Haus der Stadtgeschichte

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Dieter Gronbach schreibt für das Corona-Tagebuch

Die Sehnsucht nach einem Haarschnitt


Die Schließung der Friseurläden für 6 Wochen während der Coranazeit sorgte für viel Unbehagen. Obwohl es viele wichtigere Gesundheitsfragen gab, wurde der morgendliche Blick in den Spiegel zum Stimmungstest, denn eine schlechte Frisur kann auch auf das Gemüt schlagen. Hier gilt das Motto: „Die Krise ist schon schlimm, aber die Krise und schlecht frisiert ist noch schlimmer!“

Frauen und Männer trugen während der „friseurlosen Zeit“ notgedrungen Frisuren, die von der Haarlänge an die 60 und 70er Jahre erinnerten: Locken sprießten, Ohren waren wieder bedeckt und das Nackenhaar wuchs und wuchs. Einige fürchteten schon eine Tendenz zur „Matte“ oder gar die Rückkehr zu „Vokuhila“ (vorne kurz, hinten lang) und ergriffen wagemutig Gegenmaßnahmen. Eigenversuche (oder auch Hilfestellungen des Partners/der Partnerin) mit Schere, Rasierer oder Langhaarschneider führten oft nicht zum gewünschten Erfolg, so auch bei Vizekanzler Olaf Scholz. Eine unsaubere Kante und ein „Loch“ in der seitlichen Haarbracht brachten ihn zu der Aussage: „ich habe mir selbst die Haare geschnitten und fürchte, man sieht es auch“.

Viele leidgeprüfte Frauen fragten sich beim Anblick der Spitzenpolitikerinnen und Fernsehmoderatorinnen jedoch, wie diese zu ihren gut sitzenden und gestylten Frisuren gekommen sind. Auch im Alltagsleben traf man immer wieder auf perfekt frisierte Personen, die einem lächelnd von ihren „frisurentechnischen Fähigkeiten“ oder denen ihrer Großmutter oder Tante erzählten. Gab es vielleicht doch einen Markt, der nicht für jeden offen war?

Wir groß war die Freude, als die Beschränkung fiel und ab 4. Mai wieder reguläre Besuche beim Friseur erlaubt waren!  Auch ich sicherte mir eine Reservierung und war bei meiner Stammfriseurin im Hofgut (der ich seit über 25 Jahren die Treue halte) einer der ersten Kunden nach der Öffnung. Gerne nahm ich auch die Auflagen hinsichtlich der Registrierung, Desinfektion, Maskenpflicht u.ä. hin, wobei eine Regelung bei einem Friseur/in besonders schwerfällt: die Kommunikation ist auf ein Minimum zu beschränken!!!

Dieter Gronbach, 30. Mai 2020