OB Kaster-Meurer und Beigeordneter Bausch ehrten treue Wochenmarktbeschicker

Foto: Gertrud Winter zeigt der Oberbürgermeisterin und dem Beigeordneten Fotos und Zeitungsausschnitte über ihre Arbeit und dem  Leben auf dem Bad Kreuznacher Wochenmarkt

Der Wochenmarkt gehört zu den pulsierenden Wahrzeichen von Bad Kreuznach. Seit Generationen schätzen die Kunden die persönliche Atmosphäre und die Gelegenheit zu einem Schwätzchen beim Einkauf der frischen Ware aus der Region. Auch die Beschicker kommen gerne, und eine ganze Reihe schon sehr lange, nach Bad Kreuznach. Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer und Beigeordneter Udo Bausch bedankten sich am Freitag bei den beiden ältesten Wochenmarktfrauen, Brigitte Delaveaux und Gertrud Walter (beide 83 Jahre alt) mit Blumen und einem Weinpräsent. Blumen und eine Urkunde gab es auch für  Reza Shams, der seit 25 Jahren mit seinem Wagen auf dem Wochenmarkt steht. Kunden und Händler sind „wie eine Familie“, so Shams zum Erfolgsrezept des Bad Kreuznacher Wochenmarktes. Mit der Ehrung setzt die Stadt einen Wunsch des Ausschuss für Messen und Märkte um. Beim Rundgang am Freitag gab es auch Dankesworte von einigen Ausschussmitgliedern.   

 

Die treuen Seelen des Bad Kreuznacher Wochenmarktes

„Der Wochenmarkt ist wochentags unser stärkster Motor in der Fußgängerzone“, findet Udo Bausch und lobt damit das beständige Engagement der Markttreibenden. Denn die haben es nicht immer leicht, und jetzt, wo der Umbau des Kornmarkts wieder einmal einen neuen Akzent in der Geschichte des Wochenmarkts setzt, ist Lob ein Grund mehr, weiterzumachen. 

Die Gesichter erzählen Lebensgeschichten: Als Brigitte Delaveaux mit 15 Jahren erstmals als Marktfräulein im Stand ihrer Eltern half, fuhr noch die Straßenbahn im Eingangsbereich der heutigen Fußgängerzone. 1953 wurde der Straßenbahnbetrieb eingestellt und wie so vieles, hat Brigitte Delaveaux nicht nur die bauliche Entwicklung von der Auto- zur Fußgängerzone erlebt, sondern zahlreiche Freunde und Standnachbarn auf dem Kornmarkt kommen und gehen gesehen. „Den Gärtner Vogt, das Ruthchen Pfeiffer aus Siefersheim oder den Milch Fessner“ – Frau Delaveaux kannte sie alle. Im Café Franzmann gingen die Händler ihren Kaffee trinken, das Café Kiefer war damals noch ebenerdig und selbst dienstags hatte man „auf dem Markt keinen Meter Platz“. Das sei heute merklich anders, doch der Mut hat sie nie verlassen: „Ich brauche die Menschen um mich herum“, sagt die Marktfrau, „das ist meine Lebensart!“ Mit 83 Jahren steht sie jeden Dienstag- und Freitagmorgen auf dem Kornmarkt, bei Wind und Wetter, trotzt der Kälte mit einem Gasheizstrahler und verkauft Obst, das in Heidesheim und Gau-Algesheim angebaut wird. Früher hatten die Eltern Landwirtschaft, heute holt die rüstige Marktfrau ihre Ware direkt beim Bauern. Je nach Saison hat sie Süßkirschen, Erdbeeren und Mirabellen im Angebot; „und immer wird nach Äpfeln gefragt, auch im Frühling, aber da gibt es keine Äpfel.“ Zur Weihnachtszeit hat sie auch ein paar Plätzchen im Angebot, die hat die Lebenspartnerin ihres Sohnes gebacken, „nach Omas Rezepten mit guter Butter.“ Manchmal verschenkt sie ein Päckchen an Kinder. Gegen kalte Füße hilft ihr ein Gasheizstrahler, aber wichtiger noch ist ihr, dass die Kartoffeln im Winter keinen Schaden nehmen: „Kartoffeln halten die Kälte nicht aus. Dann verhänge ich den Stand mit Tüchern.“  Apropos: Das Kopftuch hat sie immer auf, es gehört zu ihr wie der Stand auf dem Markt. „Der Markt ist mein Hobby, solange ich auf den Markt gehen kann, bleibe ich fit und gesund!“

