Haus der Stadtgeschichte

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Marita Peil schreibt für das  Corona-tAGEBUCH

Bleib mir vom Leib! Aggression und Hysterie in Corona-Zeiten


Es mag wohl sein, dass sich viele Menschen während der Corona-Pandemie Anderer hilfreich annehmen. Doch es gibt auch etliche Zeitgenossen, deren Aggressionspegel gewaltig gestiegen ist. Besichtigen kann man das u.a. morgens beim Sport im Salinental.

Das ist einmal das ältliche Paar, das jeweils sonntags am Uferweg joggt. Beide hübsch nebeneinander. Sie sausen am Gradierwerk 5 um die Ecke, und – o Schreck! – da kommen ihnen zwei, drei Ausflügler entgegen. Kein Zweifel, das müssen Corona-Infizierte sein! Sofort läuft der Mann vor die Frau. Er streckt seinen Arm mit der zornig geballten Faust abwehrend gegen die ahnungslosen Leute aus und herrscht sie an: „Hauen Sie ab! Gehen Sie sofort aus dem Weg!“ Die Blondbezopfte kreischt hysterisch: „Lassen Sie uns am Leben!“

Erschrocken bleiben die Spaziergänger stehen. Ratlos. Dann schütteln sie den Kopf. Lachen. Es wird auch schon mal der Vogel gezeigt.

Oder: Eine alte Frau walkt verkniffenen Gesichts mit ihren Nordic-Walkingstöcken auf dem schmalen Fußgängerweg, wo sich einmal die Kleingärten befanden. Kommt ihr jemand entgegen, lässt sie sofort den Stock über den Weg hinausfahren und drängt die Person ohne Rücksicht auf Verluste gegen das Holzgeländer zum Triebwerkgraben. Die unmissverständliche Botschaft: Bleib mir bloß vom Leib!

Vor ein paar Tage unterhalte ich mich, ebenfalls im Salinental, mit einer Bekannten. Wir stehen auf der Wiese am Wegrand. Plötzlich schnauft ein schwergewichtiger alter Mann mit ungesund ischämisch-blauem Gesicht daher. Als er uns sieht, brüllt er mit schleimiger Rallerstimmer: „“Verp… euch, ihr A….“ Obwohl es traurig ist, müssen wir lachen.

Meine Bekannte berichtet mir von einschlägigen Erfahrungen, die sie in Geschäften gemacht hat. Corona ist schlimm, aber Hysterie und Aggression sind nicht die Lösung!

Gez. Marita Peil , 6. Juli 2020