hause untergebrachten Kinder“ um Gaben warben. Die Stadtverwaltung bewilligte, wie schon in vorangegangenen Jahren Geldmittel, 1000 Mark, die nach „Kopfzahl“ an die ortsansässigen Kinderanstalten, „die Waisenhäuser, das Cecilienheim und Elisabethenstift verteilt wurden“. Das Lebensmittelamt steuerte noch 4 Zentner Nüsse zur Weihnachtsbescherung bei.

Franziska Blum-Gabelmann

StAKH NL Kirschstein

 

 

1. Dezember

Das Haus der Stadtgeschichte/Stadtarchiv Bad Kreuznach hat aus seinen Beständen einen Adventskalender mit historischen Motiven zum Thema Advent und Weihnachten zusammengestellt. Entdecken Sie Stadtgeschichte im Advent zu den Themen Advent, Nikolaus und Weihnachten.

„Die ganze Familie Wallauer“ sendet am 20.12.1914 „Weihnachts-Grüsse aus der Deutschen Heimat“ an „Ferdinand Metz 3. Landsturm Comp. Longlier-Neufchâteau Belgien über Trier“, der sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges sicher über eine Nachricht aus Kreuznach gefreut hat, auch wenn der Text die Besorgnis des Verfassers und die Ungewissheit der Zukunft mit einschießt. „Lieber Ferdinand die besten Grüße zum Weihnachtsfeste. Deine Karte haben wir erhalten. Bei uns geht alles noch immer gut. Nur der arme Willi - etwas ist nicht in Ordnung. Sonst schrieb er jeden Tag oft 2-3 Karten u jetzt, seit 14 Tagen nicht. Freitag wurde seine Löhnung vom Reg. hierhergeschickt. Da sind Martin u. Dina in großer Sorge um ihn. Aber doch hoffen wir noch das Beste für ihn.“ Mit dem Kauf dieser Rote-Kreuz-Karte, wurde die Ortsgruppe des Roten Kreuzes in Kreuznach unterstützt, deren Geschäftsstelle sich 1914 im Landratsamt befand. Das Rote-Kreuz unterhielt mehrere Sammelstellen in der Stadt, darunter in der Volksschule Mainzer Straße. Dort konnten Patrioten die Rote-Kreuz-Postkarte käuflich erwerben, die von Thea Schneider und dem Berufsschullehrer Paul Nobis (1887-1966) gestaltet worden war. Der Lithograph und Steindrucker Egidius Scheid hatte sie zum Selbstkostenpreis ausgeführt.

StAKH 4.51-Pk-01297

Franziska Blum-Gabelmann