Haus der Stadtgeschichte

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Ein Exemplar der Biografie dem HaUS DER sTADTGESCHICHTE GESCHENKT

„Wir haben immer alles aus Liebe getan“ – die Lebensgeschichte des Hans Zacher


Hans Zacher muss das Bett hüten. Seit seiner Bandscheiben-OP vor 18 Jahren ist er querschnittsgelähmt. Dennoch lässt er sich nicht unterkriegen. Bis vor kurzem war er noch regelmäßig mit seinem Elektromobil in der Stadt unterwegs. „Opa Hans ist ein Mensch, der trotz zahlreicher Schicksalsschläge nie den Mut und die Freude am Leben verloren hat“, schätzt ihn sein Enkel Jan als den „gutmütigsten und großzügigsten Menschen, den ich kenne.“

Auf 128 Seiten beschreibt Magdic das bewegte Leben Hans Zachers: Die Kindheit als Sohn des Installateurs Johann Peter Zacher senior, mit seinen Brüdern Jakob (Köbes) und Paul, den frühen Tod seiner Mutter Maria 1933, die zweite Ehe seines Vaters mit Maria Maino, Die verschiedenen Umzüge von Bad Münster, in die Engelgasse und letztlich in die Rossstraße. Sehr ausführlich schildert er die Geschehnisse in der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 (darüber wird gesondert berichtet).

Eine große Rolle im Leben von Hans Zacher spielt die Musik. Zu seiner Zeit gab es für ihn nur die Möglichkeit in der Heeresmusikschule in Frankfurt am Main zu studieren. Seinem Enkel erzählte er, wie aufgeregt er bei der Aufnahmeprüfung war: „Ich seh mich noch heute mit meinem Koffer und der Quetsch (Akkordeon) am Bahnhof in Frankfurt stehen.“  Zum Abschluss spielte er das damals sehr populäre Lied „das kann doch einen Seemann nicht erschüttern.“ Dabei liefen ihm vor Nervosität die Tränen die Wangen hinunter. Die Prüfer lachten herzlich. Bestanden und so bekam er im April 1942 seine formelle Einberufung. Die weiteren Kriegsjahre hat Zacher seinem Enkel sehr detailliert beschrieben, unter anderem den Arbeitseinsatz der Musikschüler im Konzentrationslager Nammen, das in der Nähe der Heeresmusikschule Bückeburg lag. Dort mussten sie Backsteine ohne Handschuhe abladen, bis die Hände anfingen zu bluten. Nach der Arbeit folgte das Musizieren. Den Geigern ist dabei das Blut aus den Fingern gelaufen. Mit den Häftlingen tauschte man Brot gegen Schweizer Zigaretten. Über die Grausamkeit der Lageraufseher ist Hans Zacher noch heute erschüttert. Die vielen Stationen seines Heimweges zum Kriegsende und die Gefangenschaften sind aufgelistet, eine Karte zeigt die Wegstrecke von 220 Kilometern bis nach Bad Kreuznach.

Über die Nachkriegszeit, die Gründung der Familie, die berufliche Neuorientierung der Familie Zacher, Familienepisoden, Anekdoten, traurige Anlässe und einiges mehr erzählen die weiteren Kapitel.  Priorität hat die Firma, von Jacob Zacher 1893 gegründet, die Zacher Senior und Junior viele Jahre gemeinsam führten. Im Alter von 40 Jahren legte Hans Zacher 1968 seine Meisterprüfung als Installateur ab, war ab 1983 Geschäftsführer und verkaufte die Firma 1994 an Geert Welten. Seiner Liebe zur Musik blieb er treu. Zacher gehörte zu den Mitbegründern des Kreuznacher Unterhaltungsorchesters. Wie bekannt und geschätzt sein Großvater ist, erlebte Jan Madgic bei den gemeinsamen Rundgängen auf dem Jahrmarkt. „Wir mussten ständig stehen bleiben, weil er von vielen Menschen wie ein alter Bekannter begrüßt wurde.“

Enkel Jan Magdic schließt sein Vorwort wie folgt. Du hast einmal gesagt: „Wir haben alles immer aus Liebe getan“. Endlich kann ich Dir aus Liebe etwas zurückgeben.“