Hochwasserkatastrophen

 

Die Nahe hat mit ihren Extremwasserständen und den immer wieder auftretenden, verheerenden Hochwässern seit Menschengedenken der Besiedlung im Raum Bad Kreuznach zugesetzt.

Der natürliche Flusslauf im Stadtgebiet breitete sich ursprünglich zwischen dem Fuß des Kauzenberges, der Nordseite der Magister-Faust-Gasse und der Roßstraße und Mühlenstraße aus. Dazwischen lag eine mehr oder weniger abgegrenzte Insel, auf der heute die Pauluskirche steht. Mit den Hochwässern hat sich die Lage des Flussbettes durch die Jahrhunderte immer wieder erheblich geändert. So ist belegt, dass in der Zeit des römischen Kastells ein Nahearm südlich, also im Bereich der Gensinger Straße verlief oder dass bis ins 17. Jahrhundert eine Wegeverbindung auf dem Nordufer zwischen der Klappergasse und dem Nachtigallenweg zum Sulzer Hof und der Theodorshalle unterhalb der Felswand gegenüber den heutigen Crucenia-Thermen verlief.

Mit Anlegen der Wehre für die Mühlen, einer verstärkten Nutzung des Badewörths und dort errichteter Ufermauern wurde der Weg öfter überflutet und aufgegeben. Eine der letzten heute noch erkennbaren Veränderungen des Flusslaufes entstand durch das Hochwasser 1809: die Oranieninsel, später Roseninsel genannt. 1901 wurde der Seitenarm der Nahe, der unmittelbar bis zur Priegerpromenade reichte, zugunsten der Parkanlage für die Rosenausstellung wieder verfüllt. Auch die Brücken über die Nahe, die Stadtbefestigungen sowie öffentliche und private Bauten, wurden immer wieder zerstört. Nicht zuletzt waren auch Menschenleben zu beklagen.

Die erste schriftliche Aufzeichnung über eine „große Wasserflut“ ist 1458 datiert. Seitdem sind etwa alle 20 bis 30 Jahre – außer während des 30-jährigen Krieges – die schweren Hochwässer verzeichnet. Nach 1666, einem der schweren Hochwässer, wurde am Pfeiler der Nahebrücke eine eiserne Hand als Pegel angebracht. 1757 wurde der Kirchhof bei der Pauluskirche verwüstet, 1709 versanken Haus und Apotheker der Schwanenapotheke in den Fluten.

Auch die Brücken über die Nahe wurden durch Hochwasser immer wieder in Mitleidenschaft gezogen. Der Vorgängerbau der Alten Nahebrücke, eine Holzkonstruktion, die unmittelbar unterhalb der heutigen Brücke stand, wurde sicherlich aus solch einem Grund durch die Steinbrücke ersetzt. Aber auch diese erforderte nach jedem Hochwasser hohe Kosten für Reparatur und Instandsetzung.

   

Auch die Salinenbrücke, ursprünglich ebenfalls eine Holzbrücke, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts beim Hochwasser durch hängengebliebenes Klafterholz, das für das Befeuern der Öfen der Sudhäuser von Theodorshalle und Karlshalle im Salinental gelagert war, weggerissen. Zu allem Übel setzten sich die Brückenhölzer dann noch vor der Alten Nahebrücke quer, was eine verheerende Überschwemmung der Altstadt zur Folge hatte.

Die bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Stadtmauern und Grabenanlagen boten hier zunächst bei niederen Hochwässern noch einen gewissen Schutz. Nach dem Abbruch der Mauern und dem Verfüllen der Gräben gab es dann 1844 und 1882 wieder schlimme Überschwemmungen bis über die Kreuzstraße hinaus. Die ersten Messungen der Hochwässer liegen seit dem Hochwasser im Januar 1918 vor. Damals führte die Nahe 1.100 m³/s Wasser. Nach dem Abfließen wurde eine Karte erstellt, in der die Ausdehnung des Hochwassers erfasst wurde. Diese war identisch mit der vom Dezember 1993.

Angesichts der immensen Schäden, die das 1918er Hochwasser angerichtet hatte, wurde vom Preußischen Kulturbauamt in Koblenz die Planung von Hochwasserschutzmaßnahme an der Nahe, vor allem aber im Stadtgebiet von Bad Kreuznach, vorangetrieben.

1932 lag der sog. Paulus-Plan in zwei Varianten vor:

Die erste Variante sah den Nahebett-Ausbau für maximal 750 m³/s vor und sollte nach heutigem Wert ca. 50 Millionen € kosten.
Die zweite Variante ging von einer Ufer-Erhöhung für maximal 800 m³/s aus und sollte 46 Millionen € kosten.
Diese immensen Kosten ließen damals die Realisierung in weite Ferne rücken.
Nach den Hochwässern

  • 1952 mit 750 m³/s,
  • 1965 mit 730 m³/s und
  • 1981 mit 950 m³/s

war dann das Hochwasser im Dezember 1993 mit 1.098 m³/s und dann noch einmal im Januar 1995 mit 991 m³/s mit verheerenden Schäden nun doch Anlass für das Land Rheinland-Pfalz, den Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Nahe anzugehen.



 
 
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