Ein paar Stände entfernt breitet Gertrud Walter ihre Waren auf einem Holztisch aus. Auch sie trägt das typische Kopftuch. Die Bockenauerin hat selbstgeschnittenes Tannengrün, Weidenkätzchen und Körbe voller Walnüsse auf ihrem „Wägelche“ transportiert; mit dem Rollator ist sie frühmorgens in den Bus gestiegen und die weite Strecke zum Wochenmarkt nach Bad Kreuznach gefahren. „Normalerweise fährt mich die Enkelin, aber die hat Grippe“ berichtet die 83-Jährige von ihrem morgendlichen Erlebnis. Aufhalten lässt sich eine Marktfrau nicht! Als sie noch eine Jugendliche war und bei den Eltern, Bauersleut‘ aus Mandel, wohnte, fuhren sie ihre Waren mit dem Milchauto in die Stadt, eine Mitfahrgelegenheit auf den Milchflaschen inklusive. Mittags mussten die leeren Körbe wieder zurück an den Sammelpunkt in der Viktoriastraße. Dreimal hat sie im Laufe der Zeit die Kasse gestohlen bekommen, aber auch das war kein Grund, aufzugeben. „Solange der liebe Hergott will, dass ich hierher komme, komme ich“, sagt die rüstige Rentnerin, bis Weihnachten mal auf jeden Fall, dann warten zu Hause ja auch noch die 10 Enkel und drei Urenkel, bevor es im Frühling wieder losgeht, mit dem Markt. Übrigens, das beste Rezept gegen Kälte sei ein „Heizdeckche abends im Bett“, verrät Gertrud Walter, und: „man muss sich bewegen, sonst wird man steif!“

Vahid Reza Shams ist deutlich jünger als die beiden Damen und sein Stand ist deutlich anders. „Mediterrane Feinkost“ hat der gebürtige Iraner in der Auslage,  herzhafte Brotaufstriche, duftende Würzpasten, eingelegtes Gemüse und Meerestiere, würziger Schafskäse, Öle und – immer wieder gern gefragt – griechische Oliven.

Reza Shams kam 1985 nach Deutschland, auf abenteuerlichem Weg floh er vor Verfolgung nach dem Umsturz des Shahs aus dem Iran, zu Fuß durch Pakistan und von dort nach Indien, Singapur und schließlich nach Europa. Acht Monate war er mit seinem Bruder unterwegs, bis dieser  - es fehlte der Pass - in Thailand festgehalten wurde. Das Schicksal vieler flüchtender Menschen heute lässt ihn deshalb nicht kalt. In Deutschland angekommen machte sich Shams mit drei Kollegen 1991 selbständig, über einen iranischen Großhändler bestellten sie die Waren. „Wir waren fast die ersten, die so etwas Exotisches in Deutschland anbieten wollten“, erinnert er sich. Irgendwann trennten sich die Wege der drei, im Jahre 2000 wurde Shams deutscher Staatsbürger und fünf Jahre später stand er erstmals allein auf dem Kornmarkt. „War nicht einfach“, erinnert er sich. Aus dem Markt-Start-Up ist heute ein Familienbetrieb mit Sitz in Andernach geworden, von dort fährt Shams mit seinem Hänger Märkte in der Umgebung und jeden Dienstag und Freitag den Bad Kreuznacher Kornmarkt an. Was hat sich geändert, in 25 Jahren? „Früher haben die Leute noch mehr selbst produziert und der Markt war mehr besucht“, sagt Shams, der die Konkurrenz durch Supermärkte sehr wohl spürt. Und auch das Kaufverhalten sei anders geworden. „Im Trend ist Bio und organic Bio“, sagt der Fachmann, der seine Kunden zuverlässig bedient: „Ich achte auf den Anbau und die Qualität, zum Beispiel das kaltgepresste Olivenöl, das haben wir von Anfang an im Sortiment.“ Die Auszeichnung der Stadt freut ihn: „Ich finde gut, dass es so etwas gibt!“.

Marktmeister Markus Franz hält eine Anerkennung für die Marktbetreiber ebenfalls für längst überfällig. „Beim Jahrmarkt halten wir es schon seit Jahren so, warum nicht auch auf dem Kornmarkt?“ Weil aber früher die Standmiete bar beglichen wurde und es keine Aufzeichnungen darüber gibt, rechnet Franz damit, dass einige Marktbeschicker sich bei ihm melden werden. „Keine Sorge, wir werden jeden ehren“, sagt Franz. Die Ehrungszeiträume seien auf 25, 50, 75 und 100 Jahre Marktzugehörigkeit festgelegt worden. Nächstes Jahr wird es bereits drei Marketender geben, die 25jähriges auf dem Kornmarkt feiern. Und in drei Jahren ist die Gärtnerei Kassebaum 70 Jahre dabei. Das ist zwar kein Jubiläum, aber dennoch ein runder Geburtstag.


Foto: Gertrud Winter zeigt der Oberbürgermeisterin und dem Beigeordneten Fotos und Zeitungsausschnitte über ihre Arbeit und dem  Leben auf dem Bad Kreuznacher Wochenmarkt


Marktdezernent und Marktfrau: Udo Bausch bedankt sich bei Brigitte Delaveaux


Reza Shams ist mit seinen Waren seit 25 Jahren auf dem Wochenmarkt