Haus der Stadtgeschichte

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Martia Peil schreibt für das Corona-tagebuch

Corona macht Trauerfeiern noch trauriger


Über ihre Gedanken und Gefühle bei einem Friedhofsbesuch am 28. April hat Marita Peil in ihrem Corona-Tagebuch geschrieben:

Gestern konnte ich auf dem Friedhof beobachten, wie Bestatter Bernd Geyer den Sarg einer knapp 100jährigen Dame für die Beisetzung vorbereitete (Foto). Er und sein Team trugen – von Berufs wegen – schwarze Gesichtsmasken. Die Särge dürfen seit Corona nicht mehr in dem dafür vorgesehenen Bereich unter der Trauerhalle geschmückt werden. Nein, so muss es im Freien geschehen. Ich finde das sehr traurig und würdelos, denn Jeder kann bei den Arbeiten zusehen.

Und es gibt gleich noch mehr Regeln, die für die Angehörigen der Verstorbenen sehr schlimm sind:

Die Urne mit der Totenasche darf bis auf Weiteres nicht beigesetzt werden. Weil man die Aschekapsel lagern kann. Erdbeisetzungen hingegen müssen innerhalb von zehn Tagen erfolgen. Zur Trauerfeier – im Außenbereich ! – dürfen neben dem Pastor oder Zelebranten nur ein oder zwei Angehörige erscheinen.

Also: Auch die alte Dame, deren Sarg Herr Geyer und sein Team gerade für den letzten Weg vorbereiten, wird keine Trauerfeier in der Kapelle erhalten, kein Orgelspiel zum Abschied. Dennoch Gottes Segen für die Ewigkeit, liebe Frau H. – Zuweilen ist es doch gut, wenn man für immer sagen kann: Time to say goodbye!“

Gez. Marita Peil, Juni 2020