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Wiebke Lehner (18) schrEibt für Corona-Tagebuch

„Happy Hour“ auf Skype – Wie Jugendliche mit dem Lockdown umgingen


Was den größten Einschnitt in den Alltag darstellte, war das fast komplette Ausbleiben der zwischenmenschlichen Begegnungen und sozialen Kontakten.

Verschiedene Hobbies und Vereine die auf Eis gelegt werden, lange im Voraus geplante Geburtstagspartys und Familienfeiern einfach ausfallen lassen, in der vermeintlich „aufregendsten Zeit seines Lebens“ nur mit Eltern und Familie zu Hause bleiben müssen – so haben sich Jugendliche wohl nicht das Jahr 2020 vorgestellt. Das gemütliche Zusammentreffen in Bars, Restaurants und Cafés und natürlich auch das gemeinsame Feiern, Tanzen gehen und Clubs unsicher machen, all dies war in den letzten 4 Monaten nicht mehr möglich.

Da blieb also nichts anderes übrig, als kreativ zu werden: Cocktail-Abende via FaceTime, zusammen auf Internetportalen den gleichen Film schauen und live kommentieren, als auch das Wiederaufleben von Quiz-Duell waren einige der vielen Ansätze, wie die Jugend in den letzten Monaten versuchte, ihre sozialen Kontakte über das Internet aufrechtzuerhalten.

Ein positiver Nebeneffekt der Corona-Krise war, dass einem nun unglaublich viel freie Zeit zur Verfügung stand, die es zu nutzen galt. Einige nutzen diese Zeit um versäumten Schlaf von bis zu 12 Schuljahren nachzuholen und den eigenen Biorhythmus komplett auf den Kopf zu stellen, weil bis 4 Uhr morgens Netflix geschaut wurde. Andere wiederum nutzen die neugewonnene Freizeit, um Sprachen, Instrumente oder ein neues Hobby zu erlernen oder bei Sport-Challenges mitzumachen.

Außerdem brachte der Fernunterricht auch so einige Vorteile mit sich. Sich seinen Tages- und Wochenablauf persönlich zurechtzulegen und gerade das zu erledigen, was einen an diesem Tag interessiert, anstatt jeden Tag in die Schule zu gehen und mal wieder in irgendeinem gähnend langweiligen Unterricht zu sitzen, hat ein Großteil der Schüler sicher sehr genossen. Hausaufgaben lassen sich in Jogginghose auf der Terasse (unweit der Kaffeemaschine) oder im Garten sitzend, schon sehr viel entspannter erledigen.

Insgesamt ist es jedoch wichtig zur Kenntnis zu nehmen, dass auch Jugendliche – so entspannt sich „Corona-Ferien“ auch anhört – einem starken Stress ausgesetzt waren. Die Ungewissheit, die die letzten Wochen prägte, wird nun, da die Frage aufkommt, wie die Situation wohl nach den Sommerferien aussehen wird, nur stärker. Wie geht es für die Abschlussjahrgänge weiter? Wie sollen wir alle gleichzeitig oder gleichwertigen Unterricht erhalten unter Beachtung aller Vorgaben? Welche Auswirkungen hat eine Veränderung der finanziellen Situation in meiner Familie als auch in Deutschland für mich und meine Zukunft? – Es wird wohl eine Weile dauern bis auf all diese Fragen eine Antwort gefunden ist…

Gez. Wiebke Lehner (18), 16. Juli 2020