Haus der Stadtgeschichte

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Marita Peil schreibt für das Corona-Tagebuch

Trauriges Osterfest


Eintrag, 10. April 2020:

Heute habe wieder Kirchenaufsicht in St. Nikolaus, ein Amt, das ich sehr gerne ausübe, weil es einem Zeit und Ruhe zum Nachsinnen gibt. Doch heute geht es zu meinem Erstaunen trotz Corona recht turbulent zu. So kommen – freilich in Abständen – ziemlich viele Leute. Ich habe Desinfektionsspray mitgebracht, das nun zur Anwendung gelangt. Dann platziere ich die Leute auf Abstand in den Bänken. Das bedeutet: Alle vier Bänke eine Person oder ein Paar. Meine allmonatliche Kirchenführung muss noch immer ausfallen. Jammerschade!

Ich sitze auf der erhöhten "Puricellibank“ im südlichen Seitenschiff, um den Kirchenraum gut im Blick zu haben.

Ach Gott, morgen ist Ostermontag. Aber wie sieht es in der Kirche aus!

Die Flügel des Hochaltars sind noch fastenzeitlich geschlossen. Nicht eine einzige Blume schmückt Chorraum und Altar.

Das ewige Licht auf dem Tabernakel erlischt gerade. Ich geh in die Sakristei, hole ein neues und tausche es gegen das verbrauchte aus.

Morgen wird es wegen Corona keine Osternachtfeier und kein Osterhochamt in St. Nikolaus geben. Pastor Kneib wird den Gottesdienst unter Ausschluss aller Gläubigen in Heiigkreuz zelebrieren. Am nächsten Sonntag wird es auch keine Erstkommuniongottesdienste geben. Alles, auch die Familienfeiern, musste abgesagt werden. Die armen Erstkommunikanten tun mir richtig Leid! Sie hatten sich gewiss auf ihren Ehrentag gefreut.

Solche Ostern musste ich noch nie erleben!

Trauriger Ostersonntag ohne Auferstehungsfeier.

Trauriger Weißer Sonntag ohne Kommunionkinder.

Leere Kirchen. Keine österlichen Jubelgesänge. Keine Osterfreude.

Gott hasst diese Welt!?  

Marita Peil, 24. Mai 2020

Foto: Banner an der Heilig-Kreuz-Kirche. Foto: Maik Hoffmann