Haus der Stadtgeschichte

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Ebernburger Sängergemeinschaft - Brief aus dem  Corona-Koffer

Der Mond ist aufgegangen….


„Erster Januar 2020. Da wurden Pläne fürs neue Jahr gemacht… am Sonntag Palmarum wird unser Sohn konfirmiert werden … Sommerpläne wurden geschmiedet… wo wird der nächste Urlaub sein?

Ab März wurde alles anders. Die Corona-Pandemie hatte uns erreicht. Das Wort „Pandemie“ war den meisten fremd. Schulen wurden geschlossen, ebenso Kindergärten. Gottesdienste wurden verboten. Das hatte es in Deutschland noch nie gegeben; selbst in der Nazi-Diktatur waren die Kirchen offen.

Du darfst nicht mehr zum Gottesdienst in deine Kirche gehen, Gott loben, danken, bitten …. Wenn du Gottesdienst feiern willst, eine Predig hören willst, dann schalte am Sonntag-Vormittag den Fernseh-Gottesdienst ein.

Von der Evangelischen Kirche in Deutschland ging im März eine Idee aus. Vereine mit den Nachbarn täglich ein Abendsingen z.B.

„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen

 Am Himmel hell und klar

Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget

Der weiße Nebel wunderbar.

Sehr ihr den Mond dort stehen“ Er ist nur halb zu sehen

Und ist doch rund und schön! So sind wohl manche Sachen,

die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehen.“

Die Nachbarn wurden gefragt Mit den Bewohnern vom Burgblick 3,4,5 und 6 haben wir erstmals am Mittwoch, dem 18. März, zu neunt gesungen. Die Glocken der katholischen Kirche läuteten um 19 Uhr und wenn wir mit dem Singen und Beten endeten, läuteten die Glocken noch 20 bis 30 Sekunden… Zeit zum Hören, zum Stille sein…

Wir sangen jeden Abend, wir wurden mehr, Nachbarn kamen dazu. Ebenso weitere Lieder: „Kein schöner Land in dieser Zeit“, „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“, „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie dir und mir sich ausgeschmücket haben. Mach dir in deinem Geiste Raum, dass ich dir wird ein guter Baum und lass mich Wurzeln treiben. Verleihe, das zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanzen möge bleiben.“

Wir standen auf dem Balkon, auf der Haustreppe, auf dem Bürgersteig und mittenmang dabei Maja, die Katze. Immer drei Strophen, dann wurde ein Gebet gesprochen, ein Gedicht vorgetragen oder ein Gedanke vorgestellt.

„Gott, wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen. Zugleich sind wir uns nah und vertraut.

Wir halten zusammen, wenn wir auch fremd sind. Wir achten aufeinander, auch ohne uns die Hände zu reichen. Wir können lachen und doch trauern um die Kranken und Sterbenden. O ist im Schlimmen auch dein Segen. Hab Du Dank dafür, Gott“

Gemeinsam beteten wir das Vaterunser, und jeden Abend endeten wir mit „So legt euch Schwestern, Brüder in Gottes Namen nieder, kalt ist der Abendhauch. Verschon uns Gott mit Strafen und lass uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbarn auch.“

Karfreitag kam, Ostern kam: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Die Kirchen blieben geschlossen. Nicht abgesagt das Gebet. Das Flüstern mit Gott: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name….

Leandra, 13 Jahre jung, spielte die Melodien auf der Querflöte und halb uns damit beim Singen Herzlichen Dank!

Geburtstage wurden gefeiert. Vier von uns wurden ein Jahr älter: „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen. Gesundheit und Frohsinn sei auch mit dabei!“

Nun kam Pfingsten. Der Geburtstag der Kirche. Einige Kirchen öffneten, längst nicht alle. Mundschutz musste angelegt werden. Zehn Quadratmeter, dann waren gerade mal acht Besucher zugelassen, und Singen war nicht erlaubt (wegen Corona). Aber wir sangen weiter: Eines unserer Lieblingslieder kommt aus Irland. Da heißt es in der 3. Strophe:

„Hab unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich Brot; seit über vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt: du bist schon tot. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gotte dich fest in seiner Hand; und bis wir uns wiedersehen: Friede über dich und unser Land.“

Töchter, Enkel, die die Großeltern besuchten, und Freunde sangen abends mit. Zeitweise waren wir 20 auf Balkon, Vorgärten und Bürgersteigen. Und dazu Lilli: „Es ist so schön jeden Abend!“

Vom 15. März bis 5. Juli haben wir fünfzehneinhalb Wochen gesungen. 3 Tage fielen wegen Regen aus. So kommen 107 Tage zusammen.

Herzlichen Dank allen, die mitgesungen und gebetet haben. Danke für euer Lachen, eure Ideen und eure Kreativität.

Wir hören Dirks Bitte: „Bleibt virenfrei und behütet“

Und bis wir uns wiedersehen, „halte Gott dich fest in seiner Hand. Fried über dich und unser Land“

Gez. K.D. Härtel, Pfarrer i.R., 5. August 2020